Die Entstehung und permanente Neuerfindung der Demokratie in den Vereinigten Staaten

(Foto: Smithsonian Institution)

Anlässlich des Internationalen Tages der Demokratie am 15. September veröffentlichen wir einen Text von Lauren Monsen, der zunächst auf ShareAmerica, einer offiziellen Website des US-Außenministeriums, erschien.

Gerade rechtzeitig zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli 2017 wurde in Washington eine neue Ausstellung über die Demokratie in den Vereinigten Staaten eröffnet, die ihre Entwicklung anhand von Kunstwerken und historischen Schätzen illustriert.

Die Ausstellung American Democracy: A Great Leap of Faith, die im Nationalmuseum für amerikanische Geschichte (National Museum of American History) der Smithsonian Institution zu sehen ist, beleuchtet die prägenden Debatten der letzten 240 Jahre in den Vereinigten Staaten und verfolgt die Entwicklung des amerikanischen Experiments: eine Regierung von den Menschen, durch die Menschen und für die Menschen.

Historischer Holzwagen mit Aufschriften, die die Einführung des Frauenwahlrechts propagieren (Foto: Smithsonian Institution)
Mit diesem Wagen warben die Suffragetten von1870 bis 1920 für das Frauenwahlrecht. Sie beschrifteten ihn mit Parolen und verwendeten ihn bei Kundgebungen und um öffentliche Aufmerksamkeit zu erhalten. (Foto: Smithsonian Institution)

 

„Heute ist die repräsentative Demokratie etwas völlig Einleuchtendes, aber im 18. Jahrhundert war der Gedanke revolutionär“, sagt Barbara Clark Smith, eine der Kuratorinnen der Ausstellung.

Kuratorin Lisa Kathleen Graddy sagt, die Einwohner der 13 britischen Kolonien, aus denen die Vereinigten Staaten anfangs bestanden, hätten ihre Unterschiede zurückgestellt, um eine Nation bilden zu können.

Seidene Fahne mit einer Abbildung der Lady Liberty (Foto: Smithsonian Institution)
Seltene Fahne aus Seide mit einer Abbildung der Freiheitsstatue. Vermutlich wurde sie bei einem der zahlreichen öffentlichen Umzüge getragen, die in den 1790er-Jahren in Philadelphia stattfanden. (Foto: Smithsonian Institution)

 

„Wenn man die Monarchie abschafft und zu einem Land der Volkssouveränität wird, muss man sich mit bestimmten Fragen auseinandersetzen“, so Graddy, „zum Beispiel mit den folgenden: 1. Wer ist ‚das Volk‘? Wer darf wählen? 2. Wie werden die Stimmen gezählt? 3. Wie können die Bürgerinnen und Bürger jenseits der Wahlen an der Demokratie teilhaben? Und: 4. Welche Art von Bürgern braucht eine Demokratie?“

Der Mahagoni-Schreibtisch von Thomas Jefferson (Foto: Smithsonian Institution)
An diesem Schreibtisch aus Mahagoni, der Thomas Jefferson gehört hat, wurde die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verfasst. (Foto: Smithsonian Institution)

 

Symbolträchtige Ausstellungsstücke sind unter anderem der tragbare Schreibtisch, an dem Thomas Jefferson 1776 die Unabhängigkeitserklärung entwarf, ein roter Seidenschal der Suffragette und Aktivistin Susan B. Anthony, sowie ein Paar Schuhe eines Bürgerrechtsaktivisten, die dieser 1965 beim Marsch von Selma nach Montgomery (Alabama) getragen hatte.

Außerdem umfasst die Ausstellung Devotionalien von Präsidentschaftswahlkämpfen, beispielsweise Anstecker mit einem Treueschwur gegenüber George Washington, einen halbmondförmigen Anstecker mit der Abbildung eines lächelnden Theodore Roosevelt und Flaschenkorken mit Bildern von Dwight D. Eisenhower und John F. Kennedy.

Auf Großbildschirmen werden Wahlwerbespots gezeigt, die daran erinnern, dass die Wähler in Wahlkampfzeiten ununterbrochen politischen Botschaften ausgesetzt sind. In einem anderen Teil der Ausstellung können Besucher mithilfe von Touchscreens ihre Meinung dazu äußern, wie Demokratie auf Ebene des Bundes, der Bundesstaaten und der Kommunen funktionieren sollte. Am Ende eines jeden Tages werten die Kuratoren die Antworten aus, um die Vielfalt der Meinungen zu erfassen.

Ebenfalls ausgestellt sind politische Karikaturen aus dem 18. Jahrhundert und bekannte Poster aus dem Zweiten Weltkrieg, die mit den „Vier Freiheiten“ (Redefreiheit, Glaubensfreiheit, Freiheit von Not und Freiheit von Angst) für den Kauf von Kriegsanleihen werben.

Zeichnung von einem Mann, der auf einem buckelnden Pferd sitzt. (Foto: Smithsonian Institution)
Dieser englische Druck von 1779 antizipierte die Niederlage Großbritanniens im Kampf gegen die Rebellen in seiner Kolonie. (Foto: Smithsonian Institution)

 

Die Botschaft der Ausstellung, so Graddy, sei vor allem, dass Demokratie nur unter Beteiligung der Bürger funktionieren könne. Sie sagt, die Demokratie sei ein kompliziertes Unterfangen, aber die Amerikanerinnen und Amerikaner würden, ganz im Sinne ihrer Gründerväter, „stets nach einer „noch vollkommeneren Union“ streben“.

Originaltext: The birth, and endless reinvention, of American democracy