Das ewige Licht: die Allgemeingültigkeit von Religions- und Glaubensfreiheit

Säulenhalle Apadana, Schnitzarbeit aus der Zeit der Archämeniden aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., persische und medische Soldaten in traditioneller Bekleidung

Vom 24. – 26. Juli 2018 findet im US-Außenministerium in Washington das erste Ministertreffen zum Thema Religionsfreiheit statt (#IRFMinisterial). Die Förderung und Verteidigung von Religionsfreiheit hat für die Regierung oberste Priorität. Außerdem soll intensiver darauf hingearbeitet werden, dass alle Menschen nach den Geboten ihres Gewissens leben können. An dem Ministertreffen werden Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen teilnehmen, unter anderem Außenminister, Vertreter internationaler Organisationen, Religionsführer und Vertreter der Zivilgesellschaft, um Herausforderungen zu erörtern und über konkrete Methoden zur Bekämpfung von religiöser Verfolgung und Diskriminierung zu besprechen sowie größeren Respekt vor der Religionsfreiheit aller zu fordern. Insgesamt werden bei dem größten Ministertreffen, das nicht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten steht, 80 Delegationen vertreten sein.

Dr. Sousan Abadian, die Verfasserin des nachfolgenden Artikels, ist im Büro für Religionsfreiheit in der Abteilung für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit im US-Außenministerium tätig.

Die Förderung und Verteidigung von Religionsfreiheit ist eine außenpolitische Priorität der Vereinigten Staaten. Obwohl Religionsfreiheit in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert ist, meinen einige Kritiker, sie sei ebenso wie das allgemeinere Verständnis von Menschenrechten ein Produkt des Westens, ein christlich-jüdisches Konstrukt, und daher nicht wirklich universell. Das trifft nicht zu. Zwar ist die Verankerung von Religionsfreiheit in allgemeinen Menschenrechtsdokumenten ein Hinweis auf ihre weltweite und aktuelle Relevanz, allerdings sagt uns die Wissenschaft auch, dass die Religions- oder Glaubensfreiheit in verschiedenen Kulturen uralte Wurzeln hat.

Vor Tausenden von Jahren machte Zarathustra (in der westlichen Welt auch als Prophet Zoroaster bekannt) die Wahlfreiheit – einschließlich der Freiheit, selbst über seine Religion und seinen Glauben zu entscheiden –, zu einem zentralen Element seiner religiösen Lehren. Seine Glaubenslehre soll das Fundament für mindestens zwei iranische Reiche gewesen sein und maßgeblichen und dauerhaften Einfluss auf jüdische, christliche und islamische Lehren gehabt haben. Kyros II. (Kurosch der Große) aus Persien befreite die Sklaven in den Nationen, die er besiegte, und stellte im Falle der Juden, die sich in babylonischer Gefangenschaft befanden, finanzielle Mittel für den Wiederaufbau ihres Tempels zur Verfügung – der vielleicht erste aufgezeichnete Fall einer „Wiederherstellung von kulturellem Erbe“.

Ewiges Licht im Feuertempel von Jasd in Iran.

Mehr als 2.500 Jahre vor der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte respektierte Kyros die spirituellen Traditionen der Babylonier und Ägypter und ermöglichte die Entfaltung von religiöser und kultureller Freiheit im Reich, das sich zu dieser Zeit von Osteuropa bis Zentralasien, Ägypten und dem Indus-Tal erstreckte. Die Erklärungen auf dem sogenannten Kyros-Zylinder – eine Kopie befindet sich im ersten Stock des Hauptsitzes der Vereinten Nationen – legen davon Zeugnis ab. Das Handeln der frühen achämenidischen Könige wie Kyros war beispielhaft für die Lehren von Zarathustra, zu denen die Achtung der Freiheit der Untertanen zählte, selbst über ihren Glauben zu entscheiden, ebenso wie das Verständnis von guter Herrschaft: dass Herrschaft, Autorität und Macht öffentliches Vertrauen darstellen und im Sinne der Fürsorge für die und zum Vorteil der Beherrschten ausgeübt werden sollten.

In der Geschichte gibt es weitere Beispiele für nicht-westliche Kulturen, die die Religions- oder Glaubensfreiheit betonten. Der Buddhist Ashoka, Erster König der indischen Dynastie der Maurya, regierte einige Jahrhunderte nach den Achämeniden über ein Gebiet, das sich vom Hindukusch in Afghanistan bis über Bangladesch erstreckte. Experten berichten, dass er Säulen im gesamten Reich mit Erlassen beschriften ließ, in denen die Unantastbarkeit dessen erklärt wurde, was wir heute vielleicht allgemein als „Menschenrechte“ bezeichnen würden. Er glaubte, dass Religionen einen gemeinsamen Wesenskern haben und ermutigte zu Toleranz und Verständnis unter den Religionen. Auch in Nord- und Südamerika findet man einige Ureinwohner wie die Anishinaabe, die ähnliche Werte hatten.

Die Unantastbarkeit der menschlichen Würde und Freiheit ist eine uralte und ehrwürdige Wertvorstellung, die im Laufe der Zeit in verschiedenen Kulturen immer wieder auf- und abtauchte, wobei das eine oder andere Volk die Fackel hochhielt und sie an ein anderes Volk weitergab, wenn es von den Kräften der Tyrannei überrollt wurde. Das ewige Licht wurde nie ausgelöscht. Obwohl viele im Westen die Fackel übernommen haben, sind Werte wie Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde keinesfalls ausschließlich westliche Werte. Sie sind das Geburtsrecht jedes menschlichen Wesens und ein Teil des kulturellen Vermächtnisses vieler auf der ganzen Welt.

Das Ministertreffen zur Förderung von Religionsfreiheit, zu dem US-Außenminister Pompeo vom 24. – 26. Juli im US-Außenministerium einlädt, wird die Allgemeingültigkeit dieser Prinzipien demonstrieren. Mit Vertretern von Regierungen, internationalen Organisationen, zivilgesellschaftlichen Gruppen und Religionsgemeinschaften aus aller Welt wird das Ministertreffen das internationale Bekenntnis zu dieser grundlegenden Freiheit bekräftigen und konkrete Möglichkeiten zur Bewältigung aktueller Herausforderungen aufzeigen.

Originaltext: The Eternal Flame: The Universality of Freedom of Religion or Belief