Der 50. Jahrestag der Berliner Luftbrücke

BERLIN – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Stellvertretende Verteidigungsminister John Hamre am 27. Juni 1998 aus Anlass des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke bei der Eröffnung des AlliiertenMuseums gehalten hat.

Diese Woche vor 50 Jahren, als Joseph Stalins Eiserner Vorhang um ein freies Berlin fiel, wurde das letzte Schlachtfeld eines Weltkriegs das erste Schlachtfeld des Kalten Kriegs.

In den frühen Tagen der Blockade sagte der Berliner Bürgermeister Ernst Reuter: „Völker der Welt, schaut auf Berlin.“

Die Welt schaute in der Tat auf Berlin. Und was sie sah, war nicht nur eine Stadt, sondern ein Symbol – ein Symbol der Entschlossenheit, ein Symbol des Widerstands und letztlich ein Symbol der Freiheit.

Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie die Berliner, die sich fast unüberwindbaren Schwierigkeiten gegenübersahen, Felder zu Rollbahnen machten und die Lebensmittel und das Feuer der Freiheit von einer Brücke in der Luft entluden.

Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie die Verpflichtung der Verbündeten zu einem freien Deutschland. Eine Verpflichtung, die durch den Motorenlärm ununterbrochener Flüge Realität wurde. Durch über 277.000 Flüge, mit denen mehr als 2,3 Millionen Tonnen Nahrungsmittel, Brennstoff und Medikamente geliefert wurden.

Die Feierlichkeiten in dieser Woche führen uns zurück zu dem historischen Augenblick, als einige der dunkelsten Tage der Freiheit zu den größten Triumphen der Freiheit gemacht wurden.

Dieses Museum ist für uns alle etwas Besonderes, aber für meine Generation ist es auf besondere Weise beeindruckend. Denn hier sehen wir Exponate von der Schlacht der Ideen, die unser Jahrhundert definierte. Wir sehen historische Relikte eines Kampfes, der unser Leben definierte.

Als wir Kinder waren, war der Motorenlärm der Berliner Luftbrücke gerade am Verebben. Während des langen Kampfes im Zwielicht zwischen Tyrannei und Freiheit, den Berlin verkörperte, wurden wir erwachsen.

Wir erinnern uns, dass wir Teenager waren, als Präsident Kennedy vor der Mauer stand und voller Vertrauen erklärte, daß er sich auf den Tag freue, „an dem alle die Freiheit haben und Ihre Stadt und Ihr Land wieder vereint sind, wenn Europa geeint ist und Bestandteil eines friedvollen und zu höchsten Hoffnungen berechtigten Erdteils ist“. Wir erinnern uns daran, daß Präsident Reagan sagte: „Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder.“

Der Tag, auf den Kennedy sich freute, ist jetzt vorüber. Die von Präsident Reagan geforderte Tat wurde Wirklichkeit. Die Hoffnungen aller freiheitsliebenden Menschen auf der Welt wurden erfüllt. Und wir stehen heute in diesem wunderschönen Museum, um den Triumph dieser Hoffnungen zu feiern und all denen zu danken, die diesen Tag möglich gemacht haben.

Heute schauen die Menschen auf der Welt immer noch auf Berlin nicht nur als eine Stadt. Die neue Hauptstadt eines vereinigten Deutschlands ist weiterhin ein Symbol der Freiheit. Und dieses Museum wird künftige Generationen daran erinnern, daß Freiheit niemals umsonst ist. Es wird Zeugnis für die Tatsache ablegen, daß der Geist der Freiheit die mächtigsten Mauern der Unterdrückung niederreißen kann.

Heute lebt dieser Geist fort, inspiriert und nährt das transatlantische Bündnis und verstärkt unsere Bemühungen, das Europa der Zukunft zu gestalten. Er ist lebendig während wir neue Brücken bauen und Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik die Hand der NATO-Mitgliedschaft reichen. Er ist lebendig in der Partnerschaft für Frieden und in unseren Bestrebungen, Grundlagen der Zusammenarbeit mit Ländern im Übergang – wie Rußland und der Ukraine – aufzubauen. Und er ist lebendig während wir gegen den Haß in Bosnien angehen und versuchen, eine Eskalation im Kosovo zu verhindern. In der Tat hilft uns der Geist von Berlin – der Geist der Freiheit – alte Trennlinien zu überwinden und ein neues Europa für ein neues Jahrhundert aufzubauen.

In diesem Museum gibt es viele Erinnerungen an diesen Geist. Eines der Symbole, das einen besonderen Platz in den Herzen der Amerikaner und aller Verbündeten hat, ist das Wachhaus, das einst der Checkpoint Charlie war – der letzte Kontrollpunkt auf der Straße vom Amerikanischen Sektor nach Ostberlin. „Sie verlassen jetzt den Amerikanischen Sektor“ stand auf dem Schild neben dem Kontrollpunkt. An anderen Übergängen der Alliierten las man: „Sie verlassen jetzt den Britischen Sektor“ oder „Sie verlassen jetzt den Französischen Sektor.

Jahrzehntelang symbolisierten der Checkpoint Charlie und andere alliierte Kontrollpunkte sowohl die letzte Verteidigung gegen Tyrannei als auch den Weg in die Freiheit. Der Checkpoint Charlie ist jetzt in diesem Museum zu sehen – seine Arbeit als Wachhaus ist getan.

Jetzt wollen wir uns zum Aufbau eines Europas verpflichten, in dem wir keine Checkpoint Charlies benötigen. Wir wollen uns zum Aufbau eines Europas verpflichten, in dem es keine Notwendigkeit für Betonmauern und Stacheldraht gibt, um die Menschen im Land und die Ideen herauszuhalten. Wir wollen uns zum Aufbau eines Europas verpflichten, das selbst der Weg zu Offenheit und Freiheit für die ganze Menschheit ist. Und wir wollen uns immer an Berlin als mächtigstes Symbol dieser Freiheit erinnern.