Häusliche Gewalt hat ihre Arbeit bei der Polizei verändert

Vom 25. November bis 10. Dezember 2017 finden die Aktionstage „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ statt. Zu diesem Thema erschien auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums, am 27. November 2017 ein Beitrag über die Arbeit der Polizistin Cindy Rodriguez.

Diese Zahlen sind erschreckend: Mindestens jede dritte Frau erfährt in ihrem Leben Gewalt oder Missbrauch.

Den Vereinten Nationen zufolge nehmen weniger als 40 Prozent dieser Opfer Hilfe in Anspruch. Die Opfer, die Hilfe suchen, wenden sich häufig an Freunde und Familie. Nur selten – in weniger als zehn Prozent der Fälle – wenden sich die Opfer an diejenigen, die ihnen am besten helfen können, den Missbrauch zu beenden und die Unterstützung zu finden, die sie benötigen, um sich aus der Situation zu befreien: die Polizei.

In ihren 28 Jahren im Polizeidienst in Las Vegas war sich Cindy Rodriguez dessen sehr wohl bewusst. Sie hat es sogar selbst erlebt.

Als Kind musste Rodriguez mit ansehen, wie ihre Mutter von ihrem Vater misshandelt wurde. „Ich habe schon als kleines Kind erlebt, wie es zu häuslicher Gewalt kommen kann“, sagte sie. Um zu verhindern, dass seine Frau ihn verlässt, drohte ihr Vater damit, den Kindern etwas anzutun. Letztendlich verließ ihre Mutter ihren Vater, musste aber jahrelang kämpfen, um die Familie finanziell durchzubringen. Die einzige Hilfe war, dass ihre Tochter inzwischen alt genug war, um sich um die jüngeren Brüder zu kümmern.

Als Polizistin „war es für mich wirklich wichtig, diese Erfahrung persönlich gemacht zu haben“, so Rodriguez. Zu verstehen, warum Opfer beim Täter bleiben, hat ihr bei Einsätzen im Bereich häuslicher Gewalt – und bei der Ausbildung internationaler Polizeikräfte als Teil der Internationalen Polizeiakademie des US-Außenministeriums – geholfen.

Im November 2015 sprach Rodriguez in Budapest vor Kollegen aus dem Kosovo, der Ukraine und Ungarn darüber, wie Polizeikräfte trotz begrenzter Ressourcen und der Schwierigkeit, Opfer davon zu überzeugen, Anzeige zu erstatten, auf häusliche Gewalt effektiv reagieren zu können.

Warum erstatten die Opfer keine Anzeige?

Rodriguez beschrieb das typische häusliche Szenario, in dem der Täter, meist der Mann, ertappt wird oder aus irgendeinem anderen Grund verspricht, die gewalttätigen Übergriffe zu beenden. Nach einer kurzen „Flitterwochen-Phase“ flammt die Gewalt fast ohne Vorwarnung wieder auf, ausgelöst durch eine beiläufige Bemerkung oder ein angebranntes Abendessen. Aber oft bleiben die Opfer trotzdem.

„Er umwirbt sie. Sie liebt ihn offensichtlich. Manchmal gibt es auch finanzielle Schwierigkeiten. Vielleicht hat sie keine Arbeit. Oder es sind Kinder im Spiel“, erläuterte sie. Eine Beendigung der Partnerschaft hätte eindeutige Konsequenzen, „und wenn man nun zusätzlich die Misshandlung berücksichtigt, wird die ganze Situation noch komplizierter“, so Rodriguez.

Auf Boden sitzende Person betrachtet durch die Beine einer stehenden Person (Foto: Thomas Imo/Alamy)
(Foto: Thomas Imo/Alamy)

Eine erfolgreiche Polizeistrategie ist es, die gleichen Polizistinnen und Polizisten in den gleichen Gegenden einzusetzen – seien es ländliche Regionen, in denen sich die meisten Menschen untereinander kennen, oder ein bestimmtes Viertel in einer Stadt –, damit sie regelmäßig Kontakt mit den Bewohnern aufnehmen können. Wenn dann ein Nachbar oder eine im Haushalt lebende Person anruft, weiß der Polizeibeamte sofort, ob der Anruf sich auf eine Familie bezieht, in der es bereits Vorfälle gab. Der Beamte ist dann in der Lage, Misshandlungsmuster zu erkennen und entsprechend Hilfe anzubieten.

Rodriguez zeigte den internationalen Polizeikräften darüber hinaus, wie sie und ihre Kolleginnen und Kollegen im Las Vegas Metropolitan Police Department soziale Medien nutzen, um öffentliche Bekanntmachungen zu verbreiten, so beispielsweise auch dazu, wo Opfer Hilfe erhalten.

Das eigene Ansehen ist wichtig, damit Frauen die unsichtbare Barriere durchbrechen können

Viele der Teilnehmer sagten Rodriguez, dass es nicht häufig vorkomme, dass eine Polizistin eine wichtige Führungsrolle übernehme und von ihren männlichen Kollegen so offensichtlich respektiert werde. Die wenigen Frauen in ihrem eigenen Polizeidienst seien erst kürzlich eingestellt worden und würden gerade erst Erfahrungen sammeln.

„Sie strahlen Kompetenz aus. Ganz offensichtlich respektieren [Ihre Kollegen] Sie“, sagte einer der Auszubildenden. „Wie haben Sie das geschafft?“

Polizistinnen sitzen in einem Raum. (Foto: US-Außenministerium)
Gruppen wie die International Association of Women Police bieten Mentoring, Schulungen, Netzwerke und Anerkennung, um den Polizeidienst für Frauen attraktiver zu machen und die Mitarbeiterinnen weltweit zu unterstützen. (Foto: US-Außenministerium)

„Schritt für Schritt“, antwortete Rodriguez. Rodriguez hat die Erfahrung gemacht, dass „man sich sehr professionell verhalten muss“, um gegen Stereotype und Diskriminierung anzugehen, [denn] der eigene Ruf – ob gut oder schlecht – eilt einem immer voraus.“

Meine Erfahrungen in Budapest haben mir gezeigt, dass meine Botschaft und meine Erkenntnisse allgemeingültig sind und für Frauen und Männer aus allen Kulturen, Ethnien und Ländern gelten“, sagte Rodriguez.

Originaltext: Domestic violence shaped her police work