Damals und heute: zwei Sonderermittler in unterschiedlichen Zeiten

Special Agent William DeFosset wird vom Leiter der Sicherheit im US-Außenministerium, Marvin Gentile, 1964 mit einem Preis ausgezeichnet.
Special Agent William DeFosset wird vom Leiter der Sicherheit im US-Außenministerium, Marvin Gentile, 1964 mit einem Preis ausgezeichnet.

WASHINGTON – (AD) – Dies ist die Geschichte von zwei Sonderermittlern des Diplomatischen Sicherheitsdienstes in sich ändernden Zeiten. Welten trennen sie: in Bezug auf die Zeit, in der sie leb(t)en, und die Erfahrungen, die sie gemacht haben. William DeFosset, der in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts als erster schwarzer Sonderermittler beim Sicherheitsbüro des US-Außenministeriums anfing, dem Vorläufer des Diplomatischen Sicherheitsdienstes (Diplomatic Security Service – DSS), sah sich in der Welt der Rassentrennung zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Heute treffen DSS-Ermittler wie Alston Richardson, die diese Laufbahn einschlagen, auf ein wesentlich integrierteres Arbeitsumfeld. Aber es ließe sich, wie Richardson anmerkt, noch manches verbessern, um durch Vielfalt am Arbeitsplatz mehr berufliche Chancen und Möglichkeiten für Führungsverantwortung zu schaffen.

Im Folgenden veröffentlichen wir Auszüge aus Interviews mit DeFosset und Richardson, die jeweils im Oktober 1991 und im Januar 2017 geführt wurden. DeFosset verstarb 1999; von 1963 bis 1980 war er für das Sicherheitsbüro des US-Außenministeriums tätig. Richardson arbeitet seit 2002 für den DSS und hat zurzeit die Stelle des Leiters des Verbindungsbüros für kriminalpolizeiliche Ermittlungen im Referat für kriminalpolizeiliche Ermittlungen (DSS Branch Chief, Criminal Investigative Liaison in the Criminal Investigations Division) inne.

Die Autorin, Barbara Gleason, ist in der Abteilung für diplomatische Sicherheit im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Special Agent William DeFossett (1920-1999)
Special Agent William DeFossett (1920-1999).

Der Jackie Robinson der diplomatischen Sicherheit

Damals (William DeFossett): „Als ersten schwarzer Ermittler könnte man mich wahrscheinlich als den Jackie Robinson der Sicherheit im US-Außenministerium bezeichnen. Als Präsident Kennedy 1961 sein Amt antrat, verfügte er, dass alle Ministerien seinen Wünschen zur Förderung der Vielfältigkeit der Belegschaft nachkommen sollten. Bis dahin hatte das US-Außenministerium ein rein weißes Sicherheitsteam, und so kam es, dass ich der erste schwarze Sonderermittler wurde.

Ich wurde unter anderem auch deshalb in Erwägung gezogen, weil ich Kriminalbeamter bei der New Yorker Polizei war, und das New York City Police Department (NYPD) neben anderen polizeilichen Aufgaben für die Besuche von wichtigen Persönlichkeiten in New York zuständig ist. 1961 oder Anfang 1962 erwähnte einer meiner Kollegen beim NYPD, dass das Außenministerium nach einem schwarzen Ermittler suche. Ich habe mich um die Stelle beworben. Insgesamt habe ich in meiner beruflichen Laufbahn viele positive Erfahrungen gemacht. Es gab mehr auf der Plus- als auf der Minusseite, würde ich sagen.“

Special Agent Alston Richardson
Special Agent Alston Richardson

Heute (Alston Richardson): „Ich habe mich am College für eine Laufbahn in der Strafverfolgung entschieden. Nach dem Erwerb meines Offizierspatents war ich etwa sieben Jahre lang Offizier und Blackhawk-Pilot bei der Army. Kurz bevor mein Vertrag auslief, habe ich mich bei den Bundesbehörden umgesehen. Die Diplomatische Sicherheit stand immer ganz oben auf meiner Liste, weil ich gerne reisen und im Ausland leben und arbeiten wollte. Ich habe mich bei der DS und anderen Organisationen beworben. Die DS rief zuerst an, aber auch, wenn das nicht so gewesen wäre, hatte ich mir immer gesagt: Falls die DS anruft, gehe ich zur Diplomatischen Sicherheit.

Ich kann Ihnen sagen, dass ich Herrn DeFosset und anderen Führungspersönlichkeiten aus der Zeit der Bürgerrechtsbewegung zutiefst zu Dank verpflichtet bin. Sie haben die Grundlagen dafür geschaffen, dass wir diese Laufbahn auf ganz andere Weise einschlagen konnten, als es noch bei Herrn DeFossets Einstellung der Fall war. Wenn Sie sich die Geschichte ansehen, so wurde er im Grunde als erster afroamerikanischer Ermittler eingestellt. Meine Erfahrung war eine ganz andere. Ich habe mich auf diese Stelle beworben und war der Auffassung, dass ich ein qualifizierter Kandidat unter vielen ebenso qualifizierten und unterschiedlichen Kandidaten war. Ich habe das Bewerbungsverfahren durchlaufen und hatte das Gefühl, vor allem aufgrund meiner Leistungen und Erfahrung angenommen worden zu sein. Aber ich sehe das, was Ermittler wie Herr DeFossett durchmachen mussten, um hierhin zu gelangen, nicht als selbstverständlich an.“

50 Jahre später – Einstellungen ändern sich, Herausforderungen bleiben

Damals (William DeFossett): „An meinem ersten Tag in der Außenstelle des Sicherheitsbüros des Außenministeriums in New York wurde ich von dem diensthabenden stellvertretenden Ermittler begrüßt, den ich schon von früheren Einsätzen mit dem NYPD kannte. Er nahm mich mit offenen Armen auf, wie die meisten anderen Ermittler auch. Sie luden mich zum Mittagessen ein und bereiteten mir einen sehr herzlichen Empfang.

In der Woche darauf sollte der Chef, der verantwortliche Ermittler, aus dem Urlaub zurückkehren, und ich sollte ihm vorgestellt werden. Man kann sagen, dass sich dieses Treffen etwas anders gestaltete als die mit den anderen Ermittlern, denn das erste, was der Chef sagte, war: ‚Dass du hier bist, war nicht meine Entscheidung. Ich ziehe irisch-katholische Ermittler von der Fordham University vor, und in diese Kategorie passt du nicht.’ Von diesem Tag an war es ein Kampf, und er hatte vielen Leuten gegenüber gesagt: ,Und wenn es das Letzte ist, was ich tue, ich werden diesen N***** loswerden.’ Und das versuchte er auch.

Bis zu seiner Pensionierung ging es mit meiner Karriere mal auf, mal ab, aber danach war es, als wäre eine Last von mir genommen worden.“ Ich konnte nicht anders als mich erleichtert fühlen. Die Dinge wurden viel besser. Wir hatten ausgezeichnete Beziehungen zu seinem Nachfolger und allen folgenden Vorgesetzten. Im Büro herrschte bald eine sehr professionelle, freundliche Atmosphäre.“

Heute (Alston Richardson): „Meine Erfahrungen als Afroamerikaner in der Diplomatischen Sicherheit waren durchweg positiv. Ich habe die unterschiedlichsten Freunde aus allen Bevölkerungsschichten und bin um die ganze Welt gereist. Meiner Meinung nach ist der schwierigste Teil für die meisten, überhaupt angenommen zu werden – die Konkurrenz im Bewerbungsverfahren ist groß. Aber ich sehe auch jetzt durchaus noch einige Einschränkungen in Bezug auf Beförderungen, Einsätze und Aufstiegschancen in die höchsten Dienstgrade des DSS. Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass unsere oberste Führungsebene hinsichtlich Frauen und Minderheiten nicht die Organisation als Ganzes widerspiegelt, und mir bereitet die Zahl der schwarzen Ermittlerinnen in der Organisation Sorge. Wenn wir aber einmal in die Organisation aufgenommen sind – von Ermittler zu Ermittler, die Arbeit an der Seite unserer Kolleginnen und Kollegen, die Chancen, in unterschiedlichen Ländern eingesetzt zu werden, unterschiedliche Kulturen kennenzulernen –, stehen diese Chancen meines Erachtens allen Ermittlern offen, auch mir.“

Bei der Arbeit – damals und heute

Damals: (William DeFossett): „[Bei der Arbeit im Ausland kam es vor, dass Kollegen aus afrikanischen Ländern] neugierig fragten, ob ich die gleichen Befugnisse habe wie ein weißer Ermittler. Ich sagte dann: ,Ja, wir haben die gleichen Ausweise. Wir haben die gleichen Befugnisse. Wir befolgen die gleichen Richtlinien und Verordnungen.’ In einigen Ländern wurden mir auch Fragen gestellt wie: ,Dürfen Sie einen Weißen festnehmen?’ Ich antwortete dann: ,Wenn er gegen das Gesetz verstößt, habe ich diese Befugnis.’ Sie sagten dann: ,Oh, das ist wunderbar’, denn in ihrem Land war es etwas anders.

[Zwischen etwa 1963 und 1965 war es fast, als wäre man] eine Berühmtheit. ,Hier kommt er. Er ist unser schwarzer Ermittler. Da ist er.’ Meinen ersten Besuch im Gebäude des US-Außenministeriums in Washington werde ich nie vergessen. Ich musste meinen Ausweis nicht vorzeigen, denn als ich aus dem Fahrstuhl trat, sagten sie schon: ,Oh, das ist er.’ Ich zeigte nirgends meinen Ausweis vor. Ich spazierte durch die Gebäude. Man sagte: ,Das ist DeFossett. Er ist aus New York. Er ist unser Schwarzer.’ Es war sehr lustig. Es war nett. Ich habe es genossen. Wir hatten viel Spaß.

Als schwarzer Ermittler auf der Straße gab es keine Probleme. Vielleicht sollte ich auch erwähnen, dass es für alle vor Ort ein Novum war, wenn ich auftauchte. Mit anderen Worten, wenn ich im Vorausteam zur Vorbereitung eines Besuches eingesetzt war, also vor dem VIP anreiste, um Vorkehrungen für dessen Anreise zu treffen, dann besuchte ich auch bestimmte, sehr exklusive Clubs hier in New York. Anders ausgedrückt, Menschen wie ich waren dort nicht Mitglied. Wenn ich mich also dem Club näherte, erregte ich Aufmerksamkeit, weil sie wussten, ich bin kein Mitglied, also kam der Sekretär oder der Schatzmeister oder wer auch immer runter und wollte wissen, was ich dort zu schaffen hatte. Ich zeigte ihm meinen Ausweis. Das änderte die Lage. Dann brachten sie dich rein und wollten dir den ganzen Club schenken.“

Heute (Alston Richardson): „Als US-Diplomat im Ausland wird man, sobald man sich als Vertreter der US Regierung zu erkennen gibt, mittlerweile unabhängig von der Hautfarbe genauso respektiert wie jeder andere Diplomat auch. Aber bis zu diesem Zeitpunkt bleibt, glaube ich, ein großer Teil des fest verwurzelten Rassismus, dem wir an einigen Orten begegnen, bestehen.

Meiner Erfahrung nach werden wir im Großen und Ganzen gleich behandelt. Das ist vielleicht nicht in jedem Land, in das wir reisen, der Fall. Ich war vor allem auf dem afrikanischen Kontinent tätig, sodass viele meiner Kollegen im Ausland, so meine ich, mit großem Respekt zu mir aufschauen. Sie kennen die Geschichte der Vereinigten Staaten, und dann einen Afroamerikaner in meiner Position zu sehen, der die US-Regierung im Ausland vertritt, finden sie doch ziemlich erstaunlich, und sie sind immer neugierig, wie ich dort hingelangt bin.

Ich bin mir sicher, dass es viele Türen geöffnet hat. Ich war mehrfach auf Abordnungen, bei denen meine Hautfarbe zunächst irritierend wirkte, es gab Bedenken – aber nie die Frage, ob meine Befugnisse sich von denen meiner Kollegen unterschieden –, aber sicherlich wurde ein Teil des Ballastes, den sie aus ihren Länder mitbrachten, auf mich übertragen. Als professioneller Ermittler und Diplomat tue ich mein Bestes, um dies im Umgang mit meinen ausländischen Kollegen zu überwinden.“

Handeln, um Führungschancen für die Zukunft zu schaffen

Heute: (Alston Richardson): „Beim DSS ist es wichtig, dass unsere Ermittler ein möglichst breites Spektrum repräsentieren, um die US-Regierung gut zu vertreten, wo auch immer wir sind, nicht nur, um die Vielfalt am Arbeitsplatz zu gewährleisten, sondern auch, um in den Strafverfolgungs- und Sicherheitsaufgaben des Bundes vertreten zu sein, die wir zu erfüllen haben. Ebenso wichtig ist es, im Hinblick auf das Thema Vielfalt nicht nur die Vergangenheit und die Gegenwart zu betrachten, sondern auch in die Zukunft zu blicken, nicht nur hier beim Diplomatischen Sicherheitsdienst, sondern im Außenministerium insgesamt.

Worte sind Worte, bis daraus Maßnahmen entstehen. Dennoch sind Worte wichtig. Über Vielfalt sollte man nicht nur reden, es sollte vielmehr im Sinne der Vielfalt gehandelt werden. Es ist wichtig, dass die Führungsebene einer Organisation Defizite erkennt und vernehmlich anspricht, aber ebenso, dass sie nachdrücklich auf das hinweist, was man gegen diese Defizite unternehmen kann. Und zwar nicht nur einmal im Jahr, sondern an jedem einzelnen Tag.

Nehmen Sie beispielsweise die Möglichkeit, Mentoren einzusetzen. Erfolgreiche Mitarbeiter einer Organisation sollten als Mentoren für jüngere, weniger erfahrene Mitarbeiter aus allen Bereichen fungieren – und es müssen echte, aktive Mentoren sein. Wenn wir Fortschritte dabei machen wollen, in Zukunft neue Mitarbeiter als echte und gute Vertreter dieser Organisation heranzuziehen, dann brauchen wir Mentoren, die ihnen die Werkzeuge an die Hand geben und den Erfahrungsschatz vermitteln, der sie zu echten Führungspersönlichkeiten dieser Organisationen werden lässt.

Wenn wir das nicht ernst nehmen, wenn wir das nicht energisch in Angriff nehmen, dann werden wir in zehn Jahren immer noch die gleichen Diskussionen über Vielfalt führen wie heute. Meines Erachtens sollten Organisationen einen Schritt zurücktreten und sich ansehen, wie diese Organisation verbessert werden könnten. Man sollte die Übernahme eines Mentorenamts als persönliche Investition in die Verbesserung einer Organisation sehen. Dazu ermutige ich auf allen Führungsebenen im DSS, aber auch in anderen Organisationen: als Mentoren Menschen zum Erfolg führen.

Originaltext: Then and Now: Two Diplomatic Security Special Agents in a Changing World