Memorandum des scheidenden US-Außenministers John Kerry

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Auszug aus dem Memorandum, in dem US-Außenminister John Kerry am 5. Januar 2017 Bilanz über seine Jahre als Außenminister zog und Präsident Obama über sein bevorstehendes Ausscheiden aus dem Amt unterrichtete.

 

 

 

Die Vereinigten Staaten sind heute sicherer, international engagierter und genießen höheres Ansehen als vor Präsident Obamas Amtsantritt vor acht Jahren. Wir haben die internationale Gemeinschaft zusammengeführt, um den gravierendsten Bedrohungen, mit denen wir konfrontiert sind, die Stirn zu bieten und die bedeutendsten Chancen zu ergreifen, die unsere Zukunft prägen werden. Es liegt noch viel Arbeit vor uns, aber ich bin zuversichtlich, dass die Vereinigten Staaten so unersetzlich bleiben werden wie sie heute sind, sofern wir unsere Zeit, unsere Fähigkeiten und unsere Ressourcen in globalen Angelegenheiten bedacht investieren.

Nach beinahe vierzig Jahren im Dienste der Öffentlichkeit bin ich mir dessen bewusst, dass kaum eine andere Aussage so zuverlässig für Beifall sorgt – oder Schaden anrichtet – wie die, das Budget des US-Außenministeriums und des US-Amts für internationale Entwicklung zu kürzen und „das Geld zu Hause auszugeben“. Aber auf Aussagen, die breite Zustimmung ernten, folgen nicht immer gute politische Maßnahmen. Wir müssen besser erklären, wie wir mit relativ bescheidenen Investitionen in Diplomatie und Entwicklung die Welt verbessern und unsere eigene Sicherheit über Generationen hinweg erhöhen können. Es kann nicht sein, dass die reichste Volkswirtschaft der Welt sich damit zufriedengibt, nur einen Cent pro US-Dollar in diese Bestrebungen zu investieren.

Ebenso gilt, dass die Vereinigten Staaten im Ausland nicht stark sein können, wenn sie es im Inland nicht sind. Ich bin sicher, unser demokratisches System, unsere dynamische Wirtschaft, die Achtung der Menschenrechte, Justiz und Pressefreiheit in unserem Land können es mit jedem anderen Land der Welt aufnehmen. Bei meinen Auslandsreisen wird mir immer wieder bewusst, wie gut es uns hier in den Vereinigten Staaten geht, aber mir wird auch immer wieder bewusst, welche Ehrfurcht gebietende Verantwortung und welche Möglichkeiten wir haben, auch das Leben der Menschen in unserem Land zu verbessern. Wir dürfen nicht vergessen, dass alles, was wir tun, um unsere Union zu vervollkommnen und diese Werte hier in unserem Land zu leben, diese Ideale auch im Ausland fördert.

Trotz der Probleme, mit denen wir weltweit konfrontiert sind, glaube ich fest daran, dass wir mit genau dem Optimismus in die Zukunft blicken sollten, der unserem Land schon immer Inspiration und Energie verliehen hat. Ich sage nicht, dass wir alle Probleme gelöst haben. Aber ich weiß, dass es sehr viel mit amerikanischer Führungsstärke zu tun hat, dass ein Kind, das heute irgendwo auf der Welt geboren wird, mit größerer Wahrscheinlichkeit als jemals zuvor gesund zur Welt kommt, angemessen ernährt wird, die notwendigen Impfungen erhält, die Schule besucht und ein langes und glückliches Leben führt. Vor erst 20 Jahren war die Zahl der Mütter, die bei der Geburt starben, und die Zahl der Babys, die an Unterernährung starben, noch doppelt so hoch. Wir haben den Zugang zu Bildung für Jungen und Mädchen dramatisch erweitert. Wir haben die extreme Armut zum ersten Mal in der Geschichte auf unter zehn Prozent gesenkt. Es gibt noch Kriege, die beendet werden und Krankheiten, die besiegt werden müssen, Kinder, denen Bildung zuteilwerden muss und Freiheiten, die gefördert und geschützt werden müssen. Aber ich bleibe optimistisch und glaube weiterhin an beharrliche amerikanische Führungsstärke und Diplomatie – an aktive, durchsetzungsfähige und kluge Diplomatie.

Die Größe der Vereinigten Staaten ist eine Tatsache, aber nichts, auf das wir automatisch Anspruch haben. Sie darf nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Jede Generation muss sie von Neuem beweisen und sich verdienen. Sie verlangt uns unser Bestes ab. Die Welt wird auf uns blicken um zu sehen, ob wir, die Amerikanerinnen und Amerikaner, dieser Herausforderung gewachsen sind. Ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass die Antwort auf diese Frage ja lautet, aber wir werden gemeinsam daran arbeiten und die Investitionen tätigen müssen, die sich aus unserer politischen Führungsverantwortung ergeben.

Im heutigen US-Außenministerium zu arbeiten ist bereichernd, weil wir ein einzigartiges Land vertreten, es großartige Dinge zu erreichen gilt und wir mit unvergleichlichen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten. Ich werde stets dankbar sein, dass mir die ungeheure Chance zuteilwurde, meinem Land zu dienen. Es war die größte Ehre meines Lebens. Ich wünsche Präsident Obamas und meinem Nachfolger das Beste für ihre außergewöhnliche Aufgabe, das großartigste Land der Welt zu repräsentieren.

Originaltext: Exit Memo From Secretary Kerry to President Obama