Die Geheimwaffe im Kampf gegen Extremismus: Frauen

Saliha Ben Ali (rechts) ruft zusammen mit einer anderen Mutter Eltern dazu auf, belgische Jugendliche davon abzuhalten, in Syrien zu kämpfen. Auf dem Banner links unten steht: „Eltern, lasst uns die Augen nicht verschließen.“ (Foto: Laurent Dubrule /Reuters)

Mark Trainer von ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums, beschreibt in diesem Artikel vom 24. August 2017 die wichtige Rolle von Frauen im Kampf gegen Extremismus.

Frauen leiden unverhältnismäßig stark unter Extremismus, da sie häufig durch kulturelle Normen in Konfliktgebieten gefangen und besonders von sexueller Gewalt bedroht sind. Frauen können aber auch Täter oder Anwerber sein. Allerdings beteiligen sie sich auch erfolgreich am Kampf gegen Extremismus.

2013 verschwand Sabri, der 19-jährige Sohn von Saliha Ben Ali, aus dem Haus der Familie in Belgien. Er war von gewalttätigen islamistischen Extremisten radikalisiert und für den Kampf in Syrien gewonnen worden. Abgesehen von einigen kurzen Textnachrichten, die sie mit ihm austauschte, war das nächste, das die Familie hörte, dass er drei Monate nach seiner Anwerbung im Kampf getötet worden war.

Ben Ali gründete daraufhin die Gesellschaft gegen gewalttätigen Extremismus Belgien (Society Against Violent Extremism Belgium – S.A.V.E. Belgium), um sich denjenigen entgegenzustellen, die sowohl Söhne als auch Töchter ködern und für ihre extremistischen Ideologien missbrauchen.

„Wir sind nicht wütend, wir sind angewidert“, sagte sie der Washington Times. „Wir können einfach nicht nachvollziehen, dass man die Religion für seine bösartigen Absichten missbrauchen kann.“

S.A.V.E. Belgium bietet Workshops für Mütter der ersten und zweiten Generation aus muslimischen Einwandererfamilien an. Bei den Workshops wird den Frauen beigebracht, wie sie die Anzeichen für eine Radikalisierung erkennen und die von den Extremistengruppen eingesetzten Darstellungen zur Rekrutierung ihrer Kinder entkräften können.

Frau mit Kopftuch (Foto: Carsten Koall/Getty Images)
Neriman Yamans 16-jähriger Sohn verübte 2016 einen Sprengstoffanschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft in einem Sikh-Tempel in Deutschland. Yaman spricht und schreibt über den Versuch, die Radikalisierung ihres Sohnes zu verhindern. (Foto: Carsten Koall/Getty Images)

Frauen nutzen ihre Rolle als Mütter erfolgreich, um dem Extremismus entgegenzuwirken. Mit ihrer zentralen Stellung in den Gemeinden sind sie bei diesem Anliegen zudem im Vorteil gegenüber den nationalen Regierungen und Organisationen von außerhalb.

Ein Beispiel hierfür stammt aus Afghanistan. Mariam Safi vom Zentrum für Konflikt- und Friedensstudien (Centre for Conflict and Peace Studies) forscht dort zur Rolle von Frauen im Kampf gegen Extremismus.

2001 rief die afghanische Regierung Gemeindeentwicklungsräte ins Leben und besetzte dort die Hälfte der Stellen mit Frauen. Safi ist der Meinung, dass die Räte im Kampf gegen Extremismus eine maßgebliche Rolle spielen können.

Wenn man den Frauen in den Gemeindeentwicklungsräten die Instrumente zur Verfügung stellt, mit deren Hilfe sie Extremismus aufdecken und stoppen können, „können sie diese Instrumente an die Frauen in den Familien weitergeben“, sagte Safi der Frauen- und Mädchenpublikation der Medienfirma News Deeply. Safi hält dies für sinnvoller, als Außenseiter in die Dörfer zu schicken, um die Menschen dort „aufzuklären“.

Fauziya Abdi ist die Vorsitzende von Schwestern ohne Grenzen (Sisters Without Borders) in Kenia, einem Netzwerk von Organisationen, die gewalttätigen Extremismus verhindern wollen. Sie sagt, es gäbe Beweise dafür, dass Al Shabaab, die militante islamistische Gruppe in Somalia, sowohl Männer als auch Frauen aus Ländern wie dem ihren anwirbt.

Unter anderem zielen die Initiativen der Schwestern ohne Grenzen darauf ab, Vertrauen zwischen den Gemeinden und den Sicherheitskräften aufzubauen, denen oft mit Argwohn begegnet wird. Zudem „drängen wir auf Lösungen, die von den Frauen selbst kommen. Das kann bedeuten, dass wir sie dabei unterstützen, Jugendliche in Beschäftigungsprojekte oder mögliche Führungspositionen zu vermitteln, die eine Alternative zum Extremismus bieten“, sagte Abdi.

Originaltext: The secret weapon against violent extremism: Women