Die Krise meistern, Chancen ergreifen: die amerikanische Führungsrolle in der globalen Klimapolitik

US-Außenminister Antony Blinken (Foto: US-Außenministerium)

Am 19. April 2021 erläuterte US-Außenminister Antony J. Blinken am Philip Merrill Environmental Center der Chesapeake Bay Foundation in Annapolis (Maryland), warum die Klimafrage in alle Bereiche der amerikanischen Außenpolitik eingebunden wird und die Vereinigten Staaten bei der Bekämpfung des Klimawandels weiter eine Führungsrolle übernehmen müssen.

Guten Tag allerseits. Vielen Dank für diese wunderbare Einführung, Will. Und herzlichen Dank, dass Sie uns diesen traumhaften Rahmen und diese spektakuläre Kulisse zur Verfügung stellen – es ist mit Abstand die beste, die ich in meiner kurzen Amtszeit als Außenminister bisher hatte. Ich danke auch der Chesapeake Bay Foundation für Ihr fortwährendes Engagement zur Rettung der Bucht.

Die Chesapeake Bay wurde vor fast 12.000 Jahren durch schmelzende Gletscher geformt. Heute erstreckt sie sich über 300 Kilometer und bietet mehr als 3.600 Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum. Über Hunderttausende Flüsse und Bäche fließen jeden Tag 1,9 Milliarden Hektoliter Wasser in die Bucht. Über 18 Millionen Menschen leben in ihrem Einzugsgebiet, und für viele ist sie die Lebensgrundlage. Allein die örtliche Fischereiwirtschaft stellt etwa 34.000 Arbeitsplätze und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von fast 900 Millionen US-Dollar.

Aber, wie Will bereits anmerkte, verändern die steigenden Temperaturen, verursacht durch menschliche Aktivität, die Bay. Ihr Wasserstand steigt. Und der Boden, auch hier, wo ich gerade stehe, senkt sich ab, weil die Gletscher, die die Bucht einst formten, schmelzen. Wenn es im derzeitigen Tempo weitergeht, wird sich die Bucht in nur 80 Jahren kilometerweit ins Land erstrecken, die Häuser von 30 Millionen Menschen überschwemmen und Straßen, Brücken und Farmen zerstören. Viele der Pflanzen und Tiere in der Bay werden aussterben. Das Gleiche gilt für die Fischerei. Meine Enkel werden die Landschaft nicht wiedererkennen.

Wir müssen diese Entwicklung aufhalten, solange es noch möglich ist.

Deshalb hat Präsident Biden unmittelbar nach seinem Amtsantritt unseren erneuten Beitritt zum Abkommen von Paris in die Wege geleitet und John Kerry zum ersten Sonderbeauftragten des Präsidenten für Klimafragen ernannt, der unsere Bestrebungen weltweit anführt. Aus dem gleichen Grund hat Präsident Biden für diese Woche 40 Staats- und Regierungschefs zu einem Klimagipfel nach Washington eingeladen.

Und das ist auch der Grund, weshalb die Regierung Biden-Harris noch mehr als jede andere in der Geschichte unseres Landes tun wird, um diese Krise zu bewältigen. Schon jetzt sind im ganzen Land behördenübergreifend alle hierfür im Einsatz. Unsere Zukunft hängt von den Entscheidungen ab, die wir heute treffen.

Als Außenminister ist es meine Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass unsere Außenpolitik den Interessen der Amerikanerinnen und Amerikaner Rechnung trägt, indem sie die größten Herausforderungen annimmt, denen die Bevölkerung sich gegenübersieht, und die größten Chancen nutzt, die eine Verbesserung für ihr Leben bewirken können. Nirgends sind die zwei Seiten dieser Medaille sichtbarer als in der Klimafrage.

Wenn die Vereinigten Staaten in der Klimakrise keine weltweite Führungsrolle übernehmen, wird von der Welt bald nicht mehr viel übrig sein. Wenn uns das aber gelingt, werden wir aus dieser größten Chance seit Generationen, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen, Kapital schlagen, eine gerechtere, gesündere und nachhaltigere Gesellschaft aufbauen und diesen großartigen Planeten schützen. Vor dieser Herausforderung stehen wir jetzt.

Ich möchte heute erklären, wie die amerikanische Außenpolitik dazu beitragen kann, diese Herausforderung zu meistern.

Es ist nicht allzu lange her, dass wir uns die Auswirkungen des Klimawandels vorstellen mussten. Jetzt muss niemand mehr seine Vorstellungskraft bemühen.

In den letzten 60 Jahren war jedes Jahrzehnt wärmer als das davor.

Wetterereignisse werden immer extremer. Während der Kältewelle im Februar lagen die Temperaturen von Nebraska bis Texas um mehr als 25 Grad unter den üblichen Messwerten. Allein in Texas wurden Tausende obdachlos, über vier Millionen Menschen waren ohne Heizung und Strom, mehr als 125 Menschen starben. Es ist nicht unbedingt offensichtlich, warum die globale Erwärmung kaltes Wetter verursacht. Aber die Erwärmung der Arktis verursacht kaltes Wetter im Süden, was zu Rekordkälteeinbrüchen wie in Texas beitragen kann.

In der Waldbrandsaison 2020 verbrannten über vier Millionen Hektar Land. Das ist mehr als die gesamte Fläche des Bundesstaates Maryland. Wir haben fünf der sechs größten Waldbrände in der Geschichte Kaliforniens und den größten Waldbrand in der Geschichte Colorados erlebt.

Insgesamt haben Naturkatastrophen die Vereinigten Staaten im Jahr 2020 etwa 100 Milliarden US-Dollar gekostet.

2019 war in den aneinandergrenzenden US-Bundesstaaten das Jahr mit den meisten Niederschlägen seit Beginn der Aufzeichnungen. Aufgrund schwerer Regenfälle und Überschwemmungen konnten die Landwirte im Mittleren Westen und in den Great Plains auf über sieben Millionen Hektar Land nichts anbauen.

Und von 2000 bis 2018 erlebte der Südwesten der Vereinigten Staaten die schlimmste Dürre seit dem 16. Jahrhundert.

Bald gibt es keine Rekorde mehr, die wir brechen könnten.

Die Kosten – finanzieller Schaden, Existenzen, Menschenleben – steigen weiter.

Und wenn wir nicht es nicht in den Griff bekommen, wird es noch schlimmer werden:

häufigere und intensivere Stürme, längere Trockenperioden, stärkere Überschwemmungen, extremere Hitze und Kälte, schnellerer Anstieg der Meeresspiegel, mehr Vertriebene, mehr Umweltverschmutzung und mehr Asthmaerkrankungen.

Höhere Kosten im Gesundheitswesen, für Landwirte weniger vorhersehbare Jahreszeiten. Und all das wird Menschen mit niedrigem Einkommen und Schwarze Gemeinschaften, am stärksten treffen.

Der letzte Teil ist wichtig. Die Kosten der Klimakrise treffen unverhältnismäßig stark die Menschen in unserer Gesellschaft, die es sich am wenigsten leisten können. Aber es stimmt auch, dass die Bewältigung des Klimawandels eine der stärksten Waffen ist, die uns im Kampf gegen Ungleichheit und strukturellen Rassismus zur Verfügung stehen. Die Art und Weise, wie wir reagieren, kann den Kreislauf durchbrechen.

Aus all diesen Gründen muss es uns gelingen, eine Klimakatastrophe zu verhindern. Aber die Welt hat schon jetzt die Ziele verfehlt, die wir uns vor sechs Jahren mit dem Pariser Abkommen gesetzt haben. Und wir wissen, dass diese Ziele schon von Anfang an nicht weit genug gingen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sagen heute eindeutig aus: Um eine Katastrophe zu verhindern, müssen wir die Erderwärmung bei 1,5 Grad Celsius halten.

Dabei kommt den Vereinigten Staaten eine Schlüsselrolle zu. Nur vier Prozent der Weltbevölkerung leben in unserem Land, aber wir tragen fast 15 Prozent zu den weltweiten Emissionen bei. Damit sind wir der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen weltweit. Wenn wir zuhause unseren Teil tun, können wir einen maßgeblichen Beitrag zur Bewältigung dieser Krise leisten.

Aber das wird nicht reichen. Selbst wenn die Vereinigten Staaten ihre Emissionen morgen auf null reduzieren, werden wir den Kampf gegen den Klimawandel verlieren, wenn wir nichts gegen die mehr als 85 Prozent der Emissionen aus dem Rest der Welt tun können.

Ein Scheitern hätte erhebliche Auswirkungen auf unsere nationale Sicherheit.

Nennen Sie eine sicherheitspolitische Herausforderung, die die Vereinigten Staaten betrifft. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird diese durch den Klimawandel noch größer.

Der Klimawandel verschärft bestehende Konflikte und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass neue Konflikte entstehen, insbesondere in Ländern, in denen die Regierungen schwach und die Ressourcen knapp sind. Von den 20 Ländern, die das Rote Kreuz zu den vom Klimawandel am stärksten betroffenen zählt, sind 12 bereits in bewaffnete Konflikte verwickelt. Wenn lebenswichtige Ressourcen wie Wasser knapper werden und Regierungen Schwierigkeiten haben, den Bedürfnissen einer wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden, wird es mehr Leid und mehr Auseinandersetzungen geben.

Der Klimawandel kann auch neue Konfliktszenarien schaffen. Im Februar durchquerte zum ersten Mal überhaupt ein russischer Gastanker die Nordostpassage der Arktis. Bis vor Kurzem war dieser Seeweg nur wenige Wochen im Jahr schiffbar. Aber da sich die Arktis doppelt so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt, wird dieser Zeitraum immer länger. Russland nutzt diesen Wandel, um Kontrolle über neu entstehende Räume auszuüben. Das Land modernisiert seine Stützpunkte in der Arktis und baut neue, einer davon nur 500 Kilometer von Alaska entfernt. Auch China erhöht seine Präsenz in der Arktis.

Der Klimawandel kann auch zu vermehrter Migration führen. 2020 gab es 13 Hurrikane im Atlantik, die höchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen. Mittelamerika war besonders stark betroffen. Die Stürme haben die Häuser und Existenzen von 6,8 Millionen Menschen in Guatemala, Honduras und El Salvador zerstört und Hunderttausende Hektar Felder vernichtet, was vermehrt zu Hungersnöten führte. Noch Monate nach den Stürmen versinken ganze Dörfer im Schlamm, und die Einwohner sägen Teile von ihren verschütteten Häusern ab, um sie als Altmetall zu verkaufen.

Wenn Katastrophen Menschen treffen, die bereits in Armut und Unsicherheit leben, ist das oft der letzte Tropfen, der sie dazu bringt, ihre Gemeinden auf der Suche nach einem besseren Leben zu verlassen. Für viele Menschen in Mittelamerika heißt das, dass sie sich auf den Weg in die Vereinigten Staaten machen, auch wenn wir immer wieder sagen, dass die Grenze geschlossen ist, und auch wenn die Reise außerordentlich beschwerlich ist, besonders für Frauen und Mädchen, die sexuelle Übergriffe fürchten müssen.

Diese Herausforderungen stellen erhöhte Anforderungen an unsere Streitkräfte. Die US-Marineakademie liegt nur acht Kilometer nördlich von hier, und die Naval Station Norfolk, der größte Marinestützpunkt der Welt, etwa 300 Kilometer südlich. Für beide Stützpunkte und ihre entscheidenden Aufgaben birgt der Klimawandel unmittelbare Gefahren. Und das sind nur zwei von Dutzenden Militäreinrichtungen, die durch den Klimawandel gefährdet sind. Hinzu kommt noch, dass unsere Streitkräfte oft bei Naturkatastrophen zum Einsatz kommen, und die treten immer häufiger und zerstörerischer auf. Im Januar kündigte US-Verteidigungsminister Austin an, dass die Streitkräfte den Klimawandel ab sofort bei ihren Planungen und Einsätzen sowie der Risikoeinschätzung berücksichtigen werden. Verteidigungsminister Austin sagte es so: „Es gibt bei dem, was das Ministerium zur Verteidigung der Amerikanerinnen und Amerikaner tut, nur wenig, das vom Klimawandel nicht betroffen ist.“

Dennoch wäre es falsch, den Klimawandel nur als Bedrohung zu betrachten. Und ich sage Ihnen auch, warum das so ist. Jedes Land weltweit muss zwei Dinge tun: Emissionen reduzieren und sich auf die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels vorbereiten. Amerikanische Erfindungen und die US-Wirtschaft können bei beidem eine Vorreiterrolle übernehmen. Das meint Präsident Biden, wenn er sagt: „Wenn ich an Klimawandel denke, denke ich an Arbeitsplätze.“

Um Ihnen eine Größenvorstellung zu geben, bedenken Sie, dass sich die Welt bis 2040 einer Infrastrukturlücke von 4,6 Billionen US-Dollar gegenübersehen wird. Die Vereinigten Staaten haben großen Einfluss darauf, wie diese Infrastruktur gebaut wird. Und zwar nicht nur darauf, ob dabei Chancen für amerikanische Arbeitnehmer und Unternehmen geschaffen werden, sondern auch, ob sie grün und nachhaltig und transparent gestaltet wird, ob dabei die Rechte der Arbeiter respektiert werden und ob die Bevölkerung vor Ort ein Mitspracherecht erhält, und darauf, dass Entwicklungsländer und Gemeinden dabei nicht in Schulden versinken. Das ist eine Chance für uns.

Denken Sie auch an die enormen Summen, die in erneuerbare Energien investiert werden. Zwei Drittel der Weltbevölkerung leben in Ländern, in denen erneuerbare Energien schon heute die billigste Quelle für Massenstrom sind. Und der globale Markt für erneuerbare Energien wird bis 2025 auf 2,15 Billionen US-Dollar geschätzt. Das ist mehr als das 35-Fache des derzeitigen Marktes für erneuerbare Energien in den Vereinigten Staaten. Schon jetzt ist die Solar- und Windtechnikbranche einer der Bereiche, in denen am schnellsten neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Es ist schwer vorstellbar, dass die Vereinigten Staaten langfristig im Wettbewerb mit China bestehen, wenn wir die Energiewende nicht anführen. Im Moment hinken wir hinterher. China ist der größte Hersteller und Exporteur von Solarkollektoren, Windkraftanlagen, Batterien und Elektrofahrzeugen. China hält fast ein Drittel der weltweiten Patente für erneuerbare Energien. Wenn wir nicht aufholen, werden die Vereinigten Staaten die Chance verpassen, die Zukunft des Weltklimas so zu gestalten, dass sie unsere Interessen und Werte widerspiegelt, und wir werden die Chance auf zahllose Arbeitsplätze für Amerikanerinnen und Amerikaner vergeben.

Ich sage es ganz deutlich: Das oberste Ziel unserer Klimapolitik besteht darin, Katastrophen zu verhindern. Wir drücken jedem Land, jedem Unternehmen und jeder Gemeinde die Daumen, dass sie bei der Emissionsreduzierung Fortschritte machen und Resilienz aufbauen.

Das heißt aber nicht, dass wir nicht daran interessiert sind, dass die Vereinigten Staaten diese Innovationen entwickeln und sie weltweit exportieren. Und es heißt nicht, dass wir keinen Einfluss darauf nehmen wollen, wie andere Länder ihre Emissionen verringern und sich an den Klimawandel anpassen. Wie können wir das erreichen?

Wir können damit beginnen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Wenn wir auf unsere ehrgeizigen Klimaziele hinarbeiten, werden die folgenden Grundprinzipien unsere Vorgehensweise leiten.

Wir werden unsere Investitionen in die Erforschung und Entwicklung sauberer Energien erhöhen, weil wir so zu Durchbrüchen kommen, die allen Gemeinden in den Vereinigten Staaten zugutekommen und die Arbeitsplätze in Amerika schaffen.

Wir wollen mit unseren Klimainvestitionen nicht nur das Wachstum fördern, sondern auch die Gleichberechtigung. Wir werden Teilhabe fördern und uns darauf konzentrieren, für Amerikanerinnen und Amerikanern im ganzen Land – und aus einer breiten Schicht der Gesellschaft – gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, einer Gewerkschaft beizutreten.

Wir werden junge Menschen und ihre Rechte stärken, nicht nur, weil sie die Folgen des Klimawandels stärker betreffen werden, sondern auch aufgrund ihres Bewusstseins für die Dringlichkeit, ihres Einfallsreichtums und der Führungsstärke, die sie bei der Bewältigung dieser Krise bewiesen haben.

Wir werden Staaten, Städte, große und kleine Unternehmen, die Zivilgesellschaft und andere Koalitionen als Partner und Vorbilder anwerben. Andere leisten in diesem Bereich schon lange bahnbrechende Arbeit. Wir werden sie unterstützen und uns mit ihnen über bewährte Verfahrensweisen austauschen.

Wichtig ist Folgendes. Wir werden dabei bedenken, dass trotz aller Chancen, die der unvermeidbare Übergang zu erneuerbaren Energien mit sich bringt, nicht alle amerikanischen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen kurzfristig davon profitieren werden. Die Existenzgrundlagen einiger Menschen und Kommunen, die von alten Industrien abhängig sind, werden schwer getroffen werden. Wir werden diese Amerikanerinnen und Amerikaner nicht im Stich lassen. Wir werden unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern neue Wege zu nachhaltigen Existenzgrundlagen aufzeigen und sie bei diesem Übergang unterstützen.

Gleich nach seiner Amtsübernahme hat Präsident Biden eine interministerielle Arbeitsgruppe für Kohle- und Kraftwerksgemeinden und wirtschaftliche Revitalisierung ins Leben gerufen. Sie arbeitet ressortübergreifend, stellt Bundesmittel für die Wiederbelebung der von Kohle, Gas, und Kraftwerken abhängigen Kommunen zur Verfügung und sieht Leistungen und Schutzmaßnahmen für die Arbeitnehmer in diesen Orten vor. Im Rahmen des American Jobs Plan hat der Präsident Vorabinvestitionen in Höhe von 16 Milliarden US-Dollar vorgeschlagen, um Hunderttausende in gewerkschaftlich organisierte Arbeit zu bringen und verlassene Öl- und Gasquellen und Minen zu schließen.

Wenn wir diese Grundsätze achten und unsere Klimaziele erreichen, dann schaffen wir damit ein Vorbild, an dem sich andere Länder orientieren und dem sie folgen wollen werden.

Und so wird das US-Außenministerium unter Berücksichtigung dieser Werte unsere Außenpolitik nutzen, um Klimapolitik für die Amerikanerinnen und Amerikaner zu machen.

Erstens werden wir die Klimakrise, so wie Präsident Biden es in seiner ersten Woche im Amt angewiesen hat, in den Mittelpunkt unserer Außen- und nationalen Sicherheitspolitik stellen. Das bedeutet, dass wir berücksichtigen werden, wie jedes bilaterale und multilaterale Engagement – jede politische Entscheidung – unser Ziel, die Welt auf einen sichereren, nachhaltigeren Weg zu führen, beeinflussen wird. Es bedeutet auch, dass wir unseren Diplomatinnen und Diplomaten die Ausbildung und die Fähigkeiten mitgeben müssen, die sie brauchen, um dem Klima in unseren weltweiten Beziehungen Priorität einzuräumen.

Was es aber nicht bedeutet, ist, den Fortschritt anderer Länder beim Klima als Vorwand für schlechtes Verhalten in anderen Bereichen gelten zu lassen, die für unsere nationale Sicherheit von Bedeutung sind. Die Regierung Biden-Harris ist sich in diesem Punkt einig: Das Klima ist kein Tauschobjekt – es ist unsere Zukunft.

Ich freue mich besonders, dass Präsident Biden meinen Freund John Kerry zum Sonderbeauftragten des Präsidenten für Klimafragen ernannt hat. Niemand hat mehr Erfahrung und ist besser in der Lage als er, andere Länder davon zu überzeugen, ihre Klimaziele höher zu stecken. Die ganze Welt muss sich jetzt und in diesem Jahrzehnt darauf konzentrieren, Maßnahmen zu ergreifen, die das Ziel von Netto-Null-Emissionen weltweit bis 2050 fördern.

Ich stehe in diesem Bemühen, ebenso wie die Leiter der anderen Ministerien, zu 100 Prozent hinter John. Wenn wir das Thema Klima in alle Aktivitäten des US-Außenministeriums einbinden wollen, ist seine Führungsstärke unverzichtbar.

Zweitens wird das US-Außenministerium anderen Ländern, die ihre Anstrengungen verstärken, helfen, indem es Ressourcen, institutionelles Know-how sowie die technische Expertise der gesamten Regierung, des Privatsektors, von NGOs und Forschungsuniversitäten mobilisiert. Allein in den vergangenen Wochen haben wir angekündigt, neue Förderungen für unternehmerische Initiativen im Bereich der erneuerbaren Energien und effizientere Märkte für erneuerbare Energien in Bangladesch sowie zur Unterstützung kleiner Unternehmen in Indien bei Investitionen in Solarenergie bereitzustellen. Durch diese Investitionen kommen wir unseren Klimazielen näher, und Menschen, die noch nie Zugang zu Energie hatten, bekommen ihn jetzt.

Drittens werden wir schwerpunktmäßig den Ländern helfen, die vom Klimawandel am stärksten betroffen sind und größtenteils nicht die notwendigen Ressourcen und Fähigkeiten zur Bewältigung seiner destabilisierenden Auswirkungen haben. Das umfasst auch kleine Inselentwicklungsländer, von denen einige wegen des steigenden Meeresspiegels gerade buchstäblich untergehen. 2020 gingen nur drei Prozent der Gelder für Klimaschutz an diese Länder. Das müssen wir ändern. Zu diesem Zweck entsenden die Vereinigten Staaten Experten und Technologie auf gefährdete Inseln im Pazifik und der Karibik, um Frühwarn- und Reaktionssysteme zu verbessern, und investieren in den Resilienzaufbau in Bereichen wie Infrastruktur und Landwirtschaft.

Viertens, unsere Botschaften werden vor Ort die Bestrebungen leiten. Das tun sie bereits jetzt – indem sie Regierungen dabei helfen, klimagerechte Technologien umzusetzen und nach Möglichkeiten suchen, die einzigartigen Stärken des öffentlichen und privaten Sektors in den Vereinigten Staaten zu nutzen. Erst im vergangenen Monat konnte das US-Unternehmen Sun Africa den ersten Spatenstich für den Bau zweier riesiger Solarkraftwerke in Angola setzen, zu denen auch die 144 Megawatt starke Anlage in Biopio gehört. Sie wird, wenn sie fertig ist, die größte Solaranlage im gesamten Afrika südlich der Sahara sein. Das Projekt wird ausreichend Strom für 265.000 Haushalte liefern und 16.656 Hektoliter kohlenstoffintensiven Diesels überflüssig machen, die Angola jährlich importiert und verbrennt. Außerdem wird erwartet, dass für das Projekt Solarenergieanlagen im Wert von etwa 150 Millionen US-Dollar benötigt werden, die aus den Vereinigten Staaten importiert werden. Dieses Projekt ist gut für die Menschen in Angola, gut für das Klima und gut für amerikanische Arbeitsplätze und die US-Wirtschaft. Und ohne die Arbeit unserer Diplomatinnen und Diplomaten wäre es schlicht und einfach nicht dazu gekommen.

Fünftens werden wir alle uns zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um innovative US-Firmen für erneuerbare Energie auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger zu machen. Dazu gehört auch, Instrumente wie die von der Export-Import-Bank der Vereinigten Staaten angebotene Finanzierung zu nutzen, um Anreize für den Export erneuerbarer Energien zu schaffen, sowie die vorgeschlagene Erweiterung von Steuergutschriften für die Produktion und Speicherung sauberer Energie gemäß dem American Jobs Plan des Präsidenten und die kontinuierlichen Bemühungen der US-Regierung, weltweit gerechte Bedingungen für in den USA hergestellte Produkte und Dienstleistungen zu schaffen.

Diese Art der Unterstützung kann enorme Auswirkungen haben, insbesondere, da der derzeitige Markt für erneuerbare Energien nur einen Bruchteil zukünftiger Märkte ausmacht. Abgesehen von Solarkollektoren, Windkraftanlagen und Stromspeichern gibt es im Bereich erneuerbare Energien noch mehr als 40 weitere Kategorien wie sauberen Wasserstoff, Kohlenstoffbindung und Erneuerbare der nächsten Generation, wie verbesserte geothermische Energie. Niemand hat bisher wirklich für sich in Anspruch genommen, diese vielversprechenden Technologien nutzbar machen zu können. Darüber hinaus könnte jede einzelne mit Unterstützung unserer Innen- und Außenpolitik unter amerikanischer Leitung in den Vereinigten Staaten produziert werden.

Das Startup Boston Metal aus Massachusetts zeigt, wie das möglich ist. Das Unternehmen hat den Weg für ein neues Verfahren bereitet, das die Herstellung von Stahl und anderen Metallen effizienter und zu geringeren Kosten ermöglicht und gleichzeitig weniger umweltverschmutzend ist. Der Großteil des US-Stahlsektors arbeitet bereits mit sauberen Technologien, aber der CEO des Unternehmens, der aus Brasilien stammt, erkannte unerschlossene Märkte in Ländern wie Brasilien, wo Boston Metal Partnerschaften mit der Industrie schließt, um ältere, stärker verschmutzende Methoden der Stahlerzeugung zu ersetzen. Dieses Unternehmen schafft gut bezahlte, gute Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten. Die globale Stahlindustrie hat einen Wert von 2,5 Billionen US-Dollar, und viele Hersteller weltweit werden einen ähnlichen Sprung machen müssen. Amerika kann ihnen dabei helfen.

Sechstens werden unsere Diplomaten die Praxis von Ländern infrage stellen, deren Handeln – oder deren Tatenlosigkeit – die Welt zurückwirft. Wenn Länder weiter Kohle für die Gewinnung eines wesentlichen Teils ihrer Energie benötigen, in neue Kohlekraftwerke investieren oder eine massive Abholzung von Wäldern erlauben, werden die Vereinigten Staaten und ihre Partner sie informieren, wie schädlich diese Maßnahmen sind.

Und zu guter Letzt werden wir jede Chance nutzen, die wir bekommen, um diese Themen im Gespräch mit unseren Verbündeten und Partnern und in multilateralen Institutionen anzusprechen. Bei der NATO herrscht beispielsweise Einigkeit darüber, dass wir unsere militärische Bereitschaft an die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels anpassen und die Abhängigkeit der Streitkräfte der Bündnispartner von fossilen Brennstoffen verringern müssen, da sie uns angreifbar macht und massiv die Umwelt verschmutzt. Ich weiß, dass es Generalsekretär Stoltenberg, der das Klima als „Krisen-Multiplikator“ bezeichnet hat, genauso ernst damit ist, den Klimawandel anzugehen, wie uns.

Wir werden bei dem Treffen der G7 im kommenden Monat, deren Mitglieder ein Viertel der Emissionen weltweit verursachen, eine deutliche Botschaft senden. Ich werde die Vereinigten Staaten auch beim Ministertreffen des Arktischen Rates im kommenden Monat vertreten, wo ich noch einmal die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten bekräftigen werde, unsere Klimaziele zu erreichen und andere arktische Staaten ermutigen werde, dasselbe zu tun.

All diese Bemühungen im In- und Ausland werden es uns ermöglichen, aus einer Position der Stärke heraus zu führen, wenn die Welt im November zur UN-Klimakonferenz in Glasgow zusammenkommt.

Ich beschäftige mich sehr viel mit Bedrohungen der Sicherheit und der Interessen Amerikas: mit dem aggressiven Vorgehen Russlands oder Chinas, der Ausbreitung von COVID-19 und den Herausforderungen, mit denen Demokratien konfrontiert sind. Aber eine ebenso gravierende Bedrohung für die Amerikanerinnen und Amerikaner, die auf lange Sicht auch existenziell ist, können wir genau hier beobachten, in der Chesapeake Bay, wo die Folgen des Klimawandels bereits sichtbar sind.

Und doch liefert derselbe Ort auch Beispiele für amerikanische Innovationen und Führungsstärke, die – maßstabsgerecht angewendet – eine Klimakatastrophe verhindern und amerikanischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und Gemeinschaften zugutekommen könnten.

Maryland hat zugesagt, die Emissionen des Bundesstaates bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu senken und bis 2040 zu einhundert Prozent erneuerbare Energien zu nutzen. Ebenso bietet Maryland Farmern große Anreize, damit diese Deckfrüchte anbauen, die bei der Kohlendioxidabscheidung helfen. Mehr als 40 Prozent der Farmer in Maryland bauen diese Feldfrüchte inzwischen an. Zahllose andere tragen ebenfalls dazu bei, den Klimawandel in der Bay zu verhindern, wovon dann häufig auch der US-Arbeitsmarkt profitiert.

Denken Sie nur an das Merrill Center hier, von dem aus ich zu Ihnen spreche. Als es vor 20 Jahren eröffnet wurde, war es das erste Gebäude weltweit, das in die LEED-Platin-Standard erfüllte, einen US-Energieeffizienzstandard, der seither zum internationalen Maßstab geworden ist. Rund ein Drittel der Energie für das Gebäude werden durch Solarenergie erzeugt. Der Betrieb erfordert 80 Prozent weniger Wasser als der Betrieb der meisten anderen Gebäude dieser Größe. Beinahe die Hälfte der Baustoffe wurden aus einem Umkreis von unter 500 Kilometern beschafft. Durch die Bauweise werden jährlich allein Energiekosten in Höhe von 50.000 US-Dollar eingespart.

Ein neueres Gebäude, das 2014 von der Chesapeake Bay Foundation errichtet wurde, ist sogar noch effizienter, was zeigt, welche Fortschritte in Sachen Design und Produktion in den Vereinigten Staaten gemacht wurden. Dieses Gebäude produziert mehr Energie, als es verbraucht, und sein gesamter Wasserverbrauch wird durch Regenwasser gedeckt. Die Solarkollektoren kommen aus Oregon, die Windkraftanlagen aus Oklahoma. Diese Solarkollektoren und Windräder wurden in den Vereinigten Staaten entworfen und gebaut. Menschen aus aller Welt kommen hierher, um sich diese Gebäude anzusehen.

Es sind solche Veränderungen, die dazu beitragen werden, die Bay und die dort lebenden Menschen und ihre Lebensgrundlagen so zu erhalten, wie wir sie kennen.

Dies ist die Blaupause für amerikanische Führungsstärke in der Klimapolitik. Innovationen des Staates, der Privatwirtschaft, von Gemeinschaften und Organisationen werden zusammengeführt. Es geht dabei nicht lediglich darum, Ziele zur Bewältigung des Klimawandels zu erfüllen, sondern auch darum, sie so zu erreichen, dass auf offene Art und Weise gute Investitionen getätigt und Chancen für amerikanische Arbeitnehmer geschaffen werden.

Wir stehen vor einer schweren Klimakrise. Wenn wir sie nicht angehen, werden die Folgen verheerend sein. Aber wenn wir mit gutem Beispiel vorangehen, wenn wir unsere Außenpolitik nicht nur dazu nutzen, Länder dazu zu bringen, sich zu den notwendigen Veränderungen zu verpflichten, sondern Amerika ihr Partner bei der Umsetzung dieser Veränderungen wird, dann können wir aus der größten Herausforderung seit Generationen die größte Chance für Generationen machen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Originaltext: Tackling the Crisis and Seizing the Opportunitiy: America’s Global Climate Leadership