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Februar 13, 2024

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen – eine einzigartige Partnerschaft Zehn Jahre American Space in Leipzig

Anlässlich der Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen des American Space Leipzig hielt Geschäftsträger Clark Price am 7. Februar 2024 eine Rede in Leipzig.

Rektorin Obergfell, Dr. Lipp, ich danke Ihnen für die Organisation dieser Jubiläumsfeier – und ich danke Ihnen für Ihr anhaltendes Engagement für diese einzigartige und ganz besondere Zusammenarbeit zwischen der Universität Leipzig und dem US-Außenministerium.

Bürgermeister Hörning, wir sind stolz darauf, in Leipzig präsent und ein integraler Bestandteil des sozialen Gefüges dieser großartigen Stadt zu sein. Ich danke Ihnen für Ihr Engagement für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, das sowohl durch Ihre Partnerschaft mit unserem hiesigen Konsulat als auch durch Ihre Unterstützung des American Space Leipzig und des Deutsch-Amerikanischen Instituts Sachsen (DAIS) zum Ausdruck kommt. Ich möchte meinem Freund, Generalkonsul John Crosby, für die Arbeit, die er uns sein Team hier in Leipzig leisten, ein großes Lob aussprechen.

Eric Fraunholz, Erica Larson Bautze, auf Ihre großartige Arbeit werde ich später noch zu sprechen kommen. Herzlichen Glückwunsch an Sie beide und Ihr Team.

Herr Professor Schneider, Herr Professor Kanzler, als Crister Garrett mit der Idee zu Ihnen kam, die Beziehungen der Universitätsbibliothek und des Fachbereichs Amerikanistik zu Partnern in den Vereinigten Staaten zu vertiefen, hatten sie dafür ein offenes Ohr. Dafür danke ich Ihnen.  Ich weiß, wie überzeugend er sein konnte und was für ein großer Freund und Förderer dieser Universität, dieser Stadt und dieser Region er war. Er hat das Leben so vieler Studierender berührt – durch Initiativen wie diese.

Als der American Space hier in der Albertina-Bibliothek vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, wurde er Teil des Netzwerks Deutsch-Amerikanischer Institute, die von der US-Regierung in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in mehreren Städten Westdeutschlands eingerichtet wurden.

Diese Institute waren „Fenster nach Amerika“, die Wissen über die Vereinigten Staaten vermitteln sollten, aber vor allem auch die  Verbindungen und den Dialog zwischen den Bürgerinnen und Bürgern Deutschlands und der Vereinigten Staaten wiederherstellen sollten.

Der American Space Leipzig wurde zudem Teil des weltweiten Netzwerks von rund 600 American Spaces des US-Außenministeriums. Diese Zentren sind ein wichtiger Bestandteil unserer Initiativen im Bereich der Public Diplomacy. Public Diplomacy befasst sich damit, Beziehungen zwischen Menschen zu schaffen, aufzubauen und zu stärken.

Präsident Biden sagt oft, es geht schlicht um die Erkenntnis, dass es in der Außen- und Innenpolitik um Menschen geht.

Nirgendwo wird diese Lektion der Geschichte deutlicher als hier in Leipzig, wo die Macht des Volkes vor 35 Jahren die Geschichte veränderte. Was vor 35 Jahren in Leipzig und Berlin und in der gesamten DDR geschah, führt uns vor Augen, was Menschen erreichen können, wenn sie sich gemeinsam für eine Sache einsetzen; und genau das erleben wir heute in Deutschland. Aus dem Blickwinkel des Jahres 2024 ist es bemerkenswert, dass aus den Trümmern der Diktatur eine so starke und lebendige Demokratie entstanden ist.

Die Vereinigten Staaten unterhalten enge, kooperative Beziehungen zu vielen Verbündeten, aber die Beziehungen zu Deutschland sind einzigartig. In den Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich ein Klima der Zusammenarbeit und des Vertrauens, das alle Bereiche unserer wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Beziehungen positiv beeinflusst hat.

Und vor 34 Jahren konnten wir auf diesem Klima der Zusammenarbeit und der Tiefe dieser Beziehungen aufbauen, als fünf neue Bundesländer das Bild vervollständigten und den Zukunftstraum von einer Welt nach dem Mauerfall Wirklichkeit werden ließen.

Das deutsch-amerikanische Netzwerk an persönlichen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Beziehungen, das wir heute haben, ist einzigartig auf der Welt.

Natürlich wurden die persönlichen und beruflichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der DDR bereits vor dem Fall der Mauer sorgsam aufgebaut und gepflegt.

Im Jahr 1986 richtete die Deutsche Demokratische Republik, die wir Amerikanerinnen und Amerikaner als das „andere Deutschland“ kannten, ein zwischenstaatliches akademisches Austauschprogramm ein, das die Fulbright-Grundsätze übernahm. Die Einrichtung eines Fulbright-Programms in der DDR war Teil des  Wandels, der sich in Osteuropa vollzog.

Die Amerikanische Botschaft in Ost-Berlin wurde damit beauftragt, dieses neue Fulbright-Austauschprogramm im Namen der Vereinigten Staaten zu verwalten. US-Diplomaten reisten durch die DDR und erkundeten Aspekte der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ostdeutschland und dem Westen. Sie trafen bei Theateraufführungen Regisseurinnen und Regisseure und sprachen bei Kunstausstellungen mit Künstlerinnen und Künstlern. Sie führten vorsichtige Gespräche mit Studierenden und ihren engagierten Lehrkräften an großen Universitäten oder mit interessierten Lesenden auf der Leipziger Buchmesse – und weniger vorsichtige Gespräche mit überzeugten und leidenschaftlichen Reformkräften in Kirchenkellern. Sie bekamen ein Gespür für den sich vollziehenden Wandel. Wie wir alle wissen, hätte die Geschichte auch anders verlaufen können. In einigen Teilen der Welt ist sie das auch.

Es war eine entscheidende Zeit in der deutschen Geschichte – und eine spannende Zeit für die Diplomatie. Ich will ganz offen sein: Im Jahr 1989 war ich Praktikant an unserer Botschaft in Bonn, und diese aufregende Zeit hat mich dazu inspiriert,  in den Auswärtigen Dienst einzutreten, dem ich nun seit mehr als dreißig Jahren als Diplomat angehöre. Ohne die Deutschen und Deutschland wäre es nicht so gekommen.

Eine der ersten Amtshandlungen der Botschaft nach der Wiedervereinigung war die Wiedereröffnung des US-Konsulats in Leipzig, das 1941 geschlossen worden war. Eine Reihe neuer kultureller, pädagogischer, politischer und wirtschaftlicher Programme wurde ins Leben gerufen. Wir waren zum Beispiel davon überzeugt, dass Ostdeutschland eines Tages wieder zu einem Wirtschaftsmotor werden würde. In der Tat ist die amerikanische Wirtschaft heute in ganz Mitteldeutschland überaus präsent.

Aber auch unsere Partnerschaft mit der Universität Leipzig gehörte zu den wesentlichen Elementen, die uns geholfen haben, die zwischenmenschlichen Beziehungen aufzubauen, die für die Vertiefung unserer transatlantischen Beziehungen so wichtig sind.

Der Erfolg einer Partnerschaft hängt oft davon ab, ob sie für beide Seiten von Vorteil ist. Die hier dargestellten Synergien zwischen dem Institut für Amerikastudien, der Universitätsbibliothek und dem American Space Leipzig waren der Beginn von etwas Großem. Für uns war es auf jeden Fall eine Erfolgsgeschichte.

Botschafterin Gutmann hält sich diese Woche in den Vereinigten Staaten auf. Sie lässt ihre besten Wünsche ausrichten. Im Namen der Botschafterin, von Generalkonsul Crosby und seinen fantastischen Kolleginnen und Kollegen sowie unseres Teams für Public Diplomacy an der Botschaft möchte ich Ihnen sagen, wie dankbar wir der Universität Leipzig, der Universitätsbibliothek Leipzig, dem Freistaat Sachsen, der Stadt Leipzig und der Europäischen Stiftung der Rahn Dittrich Gruppe für Bildung und Kultur sind, die alle American Spaces und DAIS mitfinanzieren. Wir danken Ihnen für Ihre Partnerschaft, Ihr Engagement und Ihre Unterstützung.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und insbesondere seit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung sind Deutschland und die Vereinigten Staaten zu der gemeinsamen Einsicht gelangt, dass unsere Sicherheit und unser Wohlstand von unserem gemeinsamen Einsatz für eine freie, offene, sichere und wohlhabende Welt und insbesondere für ein vollständiges und freies Europa abhängen.

Das europäische Projekt war nie nur eine Initiative für Sicherheit oder Wirtschaft; es war ein Projekt, das auf gemeinsamen Werten beruhte. Wenn wir über die Werte sprechen, die unsere beiden Länder verbinden, dann geht es letzten Endes vor allem um die Achtung von Demokratie und Menschenwürde.

Diejenigen von uns, die das Glück haben, in starken Demokratien zu leben, tragen Verantwortung dafür, ihre Grundrechte weise zu nutzen. Demokratie ist harte Arbeit. Wir dürfen sie nicht als selbstverständlich erachten.

In den vergangenen Wochen sind in ganz Deutschland – in Ost und West – Hunderttausende von Menschen auf die Straße gegangen und haben ihr Engagement für die Demokratie gezeigt. Sie zeigen Haltung gegen Hass und Rechtsextremismus und für Freiheit und Demokratie.

Wir sind an einem Wendepunkt angelangt. Dieser Augenblick in unserer gemeinsamen Geschichte verlangt von uns, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um, mit unseren eigenen Worten und Taten, die Welt zu gestalten, die wir anstreben.

Im vergangenen Jahrhundert waren die offensichtlichsten Wendepunkte zwei Weltkriege und ihre Nachwirkungen sowie das Ende des Kalten Kriegs. Was haben wir daraus gelernt?

Eine wichtige Lehre ist, dass der Preis der Untätigkeit im Allgemeinen höher ist als der Preis des Handelns. Aus diesem Grund unterstützen die Vereinigten Staaten gemeinsam mit ihren Verbündeten und Partnern die Ukraine weiterhin dabei, sich gegen die russische Aggression zu verteidigen. Unser anhaltendes Engagement für die Menschen in der Ukraine wird durch eine einfache Lehre unterstrichen, die wir aus der Geschichte ziehen. Wenn Diktatoren für ihr aggressives Vorgehen keinen Preis zahlen müssen, verursachen sie immer wieder Chaos, Tod und Zerstörung.

Auch der Konflikt im Nahen Osten bedroht die globale Sicherheit. Unser gemeinsames Ziel besteht nicht nur darin, diesen Krieg zu beenden. Wir müssen uns dafür einsetzen, den Kreislauf der nicht enden wollenden Gewalt zu durchbrechen und dauerhaft Frieden zu erreichen, sodass ein Weg zur Schaffung eines sicheren Israels und eines unabhängigen palästinensischen Staates gefunden werden kann.

Unsere Welt steht vor vielen Herausforderungen. Wenn wir Themen wie die grundlegenden Menschenrechte, den Klimawandel, die Regulierung der künstlichen Intelligenz, die Gleichberechtigung und die Rechte von LGBTQAI+, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, die Ernährungssicherheit, den globalen Frieden und andere Herausforderungen angehen wollen, müssen wir zusammenarbeiten.

Deshalb bin ich so erfreut zu erfahren, wie das DAIS und der American Space Leipzig ihre gemeinsame Plattform nutzen, um die Herausforderungen unserer Zeit anzugehen.

Bei meinem Rundgang durch die Albertina heute Abend konnte ich mir die aktuelle Ausstellung der Universitätsbibliothek „The Dictionary of War“ anschauen, in der ein ukrainischer Autor untersucht, wie der Krieg die Art und Weise, wie wir sprechen, und die Bedeutungen, die wir Worten zuschreiben, beeinflusst.

Im vergangenen Herbst haben das DAIS und der American Space Leipzig mit einer Reihe von Veranstaltungen im Rahmen ihrer „Ukrainischen Woche“ die subversive Kraft der ukrainischen Literatur und die Herausforderungen der Lehre in Kriegszeiten untersucht.

Das DAIS und der American Space Leipzig haben sich auch mit Themen von Klimawandel über Diversität bis hin zur Bekämpfung von Desinformation und E-Sport beschäftigt. Eric Fraunholz und Erica Larson Bautze und ihr großartiges Team haben die Vorspultaste gedrückt und das DAIS in den „Fast Forward“-Modus versetzt. Sie haben die Führung bei der Entwicklung von Angeboten übernommen, die von anderen deutsch-amerikanischen Instituten – alle viel älter und etablierter – übernommen wurden. Ihre Programme zur Bekämpfung von Antisemitismus und zum Gedenken an den Holocaust stechen besonders hervor.

Vor allem jedoch haben das DAIS und der American Space Leipzig Verbindungen zu einer neuen Generation von Studierenden geknüpft.

Ich habe bereits darüber gesprochen, wie mich die Ereignisse von 1989 dazu inspiriert haben, Diplomat zu werden. Die ersten Alumni – sowohl deutsche als auch amerikanische – des ersten Fulbright-Programms in der DDR haben mir erzählt, was sie bei diesen ersten Expeditionen in Gesellschaften auf der anderen Seite der Mauer gelernt haben – und wie diese Erfahrung ihr Leben verändert hat.

Eine Möglichkeit, junge Menschen zu inspirieren und mit ihnen in Kontakt zu treten, ist eine neue Initiative, die wir an der Botschaft und unseren fünf Konsulaten ins Leben gerufen haben: unsere Kampagne Stand Up, Speak Out for Democracy. Gemeinsam mit verschieden Adressatinnen und Adressaten sowie Partnern in ganz Deutschland denken wir darüber nach, was aktive Teilhabe an unseren demokratischen Systemen bedeutet, und wie wir die Stimmen ermutigen können, die uns weiter in Richtung der Verwirklichung von vollkommeren Demokratien vorantreiben werden. Wir würden gerne mit Ihnen zusammenarbeiten.

Die Herausforderung für uns alle an diesem neuen Wendepunkt in unserer gemeinsamen Geschichte besteht darin, für die Demokratie und gegen Fanatismus, Intoleranz und Vorurteile aufzustehen.

Botschafterin Gutmann sagt es häufig so: Alles, das wir tun, hat eine Wirkung. Und auch alles, das wir nicht tun, hat eine Wirkung.

Machen wir das Jahr 2024 gemeinsam zu dem Jahr, in dem wir mehr denn je tun, um unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Nochmals vielen Dank für Ihr Engagement für diesen wunderbaren American Space Leipzig und für das Deutsch-Amerikanische Institut Sachsen.

Originaltext: GERMAN-AMERICAN RELATIONS – A UNIQUE PARTNERSHIP