Abkommen bei der Weltklimakonferenz kann Wendepunkt sein

WASHINGTON – (AD) – Am 12. Dezember einigten sich 196 Staaten auf ein neues Klimaabkommen. Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung, die US-Präsident Barack Obama am selben Tag dazu abgab.

Bei meiner ersten Amtsantrittsrede habe ich dieses Land verpflichtet, sich unermüdlich für die Bekämpfung des Klimawandels und den Schutz dieses Planeten für zukünftige Generationen einzusetzen.

Vor zwei Wochen habe ich in Paris vor der gesamten Welt erklärt, dass wir ein starkes, weltweites Abkommen brauchen, um dieses Ziel zu erreichen, ein dauerhaftes Abkommen, das die Kohlenstoffbelastung senkt und die Welt auf den Weg in eine kohlenstoffarme Zukunft führt.

Vor einigen Stunden waren wir erfolgreich. Wir haben zusammengefunden und das überzeugende Abkommen beschlossen, das die Welt braucht. Wir sind der Sache gerecht geworden.

Ich danke Präsident Hollande und Generalsekretär Ban für ihre Führungsstärke und für die Ausrichtung eines so erfolgreichen Gipfels. Ich danke auch dem französischen Außenminister Laurent Fabius, der die Verhandlungen geduldig und entschlossen geführt hat. Besonders möchte ich meinem Außenminister John Kerry, meinem Berater Brian Deese, unserem Chefunterhändler Todd Stern und allen ihren Mitarbeitern für die herausragende Arbeit danken. Sie haben die Vereinigten Staaten mit Stolz erfüllt.

Ich danke auch den Menschen der fast 200 großen und kleinen, der Entwicklungs- und Industrieländer, für die Zusammenarbeit bei der Bewältigung einer Bedrohung, die Menschen aller Nationen betrifft. Gemeinsam haben wir gezeigt, was möglich ist, wenn die Welt zusammensteht.

Die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger können heute stolz sein, denn das historische Abkommen ist eine Hommage an die amerikanische Führungsstärke. In den letzten sieben Jahren sind die Vereinigten Staaten zu einem globalen Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel geworden. 2009 haben wir dazu beigetragen, den chaotischen Kopenhagener Gipfel zu retten und den Grundsatz aufgestellt, dass allen Länder bei der Bekämpfung des Klimawandels eine Rolle spielen. Dann gingen wir mit gutem Beispiel voran. Mit historischen Investitionen in wachsende Branchen wie Wind- und Solarenergie haben wir ein stetes Wachstum neuer Arbeitsplätze für die Mittelschicht geschaffen. Wir haben die ersten landesweiten Standards für die Begrenzung der Kohlendioxidemissionen aufgestellt, die unsere Kraftwerke in die Luft pumpen dürfen, die unser Kinder atmen. Von Alaska über die Golfküste bis zu den Great Plains haben wir uns mit kommunalen Partnern zusammengeschlossen, die ihre Kommunen dabei unterstützen, sich vor den unmittelbaren Folgen eines sich verändernden Klimas zu schützen.

Skeptiker warnten, diese Maßnahmen würden Arbeitsplätze vernichten. Stattdessen erleben wir die längste Phase ununterbrochener Arbeitsplatzschaffung durch den Privatsektor in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Wir haben unsere Wirtschaftsleistung auf ein Rekordhoch gesteigert und die Luftverschmutzung durch Kohlendioxid auf den niedrigsten Wert in beinahe 20 Jahren gesenkt. Durch unsere historische gemeinsame Erklärung mit China im vorigen Jahr haben wir gezeigt, dass es möglich ist, die alten Trennlinien zwischen Entwicklungs- und Industrieländern aufzuheben, die globale Fortschritte so lange verhindert haben. Dieser Erfolg hat Dutzende und Aberdutzende anderer Länder dazu ermutigt, eigene ehrgeizige Klimaziele aufzustellen. Das war die Grundlage für unseren Erfolg in Paris. Denn kein Land, auch nicht ein so mächtiges wie unseres, kann diese Herausforderung allein bewältigen. Und kein Land, unabhängig davon, wie klein es ist, kann tatenlos zusehen. Wir mussten alle zur Lösung beitragen.

Natürlich ist kein Abkommen perfekt, auch dieses nicht. Verhandlungen, an denen fast 200 Länder teilhaben, sind immer eine Herausforderung. Auch wenn alle ursprünglichen Ziele in Paris erfüllt wurden, befinden wir uns bei der Reduzierung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre erst auf dem halben Weg. Wir können uns also auf dem heute geschlossenen Abkommen nicht ausruhen. Mit dem Abkommen ist das Problem nicht gelöst. Aber täuschen Sie sich nicht: Das Abkommen von Paris stellt den dauerhaften Rahmen auf, den die Welt zur Bewältigung der Klimakrise benötigt. Es schafft den Mechanismus, die Architektur, damit wir dieses Problem effektiv angehen können.

Es ist ein ehrgeiziges Abkommen, in dem sich jedes Land eigene, spezifische Ziele setzt und dazu verpflichtet, diese zu erfüllen, wobei wir auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern berücksichtigt haben. Es wird eine starkes System der Transparenz geben, einschließlich regelmäßiger Überprüfungen und unabhängiger Bewertungen, damit jedes Land im Hinblick auf die Erfüllung der Verpflichtungen zur Rechenschaft gezogen werden kann. Mit der fortschreitenden technologischen Entwicklung kann das Abkommen bei Fortschritten auch den Weg für noch ehrgeizigere Ziele ebnen. Außerdem sind wir umfassendere Verpflichtungen zur Unterstützung der am stärksten betroffenen Länder eingegangen, um ihnen dabei zu helfen, sauberes Wirtschaftswachstum zu erzielen.

Kurz gefasst: Dieses Abkommen bedeutet weniger unsere Erde belastende Kohlendioxidemissionen und mehr durch kohlenstoffarme Investitionen geschaffene Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum. Die vollständige Umsetzung dieses Abkommens wird dazu beitragen, einige der schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verzögern oder zu verhindern, und es wird in den kommenden Jahren in aufeinander folgenden Phasen den Weg für weitere Fortschritte ebnen.

Zudem setzt dieses Abkommen ein starkes Zeichen, dass die Welt sich zu einer kohlenstoffarmen Zukunft bekennt. Damit wird das Potenzial für Neuerungen und Investitionen in saubere Energien geschaffen, und zwar in einem Ausmaß, wie wir es bisher noch nicht erlebt haben. Wir haben uns mutige Ziele gesteckt. Indem es die Zusammenarbeit von Unternehmen, Wissenschaftlern, Ingenieuren, Arbeitnehmern und Privatsektor – Investoren – erleichtert, ist dieses Abkommen die beste Chance, die wir je hatten, um die eine Erde zu retten, die wir haben.

Meines Erachtens kann dies also ein Wendepunkt für die Welt sein. Wir haben gezeigt, dass die Welt sowohl die Bereitschaft als auch die Fähigkeit hat, diese Herausforderung anzunehmen. Es wird nicht einfach sein. Die Fortschritte werden sich nicht schnell einstellen. Wir dürfen nicht selbstzufrieden sein. Unsere Generation wird vielleicht einige der Vorteile einer saubereren Energiewirtschaft, die Schaffung von Arbeitsplätzen oder die Einsparung finanzieller Mittel erleben, aber die vollständige Umsetzung unseres Erfolges werden wir womöglich nicht mehr erleben. Aber das ist in Ordnung. Was heute wichtig ist, ist unsere Zuversicht, dass dieser Planet für die nächste Generation in einem besseren Zustand sein wird. Das lag mir am Herzen. Ich stelle mir vor, wie ich mit meinen Enkeln, falls ich das Glück erleben darf, Enkel zu haben, irgendwann in den Park gehe, sie an der Hand halte, sie lachen höre und in dem Wissen den stillen Sonnenuntergang beobachte, dass unsere Arbeit heute eine andere, möglicherweise düstere Zukunft verhindert hat, dass unsere Arbeit hier und jetzt zukünftigen Generationen sauberere Luft, saubereres Wasser und einen nachhaltigeren Planeten gegeben hat. Was könnte wichtiger sein als das?

Dank starker, prinzipientreuer amerikanischer Führungsstärke heute wird das die Welt sein, die wir unseren Kindern hinterlassen: Eine Welt mit höherer Sicherheit, mehr Wohlstand und größerer Freiheit. Das ist in unserer kurzen Zeit hier auf dieser Erde unsere wichtigste Aufgabe.

Vielen Dank.

Originaltext: Statement by the President on the Paris Climate Agreement