Spaziergang zum Gedenken an den 11. September 2001

Jedes Jahr treffen sich Menschen in Washington zu einem Spaziergang, um das gegenseitige Verständnis zwischen Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu fördern. (Foto: Susan Biddle/Washington Post über Getty Images)

In Washington erinnern jedes Jahr mehr als tausend Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen mit ihrem Unity Walk an die Terroranschläge des 11. September 2001. Dieser Artikel von Mary Jane Maxwell erschien am 7. September 2017 auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums.

Seit 15 Jahren treffen sich in Washington an einem Sonntagnachmittag im September Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu einem gemeinsamen Spaziergang, dem Unity Walk, um öffentlich Einigkeit, Freundschaft und religiöse Toleranz zu feiern.

Statue von Mahatma Gandhi (Foto: Shutterstock)
Die Spaziergänger passieren einen Gleichgesinnten, die Statue von Mahatma Gandhi vor der Botschaft Indiens. (Foto: Shutterstock)

Der Washingtoner Unity Walk fand 2002 zum ersten Mal statt und erinnert jedes Jahr an die Terroranschläge gegen die Vereinigten Staaten vom 11. September 2001.

„Eine einfache gemeinsame Unternehmung – wie ein Spaziergang, ein Essen, ein soziales Projekt – ist eine gute Möglichkeit, um menschliche Solidarität zu schaffen, die unsere Unterschiede überwindet“, sagt Bill Aiken vom Buddhistischen Zentrum von Soka Gakkai International, der an der Organisation der jährlichen Gedenkspaziergänge beteiligt ist.

 

Menschen lesen Inschriften auf einer Moscheewand (Foto: Amanda Voisard/The Washington Post über Getty Images)
Abassi Jar-Koroma (Mitte) übersetzt für die Teilnehmer des Unity Walk arabische Inschriften an den Wänden der Moschee im Islamic Center in Washington. (Foto: Amanda Voisard/The Washington Post über Getty Images)

Die Teilnahme ist kostenlos und steht allen offen. Der Spaziergang beginnt mit einer feierlichen Eröffnung bei der jüdischen Gemeinde Washington Hebrew Congregation. Von dort führt die Route über die Massachussetts Avenue und vorbei an den diplomatischen Auslandsvertretungen in Washingtons legendärer „Embassy Row“.

Auf dem Weg können die Teilnehmer unterschiedliche religiöse Zentren besuchen, wie etwa einen Gurdwara, eine Kathedrale, eine Synagoge, eine Moschee und einen buddhistischen Tempel. In diesem Jahr endet der Spaziergang am Islamischen Zentrum in Washington.

An jedem Gotteshaus werden die Spaziergänger von Freiwilligen begrüßt, die sich die Zeit nehmen, Fragen zu beantworten und über verschiedene Glaubensvorstellungen und -praktiken zu sprechen.

Altar mit vielen Heiligenbildern (Foto: Irakli Chikhladze)
Die Teilnehmer des Unity Walk besuchen jedes Jahr die St.-Nicholas-Kathedrale, wo sie etwas über die Rolle von Ikonen im christlich-orthodoxen Glauben erfahren. (Foto: Irakli Chikhladze)

Symi Rom-Rymer, die hauptverantwortliche Organisatorin der Veranstaltung des interreligiösen Zentrums InterFaith Conference of Metropolitan Washington, betrachtet den Unity Walk als eine Möglichkeit, in einer entspannten Atmosphäre mehr über andere Religionen zu erfahren.

„Das Betreten eines unbekannten religiösen Raums kann einschüchternd wirken“, sagt sie. „Bei diesem Spaziergang gehen wir von Haus zu Haus und überall stehen die Türen offen. Die Menschen werden herzlich begrüßt, bekommen Antworten auf ihre Fragen und können mit Geistlichen und Laien sprechen. Dadurch kann auch die Tür für weitere Begegnungen geöffnet werden.“

Interreligiöse Gruppen in einzelnen Gemeinden, wie die Initiatoren des Unity Walk in Washington, vereinen eine Vielzahl unterschiedlicher Glaubenstraditionen. In den Vereinigten Staaten erfreuen sich interreligiöse Gruppen großer Beliebtheit. Sie fördern die Gespräche zwischen Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen.

Rom-Rymers sagt, dass der Unity Walk in den Vereinigten Staaten eine starke Botschaft transportiert: „Einigkeit steht über Trennung, Freundschaft über Hass und Gemeinsamkeit über Spaltung.“

Originaltext: Walk in remembrance of 9/11 unites Washingtonians