National African American History Month 2016

29. Januar 2016

Proklamation von US-Präsident Barack Obama

Amerikas Größe ist das Werk von Generationen mutiger Menschen, die angesichts unangenehmer Wahrheiten akzeptierten, dass die Arbeit an der Vervollkommnung unserer Nation nie getan ist und die danach strebten, die Freiheit auf alle Bürger auszuweiten. Viel zu lange blieben Afroamerikanern unsere grundlegenden Freiheiten verwehrt. Heute würdigen wir zahllose herzensgute Bürger, die sich – entlang der Underground Railroad, in einem Bus in Alabama und überall in unserem Land – erhoben oder eben sitzen blieben, um die Ungerechtigkeiten unserer Vergangenheit zu korrigieren und die Verheißung der Vereinigten Staaten allen Bürgern zugute kommen zu lassen. Während des National African American History Month würdigen wir diese Vorkämpfer für Gerechtigkeit und die Opfer, die sie erbringen mussten, damit wir heute hier stehen können. Wir würdigen den Beitrag, den Afroamerikaner seit den Anfängen unseres Landes geleistet haben. Wir bekräftigen unser Streben nach dem Tag, an dem alle Menschen nur nach ihrem Charakter beurteilt werden.

Vom Unabhängigkeitskrieg über die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei bis hin zu den Märschen von Selma nach Montgomery und den heutigen Vereinigten Staaten folgten Afroamerikaner stets dem Leitsatz, dass wir alle gleich geschaffen wurden, sogar als ihnen ihre Rechte verweigert wurden. Während wir über die Errungenschaften der Frauen und Männer jubeln, die an die Idee eines gerechten und fairen Amerikas glaubten, erinnern wir uns auch daran, dass die treibende Kraft unsers Erfolgs in der Geschichte unseres Landes stets mutige Menschen waren, die bereit waren, ihre Meinung zu sagen und den Status quo zu verändern.

Afroamerikaner, die sich weigerten, die Erbsünde unseres Volkes hinzunehmen, befreiten sich von den Fesseln der Sklaverei und gingen nach Norden, und viele andere, die wussten, dass Sklaverei im Widerspruch zu dem Verständnis unseres Landes von Menschrechten und Würde stand, kämpften darum, ihre moralische Vorstellung in die Realität umzusetzen. Als die Jim-Crow-Gesetze die Fortschritte der 13. Verfassungsänderung zunichte machten, mobilisierte das eine neue Generation von Männern und Frauen, die sich mit derselben Kraft des Glaubens organisierte, wie ihre versklavten Vorfahren es getan hatten. Noch heute wiederholen die jungen Menschen in unserem Land den Ruf nach Gleichheit und machen auf die Ungleichheiten aufmerksam, die unsere Gesellschaft nach wie vor belasten, und zwar auf eine Weise, die an die gewaltlose Strategie der Bürgerrechtsbewegung erinnert, aber in die heutige Zeit passt. Vergessen wir auch nicht diejenigen, die ihr Leben geopfert haben, damit wir uns Gehör verschaffen können, indem wir unser Wahlrecht ausüben. Selbst angesichts rechtlicher Herausforderungen sollte kein Wahlberechtigter unser Recht auf Mitgestaltung unserer Demokratie als Selbstverständlichkeit betrachten.

Wir sind unsere Ziel der universellen Gültigkeit unserer Ideale für alle Menschen sehr viel näher gekommen. Heute ist der Anteil der afroamerikanischen Highschool-Absolventen und College-Studenten so hoch wie nie zuvor. Die Arbeitslosenrate bei Afroamerikanern hat sich seit ihrem Höhepunkt während der Weltwirtschaftskrise halbiert. Über zwei Millionen Afroamerikaner sind dank dem Gesetz über bezahlbare Gesundheitsfürsorge (Affordable Care Act) jetzt krankenversichert. Die Zahl der inhaftierten afroamerikanischen Männer und Frauen ist in der Amtszeit dieser Regierung mit jedem Jahr gesunken und heute so niedrig wie seit über zwanzig Jahren nicht mehr. Dennoch gibt es weiterhin Herausforderungen und Hindernisse auf unserem Weg, das Land zu werden, das sich unsere Gründerväter vorgestellt haben, und wir würden all unseren Vorgängern einen schlechten Dienst erweisen, wenn wir weiter die Augen davor verschließen würden, wie die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit die Gegenwart prägen. In den Vereinigten Staaten leben fünf Prozent der Weltbevölkerung, aber 25 Prozent aller Häftlinge weltweit, von denen eine unverhältnismäßig hohe Zahl Afroamerikaner sind. Wir müssen daher unser Strafrecht reformieren und dafür sorgen, dass es gerechter und effektiver wird. Die Arbeitslosenzahlen sind zwar gesunken, aber gleichzeitig spüren viele, besonders vorwiegend schwarze Gemeinden, dass es große Lücken bei Bildungs- und Arbeitschancen gibt, sodass zu viele junge Männer und Frauen das Gefühl haben, dass sie ihre Träume nie werden verwirklichen können, so sehr sie sich auch anstrengen mögen.

Als Bürger ist es unsere Verantwortung, die anhaltende Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu thematisieren und die mit der Geburt erworbenen Freiheiten allen Menschen zu garantieren. Während wir den 40. National African American History Month begehen, sollten wir an den Beitrag und die Opfer denken, die Generationen von Afroamerikanern erbracht haben, und uns entschließen, unseren Marsch fortzusetzen, damit eines Tages alle Menschen die unveräußerlichen Rechte auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück ihr eigen nennen können.

AUF GRUND DESSEN ERKLÄRE ICH, BARACK OBAMA, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft des mir durch die Verfassung und die Gesetze der Vereinigten Staaten verliehenen Amtes, hiermit den Monat Februar des Jahres 2016 zum National African American History Month. Ich rufe Beamte, Lehrende, Bibliothekare und die Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten dazu auf, diesen Monat mit angemessenen Programmen, Feierlichkeiten und Veranstaltungen zu begehen.

ZU URKUND DESSEN setze ich an diesem neunundzwanzigsten Tag des Januars im Jahre des Herrn zweitausendsechzehn und im zweihundertvierzigsten Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten meine Unterschrift unter dieses Dokument.

BARACK OBAMA

Quelle: Amerika Dienst

Originaltext: National African American History Month 2016