Indien steht vor seiner wichtigsten Aufgabe: der Freisetzung des unternehmerischen Potenzials

Anlässlich des bevorstehenden Global Entrepreneurship Summit in Hyderabad (Indien) vom 28. – 30. November 2017 befasst sich dieser Beitrag von Christopher Connell mit den Chancen für Unternehmensgründerinnen und –gründer. Der Artikel erschien am 15. November 2017 auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums.

Die ersten 53 Banken, die Veena Kumaravel um einen Kredit zur Expansion ihrer drei Schönheitssalons in Chennai (Indien) bat, lehnten ab.

Die 54. sagte zu.

Heute, etwas mehr als zehn Jahre später, gehören zur Firma Naturals, die Kumaraval und ihr Ehemann gründeten, mehr als 600 Filialen in ganz Indien. 350 Filialen des Franchise-Unternehmens werden von Unternehmerinnen geführt.

Alle diese Absagen „konnten uns nicht stoppen. Wir wollten unbedingt unseren Traum verwirklichen“, sagte Kumaravel bei einer Veranstaltung im US-Konsulat in Chennai. Es ging dabei um die mögliche Rolle von Mentoren bei der Unterstützung von Frauen, die ein Unternehmen gründen oder expandieren wollen.

Die Veranstaltung wurde im Vorfeld des Global Entrepreneurship Summit in Hyderabad (Indien) gemeinsam von der US-Regierung und der indischen Regierung organisiert. Am Gipfel werden 1.500 Jungunternehmerinnen und -unternehmer, Business Angel sowie führende Unternehmer und Politiker teilnehmen. Das National Institute for Transforming India (NITI Aayog), organisierte sogar einen Wettbewerb für Verkaufsargumente, wobei die Gewinner eine „Goldene Eintrittskarte“ erhielten.

Bekämpfung der Armut mit Unternehmertum

In Anbetracht der Tatsache, dass 22 Prozent der 1,3 Milliarden Menschen in Indien in Armut leben, hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, Anreize für privatwirtschaftliche Unternehmensgründungen zu schaffen. Diese sollen neue Konzepte für Fragen der Gesundheitsversorgung, Energie, Landwirtschaft und andere wichtige Bereiche des Landes entwickeln und dadurch Millionen Menschen ermöglichen, sich in die wachsende Mittelschicht hochzuarbeiten.

Besonderes Augenmerk wird dabei auf Frauen gerichtete, die in vielen Familien den Lebensunterhalt verdienen, unter Unternehmern aber unterrepräsentiert sind. Dies spiegelt auch das Thema des Gipfels „Frauen zuerst, Wohlstand für alle“ wider.

Für die Delegierten stehen in Hyderabad Dutzende Gespräche und Workshops auf dem Programm. Zu den Themen zählen dabei kostengünstige Innovationen in der Landwirtschaft und Gesundheitsversorgung sowie die betriebswirtschaftliche Seite von Bollywood. Es wird sogar ein Seminar darüber geben, wie Unternehmer aus ihren Fehlschlägen lernen können.

#WusstenSie, dass mehr als 15% der indischen Unternehmer Frauen sind und mehr als 50% der #GES2017-Teilnehmer Frauen sein werden. Frauen zuerst, Wohlstand für alle! pic.twitter.com/VAnwLarkAG — NITI Aayog (@NITIAayog) 25. Oktober 2017 

Technologie-Start-ups weisen den Weg

Städte wie Bangalore, Heimat von Infosys, Wipro und anderen Technologieriesen, verfügen bereits über weitreichende Netzwerke und Unterstützung für Start-ups.

Indisch-amerikanische Unternehmer, die zum Aufbau von Silicon Valley beitrugen, helfen aufstrebenden Unternehmerinnen und Unternehmern in Indien oft als Mentoren und manchmal Investoren, sagt Professor Tarun Khanna von der Harvard Business School. „Es gibt eine enge Bindung. Das Netzwerk spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Bereitstellung von Kapital, Know-how und Mentoren geht.“

2015 hatte Khanna den Vorsitz im NITI Aayog Panel, das Empfehlungen zur Förderung von Unternehmertum und Innovation durch die Regierung erarbeitete. Zu den Empfehlungen des Panels gehörten die Reform des Bildungssystems, Wettbewerbe, Bürokratieabbau für Unternehmen und die Stärkung der Rechte am geistigen Eigentum. Das Gremium stellte außerdem fest, dass es Frauen schwerer haben, Kapital für die Expansion ihres Kleinunternehmens zu erhalten.

„Indien hat noch einen langen Weg vor sich“, so Khanna. „Es gibt hier aufregende Gründerszenen, die wie der Großraum Boston oder Silicon Valley wirken, aber auch Gebiete mit bitterer Armut.“

Gute Ratschläge von Mentoren

Thara Jayan, Gründerin des Unternehmens Ganya Agro Products, das Speiseöle auf umweltverträgliche, nachhaltige Art und Weise herstellt, sagte im Workshop in Chennai, dass sie „nicht ernst genommen wurde“, als sie in die männlich dominierte Lebensmittelindustrie vordrang. Sie erlernte die Kunst des Verhandelns von zwei Mentoren, einem indischen und einem amerikanischen. Sie „brachten uns alles bei, was es in der Unternehmenswelt zu wissen galt“.

Kumaraval sagte, angehende Unternehmer „gehen mit viel Leidenschaft an die Sache“, ihre Zuversicht schwindet allerdings, wenn sie kein Kapital bekommen können. „Genau dann sollte man sich einen Mentor suchen.“

Originaltext: Unleashing new entrepreneurs is India’s top job