Rede auf dem multikulturellen Empfang der US-Botschaft

Geschäftstrager Logdson während der Rede

Es gilt das gesprochene Wort.

Interkultureller Empfang in der Residenz des Geschäftsträgers ad interim
Geschäftsträger ad interim Kent Logsdon
Berlin, Donnerstag, 2. Februar 2017

Michelle und ich freuen uns sehr, Sie alle anlässlich des jährlichen interkulturellen Empfangs der Botschaft in unserer Residenz begrüßen zu dürfen.

Bei diesem Empfang feiern wir traditionell den Martin Luther King Jr. Day. Das ist auch in diesem Jahr der Fall, auch wenn wir etwas spät dran sind. Dieser Feiertag wird jedes Jahr am dritten Montag im Januar begangen. Wir haben nun schon Februar, so dass wir heute Abend auch den Beginn des Black History Month feiern. Seit 1976, dem 200. Geburtstag der Vereinigten Staaten, wird er landesweit begangen, um die in der Geschichte der Vereinigten Staaten allzu oft unbeachteten Errungenschaften schwarzer Amerikanerinnen und Amerikaner auf allen Gebieten zu würdigen.

Noch wichtiger ist aber, dass mir dieser Empfang die Gelegenheit bietet, Ihnen – Vertretern aus Religion, Zivilgesellschaft und Politik in Deutschland –, für ihre Arbeit zu danken, die Sie leisten, um die Vision von Toleranz, Vielfalt, Gleichberechtigung und Freiheit zu fördern. Diese Ideale stehen für das Vermächtnis von Dr. Martin Luther King jr. Dr. King war davon überzeugt, dass alle Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Ethnie, dazu ermuntert werden sollten, einen offenen Dialog mit Menschen aus unterschiedlichsten Verhältnissen und jeglicher Herkunft zu führen.

Wir haben mit vielen von Ihnen gemeinsam an Projekten gearbeitet, die diese Grundvorstellung von Menschenrechten widerspiegeln, Initiativen, die den Menschen helfen, religiöse und kulturelle Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. Dieser Empfang bietet mir außerdem die Gelegenheit, Ihnen allen für Ihr Engagement, Ihre Kreativität und Ihre Partnerschaft zu danken – im vergangenen Jahr und auch in der Zukunft.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Bedenken eingehen, die einige von Ihnen vielleicht haben. Wir verstehen, dass viele Menschen hier in Deutschland und in anderen Ländern angesichts einiger politischer Veränderungen, die Präsident Trump angekündigt hat, beunruhigt sind. In den vergangenen Tagen haben wir gesehen, dass eine lebhafte Debatte über die jüngsten befristeten Maßnahmen bezüglich der Sicherheit und Reisen in unser Land entstanden ist. In einer Zeit zunehmender weltweiter Bedrohung durch Terrorismus ist das eine Frage, mit der sich aufeinanderfolgende US-Präsidenten befassen mussten. Die Regierung Trump nimmt ihre Verantwortung, die amerikanische Öffentlichkeit zu schützen, sehr ernst. Die Entscheidung der Regierung, die Sicherheitsüberprüfung zur Ausstellung von Visa sowie zur Aufnahme von Flüchtlingen zu überarbeiten und zu verschärfen, ist darauf ausgerichtet, die Sorgen vieler Amerikanerinnen und Amerikaner zu berücksichtigen, die sie im Wahlkampf zum Ausdruck gebracht haben. Während die Regierung an einer Neubewertung der Verfahren arbeitet, werden wir die Dynamik des demokratischen Diskurses in den Vereinigten Staaten fortwährend beobachten können. Meine Landsleute werden weiterhin verschiedene Ansichten darüber zum Ausdruck bringen, wie wir unser Land am besten schützen und gleichzeitig diese seit Langem bestehenden Werte erhalten können, die das Fundament der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der amerikanischen Geschichte sind.

Wie der neue Außenminister, Rex Tillerson, in seiner Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuss des US-Senats sagte: „Wenn es um Menschenrechte geht, werden unsere Werte zu unseren Interessen.“

Die Förderung von Freiheit und Demokratie sowie der Schutz der Menschenrechte weltweit sind wesentliche Bestandteile der amerikanischen Außenpolitik. Die Werte der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und anderer weltweiter und regionaler Verpflichtungen stehen in Einklang mit den Werten, auf deren Fundament die Vereinigten Staaten vor Jahrhunderten gegründet wurden.

Als wir 1986 den ersten Martin Luther King Day begingen, erinnerte Präsident Ronald Reagan an diese universellen Werte. Er schrieb: „[Dies ist ein Tag] der Freude und Erinnerung. Wir freuen uns, weil Dr. Martin Luther King jr. durch seine Predigten, seine Vorbildfunktion und seine Führungsstärke in seinem kurzen Leben dazu beigetragen hat, uns näher an die Ideale zu führen, auf denen die Vereinigten Staaten gegründet wurden. Wir erinnern uns an seine Worte und an sein Werk… Er hat uns aufgefordert, die Verheißungen der Vereinigten Staaten – als einem Land der Freiheit, Gleichberechtigung, Chancen und Brüderlichkeit –, zu verwirklichen.“ In diesem Jahr hat der damals noch designierte Präsident Donald Trump alle Amerikanerinnen und Amerikaner dazu aufgerufen, anlässlich des Martin Luther King Day „all die wunderbaren Dinge, für die er stand“ zu würdigen.

Die Dynamik, die entsteht, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Regionen, unterschiedlicher Abstammung und unterschiedlichen Glaubens zusammenkommen, um sich und ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen, hat unser Land geprägt und wird es auch in Zukunft prägen. Unsere Stärke liegt nicht nur in unserer Vielfalt, sondern auch in unserer Fähigkeit, die Probleme, die sich uns durch die Integration stellen, zu lösen und zu überwinden.

In den Vereinigten Staaten und auch hier in Deutschland können wir stolz auf die dauerhaften Ideale sein, die unsere Länder prägen, und die Freiheiten, die wir mit großem Aufwand sichern.
Nochmals vielen herzlichen Dank, dass Sie heute Abend bei uns sind.

Ich freue mich jetzt auf die musikalische Darbietung von Beatrix Becker und Gregor Fuhrmann. Die beiden werden uns den ganzen Abend über mit ihrer Musik begleiten. Frau Becker, möchten Sie und Herr Fuhrmann sich kurz vorstellen?