Der globale Klimawandel

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir in wesentlichen Auszügen eine am 17. März 1995 von Vizepräsident Al Gore an der George Washington University gehaltene Rede.

Es ist schön, wieder an der George Washington University zu sein. Und ein Grund dafür ist die Tatsache, daß dies die erste grüne Universität der Nation ist. Durch die von Ihnen eingegangene Verpflichtung zu einer einzigartigen Partnerschaft mit dem Umweltschutzamt wurden Sie zur ersten Universität Amerikas, die einen wahrhaft umfassenden Plan für Umweltbewußtsein bei ihren gesamten Aktivitäten entwickelt. Dazu möchte ich Ihnen gratulieren.

15 Studenten des AmeriCorps beteiligen sich an der „Initiative Grüne Universität“. Sie leisten ausgezeichnete Arbeit und erstellen einen beispielhaften Umweltprüfungsplan, der umweltfreundliche und kostensparende Maßnahmen einleiten wird.

Es gibt wohl kaum einen besseren Zeitpunkt, eine Frage anzusprechen, die meines Erachtens die ernsteste Manifestation der Umweltkrise ist, welche jetzt den radikalen Wandel in den Beziehungen zwischen der menschlichen Zivilisation und der Natur charakterisiert.

In zwei Wochen werden Delegierte aus über 120 Ländern in Berlin bei der ersten Konferenz der Unterzeichnerstaaten der UN-Klimarahmenkonvention die Frage weltweiter Klimaveränderungen erörtern. Zu Beginn meiner heutigen Ausführungen zu diesem Thema möchte ich die Äußerung eines alten irischen Politikers, Sir Boyle Roche, zitieren, der vergangenes Jahrhundert die sarkastische Frage stellte: „Warum sollten wir uns überschlagen, um etwas für die Nachwelt zu tun? Was hat die Nachwelt denn je für uns getan?“ Diese Denkweise fände sicherlich in diesem Kongreß Anklang.

Die Nachwelt spielt bei den Überlegungen zum weltweiten Klimawandel eine besondere Rolle, denn unsere heutigen Aktionen haben weitreichende Konsequenzen für die Umwelt, die wir künftigen Generationen hinterlassen. Das Engagement für die Nachwelt erfordert, daß wir diesen tiefgreifenden Wandel in der Natur der Beziehungen zwischen menschlicher Zivilisation und dem Ökosystem der Erde akzeptieren und verstehen.

Ich habe eben erwähnt, daß meines Erachtens die weltweiten Klimaveränderungen eine Manifestation des radikalen Wandels in den grundlegenden Beziehungen zwischen Zivilisation und der Erde sind. Dies zeigt sich auch auf andere Weise: An der schnellen Zerstörung der Wälder, insbesondere der tropischen Regenwälder, dem Verlust der Artenvielfalt in einem Tempo, das auf diesem Planeten seit dem Aussterben der Dinosaurier vor Millionen Jahren nicht mehr zu beobachten war, der Vergiftung von Luft und Wasser in vielen Teilen der Erde sowie dem Verfall wichtiger Ökosysteme – vom Aralsee in Mittelasien bis zu den Korallenriffen an den seichten Stellen der Weltmeere.

Dies alles, einschließlich der weltweiten Klimaveränderungen, sind Manifestationen des Wandels in den Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt. Dieser radikale Wandel ereignet sich zu Lebzeiten der in diesem Auditorium versammelten Menschen aufgrund des Zusammentreffens dreier Faktoren. Erstens die beispiellose weltweite Bevölkerungsexplosion. Alle zehn Jahre nimmt die Weltbevölkerung um eine Zahl zu, die der Einwohnerzahl Chinas entspricht. Wir haben jedoch einen wohldurchdachten Aktionsplan zur Unterstützung der Nationen eingeleitet, die ihr Bevölkerungswachstum stabilisieren möchten. Aber die dem Wachstum innewohnende Dynamik führt dazu, daß sich die schnelle Bevölkerungszunahme noch einige Zeit fortsetzen wird.

Der zweite Faktor ist die Beschleunigung der wissenschaftlichen und technologischen Revolution, welche die Einflußmöglichkeiten des Menschen auf seine Umwelt stark erhöhte. Um einen Vergleich anzustellen: Es ist eine uralte Gewohnheit des Menschen, Kriege zu führen. Die Erfindung von Nuklearwaffen hat die Konsequenzen umfassender Kriegführung jedoch derart verändert, daß wir uns über diese uralte Gewohnheit neue Gedanken machen müssen. Der Kalte Krieg war zum Teil das Resultat einer ernüchternden Überprüfung dessen, was ein totaler Krieg mit diesen unglaublich starken neuen Waffen bedeuten würde.

Insgesamt haben sich die Konsequenzen einer vollständigen Ausbeutung der Erde mit ebensolcher Sicherheit gewandelt, wie die Nuklearwaffen die Konsequenzen totaler Kriegführung veränderten. Daher müssen wir überdenken, wie wir das Land, das Wasser, die Luft oder unsere lebenserhaltenden Systeme nutzen.

Der dritte, zu diesem radikalen Wandel führende Faktor ist in mancherlei Hinsicht der wichtigste – eine philosophische Veränderung unserer Denkweise über die Konsequenzen unseres umweltpolitischen Handelns – eine Veränderung, die bei allzu vielen Menschen zu der Annahme geführt hat, wir müßten die Auswirkungen unserer derzeitigen Aktionen nicht in Betracht ziehen.

Diese drei Faktoren zusammengenommen haben einen Wandel herbeigeführt, mit dem wir uns auf Zusammenkünften wie der Kairoer Konferenz über Bevölkerung und nachhaltige Entwicklung sowie der Vielzahl von Beratungen im Vorfeld des Montrealer Protokolls über die Begrenzung der Emission die Ozonschicht schädigender Stoffe in die Stratosphäre sowie bei Konferenzen wie der in zwei Wochen in Berlin anberaumten über den weltweiten Klimawandel auseinandersetzen müssen.

Beim Umgang mit dieser Frage müssen wir bei den Fakten beginnen. Und jede Erörterung der Fakten muß die Kategorien in Betracht ziehen, über die Einigkeit besteht, sowie diejenigen, über die Uneinigkeit besteht. Ich möchte mich auf die erstgenannten konzentrieren, da breite Übereinstimmung über die dieses Problem charakterisierenden zentralen Tatsachen besteht.

Ungeachtet der revisionistischen Sichtweise besteht ein starker nationaler und internationaler Konsens über die drängendsten Fragen. Erstens: Wir wissen, daß sich Treibhausgase schnell in der Atmosphäre ansammeln. Seit der Industriellen Revolution sind die Konzentrationen von Kohlendioxid um ungefähr 25 Prozent angestiegen, der Gehalt von Stickstoffoxyd um 15 Prozent, Methan um mehr als 100 Prozent.

Zweitens: Die Wissenschaftler sind sich auch einig, daß eine fortgesetzte Zunahme von Treibhausgasen einen Klimawandel verursachen wird. Das entscheidende Wort in diesem Satz ist „wird“, nicht „könnte“. Ein weiterer Zuwachs dieser Gase wird zu einem Klimawandel führen. Darüber gibt es kaum ernstzunehmende Meinungsverschiedenheiten. Die Wissenschaftler können uns nicht das Tempo dieser Veränderungen oder ihren genauen Verlauf vorhersagen, aber sie sagen uns, daß ein Wandel bevorsteht.

Es besteht ein internationaler Konsens darüber, daß die Oberflächentemperatur der Erde im kommenden Jahrhundert durchschnittlich zwischen 1Grad und 4,5Grad C ansteigen könnte. Diese Rate war auf unserem Planeten seit mindestens 10.000 Jahren nicht mehr zu beobachten. Das heißt, sie ist in der gesamten Geschichte der menschlichen Zivilisation einzigartig. Seit die ersten Städte auf der Erde entstanden, wurde kein solcher Wandel mehr beobachtet.

Die Vereinigten Staaten und andere höhergelegene Länder sollen sich sogar noch mehr erwärmen – bis zu 5,5 Grad C. Allein im letzten Jahrhundert stieg die Temperatur der Erde um ungefähr 0,5 Grad C an. Die neun wärmsten Jahre in diesem Jahrhundert fielen allesamt in die Zeit nach 1980, obwohl der Ausbruch des Pinatubo – wie damals prognostiziert – die Temperaturen ungefähr drei Jahre niedrig hielt, bis die schweren Partikel, die einen winzigen Teil der Sonnenstrahlen abhielten, aus der Atmosphäre zurück auf die Erde gefallen waren.

Es gibt bereits düstere Anzeichen für einen beträchtlichen Wandel. Alpengletscher in allen Teilen der Welt schmelzen schnell. Sie haben vielleicht vor kurzem die Bilder eines prähistorischen Wanderers gesehen, dessen Körper bei einem Bergpaß in den italienischen Alpen gefunden wurde. Er lag einfach dort. Warum hatte ihn in den vergangenen 5.000 Jahren niemand entdeckt? Weil das ihn bedeckende Eis seit 5.000 Jahren nicht geschmolzen ist. Und jetzt ist es geschmolzen.

In anderen Gebieten, in denen in der Geschichte der Menschheit kein Rückzug des Eises zu beobachten war, schmilzt dieses jetzt. Die Schneedecke in der nördlichen Hemisphäre nimmt ab – Beweis für eine Abnahme des Eises im arktischen Meer. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge in den niedriger gelegenen 48 Staaten stieg im letzten Jahrhundert um ungefähr 5 Prozent an. Sintflutartige Regenfälle nahmen im Sommer während der landwirtschaftlichen Wachstumszeit zu.

Dies sind besorgniserregende, komplexe und schwierige Fragen, mit denen wir uns befassen müssen. Wir sollten jedoch nicht erwarten, daß sie nach einem Muster langsamen und allmählichen Wandels erfolgen. Wir wissen, daß es in der Natur eine Vielzahl kritischer Punkte gibt, die einen plötzlichen und dramatischen Wandel auslösen können. Eine Erwärmung der Erde verändert die Niederschläge, die Feuchtigkeit des Bodens und der Meeresspiegel können zu Veränderungen im Bereich von Ernten, Wäldern und Feuchtgebieten führen. Veränderungen bei der Niederschlagstätigkeit können zu Dürreperioden in einigen Gebieten und einer Erhöhung der Niederschlagsmenge in anderen führen. Sie rufen Veränderungen bei Mikrobenpopulationen, Schädlingen, der Flora und Fauna sowie der Anfälligkeit für Viren und Bakterien hervor.

Kombinationen von Veränderungen können dramatische Auswirkungen haben – zunehmender Niederschlag kann zu mehr Überflutungen führen und zusammen mit einem Anstieg des Meeresspiegels die Existenz niedrig gelegener Küstengemeinden sowie die Existenz einiger kleiner Inselstaaten und tiefgelegener Küstennationen bedrohen.

Wissenschaftler in mehreren Teilen der Welt verliehen ihrer Sorge über die Zunahme drastischer meteorologischer Ereignisse Ausdruck. In unserem Land sahen wir die Auswirkungen in Form des sogenannten „El Ni¤o“, eines Schemas, das von einem alle zwei bis fünf Jahre stattfindenden Ereignis bis zu einem relativ neuen Ereignis der letzten anderthalb Jahrzehnte reicht, das beinahe Tendenz zur Dauerhaftigkeit zeigt.

Einige Vertreter der Wirtschaft, deren Arbeit sie besonders sensibel gegenüber diesen Veränderungen macht, verleihen ebenfalls ihrer Sorge Ausdruck. Kürzlich traf ich mit zahlreichen Vertretern des Versicherungs- und Rückversicherungswesens zusammen. Frank Nutter, der Präsident des amerikanischen Rückversicherungsverbands, warnte vor ernsten Anzeichen für einen Konkurs im Versicherungswesen, der von „bedeutenden, vielleicht dauerhaften Veränderungen des Klimas in diesem Land und auf der Welt“ herrühre.

Es ist leicht einzusehen, warum sich die Versicherungsunternehmen Sorgen machen. 1993 verursachte das Hochwasser des Mississippi Schäden in Höhe von geschätzten 10 bis 20 Milliarden Dollar. Der Wirbelsturm Hugo kostete die Bundesregierung 1,6 Milliarden Dollar. Der Wirbelsturm Andrew überschritt die Marke von 2 Milliarden an staatlicher Katastrophenhilfe und verursachte den Versicherungsunternehmen Kosten von mindestens 16 Milliarden Dollar. Die Überflutungen und Schlammlawinen in Kalifornien verursachten allein in diesem Jahr Schäden von über 2 Milliarden Dollar.

Können wir ruhigen Gewissens davon ausgehen, wir müßten nicht handeln, um zu verhindern, daß Klimaveränderungen zu einer Häufung schwerwiegender Ereignisse dieser Art führen? Wir ignorieren diese Veränderungen auf eigene Gefahr. Ich habe bereits erwähnt, daß der Klimawandel zu einer Veränderung der Mikrobenpopulationen führen kann. Die Ausbreitung ansteckender Krankheiten wie Malaria und Denguefieber kann sich entscheidend ändern.

Wie sollten wir auf diese Art von Bedrohung reagieren? Die Clinton-Administration ist der Ansicht, daß wir uns vor möglicherweise verheerenden Auswirkungen schützen sollten, während wir gleichzeitig unser wissenschaftliches Verständnis für diese Fragen durch ein aggressives Forschungsprogramm vertiefen. Dieser Ansatz ist tatsächlich vergleichbar einer Versicherungspolice und nicht nur eine abstrakte Vorstellung.

Vor drei Jahren unterzeichneten wir gemeinsam mit anderen Ländern der internationalen Staatengemeinschaft eine historische Rahmenkonvention über den Klimawandel. Dies war der Beginn des Entwurfs einer Art von Versicherungspolice. Es handelt sich um einen Vertrag, der alle Nationen zur gemeinsamen Arbeit an beispiellosen Bestrebungen zum Schutz der globalen Umwelt aufruft. Insbesondere die Industrienationen wurden aufgefordert, durch die Stabilisierung der Treibhausgasemissionen auf dem Stand von 1990 bis zum Jahr 2000 eine Führungsrolle zu übernehmen.

Kurz nach seiner Amtsübernahme ging Präsident Clinton über die vage, unverbindliche Sprachregelung des Vertrags hinaus und erklärte, die Vereinigten Staaten würden das im Vertrag festgesetzte Ziel erreichen. Das Engagement des Präsidenten war als Ergänzung seiner Ziele im wirtschaftlichen Bereich gedacht. Er versprach einen Umschwung der amerikanischen Wirtschaft, den er auch vollzog. Die Inflation ist gesunken, die Wachstumsrate steigt, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Zahl der Arbeitsplätze steigt. Insgesamt demonstrieren wir, daß wirtschaftlicher und umweltpolitischer Fortschritt Hand in Hand gehen können.

Zweifellos stellt der von Präsident Clinton verfolgte starke wirtschaftliche Kurs mehrere Annahmen des Plans in Frage. Anstatt uns von diesen guten Nachrichten abzuwenden, begrüßen wir sie. Heute möchte ich das vom Präsidenten gegebene Versprechen bekräftigen: Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, bis zum Jahr 2000 die Treibhausgasemissionen von 1990 zu erreichen. Wir haben einen ehrgeizigen Plan entwickelt, um das vom Präsidenten abgegebene Versprechen zu erfüllen. 40 von 47 dieser Initiativen sind finanziert und eingeleitet worden. Die meisten haben ein gemeinsames Merkmal – sie bringen neue, saubere Arbeitsplätze für unsere Zukunft.

Beispielsweise haben wir freiwillige Abkommen mit einem Großteil unserer Versorgungsunternehmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen abgeschlossen. Mit der amerikanischen Industrie wurden ähnliche Partnerschaften über energiesparende Computer, Gebäude und Beleuchtungssysteme eingegangen. Wir haben der globalen Umweltfazilität für die zweite Phase ihrer Umstrukturierung 430 Millionen Dollar zugesagt – den höchsten Beitrag eines Landes. Wir haben eine neue Initiative für Umwelttechnologien in die Wege geleitet, die sich auf über 1 Milliarde Dollar beläuft, um modernste Umwelttechnologien zu entwickeln und zu verbreiten. Und die Vereinigten Staaten haben das erste Pilotprogramm der Welt ins Leben gerufen, um die Durchführbarkeit gemeinsamer Investitionsprojekte mit anderen Ländern zu prüfen, die auf die Reduzierung oder Eindämmung von Treibhausgasen und die Förderung tragfähiger Entwicklung abzielen.

Darüber hinaus haben wir eine Partnerschaft mit der Automobilindustrie über eine neue Generation von Fahrzeugen geschlossen, die auch als „Initiative sauberes Auto“ bekannt ist. Es ist eine echte Partnerschaft. Die drei großen amerikanischen Automobilhersteller sind daran ebenso beteiligt wie die nationalen Labors, alle relevanten Bundesbehörden und zahlreiche Zulieferer von Autoteilen, Material und Gerät sowie technische Hochschulen und Studenten im ganzen Land. Gemeinsam nehmen wir eine technische Herausforderung in Angriff, die in mancher Hinsicht der Mondlandung vergleichbar ist. Wir werden ein Auto entwickeln, das dreimal so sparsam ist wie die heutigen Automobile, ohne Opfer bei Kosten, Bequemlichkeit oder Sicherheit bringen zu müssen.

Im Verlauf dieses Prozesses hoffen wir die besten Wege zur Anwendung der neuen Technologien zu entdecken, die zu noch größeren Verbesserungen bei der Wirtschaftlichkeit führen können – und dies alles binnen 10 Jahren. Der Erfolg dieses Vorgehens wird weniger Abhängigkeit von ausländischem Öl und geringere Treibhausgasemissionen bedeuten. Und abgesehen von den Vorteilen für den amerikanischen Verbraucher birgt das Projekt auch das Versprechen eines extrem attraktiven und wettbewerbsfähigen Autos für Weltmärkte bis zur Jahrhundertwende sowie einer florierenden amerikanischen Automobilindustrie, die es produziert.

Unsere Bauinitiative hat das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit dieser 800 Milliarden Dollar-Industrie durch die Entwicklung sehr viel besserer Konstruktionstechnologien zu verbessern, die zu geringeren Emissionen führen. Mit der uneingeschränkten Zusammenarbeit der Industrie wollen wir sicherstellen, daß unsere Gebäude – ebenso wie unsere Industrie es ist – die produktivsten, effizientesten, sichersten und dauerhaftesten der gesamten Welt sind. Das bedeutet, die Lieferzeit bei einer 50prozentigen Kürzung der Produktionskosten um die Hälfte zu verkürzen.

Wir streben eine 50prozentige Verringerung von Verletzungen und Krankheiten im Baugewerbe bei einer 30prozentigen Verbesserung von Produktivität und Komfort an. Und wir erarbeiten gemeinsam mit der Industrie detaillierte Pläne zur Erlangung dieser Ziele. Wir wollen 50 Prozent weniger Abfall und Luftverschmutzung sowie 50 Prozent mehr Dauerhaftigkeit und Flexibilität.

Wir sind uns darüber im klaren, daß unser Plan ehrgeizig ist. Und wir sind uns bewußt, daß er der Unterstützung der Politiker auf dem Capitol Hill bedarf. Einige unserer früheren Anträge wurden nicht voll finanziert, und der Kongreß erwägt jetzt, die vorher zugesagten Mittel zurückzunehmen. Ebenso wie dieser Vertrag internationalen Konsens erfordert, benötigt unsere innenpolitische Antwort einen nationalen Konsens. Wir wollen mit dem Kongreß in einer echten Partnerschaft im Interesse unserer Nation, der Welt und ihrer Menschen zusammenarbeiten. Es obliegt jedoch der neuen republikanischen Führung im Kongreß, die durch den Klimawandel gebotenen Herausforderungen und Chancen sowie die Notwendigkeit einer amerikanischen Führungsrolle zu erkennen.

Dieser Verantwortung in der Zukunft gerecht zu werden, bedingt die Erkenntnis, daß unsere Pläne und die unserer industrialisierten Partner nur ein erster Schritt sind. In zwei Wochen werden die Nationen in Berlin zusammenkommen um zu entscheiden, was die internationale Staatengemeinschaft als Reaktion auf die jetzt vorliegenden dramatischen wissenschaftlichen Beweise noch tun kann. Auch hierbei wird diese Administration an vorderster Front der globalen Bestrebungen stehen.

Seit fast einem Jahr haben wir erklärt, daß dieses Abkommen unserer Ansicht nach nicht ausreicht. Es enthält nur ein Ziel für das Jahr 2000, und dieses Ziel findet nur auf eine begrenzte Zahl von Ländern Anwendung. Wir sind jetzt in einer Situation, in der die auf der ganzen Welt politisch durchführbare maximale Reaktion immer noch nicht ausreicht, um dieses Problem wirklich in Angriff zu nehmen. Und die Nationen der Welt werden zusammenarbeiten müssen, um echte Richtlinien bezüglich der nach dem Jahr 2000 zu ergreifenden Schritte zu entwickeln. Wir müssen also ein neues Ziel für die Zukunft aushandeln.

Angesichts dieser Begrenzungen und unter Berücksichtigung unserer Verantwortung für die Zukunft arbeiten wir mit anderen Nationen an der Formulierung eines Mandats, dem in Berlin zugestimmt werden kann und das den Kurs für nächste Schritte im Rahmen des Vertrags festlegen kann. Dies erfordert von uns allen die sorgfältige Prüfung, was wir zur weiteren Reduzierung von Treibhausgasemissionen unternehmen können. Mit anderen Worten besteht unser Ziel in Berlin darin, ein Fundament zu legen und mit der Arbeit zu beginnen.

Ebenso wie im natürlichen Klimasystem gibt es im politischen System kritische Punkte. Wenn die Beweise den Stand erreichen, an dem genügend Leute nicht länger den Skeptikern zuhören wollen, deren Argumente nicht auf Fakten gegründet sind, dann verbessern sich nach diesem kritischen Punkt die Chancen für durchschlagende Aktionen erheblich. Aus diesem Grund ist es wichtig, qualitativ hochwertige Forschung zu betreiben. Wir haben diesen Prozeß hier in den Vereinigten Staaten bereits begonnen, und dies wird Teil des von uns in Zukunft verfolgten Prozesses sein.

Aber jetzt ist es an der Zeit, die Verhandlungen wiederaufzunehmen und die Ziele des Vertrags in konkreterer Weise anzugehen. Jetzt ist es an der Zeit, ein neues Verhandlungsmandat zu formulieren, das uns die Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber künftigen Generationen gestatten wird – ein Mandat, das sicherstellt, daß wir von den für die Phase vor dem Jahr 2000 dargelegten wichtigen ersten Schritten aus weitergehen.

Wir sind der festen Überzeugung, daß sich alle Nationen an diesen Bestrebungen beteiligen müssen. Zweifelsohne können und sollten die Industrienationen, die am meisten zu dem Problem beigetragen haben, die Führungsrolle übernehmen. Und wir werden dies tun. Aber wir können die Tatsache einfach nicht ignorieren, daß die Emissionen in den Entwicklungsländern am schnellsten ansteigen, die zusammengenommen für inzwischen nahezu 50 Prozent aller Treibhausgasemissionen der Welt verantwortlich sind. Wir wissen, daß den Industrienationen eine besondere Verantwortung zukommt, und wir unterstützen uneingeschränkt den Appell der Konvention für die Übernahme gemeinsamer aber differenzierter Pflichten. Wir möchten jedoch, daß sich die Entwicklungsländer mit uns an den Verhandlungstisch setzen, so daß wir zusammen diese gemeinsamen aber differenzierten Pflichten für die Zeit nach dem Jahr 2000 definieren können. Nicht damit wir alleine weniger, sondern damit wir gemeinsam mehr tun können – durch Handel, technologische Zusammenarbeit und ein breites Spektrum von Strategien, die Vorteile für alle Nationen bieten.

Wir müssen auch bessere Arbeit leisten um sicherzustellen, daß die Nationen den Worten Taten folgen lassen und wir bezüglich unserer Äußerungen über unser Vorgehen zur Rechenschaft gezogen werden. Bis heute hat nur eine Handvoll Nationen klare und substantielle Vorschläge unterbreitet, mit denen die von ihnen angekündigten Emissionsreduzierungen verwirklicht werden können. Wir müssen eindeutig klarstellen: Gute Absichten und hochfliegende Rhetorik werden nicht ausreichen, um uns bei der Erfüllung der mit der Emissionsreduzierung einhergehenden beträchtlichen Herausforderungen behilflich zu sein. Was im Rahmen des Vertrag benötigt und erwartet wird, sind konkrete Aktionen.

Bei den der Berliner Konferenz folgenden Verhandlungen ist es unabdingbar, daß wir einen Maßnahmenkatalog formulieren, aus dem wir Strategien zur Erreichung des neuen, für die Zeit nach dem Jahr 2000 festgelegten Ziels auswählen. Nur eine analytische Phase als Teil des Verhandlungsprozesses kann uns realisierbare Maßnahmen und das realistische Verständnis dessen bieten, wie unsere Erwartungen und Ziele für die Zukunft aussehen sollten. Die ausgewählten Maßnahmen müssen wirklich eine Emissionsreduzierung herbeiführen, und die Nationen müssen bereit sein, Aktionen in die Wege zu leiten und Resultate vorzulegen.

Und schließlich sind wir der Auffassung, daß ein Verhandlungsmandat so schnell wie möglich formuliert werden sollte. Wir glauben, daß ein aggressiver, ehrgeiziger Ansatz, der kurz- und langfristige Ziele berücksichtigt – das heißt, für die Jahre 2010 und 2020 – bis 1997 entwickelt werden kann, wenn die dritte Konferenz der Unterzeichnerstaaten abgehalten wird. Unseres Erachtens ist dies ein faires Datum, das unsere Sichtweise der Bedeutung und Dringlichkeit des Problems der Klimaveränderungen widerspiegelt und uns auch die Vorlaufzeit zur Entwicklung und Nutzung neuer Technologien gibt.

Auf der einen Seite haben wir Nationen, die eine starke Wählerschaft in ihren jeweiligen Ländern durch Überbieten der übrigen Staaten bei ihren Versprechen zur Emissionsreduzierung mittels künftiger Aktionen zu beruhigen suchen. Was künftige Generationen jedoch benötigen, sind aggressive, meßbare und ehrgeizige Aktionen und nicht politische Versprechungen künftiger Aktionen.

Auf der anderen Seite möchten Neinsager – einige davon in unserem eigenen Land – daß die Vereinigten Staaten schwierigen Problemen wie globaler Klimaveränderung, Abbau der Ozonschicht und allen möglichen Bedrohungen der Gesundheit des Menschen und der Umwelt ausweichen oder sie ignorieren. Weit entfernt vom wissenschaftlichen Konsens leugnen sie die Existenz des Problems und versuchen, die Vereinigten Staaten sogar von der Artikulierung ihrer Sorgen abzuhalten, obwohl die von uns vorgesehenen Aktionen gleichermaßen gut für die Umwelt und die Volkswirtschaft sind.

Dies ist eine intellektuell, politisch und moralisch bankrotte Situation, der widerstanden werden muß. Sie gleicht der Position, die so lange Zeit von der Tabakindustrie angesichts wachsender medizinischer und wissenschaftlicher Beweise über den Zusammenhang zwischen Zigarettenrauchen und Lungenkrebs vertreten wurde. Bis heute können der kausale Zusammenhang und alle Einzelheiten, wie Zigarettenrauchen Lungenkrebs verursacht, nicht mit Genauigkeit festgestellt werden. Der Zusammenhang wird jedoch erkannt. Dies ist eine medizinische Tatsache. Aber viele Jahre lang haben diejenigen mit einem wirtschaftlichen Interesse an der Verzögerung der Erkenntnis dieses Zusammenhangs auf nicht plausible Weise argumentiert, die wissenschaftlichen Beweise seien fraglich, müßten ignoriert werden und seien als Grundlage jeglicher Schlußfolgerung unzureichend.

Sie hatten Unrecht. Und diejenigen, die jetzt versuchen, die Erkenntnis eines Zusammenhangs zwischen der Ansammlung von Treibhausgasen und der globalen Klimaveränderung zu verzögern, haben ebenfalls Unrecht. Wenn Sie an die dramatischen Feuer in Kuwait zurückdenken, als die Ölfelder 1991 in Brand gesetzt wurden, so betrug der gesamte Kohlendioxidausstoß weniger als 1 Prozent dessen, was wir jedes Jahr in die Umwelt freisetzen. Und diese Menge nimmt jedes Jahr zu.

Wir dürfen nicht vergessen, daß wir jetzt Zeuge des extremsten und konzertiertesten Angriffs auf die Umwelt in der Geschichte werden. Das Kernstück des sogenannten Vertrags mit Amerika ist ein Pfeil in das Herz der Umweltgesetze und -verpflichtungen der Nation. Hinter geheimnisvoller Rhetorik über die Reform der Bestimmungen verbirgt sich ein in der Presse weithin erkannter direkter Angriff, der effektiv viele der wichtigsten Umweltgesetze des Landes – vom Gesetz über saubere Luft und dem Gesetz über sauberes Wasser bis zum Gesetz über gefährdete Arten – rückgängig macht. Der Präsident und ich unterstützen dies nicht und werden es nicht akzeptieren. Die Gesundheit unserer Kinder, die Sicherheit unserer Arbeitnehmer und die Integrität unserer Umwelt dürfen nicht so rücksichtslos aufs Spiel gesetzt werden.

Statt die Umweltinitiativen anzugreifen, hoffen wir, daß der Kongreß mit uns gemeinsam Maßnahmen erarbeitet, die ebenso umweltverträglich wie wirtschaftlich vorteilhaft sind.

Abschließend möchte ich eine Analogie zu der Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf ein anderes Problem bilden, das in mancher Hinsicht der globalen Klimaveränderung vergleichbar ist. Es handelt sich um das Problem des Abbaus der Ozonschicht. Bei ungefähr gleichem wissenschaftlichen Kenntnisstand kamen die Nationen der Welt vor zehn Jahren in Montreal zusammen, um kluge Schritte zum Schutz der Stratosphäre zu unternehmen. Diese ersten Bestrebungen wurden nach einer beeindruckenden wissenschaftlichen Entdeckung verstärkt – einem Loch in der Ozonschicht über der Antarktis von der Größe des nordamerikanischen Kontinents.

Nachdem diese Entdeckung bestätigt wurde, überschritt die internationale Staatengemeinschaft die Schwelle, hinter der die Einigung über die Notwendigkeit zu handeln viel leichter wurde. Dies führte zu den Londoner Zusatzartikeln von 1990, mit denen die Welt das schrittweise Verbot der die Ozonschicht am stärksten schädigenden Chemikalien vereinbarte sowie zum darauffolgenden Kopenhagener Abkommen, das den Prozeß um fünf Jahre beschleunigte. Jeder Amerikaner kann stolz darauf sein, daß die Vereinigten Staaten politisch und wissenschaftlich zu diesen Bestrebungen beigetragen haben.

Ebenso wie beim Ozonproblem haben die Nationen bezüglich der Art der Bedrohung durch den Klimawandel Einigung erzielt, und wir haben erste vorsichtige Schritte zur Abwendung dieser Bedrohung unternommen. Dies ist jedoch nur der Anfang. Ich glaube, wir können die von mir zu Beginn meiner Rede zitierte Frage von Sir Roche bezüglich der Nachwelt mit einem von dem großartigen irischen Dichter William Butler Yeats verfaßten Satz beantworten. Er schrieb: „Ich habe meine Träume unter Deinen Füßen ausgebreitet. Tritt sanft auf, denn Du trittst auf meine Träume.“

Wenn wir nicht sanft auftreten, werden unsere Träume für die Zukunft nichts als Träume bleiben. Wir wollen sicherstellen, daß unsere nächsten Schritte die richtigen sind. Ich danke Ihnen.