Erinnerungen an einen der wichtigsten Mitstreiter von Martin Luther King

Reverend Wyatt Tee Walker wird von Martin Luther King 1968 als Pastor der New Canaan Baptist Church eingesetzt (Foto: Bettmann/Getty Images)

Anlässlich des Black History Month im Februar 2018 veröffentlichen wir diesen Text von Mark Trainer, der am 24. Januar 2018 auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums, erschien.

Wyatt Tee Walker, der am 23. Januar im Alter von 88 Jahren starb, stand bei Demonstrationen und Protestmärschen für die Gleichberechtigung der Ethnien wortwörtlich an der Seite von Martin Luther King und war die treibende Kraft im Hinblick auf die Organisation von Kings Bürgerrechtsarbeit.

Walker war maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Welt Kings „Brief aus dem Gefängnis von Birmingham (Letter from Birmingham Jail)“ zu lesen bekam, eines der prägendsten Dokumente der Bürgerrechtsära, in dem King eloquent die gewaltfreien Proteste gegen die ethnische Segregation verteidigte.

Martin Luther King blickt durch die Gitterstäbe eines Gefängnisses (Foto: Bettmann/Getty Images)
Walkers 1967 entstandenes Foto von King im Gefängnis in Birmingham (Foto: Bettmann/Getty Images)

Nachdem King im April 1963 in Birmingham (Alabama) für die Durchführung ungenehmigter Protestmärsche inhaftiert worden war, las er in der Zeitung der Stadt einen Brief von örtlichen Religionsführern, die diese Proteste kritisierten. King, der weder Briefpapier noch Nachschlagewerke zur Hand hatte, verfasste seine Antwort auf Schmierzetteln und Zeitungspapier.

Nachdem Kings Anwälte es geschafft hatten, die Papierschnipsel aus dem Gefängnis zu schmuggeln, überarbeitete Walker den Brief und tippte ihn ab. „Ich hielt ihn für wichtig, er klang wie ein Brief des Apostel Paulus aus dem Neuen Testament“, erklärte uns Walker vor einigen Jahren in einem Interview, und er fügte hinzu, der Brief „sprach zu mir. Die Argumentation ist so klar und prägnant.“

Kings Brief aus dem Gefängnis von Birmingham wurde vielfach veröffentlicht und bleibt ein Zeugnis für die Kraft der freien Meinungsäußerung.

Als Stabschef von King half Walker im August 1963 bei der Planung des historischen Marschs auf Washington sowie vieler weiterer Veranstaltungen, durch die die Ungleichbehandlung der Ethnien in der US-Politik in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts auf die Tagesordnung gebracht wurde.

Der New York Times sagte Walker 2006: „Ich hatte mich uneingeschränkt der Gewaltfreiheit verschrieben, und ich glaube von ganzem Herzen, dass die gewaltfreien Maßnahmen in Birmingham funktionieren mussten, damit die Bürgerrechtsbewegung sich bewähren konnte.“ „Birmingham war Entstehungsort und Bestätigung der gewaltfreien Bewegung in Amerika.“

Sowohl Walker als auch King sollten 1967 nach Birmingham zurückkehren. Diesmal wurden beide für die Teilnahme an Protesten verhaftet und teilten sich fünf Tage lang eine Gefängniszelle. Walker hatte eine Kamera ins Gefängnis geschmuggelt, mit der er die legendäre Aufnahme von King machte.

Martin Luther King sitzt bei einer Pressekonferenz, umgeben von Menschen, am Tisch (Foto: Ernst Haas/Hulton Archive/Getty Images)
Wyatt Tee Walker (stehend, oben rechts) moderiert 1963 in Birmingham (Alabama) eine Pressekonferenz von Martin Luther King (sitzend, Mitte) (Foto: Ernst Haas/Hulton Archive/Getty Images)

Als ordinierter Pfarrer predigte Walker 37 Jahre lang im gesamten Süden der USA und in der Canaan Baptist Church of Christ in Harlem. 1994 hatte Walker die Mitaufsicht über die ersten freien Wahlen in Südafrika, bei denen Nelson Mandela zum Präsidenten gewählt und die Apartheid, die langjährige Politik der ethnischen Segregation, beendet wurde.

Originaltext: Remembering a top aide of Martin Luther King Jr.