Flag

An official website of the United States government

12 MINUTE READ
Januar 10, 2024

Ende gut, alles gut: wie ich Amerikaner wurde und meinem Land diente

DIPNOTE, 4. Januar 2024

Richard A. Verma, stellvertretender Außenminister für Verwaltung und Ressourcen

 

Mann auf Bühne am Rednerpult spricht vor Publikum
Deputy Secretary Verma bei einer Einbürgerungszeremonie in Roseville (Kalifornien). (Foto: US-Außenministerium)

 

Ich hatte kürzlich die Ehre, bei Einbürgerungsfeierlichkeiten in Kalifornien eine Rede zu halten. Zu den neuen US-Staatsbürgerinnen und -Staatsbürgern zu sprechen, ließ mich über meinen eigenen Weg zur Einbürgerung nachdenken, darüber, wie ich US-Amerikaner wurde und dazu kam, eine Laufbahn im öffentlichen Dienst einzuschlagen und die Vereinigten Staaten zu vertreten.

 

Frau hält kleine US-Flagge hoch
Teilnehmerin einer Einbürgerungszeremonie in Roseville (Kalifornien). (Foto: US-Außenministerium)

In den Vereinigten Staaten schwört man nicht einer einzelnen Person die Treue, sondern einer Reihe von Idealen, die von größerer Bedeutung sind als wir als Individuen: Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichberechtigung. Das ist der Pakt, auf dessen Grundlage unser Land gegründet wurde. Auf dieser Grundlage heißen wir Zuwanderer aus aller Welt willkommen. Das verleiht uns unsere einzigartige Stärke. Als stellvertretender Außenminister sehe ich das im US-Außenministerium und überall dort auf der Welt, wohin ich reise. Wir sind gewiss nicht perfekt, haben in unserer Geschichte viele schwierige Erfahrungen und Phasen durchlebt und streben mit jeder Generation von Amerikanerinnen und Amerikanern weiter danach, eine vollkommenere Union zu werden.

Bei meiner Einbürgerungsfeier vor 40 Jahren war ich noch ein Teenager. Ich war ein bisschen nervös. Ich war gespannt auf die Zukunft. Und ich war meiner Mutter und meinem Vater sehr dankbar. Meine Eltern haben viel riskiert, um hierherzukommen.

Schwarzweißfoto von Mann und Frau
Mutter und Vater des Autors (Foto mit freundlicher Genehmigung von Deputy Secretary Verma)

 

Mein Vater hat die bemerkenswerte Geschichte ihrer Einwanderung schon sehr oft erzählt – wie sie mit nur 14 US-Dollar und einer Busfahrkarte New York erreichten. Meine Mutter und mein Vater kamen aus Indien in die Vereinigten Staaten. Dort hatten sie als Lehrer gearbeitet, aber sie traten diese Reise praktisch mit leeren Händen an. Sie hatten unruhige Zeiten erlebt. Zuerst die schwierige Teilung Indiens und dann 1947 die indische Unabhängigkeitserklärung. Sie hatten viele Widrigkeiten überwunden und sehr hart für ihre Kinder gearbeitet. Auf der Suche nach einer besseren Zukunft kamen sie in die Vereinigten Staaten. Sie mussten sehr viel aufgeben, aber hier erwarteten sie Perspektiven und große Chancen.

 

Schwarzweißfoto von drei Teenagern in Baseballuniform
Der Autor mit seinem Baseballteam. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Deputy Secretary Verma)

Wir ließen uns schließlich in einer kleinen Stadt namens Johnstown in Pennsylvania nieder. Dort waren wir die erste indisch-amerikanische Familie, und sehr viele Menschen haben uns freundlich aufgenommen und uns geholfen, darunter meine Lehrerin in der 4. Klasse, mein Hockeytrainer an der Highschool und viele andere. Wir haben die Gratwanderung gemeistert, die sehr vielen Zuwanderern vertraut ist: Wir haben an unseren kulturellen Traditionen festgehalten und gleichzeitig neue amerikanische Sitten und Bräuche übernommen. Wir haben indisches Essen gekocht und gleichzeitig die amerikanische Küche kennen und lieben gelernt. Chapatis und Hoagies. Wir haben indische Feiertage und auch unsere neuen amerikanischen Feiertage gefeiert. Diwali und Weihnachten. Meine Mutter brachte uns in ihrem traditionellen indischen Sari zur Schule – und ich habe mich in Jeans am wohlsten gefühlt. Mein Vater wuchs mit Kricket auf, aber ich spielte Baseball in der Little League. Es war das Beste aus beiden Welten.

Mann schwenkt kleine US-Flagge, Menschen sitzen um ihn auf Stühlen.
Teilnehmer einer Einbürgerungszeremonie in Roseville (Kalifornien). (Foto: US-Außenministerium)

 

Amerikanisch sein

Ich behaupte nicht, dass dieser Weg immer einfach oder schmerzfrei verlaufen muss. Bei uns war das sicher nicht der Fall. Immer wieder gab es Leute, die unseren Akzent hörten, unsere Kleidung oder unsere Traditionen sahen und meinten, uns sagen zu müssen, was es bedeutet, ein „echter Amerikaner oder eine echte Amerikanerin“ zu sein. Der Rat meiner Eltern an uns war, nicht aufzufallen, hart zu arbeiten, unseren Hobbys nachzugehen und bescheiden zu sein. Das habe ich versucht, und diese Entscheidung hat mich auf einen abwechslungsreichen Pfad des Dienstes an der Gemeinschaft geführt.

Jede und jeder von uns, jede Bürgerin und jeder Bürger, kann sich für mehr Gleichberechtigung und Gerechtigkeit in unserem Land einsetzen.

Richard A. Verma, stellvertretender Außenminister für Verwaltung und Ressourcen

Ich habe in der Air Force gedient. Ich habe im Kapitol gearbeitet. Ich habe Jura studiert und in der Privatwirtschaft gearbeitet. Im US-Außenministerium war ich in drei verschiedenen Funktionen tätig, darunter in der des US-Botschafters in Indien, dem Land, das unsere Familie sechzig Jahre zuvor verlassen hatte. So schloss sich der Kreis für mich – was lange währt wird endlich gut. Es war eine glückliche Fügung. Ich glaube jedoch nicht, dass meine Geschichte einzigartig oder außergewöhnlich ist, und sie unterscheidet sich auch nicht von den Geschichten Millionen anderer Einwanderinnen und Einwanderer, die nach dem amerikanischen Traum streben. Zum Teil ist das so, weil ich wirklich glaube, dass die Vereinigten Staaten allen, die dafür arbeiten, die kämpfen, Opfer bringen und hervortreten und sich dann als „amerikanische Staatsangehörige“ bezeichnen dürfen, riesige Chancen bieten.

Frau klatscht und hält kleine US-Flagge.
Teilnehmerin einer Einbürgerungszeremonie in Roseville (Kalifornien). (Foto: US-Außenministerium)

 

Dass wir unsere Rechte wahrnehmen und Pflichten erfüllen, unsere Staatsangehörigkeit achten und gleichzeitig nie aufhören, unsere vielfältige Geschichte, unser vielfältiges Erbe und unsere Kulturen einzubringen, das macht die Vereinigten Staaten von Amerika zu einem besonderen Ort. Jede und jeder von uns, jede Bürgerin und jeder Bürger, kann sich für mehr Gleichberechtigung und Gerechtigkeit in unserem Land einsetzen.

Wie Präsident Reagan in einer seiner letzten Reden im Weißen Haus sagte, ist Einwanderung „eine der wichtigsten Ursachen für die große Bedeutung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Vereinigten Staaten sind eine weltweite Führungsnation, weil wir in dem Sinne einzigartig sind, dass sich unsere Bevölkerung und damit unsere Stärke aus jedem Land und jedem Winkel der Welt speist. Dadurch findet eine kontinuierliche Erneuerung und Bereicherung unseres Landes statt.“ Wir dürfen diesen typisch amerikanischen Vorteil niemals verspielen.

Menschen schwören mit erhobener Hand einen Eid.
Teilnehmende einer Einbürgerungszeremonie in Roseville (Kalifornien). (Foto: US-Außenministerium)

 

Wenn ich darüber nachdenke, was es bedeutet, Amerikanerin oder Amerikaner zu sein, denke ich an meine Mutter. Einige Jahre nachdem ich die amerikanische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, beschloss meine Mutter, dass es auch für sie an der Zeit sei, US-Staatsbürgerin zu werden. Sie lernte fleißig für ihre Prüfung, und natürlich bestand sie sie mit Bravour. Bei ihrer Einbürgerungsfeier erhielt meine Mutter eine kleine US-Flagge. Sie war sehr stolz an diesem Tag, und wir waren sehr stolz auf sie. Sie kam nach Hause und stellte die kleine amerikanische Flagge auf unser Küchenfensterbrett, direkt neben ihre indischen Gewürze. Meine Mutter trug traditionelle indische Kleidung, kochte indisch, sprach mit Akzent und hatte einen anderen Glauben und ethnischen Hintergrund als ihre Nachbarinnen und Nachbarn, aber sie war ohne Frage eine großartige Amerikanerin. Als Lehrerin an einer Förderschule leistet sie harte Arbeit, sie zahlte Steuern, sie leistete einen Beitrag zur Gemeinschaft, sie kümmerte sich um ihre Freunde, und sie liebte dieses Land.

Amerikanerin oder Amerikaner zu sein bedeutet, etwas zurückzugeben, sich ein höheres Ziel zu stecken und sich diesem zu widmen. Es spielt keine Rolle, wie man aussieht, aus welchem Land man kommt oder ob man sich auf eine bestimmte Art und Weise kleidet oder spricht. Eine große Amerikanerin oder ein großartiger Amerikaner zu sein bedeutet viel mehr als das, sehr viel mehr, und es ist etwas ganz Besonderes.

Flaggenzeremonie bei einer Einbürgerungsfeier in Roseville (Kalifornien).(Foto: US-Außenministerium)
Flaggenzeremonie bei einer Einbürgerungsfeier in Roseville (Kalifornien). (Foto: US-Außenministerium)

Amerikanerin oder Amerikaner zu sein bedeutet, etwas zurückzugeben, sich ein höheres Ziel zu stecken und sich diesem zu widmen.

Richard A. Verma, stellvertretender Außenminister für Verwaltung und Ressourcen

 

Ich erlebe das jeden Tag im US-Außenministerium, wo wir eine großartige, vielfältige Belegschaft haben, ich habe es gesehen, als ich in den Streitkräften diente und ich habe es bei unseren Marineinfanteristinnen und -infanteristen an der Botschaft in Neu-Delhi gesehen, jungen Menschen, von denen viele als Einwanderinnen und Einwanderer in die Vereinigten Staaten gekommen waren, die aber bereit waren, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um andere im Interesse der Verteidigung dieser Nation zu schützen. Das waren großartige Amerikanerinnen und Amerikaner. Ich bin unglaublich dankbar, dass mein Weg mich hierher in die Vereinigten Staaten geführt hat. Dafür, dass ich diesen Weg mit Familie und Freunden gehen, etwas zurückgeben und anderen auf ihrem Weg helfen durfte.

Originaltext: A Long-shot Tale: My Story of Becoming an American and Serving My Country