Geschäftsträgerin Robin S. Quinville – Kommentar in der Mitteldeutschen Zeitung

ADN-Uhlemann /13.9.90 / Moskau: 2+4-Abschlußdokument/ Die Außenminister der UdSSR, der USA, Großbritanniens, Frankreichs, der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik unterzeichneten am 12.9.1990 in Moskau das 2+4-Abschlußdokument. V.l.n.r.: James Baker(USA), Douglas Hurd

Im November 1989 stand ich kurz vor dem Ende meiner ersten diplomatischen Verwendung am US-Generalkonsulat in Stuttgart. Ein Jahr voller außergewöhnlicher Ereignisse lag hinter mir, und ich empfand es als großes Glück, in Deutschland zu sein, während hier Geschichte geschrieben wurde. Mit dem Fall der Berliner Mauer begann für die Welt ein neues Zeitalter.

Es sollte eine Zeit der Möglichkeiten und Herausforderungen werden. Mit der ersten und vielleicht größten Herausforderung waren die Deutschen selbst konfrontiert: das Land zusammenzubringen. Wir alle waren Zeugen der Dynamik, der Hingabe und des Mutes der Menschen überall in Deutschland. Gemeinsam überwanden Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten große und kleine Hindernisse – und die ganze Welt sah dabei zu.

Deshalb feiern wir an diesem 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung gemeinsam. Wir würdigen die Menschen, die in Deutschland und andernorts die Geschichte unserer Zeit geprägt haben. Aber dieser Geburtstag gibt uns mehr als nur die Gelegenheit, jene zu würdigen, die Deutschland zu einer Wiedergeburt verholfen haben. Er ist auch eine gute Gelegenheit, um die unverzichtbaren deutsch-amerikanischen Beziehungen und unser gemeinsames Engagement für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte zu würdigen.

Wir werden niemals die Entschlossenheit und Zuversicht der Deutschen vergessen, die für eine funktionierende und dynamische Demokratie für Deutsche im Osten wie im Westen gekämpft haben. Dreißig Jahre später arbeiten wir als Bündnispartner zusammen, um eine freie und sichere Welt für diese und die nächsten Generationen zu schaffen. Gemeinsam gehen wir die neuen und komplexen Herausforderungen an, mit denen die Welt konfrontiert ist.

Aus diesem Grund reisen hochrangige Besucher nach Deutschland – wie der amerikanische Außenminister, der 2019 Halle und Leipzig besuchte. Das ist auch der Grund dafür, dass das US-Generalkonsulat in Leipzig, das 1992 wiedereröffnet wurde, im vergangenen Jahr erweitert wurde. So, wie unsere diplomatischen Beziehungen aufblühten, haben sich auch die Städtepartnerschaften zwischen Städten in der Region und den Vereinigten Staaten entwickelt: Aus der Partnerschaft zwischen Savannah und Halle ist eine Gewürzmischung mit Gewürzen aus Savannah und Salz aus Halle hervorgegangen. Durch die Partnerschaft zwischen Nashville und Magdeburg entstand das Festival Nashville Days, das die Verbundenheit zwischen den beiden Städten weiter vertieft. Die Partnerschaft zwischen Houston und Leipzig wurde 2010 mit dem jährlichen Kunst- und Kulturpreis von Sister Cities International ausgezeichnet, der an Städte mit mehr als 500.001 Einwohnern verliehen wird, und die Partnerstädte Shawnee und Erfurt profitieren von dem intensiven Austausch, den ihre Feuerwehren pflegen. Das Ansehen Ostdeutschlands ist im Kontext der wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten ebenfalls gewachsen: Die Vereinigten Staaten sind der größte ausländische Direktinvestor in Sachsen und Thüringen und der zweitgrößte in Sachsen-Anhalt.

Selbstverständlich gibt es trotz der riesigen Fortschritte der vergangenen 30 Jahre noch immer Herausforderungen. Aber wir wachsen nicht trotz, sondern wegen der Herausforderungen. Die Gründer der Vereinigten Staaten entschlossen sich, beim Niederschreiben unserer Verfassung schon in der ersten Zeile deutlich zu machen, warum wir ein solches Dokument brauchen. Der wichtigste Grund? „Um eine noch vollkommenere Union zu bilden.“ Das erinnert uns jeden Tag daran, dass unsere demokratischen Werte Teil eines anhaltenden, lebendigen Prozesses sind, den „wir, das Volk“, prägen.

Die Vereinigten Staaten und Deutschland setzen sich für einen offenen Dialog und demokratische Werte ein. Dieses gemeinsame Bekenntnis definiert unsere Partnerschaft. Unsere gemeinsamen Erfahrungen festigen unsere Bindung. Vor dreißig Jahren, als Deutschland wieder ein Land wurde, standen wir zusammen. Und wir stehen auch heute zusammen.