Kunst als Botschafter Amerikas in den US-Auslandsvertretungen

Roy Lichtenstein mit seinem Greene Street Mural 1983 in der Leo Castelli Gallery in New York. (Foto: Estate of Roy Lichtenstein, Michael Abramson)

US-Botschaften und Konsulate sind nicht nur diplomatische Vertretungen, sondern auch hervorragende Ausstellungsorte für Kunst und Kultur der Vereinigten Staaten. Dieser Artikel über Exponate, die in den Vertretungen der Vereinigten Staaten weltweit zu sehen sind, erschien am 4. August auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums.

Das US-Programm Art in Embassies existiert seit fast 60 Jahren und ist heute immer noch erfolgreich.

Diesem Programm ist es zu verdanken, dass Werke namhafter amerikanischer Künstler dauerhaft in US-Botschaften in aller Welt ausgestellt und Kunstausstellungen international präsentiert werden. Amerikanische Künstlerinnen und Künstler haben mit Kolleginnen und Kollegen aus vielen anderen Ländern vor Ort zusammengearbeitet, um Werke zu schaffen, die in den US-Botschaften und -Konsulaten zu sehen sind.

Ein Mann sitzt auf einem Kran und hebt ein großes Kunstobjekt hoch. (Foto: FAPE)
Die Aluminiumskulptur Beijing Panels (2005) von Ellsworth Kelly wird an der Pekinger US-Botschaft angebracht. (Foto: FAPE)

Wesentliche Unterstützung kommt von einer gemeinnützigen Organisation, die 1986 eigens zu dem Zweck gegründet wurde, das Programm Art in Embassies zu fördern: der Foundation for Art and Preservation in Embassies – FAPE.

„Für uns war es wichtig, ein Programm ins Leben zu rufen, um Kunst in die Botschaften zu bringen und zwar dauerhaft“, sagte Robert Storr, Akademiker, Künstler und Stiftungsvorsitzender, vor Kurzem bei einem Empfang anlässlich der Schenkung eines Werks des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein.

Lichtensteins Witwe Dorothy übergab eine Replik seines Greene Street Mural (1983), die bald in der US-Vertretung in Mexiko-Stadt ihr ständiges Zuhause finden wird. Das Originalkunstwerk wurde 1983 nach dem Ende seiner Ausstellung in der Castelli Gallery in New York absichtlich zerstört. Die Replik wurde anhand von Fotos und Skizzen des Künstlers geschaffen. Das Wandgemälde zeigt Aspekte des amerikanischen Alltags in Lichtensteins farbenfrohem, von Comiczeichnungen inspirierten Stil. „In diesem großflächigen Gemälde kann man sich einfach verlieren. Ob man nach links oder nach rechts schaut, das Bild geht immer noch weiter“, so Storr.

Unter den Kunstwerken, die in US-Botschaften und Konsulaten hängen, sind Originale, Drucke und Fotografien von den Fotografen Ansel Adams und Cindy Sherman, den Malern und Grafikern Josef Albers, Elizabeth Catlett, Jasper Johns und Frank Stella und den Architekten und Bildhauern Maya Lin und Louise Bourgeois. Afroamerikanische Textilkünstler aus Gee’s Bend (Alabama) sind ebenfalls vertreten.

Schwarz-Weiß-Fotografie eines Bergpanoramas. (Foto: FAPE)
Dieser Silbergelatineabzug (1970) von Ansel Adams‘ Clearing Winter Storm, Yosemite, California (1944) hängt an der US-Botschaft in Eriwan (Armenien). (Foto: FAPE)

Storr fügte hinzu, der Gedanke hinter Art in Embassies sei, Kunstwerke zu präsentieren, die „auf irgendeine dem Künstler eigene Weise Amerika symbolisieren.“

Seine Stiftung hat dem Programm Art in Embassies Werke von über 200 Künstlern in mehr als 140 Ländern dauerhaft überlassen.

Abstraktes Gemälde, das zwei Männer im Gespräch darstellt. (Foto: FAPE)
Die Collage Carolina Blue von Romare Bearden hängt in der US-Botschaft Port-au-Prince (Haiti). (Foto: FAPE)

Außerdem konnten in den vergangenen zehn Jahren rund 100 Künstlerinnen und Künstler im Rahmen von Austauschprogrammen mit Künstlerinnen und Künstlern im Ausland zusammenarbeiten und dadurch tausende Menschen in den teilnehmenden Ländern erreichen. An diesem privat und öffentlich finanzierten Programm nehmen nicht nur Künstlerinnen und Künstler, sondern auch Museen, Universitäten und private Kunstsammlungen teil.

Bis heute wurden Veranstaltungen in 189 Ländern ausgerichtet. Pro Jahr werden rund 60 Ausstellungen durch professionelle Kuratoren zusammengestellt und versendet, und seit dem Jahr 2000 wurden etwa ebenso viele Dauerausstellungen in diplomatische Vertretungen weltweit gebracht.

Rotbraune Steinskulpturen (Foto: FAPE)
Die Skulptur Mkusanyiko wa Marafiki/Assembly of Friends (2002) von Elyn Zimmerman aus rotem Granit steht in der US-Botschaft Daressalam (Tansania). (Foto: FAPE)

Das Programm fördert auch die Restaurierung historischer Gebäude in den jeweiligen Gastländern. In manchen Fällen, wie etwa beim Petschek-Palais in Prag, wird auch der Wert von Inventar wie Möbeln, Glas und Porzellan geschätzt. Mit der Renovierung des Petschek-Palais begann eine Zusammenarbeit mit dem Aktionshaus Sotheby’s. Sotheby’s erstellt auch weiterhin kostenlose Gutachten für das Eigentum des US-Außenministeriums im Ausland.

Zu weiteren Sanierungsprojekten gehören die Botschafterresidenz in Peking sowie Winfield House, die offizielle Residenz des US-Botschafters am Königlichen Hof in London.

Geometrische Formen in Blau, Grün, Gelb und Schwarz. (Foto: FAPE)
Der Druck Still have Joy/Tears of Pride (2007) eines Quilts von Louisiana Bendolph stammt aus der Quilt-Sammlung aus Gee’s Bend (Alabama), die in Auslandsvertretungen der Vereinigten Staaten in Indien und Pakistan zu sehen ist. (Foto: FAPE)

Und das Programm sorgt für die Rettung von Kunstwerken. In der US-Botschaft in Wien wurde ein seltener flämischer Gobelin aus dem 16. Jahrhundert restauriert und erhalten. In der Residenz des Botschafters in Brüssel wurde ein chinesischer Koromandellack-Paravent aus dem 18. Jahrhundert auf ähnliche Weise bewahrt.

„Sie müssen kein Englisch können“, sagte Storr. „Sie müssen kein Spanisch können. Sie müssen gar nicht sprechen. Sie müssen nur die Sprache der Bilder verstehen.“

Originaltext: Sharing American art in embassies

Gemälde, das einen Ureinwohner Nordamerikas in sitzender Pose zeigt. (Foto: FAPE)
Another Deco Indian (1978) von Fritz Scholder, zu sehen an der US-Botschaft in Port-au-Prince (Haiti). (Foto: FAPE)