Eine Dosis Hoffnung

Präsident Biden bei seiner Rede vor beiden Kammern des Kongresses (Foto: Weißes Haus)

US-Präsident Joe Biden hielt am 28. April 2021 auf Einladung der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi eine Ansprache vor beiden Kammern des US-Kongresses. Die erste Ansprache eines neu gewählten US-Präsidenten im US-Kapitol gilt nicht als Bericht zur Lage der Nation, der üblicherweise jährlich abgegeben wird.  

Es gilt das gesprochene Wort.

Madam Speaker,

Frau Vizepräsidentin.

Das hat bisher kein Präsident von diesem Podium aus gesagt, und es war höchste Zeit.

First Lady,

Second Gentleman,

Herr Präsident des Obersten Gerichtshofs,

sehr geehrte Mitglieder des Kongresses der Vereinigten Staaten und des Kabinetts, verehrte Gäste,

liebe amerikanische Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wir kommen heute Abend an einem vertrauten Ort zusammen, dennoch ist diese Zusammenkunft ganz anders, denn sie führt uns die außergewöhnlichen Zeiten vor Augen, in denen wir leben.

Im Verlauf unserer Geschichte haben hier immer wieder Präsidenten zum Kongress, der Nation und der Welt gesprochen.

Sie haben hier den Krieg erklärt und den Frieden gefeiert. Sie haben neue Pläne und Möglichkeiten verkündet.

Ich bin heute Abend hier, um mit Ihnen über die Krise und über Chancen zu sprechen.

Über den Wiederaufbau unserer Nation und die Wiederbelebung unserer Demokratie.

Darüber, wie wir die Zukunft für Amerika gewinnen können.

Ich stehe heute Abend hier, nur einen Tag vor dem 100. Tag meiner Amtszeit.

Es sind 100 Tage vergangen, seit ich den Amtseid abgelegt, meine Hand von unserer Familienbibel genommen und die Führung einer Nation in der Krise übernommen habe.

Eine Jahrhundert-Pandemie.

Die schwerste Wirtschaftskrise seit der Weltwirtschaftskrise 1929.

Der schlimmste Anschlag auf unsere Demokratie seit dem Bürgerkrieg.

Jetzt, nach nur 100 Tagen, kann ich dem Land berichten: Es tut sich wieder etwas in Amerika.

Gefahren werden zu Möglichkeiten. Krisen zu Chancen. Rückschläge zu Stärken.

Das Leben kann uns umhauen.

Aber in Amerika bleibt man nicht einfach liegen.

In Amerika stehen wir immer wieder auf.

Und genau das tun wir heute: Amerika erhebt sich wieder.

Wir wählen Hoffnung statt Angst. Wahrheit statt Lügen. Licht statt Dunkelheit.

Nach 100 Tagen der Rettung und Erneuerung ist Amerika bereit, loszulegen.

Wir arbeiten wieder. Träumen wieder. Entdecken wieder. Führen die Welt wieder an.

Wir haben einander und der Welt gezeigt: In Amerika gibt man nicht auf.

Vor 100 Tagen waren die Vereinigten Staaten ein Haus, das in Flammen stand.

Wir mussten handeln.

Und wir haben gehandelt, dank der herausragenden Führungsstärke von Speaker Pelosi und Mehrheitsführer Schumer und mit der überwältigenden Unterstützung der amerikanischen Bevölkerung, von Demokraten, Unabhängigen und Republikanern.

Gemeinsam haben wir den Plan zur Rettung Amerikas (American Rescue Plan) verabschiedet.

Es ist eines der wichtigsten Konjunkturpakete der amerikanischen Geschichte.

Wir sehen bereits die Ergebnisse.

Ich hatte 100 Millionen COVID-19-Impfungen in 100 Tagen versprochen – geliefert haben wir 220 Millionen COVID-Impfungen in 100 Tagen.

Wir mobilisieren alle staatlichen Ressourcen. Wir haben den Impfstoff an fast 40.000 Apotheken und über 700 medizinische Versorgungszentren geliefert.

Wir richten Impfstellen in den Gemeinden ein und setzen in schwer zugänglichen Gegenden Impfmobile ein.

Heute leben 90 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner nicht weiter als acht Kilometer von einer Impfeinrichtung entfernt.

Alle, die älter sind als 16 Jahre, können sich sofort impfen lassen.

Also lassen Sie sich jetzt impfen.

Als ich meinen Amtseid abgelegt habe, war weniger als ein Prozent der älteren Menschen gegen COVID-19 geimpft.

100 Tage später sind fast 70% der älteren Bevölkerung vollständig geschützt.

Seit Januar ist die Zahl der älteren Menschen, die an Corona sterben, um 80 Prozent gesunken. Um 80 Prozent.

Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen in den Vereinigten Staaten ist zumindest einmal geimpft.

Ich habe eine Krankenschwester in einem Impfzentrum in Glendale (Arizona) gefragt, wie sich das anfühlt.

Sie schaute auf und sagte, jede Impfung fühle sich an wie eine Dosis Hoffnung.

Eine Dosis Hoffnung für die Erzieherin in Florida mit einem Kind, das an einer Autoimmunerkrankung leidet.

Sie schrieb mir, dass sie sich Sorgen mache, das Virus nach Hause zu tragen.

Nachdem sie geimpft wurde, saß sie in ihrem Auto und weinte

aus Freude und Erleichterung.

Eltern sehen ein Lächeln auf den Gesichtern ihrer Kinder, die wieder zur Schule gehen können, weil Lehrerinnen und Lehrer, Schulbusfahrer und Cafeteria-Mitarbeiter geimpft sind.

Großeltern können ihre Kinder und Enkelkinder wieder in den Arm nehmen, statt ihre Hände zum Abschied ans Fenster zu drücken.

Ihnen allen bedeutet das so viel.

Es gibt noch viel zu tun, um dieses Virus zu besiegen. Wir müssen weiter wachsam bleiben.

Aber heute Abend kann ich sagen, dass die Fortschritte, die wir dank Ihnen, den Amerikanerinnen und Amerikanern, in den letzten 100 Tagen bei der Bekämpfung einer der schlimmsten Pandemien der Geschichte gemacht haben, zu den größten logistischen Leistungen zählen, die unser Land je gesehen hat.

Was haben wir in diesen ersten 100 Tagen noch getan?

Wir halten unsere Zusage ein und schicken 1.400-Dollar-Rettungsschecks an 85 Prozent aller amerikanischen Haushalte.

Über 160 Millionen Schecks wurden bereits verschickt.

Und das zeigt Wirkung.

Für viele Menschen macht es einen himmelweiten Unterschied.

Eine alleinerziehende Mutter aus Texas hat mir geschrieben,

dass dieser Scheck, als sie nicht arbeiten konnte, Essen auf den Tisch brachte

und sie und ihren Sohn vor der Zwangsräumung bewahrte.

Eine Großmutter aus Virginia sagte mir, sie sei sofort mit ihrer Enkelin zum Augenarzt gegangen, was sie seit Monaten aufgeschoben hatte, weil sie das Geld dafür nicht hatte.

Eines der prägenden Bilder dieser Pandemie waren die kilometerlangen Autoschlangen vor den Essensausgaben.

Hätten Sie je gedacht, dass Sie so etwas in Amerika erleben würden?

Deshalb werden dank des American Rescue Plan Millionen von Amerikanerinnen und Amerikaner, die sonst hungern müssten, mit Lebensmitteln versorgt, und es sind deshalb bereits sehr viel weniger Menschen von Hunger bedroht.

Desweiteren leisten wir Folgendes:

Wir bieten Hilfe bei der Miete, damit niemand aus seiner Wohnung vertrieben wird. Wir vergeben Kredite, damit kleine Unternehmen überleben und ihre Beschäftigten ihren Arbeitsplatz behalten.

Während dieser 100 Tage konnten sich weitere 800.000 Amerikanerinnen und Amerikaner im Rahmen des Gesetzes über bezahlbare Gesundheitsfürsorge (Affordable Care Act) versichern, da ich eine spezielle Anmeldefrist dafür eingerichtet habe.

Wir tätigen eine der größten einmaligen Investitionen, die es je gab, um die Gesundheitsversorgung für Veteranen zu verbessern.

Wir investieren entscheidend, um die Opioid-Krise zu bewältigen.

Und, was vielleicht am wichtigsten ist: Wir sind dank des American Rescue Plan auf gutem Weg, in diesem Jahr die Kinderarmut in den Vereinigten Staaten zu halbieren.

Die Wirtschaft hat in diesem Zusammenhang in 100 Tagen mehr als 1,3 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen.

Mehr neue Arbeitsplätze in den ersten 100 Tagen als jeder andere Präsident.

Der Internationale Währungsfonds schätzt nun, dass unsere Wirtschaft dieses Jahr um mehr als sechs Prozent wachsen wird.

So schnell ist die Wirtschaft in diesem Land seit fast vier Jahrzehnten nicht mehr gewachsen.

Amerika ist in Bewegung. Es geht vorwärts. Und wir dürfen jetzt nicht aufhören.

Wir konkurrieren mit China und anderen Ländern, um das 21. Jahrhundert für uns zu gewinnen.

Wir brauchen mehr als nur einen Wiederaufbau. Wir brauchen einen besseren Wiederaufbau.

Im Verlauf unserer Geschichte haben öffentlichen Investitionen und Infrastrukturmaßnahmen Amerika immer wieder verändert.

Die transkontinentale Eisenbahn und die Autobahnen haben zwei Ozeane miteinander verbunden und uns in ein völlig neues Zeitalter des Fortschritts gebracht.

Die öffentliche Schulbildung und die College-Förderung für alle machten Vieles möglich.

Wissenschaftliche Durchbrüche ebneten uns den Weg zum Mond und jetzt zum Mars, zur Entwicklung von Impfstoffen, zum Internet und zu so viel mehr.

Diese Investitionen tätigen wir gemeinsam, als ein Land, und das kann nur der Staat.

Wieder und wieder katapultieren uns derartige Investitionen in die Zukunft.

Deshalb habe ich den Plan für amerikanische Arbeitsplätze (American Jobs Plan) vorgeschlagen, mit dem Investitionen in die Vereinigten Staaten selbst getätigt werden, die es nur einmal in 50 Jahren gibt.

Es ist der größte Plan für Beschäftigung seit dem Zweiten Weltkrieg.

Er schafft Arbeitsplätze zur Modernisierung unserer Verkehrsinfrastruktur. Zur Modernisierung von Straßen, Brücken und Autobahnen. Zum Bau von Häfen und Flughäfen, Schienenkorridoren und Transitstrecken. Er bedeutet sauberes Wasser.

Mehr als 10 Millionen Haushalte und mehr als 400.000 Schulen und Kindertagesstätten haben heute noch Bleirohre, teils auch für Trinkwasser.

Das ist eine eindeutige Gefahr für die Gesundheit unserer Kinder.

Der American Jobs Plan schafft Arbeitsplätze, durch die 100 Prozent der Bleirohre und Anschlüsse ersetzt werden können und jedes Kind sauberes Wasser trinken kann, wenn es den Wasserhahn aufdreht.

Der Plan schafft Arbeitsplätze die dazu beitragen, dass alle Amerikanerinnen und Amerikaner Zugang zu High-Speed-Internet haben, auch die 35 Prozent auf dem Land, wo es das noch immer nicht gibt.

Das wird unseren Kindern und Unternehmen in der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts zu Erfolg verhelfen.

Ich werde die Vizepräsidentin mit der Leitung dieser Bestrebungen beauftragen.

Der Plan schafft Arbeitsplätze durch den Aufbau eines modernen Stromnetzes.

Unsere Netze sind anfällig für Stürme, Cyberangriffe und verheerende Ausfälle mit tragischen Folgen, wie wir während der Winterstürme in Texas und andernorts gesehen haben.

Der American Jobs Plan wird Arbeitsplätze schaffen, die dazu dienen, Tausende Kilometer an Leitungen zu verlegen, die für den Aufbau eines belastbaren und gänzlich umweltverträglichen Netzes benötigt werden.

Der American Jobs Plan wird Millionen von Menschen helfen, wieder an ihre Arbeitsplätze und in ihr Berufsleben zurückzukehren.

Zwei Millionen Frauen sind während der Pandemie aus der Erwerbstätigkeit ausgestiegen, weil sie allzu oft keine Betreuung für ihre Familien oder ihre Kinder fanden.

800.000 Familien stehen auf einer Medicaid-Warteliste für die Pflege eines alternden Elternteils oder von Angehörigen mit einer Behinderung.

Mit diesem Plan wird diesen Familien geholfen, und es werden Arbeitsplätze für Pflegende mit besserem Lohn und besseren Leistungen geschaffen.

Zu lange haben wir es versäumt, im Zusammenhang mit der Bewältigung der Klimakrise das Wichtigste zu erwähnen:

Arbeitsplätze. Arbeitsplätze.

Wenn ich an den Klimawandel denke, denke ich an Arbeitsplätze.

Der American Jobs Plan wird Arbeitsplätze für Ingenieure und Bauarbeiter schaffen, die energieeffizientere Gebäude und Häuser bauen werden.

Elektriker werden entlang unserer Autobahnen 500.000 Ladestationen installieren.

Landwirte werden dafür bezahlt werden, zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes Deckfrüchte anzubauen.

Es gibt auch keinen Grund dafür, dass die Rotorblätter für Windkraftanlagen nicht in Pittsburgh statt in Peking gebaut werden könnten.

Keinen Grund, warum die Vereinigten Staaten bei der Elektrofahrzeug- und Batterieproduktion nicht weltweit führend sein sollten.

Durch den American Jobs Plan werden Millionen von gut bezahlten Arbeitsplätzen geschaffen, die es Amerikanerinnen und Amerikanern ermöglichen, ihre Familien zu ernähren.

Sämtliche Investitionen im Rahmen des American Jobs Plan werden von einem Grundsatz geleitet: Buy American.

Amerikanische Steuergelder werden verwendet werden, um amerikanische Produkte zu kaufen, die in Amerika hergestellt wurden und amerikanische Arbeitsplätze schaffen.

So, wie es sein sollte.

Ich weiß, dass einige von Ihnen sich fragen, ob diese Arbeitsplätze auch für Sie geschaffen werden.

Sie fühlen sich von der sich rapide verändernden Wirtschaft abgehängt und vergessen.

Ich möchte Sie direkt ansprechen.

Unabhängige Experten gehen davon aus, dass durch den American Jobs Plan in den kommenden Jahren Millionen von Arbeitsplätzen geschaffen und Billionen von Dollar in das Wirtschaftswachstum investiert werden.

Das sind gut bezahlte Arbeitsplätze, die nicht ausgelagert werden können.

Nahezu 90 Prozent der im Rahmen des American Jobs Plan geschaffenen Stellen im Bereich Infrastruktur erfordern keinen College-Abschluss.

75 Prozent erfordern keinen Abschluss eines Community College.

Der American Jobs Plan ist eine Blaupause für den Wiederaufbau der Vereinigten Staaten durch Arbeiterinnen und Arbeiter.

Und er drückt etwas aus, das ich schon immer gesagt habe.

Nicht die Wall Street hat dieses Land aufgebaut, sondern die Mittelschicht. Und Gewerkschaften haben die Mittelschicht aufgebaut.

Deshalb rufe ich den Kongress auf, das Gesetz Protecting the Right to Organize Act – PRO Act zu verabschieden und mir zur Unterschrift vorzulegen, und damit das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren, zu unterstützen.

Übrigens, lassen Sie uns auch den Mindestlohn von 15 US-Dollar verabschieden.

Niemand sollte 40 Stunden pro Woche arbeiten und trotzdem noch unter der Armutsgrenze leben müssen.

Wir müssen auch für mehr Gleichberechtigung und Chancen für Frauen sorgen.

Und legen Sie mir auch das Gesetz über gerechte Bezahlung (Paycheck Fairness Act) vor.

Das ist schon lange überfällig.

Zu guter Letzt bringt der American Jobs Plan auch die größte Aufstockung für Forschung und Entwicklung außerhalb des Verteidigungsbereichs mit sich, die es je gab.

In den nächsten zehn Jahren werden wir mehr technologischen Wandel erleben, als in den letzten 50 Jahren.

Und in diesem Wettbewerb geraten wir ins Hintertreffen.

Noch vor Jahrzehnten haben wir regelmäßig zwei Prozent unseres BIP in Forschung und Entwicklung investiert.

Heute ist es nicht einmal ein Prozent.

China und andere Länder holen schnell auf.

Wir müssen die Produkte und Technologien der Zukunft entwickeln und in diesen Bereichen marktbeherrschend sein: moderne Stromspeicher, Biotechnologie, Computerchips und erneuerbare Energien.

Im US-Verteidigungsministerium gibt es eine Behörde namens DARPA, das steht für Defense Advanced Research Projects Agency. Sie hat die Aufgabe, bahnbrechende Neuerungen zu entwickeln, um unsere nationale Sicherheit zu fördern, was zur Entstehung des Internet, der Entwicklung von GPS und sehr vielem anderem geführt hat.

Die National Institutes of Health, die NIH, sollten eine ähnliche Stelle, eine Advanced Research Projects Agency für Gesundheit, schaffen.

Um bahnbrechende Entwicklungen zu schaffen und Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes und Krebs zu vorzubeugen, zu erkennen und zu behandeln.

Das betrifft sehr viele von uns persönlich.

Ich kann mir keine sinnvollere Investition vorstellen.  Und mir fällt auch nichts ein, das mehr überparteiliche Unterstützung finden würde.

Stoppen wir den Krebs, wie wir ihn heute kennen. Wir haben die Möglichkeiten.

Investitionen in Arbeitsplätze und Infrastruktur wie diejenigen, von denen wir hier sprechen, wurden bisher oft von beiden Parteien unterstützt.

Vizepräsidentin Harris und ich treffen uns im Oval Office regelmäßig mit Demokraten und Republikanern, um über den American Jobs Plan zu sprechen.

Ich begrüße die Tatsache, dass eine Gruppe republikanischer Senatoren gerade einen Vorschlag eingereicht hat.

Machen wir uns also an die Arbeit.

Wir freuen uns über Ideen.

Aber der Rest der Welt wartet nicht auf uns. Nichts zu tun ist keine Alternative.

Wir dürfen nicht so mit dem Wettbewerb untereinander beschäftigt sein, dass wir vergessen, dass wir eigentlich mit dem Rest der Welt im Wettbewerb um das 21. Jahrhundert stehen.

Um diesen Wettbewerb um die Zukunft zu gewinnen, müssen wir auch eine Investition in unsere Familien, in unsere Kinder, tätigen, die es so in jeder Generation nur einmal gibt.

Deshalb möchte ich heute Abend den American Families Plan für amerikanische Familien vorstellen, der vier der größten Herausforderungen angeht, mit denen amerikanische Familien heute konfrontiert sind.

Zuerst einmal ist das der Zugang zu guter Bildung.

Als diese Nation im vergangenen Jahrhundert die Schulbildung bis zur 12. Klasse an öffentlichen Schulen für alle zugänglich machte, machte uns das zur am besten gebildeten und am besten gerüsteten Nation der Welt.

Aber der Rest der Welt holt auf. Die Welt wartet nicht.

Zwölf Jahre sind nicht mehr genug, um im Wettbewerb des 21. Jahrhunderts zu bestehen.

Deshalb garantiert der American Families Plan jedem Menschen in Amerika vier zusätzliche Jahre öffentliche Bildung – ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt.

Wir bieten allen Drei- und Vierjährigen in Amerika zwei weitere Jahre qualitativ hochwertiger Vorschulbildung.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder, die schon sehr früh in die Schule – nicht in die Tagespflege – gegangen sind, mit weit größerer Wahrscheinlichkeit einen Highschool-Abschluss machen und anschließend aufs College gehen.

Und wir fügen zwei Jahre kostenloses Community College hinzu.

Und wir werden mehr Geld für Pell Grants zur Verfügung stellen und unsere Investitionen in traditionell afroamerikanische Colleges und Universitäten, Tribal Colleges und Minderheiteninstitutionen erhöhen.

Jill ist Professorin an einem Community College und unterrichtet dort inzwischen als First Lady.

Sie sagt schon lange, dass jedes Land, das uns im Bereich Bildung überholt, uns auch im Wettbewerb überholen wird. Sie wird diese Bestrebungen anführen.

Zweitens wird der American Families Plan Zugang zu guter, erschwinglicher Kinderbetreuung schaffen.

Wir garantieren, dass Familien mit geringem bis mittlerem Einkommen nicht mehr als 7 Prozent ihres Einkommens für gute Kinderbetreuung für Kinder bis zum Alter von 5 Jahren aufwenden müssen.

Die finanziell am stärksten unter Druck stehenden Familien werden überhaupt nichts dafür zahlen müssen.

Drittens wird der American Families Plan bis zu 12 Wochen bezahlten Familienurlaub und bezahlte Krankentage vorsehen.

Niemand sollte sich zwischen Arbeitsplatz und Gehalt und der eigenen Gesundheit oder der Pflege eines Elternteils, Partners oder Kindes entscheiden müssen.

Und viertens sieht der American Families Plan Direktzahlungen an Millionen Familien vor.

Im März haben wir Steuererleichterungen für Familien für jedes Kind erweitert.

Steuererleichterungen von bis zu 3.000 US-Dollar für Kinder über 6 Jahre – und von 3.600 US-Dollar für Kinder unter 6.

Als Eltern mit zwei Kindern haben Sie so bis zu 7.200 US-Dollar in der Tasche, um für Ihre Familie zu sorgen.

Das wird mehr als 65 Millionen Kindern helfen und dazu beitragen, die Kinderarmut in diesem Jahr um die Hälfte zu reduzieren.

Weiten wir gemeinsam die Steuererleichterungen für Familien mit Kindern mindestens bis zum Ende des Jahres 2025 aus.

Durch den American Rescue Plan sind die Krankenversicherungsbeiträge für 9 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner, die im Rahmen des Affordable Care Act versichert sind, gesunken.

Übernehmen wir diese Regelung dauerhaft, damit ihre Beiträge nicht wieder steigen.

Zusätzlich zu meinem Plan für Familien werde ich mit dem Kongress zusammenarbeiten, um

dieses Jahr weitere wichtige Prioritäten für amerikanische Familien anzugehen.

Das Gesetz über bezahlbare Gesundheitsvorsorge (Affordable Care Act – ACA) ist ein Rettungsanker für Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner und schützt Menschen mit Vorerkrankungen und die Gesundheit von Frauen.

Und die Pandemie hat gezeigt, wie dringend dieses Gesetz gebraucht wird.

Reduzieren wir also die Selbstbeteiligung für berufstätige Familien im Rahmen des Affordable Care Act, und reduzieren wir die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente.

Wir wissen alle, wie unverschämt teuer sie sind.

Wir haben hier in Amerika die höchsten Medikamentenpreise der Welt – beinahe dreimal so hoch wie in anderen Ländern.

Das können wir ändern.

Tun wir doch, wovon wir schon immer gesprochen haben.

Geben wir Medicare die Möglichkeit, Hunderte Milliarden US-Dollar einzusparen, indem wir niedrigere Preise für verschreibungspflichtige Medikamente aushandeln.

Das wird nicht nur den Medicare-Empfängern helfen, sondern die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente für alle Menschen senken.

Das Geld, das wir dadurch sparen können, können wir zur Stärkung des Affordable Care Act verwenden und Medicare-Schutz und -Leistungen erweitern, ohne Steuerzahler einen Cent stärker zu belasten.

Darüber reden wir nun schon lange genug – Demokraten und auch Republikaner.

Erledigen wir das noch in diesem Jahr.

Hierbei geht es um eine einfache Prämisse: Gesundheitsfürsorge sollte in Amerika ein Recht und kein Privileg sein.

Wie finanzieren wir also meine Pläne für Arbeitsplätze und Familien?

Ich habe deutlich gemacht, dass wir das ohne steigende Schulden machen können.

Fangen wir damit an, was ich nicht tun werde.

Ich werde keine höheren Steuern für Menschen einführen, die weniger als 400.000 US-Dollar im Jahr verdienen.

Es ist an der Zeit, dass die Konzerne des Landes und das wohlhabendste eine Prozent der Amerikaner ihren gerechten Beitrag leisten.

Einfach nur ihren gerechten Beitrag leisten.

Eine neue Studie hat gezeigt, dass 55 der größten Konzerne des Landes im vergangenen Jahr keinerlei Einkommensteuer gezahlt haben.

Keine Einkommensteuer bei einem Gewinn von mehr als 40 Milliarden US-Dollar.

Sehr viele Firmen umgehen Steuerzahlungen durch Steuerparadiese wie die Schweiz, Bermuda oder die Cayman Islands.

Und sie profitieren von Lücken im Steuergesetz und von Abzügen, die es ihnen ermöglichen, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern und ihre Erträge dorthin zu verschieben.

Das ist nicht richtig.

Wir werden die Unternehmenssteuer so reformieren, dass sie ihren gerechten Anteil zahlen – und zu den öffentlichen Investitionen beitragen, von denen ihre Unternehmen profitieren werden.

Und wir werden Arbeit belohnen, nicht Reichtum.

Wir erhöhen die den Spitzensteuersatz für das wohlhabendste eine Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner – diejenigen, die 400.000 US-Dollar oder mehr verdienen – wieder auf 39,6 Prozent.

So hoch war er beim Amtsantritt von Präsident George W. Bush.

Wir werden die Schlupflöcher schließen, die es Amerikanerinnen und Amerikanern, die mehr als eine Million US-Dollar im Jahr verdienen, ermöglichen, ihre Kapitalerträge niedriger zu versteuern als Amerikanerinnen und Amerikaner ihren regulären Arbeitslohn.

Das wird nur drei Zehntel des einen Prozents aller Amerikanerinnen und Amerikaner betreffen.

Und die Steuerbehörde (Internal Revenue Service – IRS) wird sehr hart gegen Millionäre und Milliardäre vorgehen, die Steuern hinterziehen.

Es wird geschätzt, dass dabei Milliarden US-Dollar zusammenkommen.

Wissen Sie, mir geht es nicht darum, jemanden zu bestrafen.

Aber ich werde die Steuerlast der Mittelschicht dieses Landes nicht noch erhöhen.

Sie bezahlt jetzt schon genug.

Was ich vorschlage, ist gerecht. Es ist fiskalpolitisch verantwortungsvoll.

Es erhöht die Einnahmen zur Finanzierung der Pläne, die ich vorgeschlagen habe, die Millionen Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft wachsen lassen werden.

Wenn Sie Menschen sagen hören, sie wollten die Steuern für das wohlhabendste eine Prozent und die US-Konzerne nicht erhöhen, fragen Sie sie, wessen Steuern sie stattdessen erhöhen und wessen Steuern sie senken wollen.

Sehen Sie sich die große Steuersenkung aus dem Jahr 2017 an.

Sie sollte sich selbst finanzieren und massives Wirtschaftswachstum generieren.

Stattdessen ließ sie das Defizit um 2 Billionen US-Dollar anwachsen.

Das war ein enormer Geldsegen für die amerikanischen Konzerne und diejenigen ganz oben.

Statt die Steuereinsparungen für Lohnerhöhungen zu nutzen und in Forschung und Entwicklung zu investieren, wurden Milliarden US-Dollar in die Taschen der CEOs gespült.

Tatsächlich ist das Lohngefälle zwischen den CEOs und ihren Arbeitnehmern jetzt mit das größte der Geschichte.

Einer Studie zufolge verdienen CEOs 320-mal so viel wie ihre Arbeitnehmer im Durchschnitt.

Die Pandemie hat die Lage nur noch verschlimmert.

Zwanzig Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner haben während der Pandemie ihre Arbeit verloren – Arbeiter und Angehörige der Mittelschicht.

Gleichzeitig wuchs das Nettovermögen der rund 650 Milliardäre in den Vereinigten Staaten um eine Billion US-Dollar.

Ich wiederhole das noch einmal.

Lediglich 650 Menschen haben ihren Wohlstand in dieser Pandemie um mehr als eine Billion US-Dollar erhöht.

Ihr Reichtum beträgt jetzt mehr als 4 Billionen US-Dollar.

Meine amerikanischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Trickle-down-Theorie hat noch nie gestimmt.

Es ist Zeit für ein Wirtschaftswachstum von unten nach oben und von der Mitte nach außen.

Es besteht ein breiter Konsens unter Ökonomen – ob links, rechts oder in der Mitte –, dass das, was ich vorschlage, helfen wird, Millionen von Arbeitsplätzen zu schaffen und ein historisches Wirtschaftswachstum zu generieren.

Das sind mit die lohnendsten Investitionen, die wir als Nation tätigen können.

Ich habe schon oft gesagt, dass es unsere größte Stärke ist, mit gutem Beispiel voranzugehen – und nicht nur unsere Macht zur Schau zu stellen.

In meinen Gesprächen mit internationalen Staats- und Regierungschefs, von denen ich viele schon lange kenne, werde ich am häufigsten dies gefragt: Wir sehen, dass Amerika zurück ist – aber für wie lange?

Meine lieben amerikanischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir müssen nicht nur zeigen, dass wir zurück sind, sondern auch, dass wir bleiben werden.

Und dass wir keinen Alleingang planen – sondern zusammen mit unseren Verbündeten führen werden.

Kein einzelnes Land kann mit all den Krisen unserer Zeit – von Terrorismus über atomare Weiterverbreitung und Massenmigration bis hin zu Cybersicherheit und Klimawandel – alleine umgehen, erst recht nicht jetzt, da wir eine Pandemie durchleben.

Es gibt keine Mauer, die hoch genug ist, um ein Virus aufzuhalten.

Während wir selbst immer besser mit Impfstoff versorgt sind, um unseren Bedarf zu decken – und wir decken ihn –, werden wir auch Impfstoffarsenal für andere Länder, ebenso wie Amerika im Zweiten Weltkrieg das Arsenal der Demokratie war.

In der Klimakrise kämpfen wir auch nicht allein.

Es ist ein globaler Kampf.

Die Vereinigten Staaten verursachen weniger als 15 Prozent der Kohlendioxidemissionen.

Der Rest der Welt verursacht 85 Prozent.

Deshalb habe ich mein Versprechen gehalten, an meinem ersten Tag im Amt dem Klimaabkommen von Paris wieder beizutreten.

Und ich habe mein Versprechen gehalten, in meinen ersten 100 Tagen einen Klimagipfel hier in den Vereinigten Staaten abzuhalten, an dem alle großen Volkswirtschaften der Welt teilnehmen, von China über Russland und Indien bis hin zur Europäischen Union.

Ich wollte, dass die Welt sieht, dass es einen Konsens darüber gibt, dass wir uns an einem Wendepunkt der Geschichte befinden.

Und wir sind uns einig, dass wir den Planeten retten können, wenn wir handeln – und wir können Millionen von Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum und Chancen schaffen, um den Lebensstandard für alle Menschen auf der Welt zu erhöhen.

Die Investitionen, die ich heute Abend vorgeschlagen habe, fördern auch eine Außenpolitik, die der Mittelschicht zugutekommt.

Das bedeutet dafür zu sorgen, dass in der Weltwirtschaft für jedes Land die gleichen Regeln gelten, auch für China.

In meinem Gespräch mit Präsident Xi habe ich ihm gesagt, dass wir den Wettbewerb begrüßen – und dass wir nicht auf Konflikte aus sind.

Aber ich habe auch sehr deutlich gemacht, dass ich mich in allen Bereichen für amerikanische Interessen einsetzen werde.

Amerika wird sich gegen unfaire Handelspraktiken zur Wehr setzen, die amerikanische Arbeitnehmer und Industrien benachteiligen, wie Subventionen für staatliche Unternehmen und den Diebstahl amerikanischer Technologien und geistigen Eigentums.

Ich habe Präsident Xi ebenfalls gesagt, dass wir eine starke Militärpräsenz im Indopazifik aufrechterhalten werden, wie wir das auch mit der NATO in Europa tun, nicht um Konflikte zu schüren, sondern um Konflikte zu verhindern.

Und ich habe ihm gesagt, was ich schon zu vielen Staats- und Regierungschefs gesagt habe: dass die Vereinigten Staaten nicht von ihrem Bekenntnis zu Menschenrechten und grundlegenden Freiheiten abrücken werden.

Kein verantwortungsvoller amerikanischer Präsident kann schweigen, wenn grundlegende Menschenrechte verletzt werden. Ein Präsident muss das Wesen unseres Landes repräsentieren.

Amerika steht für einen Gedanken, der auf der Welt einzigartig ist.

Wir sind alle gleich geschaffen. Das macht uns aus. Wir dürfen uns von diesem Grundsatz nicht abwenden.

Was Russland angeht, habe ich Präsident Putin sehr deutlich gemacht, dass wir keine Eskalation suchen, Russlands Vorgehen aber Folgen haben wird.

Ich habe auf Russlands Einmischung in unsere Wahl und die Cyberangriffe auf unsere Regierung und unsere Unternehmen sehr direkt und verhältnismäßig reagiert. Russland ist für beides verantwortlich und ich habe reagiert.

Aber wir können auch kooperieren, wenn es in unserem beiderseitigen Interesse ist.

Das haben wir auch bei der Verlängerung des New-START-Vertrages über Atomwaffen getan und wollen es bei der Klimakrise tun.

Was die Atomprogramme von Iran und Nordkorea betrifft, die eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten und der Welt darstellen, werden wir eng mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten, um auf die Bedrohungen, die diese beiden Länder darstellen, mit Diplomatie und unnachgiebiger Abschreckung zu reagieren.

Amerikanische Führungsstärke bedeutet auch, den ewigen Krieg in Afghanistan zu beenden.

Wir haben die größten Streitkräfte in der Weltgeschichte.

Und ich bin der erste Präsident seit 40 Jahren, der weiß, was es bedeutet, ein Kind zu haben, das Militärdienst in einem Kriegsgebiet leistet.

Mitglieder unserer heutigen Streitkräfte leisten ihren Dienst in demselben Krieg, in dem einst ihre Mütter und Väter gedient haben.

Einige Angehörige unserer Streitkräfte in Afghanistan waren am 11. September 2001 noch nicht geboren.

Der Krieg in Afghanistan sollte nie ein Mehrgenerationenprojekt zur Staatenbildung werden.

Wir sind nach Afghanistan gegangen, um die Terroristen zu stellen, die uns am 11. September angegriffen haben.

Wir haben Osama bin Laden Gerechtigkeit widerfahren lassen, und wir haben die terroristische Bedrohung durch Al Kaida in Afghanistan verringert.

Nach 20 Jahren, in denen Amerika Tapferkeit gezeigt und Opfer gebracht hat, ist es an der Zeit, unsere Truppen nach Hause zu holen.

Auch wenn wir das tun, werden wir unsere weltweite Einsatzfähigkeit aufrechterhalten, um auf Bedrohungen für unser Land reagieren zu können.

Doch täuschen Sie sich nicht: Der Terrorismus hat sich seit dem Jahr 2001 auch außerhalb von Afghanistan verbreitet und die Vereinigten Staaten werden weiterhin wachsam sein gegenüber Bedrohungen, aus welcher Richtung sie auch kommen mögen.

Al Kaida und die IS-Terrormiliz sind in Jemen, Syrien, Somalia und anderswo in Afrika, im Nahen Osten und darüber hinaus vertreten.

Und wir werden die Erkenntnisse unserer eigenen Geheimdienste, dass die größte Terrorgefahr auf amerikanischem Boden heute von jenen ausgeht, die eine Vorherrschaft der Weißen anstreben, nicht unbeachtet lassen.

Und, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir müssen zusammenfinden, um die Seele unserer Nation zu heilen.

Vor fast genau einem Jahr, noch vor der Beerdigung ihres Vaters, habe ich mit Gianna Floyd, der jüngeren Tochter von George Floyd, gesprochen.

Während ich niederkniete, um mit ihr auf Augenhöhe sprechen zu können, sagte sie zu mir: „Mein Vater hat die Welt verändert.“

Nun, nach der Verurteilung des Mörders von George Floyd, erkennen wir, wie recht sie hatte – wenn wir denn den Mut haben, zu handeln.

Wir alle haben das Knie des Unrechts im Nacken des Schwarzen Amerika gesehen.

Jetzt haben wir die Chance, echte Fortschritte zu machen.

Die meisten Männer und Frauen in Uniform tragen ihre Dienstmarke und dienen ihren Gemeinden mit Anstand.

Ich kenne sie. Ich weiß, dass sie ihren Beitrag leisten wollen, um diesem Augenblick gerecht zu werden.

Meine amerikanischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir müssen zusammenfinden.

Um das Vertrauen zwischen der Polizei und den Menschen, denen sie dient, wiederherzustellen.

Um strukturellen Rassismus aus unserem Strafrechtssystem zu verbannen.

Und um die Polizeireform umzusetzen, die George Floyds Namen trägt und bereits im Repräsentantenhaus verabschiedet wurde.

Ich weiß, dass die Republikaner eigene Ideen haben und konstruktive Gespräche mit den Demokraten führen.

Wir müssen zusammenarbeiten, um einen Konsens zu schaffen.

Verabschieden wir das Gesetz nächsten Monat, vor dem ersten Jahrestag des Todes von George Floyd.

Das Land steht hinter dieser Reform.

Der Kongress sollte handeln.

Wir haben die sehr große Chance, unseren moralischen Kompass auf Gerechtigkeit auszurichten.

Echte Gerechtigkeit.

Mit den Vorhaben, die ich heute Abend vorgestellt habe, haben wir eine echte Chance, dem strukturellen Rassismus, der das Leben der Amerikanerinnen und Amerikaner auf vielerlei Weise heimsucht, ein Ende zu bereiten.

Die Chance, für echte Gleichheit zu sorgen.

Für gute Arbeitsplätze und gute Schulen. Für bezahlbares Wohnen. Für saubere Luft und sauberes Wasser.

Die Möglichkeit, sich Wohlstand zu erarbeiten und diesen an zukünftige Generationen weiterzugeben.

Echte Chancen für mehr Amerikanerinnen und Amerikaner, ob Schwarz, weiß, lateinamerikanischer oder asiatischer Abstammung oder amerikanische Ureinwohner.

Ich danke dem Senat für die Annahme des Gesetzes COVID-19 Hate Crimes Act mit 94 zu einer Stimme, das dem Schutz von Amerikanerinnen und Amerikanern asiatischer Abstammung und aus Territorien im Pazifik vor brutalen Hassverbrechen dient, deren Zeugen wir im vergangenen Jahr – und schon viel zu lange – geworden sind.

Ich appelliere an das Repräsentantenhaus, es dem Senat gleichzutun, und mir dieses Gesetz so bald wie möglich zur Unterschrift vorzulegen.

Zudem hoffe ich, dass der Kongress den Equality Act zum Schutz der Rechte von Amerikanerinnen und Amerikanern aus der LGBTQ-Community verabschiedet.

Allen Amerikanerinnen und Amerikanern, die sich als Transgender identifizieren, besonders den jungen Menschen, die so mutig sind, möchte ich versichern, dass ich hinter ihnen stehe.

Und noch etwas.

Lassen Sie uns das Gesetz Violence Against Women Act, das 27 Jahre lang geltendes Recht war und an dessen Entwurf ich beteiligt war, wieder verabschieden.

Wir können damit die sogenannte Boyfriend-Gesetzeslücke schließen, um die Täter häuslicher Gewalt von Waffen fernzuhalten.

Schätzungen zufolge werden jeden Monat über 50 Frauen in Amerika von ihren Partnern erschossen.

Verabschieden Sie das Gesetz und retten Sie Menschenleben.

Und wir sind uns doch alle bewusst, dass in Amerika eine Epidemie der Waffengewalt herrscht.

Das Weiße Haus hatte die Flagge noch auf Halbmast, um der acht Opfer des Amoklaufes in Georgia zu gedenken, als ein weiterer Amoklauf in Colorado erneut zehn Menschenleben forderte.

In nur einer Woche zwischen diesen beiden Amokläufen wurden über 250 weitere Amerikanerinnen und Amerikaner durch Schusswaffen getötet.

250 Menschen, erschossen.

Ich bin mir bewusst, wie schwierig es ist, in dieser Sache Fortschritte zu machen.

In den 1990er-Jahren haben wir einheitliche Hintergrundüberprüfungen sowie ein Verbot von Sturmgewehren und großen Magazinen beschlossen, die innerhalb weniger Sekunden 100 Schuss Munition abfeuern können.

Wir haben die NRA besiegt. Amokläufe und Waffengewalt nahmen ab.

Anfang der 2000er-Jahre lief das Gesetz jedoch ab, und seitdem erleben wir ein tägliches Blutvergießen.

Vor mehr als zwei Wochen habe ich im Rosengarten, umgeben von einigen der tapfersten Menschen, die ich kenne, den Überlebenden und Familien der Opfer von Waffengewalt, mehrere Maßnahmen des Justizministeriums angekündigt, die diese Epidemie beenden sollen.

Eine davon ist ein Verbot sogenannter „Ghost Guns“.

Diese Schusswaffen werden aus einem Bausatz mit Anleitungen selbst zusammengebaut.

Die einzelnen Bauteile haben keine Seriennummern, sodass sie nicht zurückverfolgt werden können, wenn sie an einem Tatort auftauchen.

Wer einen solchen Bausatz für eine „Ghost Gun“ kauft, muss keine Hintergrundüberprüfung durchlaufen.

Jeder, ob Verbrecher oder Terrorist, kann einen solchen Bausatz erwerben und innerhalb von gerade einmal 30 Minuten eine tödliche Waffe zusammenbauen.

Aber damit ist nun Schluss.

Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um die Amerikanerinnen und Amerikaner vor dieser Epidemie der Waffengewalt zu schützen.

Aber es ist an der Zeit, dass auch der Kongress handelt.

Es müssen sich mehr Republikaner im Senat der überwältigenden Mehrheit der Demokraten anschließen, um Gesetzeslücken zu schließen und eine Hintergrundüberprüfung beim Kauf einer Schusswaffe verpflichtend zu machen.

Und wir brauchen wieder ein Verbot von Sturmgewehren und großen Magazinen.

Sagen Sie mir nicht, das sei nicht machbar. Wir haben es schon einmal geschafft – und es hat funktioniert.

Die meisten verantwortungsbewussten Waffenbesitzer und Jäger werden Ihnen sagen, dass es absolut keinen Grund gibt, 100 Schuss Munition in einer Waffe zu haben.

Sie werden Ihnen sagen, dass es heute zu viele Menschen gibt, die zwar eine Waffe kaufen können, aber keine Waffen kaufen können sollten.

Diese Reformen mit Augenmaß genießen die überwältigende Unterstützung der Amerikanerinnen und Amerikaner, einschließlich vieler Waffenbesitzer.

Das Land unterstützt diese Reformen, und der Kongress sollte handeln.

Das sollte keine Frage von „Rot“ gegen „Blau“ sein. Es ist eine Frage, die das ganze Land betrifft.

Und wir können noch mehr tun.

Einwanderung war immer von grundlegender Bedeutung für die Vereinigten Staaten.

Beenden wir also unseren kräftezehrenden Kampf gegen die Einwanderung.

Seit über 30 Jahren sprechen Politikerinnen und Politiker über eine Reform der Einwanderungsgesetze. Aber sie handeln nicht.

Es ist an der Zeit, das zu ändern.

Ich habe am ersten Tag meiner Amtszeit als Präsident mein Versprechen eingelöst und dem Kongress einen umfassenden Gesetzesvorschlag zur Einwanderung vorgelegt.

Wenn Sie der Meinung sind, dass wir eine sichere Grenze brauchen – verabschieden Sie ihn.

Wenn Sie an einen Weg zur Staatsbürgerschaft glauben – verabschieden Sie ihn.

Wenn Sie das Problem wirklich lösen wollen: Ich habe Ihnen einen Gesetzesvorschlag geschickt, verabschieden Sie ihn jetzt.

Zusätzlich müssen wir uns der Wurzel dessen zuwenden, weshalb Menschen aus Guatemala, Honduras oder El Salvador an die südliche Grenze unseres Landes fliehen.

Der Gewalt. Der Korruption. Den Banden. Der politischen Instabilität. Dem Hunger. Den Hurrikans. Den Erdbeben.

In meiner Zeit als Vizepräsident habe ich mich darauf konzentriert, für die nötige Unterstützung zu sorgen, um diese Ursachen zu bekämpfen.

Dadurch konnten Menschen in ihren Heimatländern bleiben und sahen sich nicht gezwungen, sie zu verlassen.

Unser Plan hat funktioniert.

Er wurde aber von der letzten Regierung nicht fortgeführt.

Ich nehme dieses Programm nun wieder auf und habe Vizepräsidentin Harris darum gebeten, unsere diplomatischen Bemühungen zu leiten.

Ich habe volles Vertrauen, dass sie diese Aufgabe erfüllen wird.

Wenn der Kongress meinem Plan schon nicht zustimmen will, dann lassen Sie uns doch wenigstens das verabschieden, worin wir uns einig sind.

Der Kongress muss dieses Jahr endlich ein Gesetz verabschieden, um die Dreamer, die jungen Menschen, deren einzige Heimat die Vereinigten Staaten sind, zu schützen.

Und wir brauchen dauerhaften Schutz für Einwanderer mit vorübergehendem Schutzstatus, die aus Ländern kommen, die von menschengemachter Gewalt und Naturkatastrophen heimgesucht wurden.

Zudem brauchen wir einen Weg zur Staatsbürgerschaft für Arbeiter in der Landwirtschaft, die für unsere Lebensmittelversorgung sorgen.

Einwanderer haben während der Pandemie so viel für Amerika getan – und das haben sie schon immer in unserer Geschichte.

Das Land steht hinter einer Reform der Einwanderungsgesetze.

Der Kongress sollte handeln.

Wenn wir die Seele unseres Landes wiederherstellen wollen, dann müssen wir das heilige Recht zu wählen schützen.

Bei der letzten Präsidentschaftswahl haben mehr Wählerinnen und Wähler ihre Stimme abgegeben als je zuvor

in der Geschichte unseres Landes, und das inmitten einer der schlimmsten Pandemien aller Zeiten.

Das sollten wir feiern. Stattdessen wird es angezweifelt.

Der Kongress sollte das Gesetz For the People Act und das Gesetz John Lewis Voting Rights Act verabschieden und mir umgehend zur Unterschrift vorlegen.

Das Land steht dahinter.

Der Kongress sollte handeln.

Wir sind heute hier zusammengekommen, die Bilder des Angriffs eines gewalttätigen Mobs auf das Kapitol – der Entweihung unserer Demokratie – noch lebhaft vor Augen.

Menschenleben wurden aufs Spiel gesetzt. Menschen starben. Menschen haben außergewöhnlichen Mut gezeigt.

Dieser Aufruhr war eine existentielle Krise und stellte die Überlebensfähigkeit unserer Demokratie auf die Probe.

Sie hat sie bestanden.

Aber dieser Kampf ist noch lange nicht vorbei. Die Frage, ob unsere Demokratie lange Bestand haben wird, ist ebenso alt wie sie dringlich ist.

Sie ist so alt wie unsere Republik. Und auch heute noch entscheidend.

Gelingt es unserer Demokratie, ihr Versprechen einzulösen, uns allen – gleichberechtigt im Ebenbild Gottes erschaffen – ein Leben in Würde, Achtung und voller Möglichkeiten zu eröffnen?

Kann unsere Demokratie Antworten liefern auf die dringendsten Bedürfnisse unserer Bürger?

Kann unsere Demokratie die Lügen, die Wut, den Hass und die Ängste überwinden, die uns entzweit haben?

Unsere Gegner – die Autokraten dieser Welt – setzen darauf, dass sie es nicht kann.

Sie glauben, wir seien zu sehr von Wut, Zwietracht und Zorn erfüllt.

Für sie sind die Bilder des Mobs beim Sturm auf unser Kapitol der Beweis dafür, dass die amerikanische Demokratie dem Untergang geweiht sei.

Sie irren sich. Und wir müssen ihnen beweisen, dass sie sich irren.

Wir müssen beweisen, dass die Demokratie noch funktioniert.

Dass unsere Regierung nach wie vor funktioniert und die Interessen der Amerikanerinnen und Amerikaner erfüllen kann.

In unseren ersten 100 gemeinsamen Tagen war unser Handeln darauf ausgerichtet, den Glauben der Menschen daran, dass unsere Demokratie für sie arbeitet, wiederherzustellen.

Wir impfen die Menschen in unserem Land. Wir schaffen Hunderttausende Arbeitsplätze. Wir schaffen echte Ergebnisse, die die Menschen in ihrem Alltag sehen und spüren können.

Wir ebnen Chancen den Weg. Wir stehen für Fairness und Gerechtigkeit ein.

Das ist es, was Amerika ausmacht.

So sieht gelebte Demokratie aus.

Unsere Verfassung beginnt mit den Worten: „Wir, das Volk“.

Es ist an der Zeit sich daran zu erinnern, dass „wir, das Volk“, der Staat sind. Sie und ich.

Keine Macht in einer fernen Hauptstadt. Keine mächtige Kraft, die sich unserer Kontrolle entzieht.

Wir selbst sind es. Wir, das Volk.

In einer anderen Zeit, als unsere Demokratie schon einmal auf die Probe gestellt wurde, hat Franklin Roosevelt uns daran erinnert, dass wir in Amerika unseren Beitrag leisten.

Mehr verlange ich gar nicht. Nur, dass alle ihren Teil beitragen.

Wenn wir das tun, dann werden wir der zentralen Herausforderung unserer Zeit begegnen und beweisen, dass die Demokratie widerstandsfähig und stark ist.

Die Zukunft gehört nicht den Autokraten.

Sondern den Vereinigten Staaten.

Die Zukunft gehört den Vereinigten Staaten.

Ich stehe heute Abend vor Ihnen, während eine neue und entscheidende Stunde im Leben unserer Demokratie und unserer Nation anbricht.

Und ich kann mit voller Überzeugung sagen: Ich habe nie zuvor solche Zuversicht und solchen Optimismus für Amerika empfunden.

Wir haben in den Abgrund des Aufruhrs und der Autokraten, der Pandemie und des Schmerzes geblickt, und „wir, das Volk“ sind nicht zurückgewichen.

Gerade als unsere Gegner sicher waren, dass wir uns voneinander entfernen und scheitern würden, standen wir zusammen.

Vereint.

Mit Licht und Hoffnung haben wir neue Stärke und neue Entschlossenheit geschöpft.

Um den Wettkampf des 21. Jahrhunderts für uns zu entscheiden.

Auf unserem Weg hin zu einer noch vollkommeneren Union. Mit mehr Wohlstand. Mehr Gerechtigkeit.

Als ein Volk. Eine Nation. Ein Amerika.

Es hat sich noch nie gelohnt, gegen Amerika zu wetten.

Und es lohnt sich auch jetzt nicht.

Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika.

Es gibt nichts – nichts – wozu wir nicht imstande sind, nichts, was wir nicht tun könnten, wenn wir es zusammen tun.

Möge Gott Sie alle segnen.

Möge Gott unsere Soldatinnen und Soldaten schützen.

Originaltext: Remarks as Prepared for Delivery by President Biden — Address to a Joint Session of Congress