Der digitale Übergang: Wie der Regierungswechsel im Zeitalter sozialer Medien funktioniert

Präsident Obama mit seinem iPhone

WASHINGTON – (AD) – Im nachfolgenden Beitrag von Kori Schulman (Twitter-Konto: @KS44), Sonderberaterin des Präsidenten und stellvertretende Leiterin des Bereichs digitale Medien, geht es um die Frage, wie die digitale Historie der Regierung Obama nach dem anstehenden Regierungswechsel in den Vereinigten Staaten bewahrt und weiter genutzt werden kann. Der Text erschien am 31. Oktober 2016 auf dem White House Blog.

Präsident Obama ist der erste „Social-Media-Präsident”: Er war der erste Präsident auf Twitter (@POTUS on Twitter), der erste Präsident, der sich live über Facebook vom Oval Office aus meldete, der erste Präsident, der Fragen von Bürgern auf YouTube beantwortete und der erste Präsident, der  die Filtereffekte von Snapchat nutzte. In den vergangenen acht Jahren haben der Präsident, der Vizepräsident, die First Lady und das Weiße Haus die sozialen Medien genutzt, um mit den Menschen in unserem Land und weltweit über die wichtigsten Fragen unserer Zeit zu sprechen (und dabei nebenbei ein bisschen Spaß zu haben).

Wenn wir auf die letzten acht Jahre zurückblicken, stellen wir fest, dass unser digitaler Fußabdruck deutliche Veränderungen der Art und Weise widerspiegelt, wie wir uns informieren mit der Welt um uns herum online Kontakt aufnehmen. 2009 haben wir den Internetauftritt von WhiteHouse.gov rundumerneuert; es gibt jetzt auch einen Blog, RSS, und einen E-Mail-Verteiler, wir haben  Konten auf Facebook, Twitter, Flickr, Vimeo, iTunes und sogar MySpace. 2011 haben wir die Plattform We the People eingerichtet, über die Bürgerinnen und Bürger Petitionen an das Weiße Haus richten können. 2013 postete die First Lady ihr erstes Foto auf Instagram. 2015 setzte Präsident Obama seinen ersten Tweet mit dem Handle @POTUS ab. 2016 veröffentlichte das Weiße Haus einen offiziellen Artikel über den Bericht zur Lage der Nation zuerst auf Snapchat. Diese digitale Infrastruktur wird nicht nur dem nächsten Präsidenten zugutekommen – alle zukünftigen Präsidenten können darauf aufbauen. Das Archiv gehört den Amerikanerinnen und Amerikanern.

Es war von Anfang an unser Ziel, die amerikanische Bevölkerung und Menschen aus aller Welt über die Kanäle und Plattformen zu erreichen, auf denen sie sich ohnehin bewegen. Damit wurde bereits im Wahlkampf von Präsident Obama 2008 begonnen. Im Laufe seiner Amtszeit bedeutete dies immer häufiger, Menschen dort zu begegnen, wo sie online aktiv waren, Technologie zu nutzen, um traditionelle Formate zu überdenken und einzigartige Chancen für die Interaktion von Bürgern und Staat zu schaffen.

Die letzten acht Jahre haben uns außerordentlich zuversichtlich gestimmt, wenn es darum geht, wie zukünftige Regierungen diese Werkzeuge nutzen können, um noch mehr Möglichkeiten für sinnvolle Bürgerbeteiligung zu schaffen.

Was wird also nach fast acht Jahren digitaler Premieren, mehr als 470.000 über We the People eingereichten Petitionen, fast 30.000 @WhiteHouse-Tweets und Tausenden Stunden Videomaterial geschehen, wenn die nächste Regierung ihre Arbeit aufnimmt?

Der Präsident hat deutlich zu verstehen gegeben, dass ein reibungsloser Übergang von einer Regierung auf die nächste für ihn Priorität hat, und der digitale Bereich gehört zu den wichtigsten Elementen dieses Übergangs. Ein Großteil des digitalen Übergangs ist neu für die Vereinigten Staaten, ein friedlicher Machtwechsel ist es nicht. Wir können uns dabei an einigen wichtigen Leitlinien orientieren. Demgemäß versuchen wir zu gewährleisten, dass unsere digitale Übergabe drei grundlegende Ziele erfüllt: Erstens wird das Material, das in unserer Amtszeit entstanden ist, von der National Archives and Records Administration (NARA) archiviert. Vom Tweet bis zum Snap wird alles, was wir online veröffentlicht haben, bei der NARA archiviert, ebenso wie die von handgeschriebenen Notizen über Faxe und E-Mails reichenden Akten vorheriger Regierungen. Zweitens versuchen wir, so weit wie möglich zu gewährleisten, dass das Material weiterhin auf den Plattformen zugänglich ist, auf denen es entstanden ist, damit die Inhalte in Echtzeit abrufbar bleiben. Und zu guter Letzt wollen wir sicherstellen, dass der nächste Präsident und die nächste Regierung – unabhängig davon, welcher Partei sie angehören – die von uns entwickelten digitalen Möglichkeiten zur unmittelbaren Kontaktaufnahme mit den Bürgern, denen sie dienen, weiter nutzen und entwickeln können.

Im Folgenden finden Sie einen Überblick darüber, wie das konkret funktionieren wird:

Soziale Medien:

Der Twitter-Handle @POTUS beispielsweise wird ab dem 20. Januar 2017 dem 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten zur Verfügung stehen. Das Konto behält seine über 11 Millionen Follower, aber die alten Tweets werden von der Timeline gelöscht. @POTUS44, ein neuer von der NARA verwalteter Handle, enthält alle Tweets von Präsident Obama und wird der Öffentlichkeit auf Twitter als Archiv von Präsident Obamas Einträgen zugänglich sein.

Darüber hinaus werden die Tweets von Präsident Obama bei der NARA archiviert und dort ebenso wie alle anderen präsidialen Unterlagen aufbewahrt und zugänglich gemacht. Dies gilt auch für Twitter-Handles wie @WhiteHouse, @FLOTUS, @PressSec und @VP. Offizielle personenbezogene Konten wie @KS44 werden an die NARA übergeben und sind in Form eines Archivs aller Tweets von Mitarbeitern des Weißen Hauses weiter für die Öffentlichkeit zugänglich.

Auf Instagram und Facebook erhält das neue Team im Weißen Haus Zugang zu den Nutzernamen White House, der jeweiligen URL und behält die Follower, auf der Chronik sind allerdings keine Einträge vorhanden. Inhalte des Weißen Hauses, die unter Präsident Obama auf den Instagram- und Facebook-Seiten des Weißen Hauses gepostet wurden, werden archiviert und sind unter Instagram.com/ObamaWhiteHouse und Facebook.com/ObamaWhiteHouse weiterhin öffentlich zugänglich. Die Facebook-Konten von Präsident Obama und Vizepräsident Biden sowie die Instagram-Konten der First Lady und des Vizepräsidenten werden von der NARA unter neuen Benutzernamen mit dem Zusatz „44“ abgespeichert und verwaltet.

Mit anderen offiziellen Konten auf Plattformen wie Medium, Tumblr und YouTube wird ähnlich verfahren. Diese Seiten werden, ebenso wie der Benutzername White House, die URL des Weißen Hauses und die dazugehörigen Follower, an das 45. Team im Weißen Haus übertragen, allerdings ohne Inhalte. Die vom Weißen Haus unter der Regierung Obama geposteten Inhalte bleiben erhalten und werden ebenso wie alle anderen präsidialen Akten unter einer neuen Adresse öffentlich zugänglich gemacht.

We the People:

Aktuell sind auf der Plattform We The People des Weißen Hauses mehr als 12 Millionen Menschen registriert, die bereits mehr als 470.000 Petitionen zu Themen, die ihnen besonders am Herzen liegen, bei der Regierung eingereicht haben. Die Regierungsvertreter sind vom Weißen Haus angehalten, auf jede Petition mit mindestens 100.000 Unterschriften zu antworten. Mit den Jahren hat sich diese Seite zu einer wichtigen Plattform entwickelt; die dort eingereichten Petitionen landen nicht nur auf den Schreibtischen hochrangiger Mitarbeiter und des Präsidenten, sondern haben auch Einfluss auf politische Maßnahmen, beispielsweise wenn es um die Freischaltung von Mobiltelefonen und Netzneutralität geht. Der Quellcode von „We The People“ ist offen, und wir unternehmen alles in unserer Macht Stehende, um es zukünftigen Regierungen leicht zu machen, diese Tradition fortzusetzen. Die Petitionen und unsere Reaktionen darauf werden ebenfalls von der NARA archiviert.

WhiteHouse.gov:

Ähnlich wie die Seiten des Weißen Hauses unter den Regierungen Clinton und Bush bleibt auch die WhiteHouse.gov-Präsenz von Präsident Obama auf dem Stand des 20. Januar 2017 erhalten und wird unter der Adresse ObamaWhiteHouse.gov zugänglich gemacht. Das neue Team im Weißen Haus erhält Zugriff auf die Domain WhiteHouse.gov. Sämtliche unter der Regierung Obama auf die Seite gestellten Inhalte werden von der NARA archiviert.

Videos und Fotos:

In den letzten acht Jahren sind Tausende Stunden Videomaterial und Millionen von Fotos entstanden. Alle diese Filme und Bilder werden der NARA übergeben, die sie archiviert und gemäß dem Presidential Records Act öffentlich zugänglich macht. Die auf WhiteHouse.gov, Flickr und Instagram veröffentlichten Fotos und die auf YouTube, Vimeo und anderen Plattformen des Weißen Hauses veröffentlichten Videos werden dort unter neuen Benutzernamen weiterhin abrufbar sein. Auch sie werden von der NARA verwaltet. Die geposteten Bild- und Videoinhalte werden von der NARA auch in voller Auflösung archiviert.

Öffentlicher Zugang zu den Daten:

Zusätzlich zu den Schritten, die das Weiße Haus und die NARA unternehmen, möchten wir der amerikanischen Bevölkerung ermöglichen, sich an diesem Vorgang zu beteiligen. Das bedeutet insbesondere, dass wir uns dafür einsetzen, am Ende der Amtszeit dieser Regierung die Inhalte, die wir in sozialen Netzwerken gepostet haben, auf einfache und umfassende Weise abrufbar zu machen, z. B. in Form herunterladbarer Zipdateien. In der Zwischenzeit rufen wir alle Amerikanerinnen und Amerikaner, ob Studierende oder Dateningenieure, Künstler oder Forscher, dazu auf, kreative Ideen zur Archivierung dieser Inhalte einzubringen und sie so für die kommenden Jahre nützlich und verfügbar zu machen. Von Twitter-Bots über Kunstprojekte und Bücher bis hin zu Abfragetools sind wir für alle Vorschläge offen. Das Weiße Haus wird Personen mit Interesse an der Entwicklung von Ideen für die öffentliche Nutzung der Social-Media-Daten diese zeitnah zugänglich machen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wie Sie Ihre Ideen einreichen können, klicken Sie bitte hier.

Angesichts der Tatsache, dass es einen digitalen Übergang dieses Ausmaßes bisher nicht gegeben hat, gehen wir davon aus, dass wir in seinem Verlauf sehr viel lernen werden. Es ist also durchaus möglich, dass wir unser Vorgehen noch anpassen werden. Folgen Sie uns auf @WHWeb, um über den digitalen Übergang, die Freigabe von Daten und weitere Themen auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Originaltext: The Digital Transition: How the Presidential Transition Works in the Social Media Age