Mädchen sind MINT-Genies – genau wie Jungen

Mädchen sind gleich gut wie Jungs - nicht nur in Mathe. (Grafik: US-Außenministerium/Doug Thompson)

Mathematik und Naturwissenschaften gelten oft noch immer als „Männersache“. Pädagogen wollen das ändern, deshalb bieten viele Schulen mittlerweile besondere Programme für Mädchen an. Dieser Text von Christopher Connell erschien am 19. Juli 2017 auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums.

Bei einem Wissenschafts-Camp für Sechstklässlerinnen in Texas stellt ein Lehrer den Mädchen eine Kiste mit Fahrradteilen hin. Ihre Aufgabe: das Fahrrad zusammenbauen – ohne Anleitung.

Sie schaffen das, ebenso wie sie es geschafft haben, aus Legosteinen einen tanzenden Roboter zu konstruieren und aus Holz einen Flipper-Automaten mit blinkenden Lämpchen zu bauen.

„Es ging darum, uns Mechanik und Maschinenbau nahezubringen“, sagt die 12-jährige Avery Lopez. „Im normalen naturwissenschaftlichen Unterricht hätten wir wahrscheinlich die Jungen dazu bekommen, die ganze Arbeit zu machen. Ehrlich gesagt hätte ich das versucht.“

Grafik eines Mädchens im Chemielabor. Grafik: US-Außenministerium/Doug Thompson
Experimentieren macht allen Spaß! Grafik: US-Außenministerium/Doug Thompson

Das Camp für Wissenschaft und Technologie im Schulbezirk Lamar außerhalb von Houston ist eine von vielen Initiativen, die das Interesse von Mädchen schon früh wecken und sie so in Mathematik- und Naturwissenschaftskurse mit höherem Leistungsniveau bringen wollen.

In den meisten Ländern machen mehr männliche als weibliche College-Studierende ihren Abschluss in MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie, und sind später in diesen Bereichen erfolgreich. Fast überall auf der Welt versuchen Regierungen und Pädagogen, diese geschlechtsspezifischen Unterschiede abzubauen.

Zumindest auf Grundschulebene zeichnen sich erste Fortschritte ab.

Die neueste Auflage der Studie Trends in International Mathematics and Science, durchgeführt unter Viert- und Achtklässlern in Dutzenden Ländern, hat gezeigt, dass im Vergleich zu 1995 in weit weniger Ländern Unterschiede zugunsten von Jungen bestehen und Mädchen in einigen Ländern besser abschneiden als Jungen, insbesondere in naturwissenschaftlichen Fächern.

Doch ein weiterer Test unter Teilnehmern von Mathe- und Physik-Leistungskursen an weiterführenden Schulen hat gezeigt, dass es noch immer eine Kluft zwischen den Geschlechtern gibt. „In diesen Kursen ist der Mädchenanteil geringer und ihr Leistungsniveau bleibt deutlich [hinter dem der Jungen] zurück“, sagt Dirk Hastedt, Direktor der International Association for the Evaluation of Educational Achievement.

Grafik eines Mädchens im Klassenzimmer beim Lösen von Mathematikaufgaben. Grafik: US-Außenministerium/Doug Thompson
Mathe – Mädchen sind genauso gut. Grafik: US-Außenministerium/Doug Thompson

Warum der Unterschied zwischen den Geschlechtern?

Experten sind sich einig, dass Mädchen und Jungen in MINT-Fächern nicht unterschiedlich begabt sind, sondern dass „Mädchen in vielen Kulturen ihre Zukunft nicht in Mathematik und den Naturwissenschaften sehen“. „Wissenschaftlerinnen sind kaum sichtbar – das wirkt sich negativ auf das Selbstbewusstsein der Mädchen aus“, so Hastedt.

Bildungsexperten wollen das ändern. Große Firmen würden gerne mehr Programmiererinnen und Ingenieurinnen einzustellen; Universitäten und Berufsverbände überarbeiten Lehrpläne und didaktische Methoden, um herauszufinden, „was für Frauen unattraktiv ist oder sie sogar abschreckt“, so Jolene Jesse von der National Science Foundation.

Die Förderung muss bereits früh einsetzen. Die Schulen in Lamar führten die Camps ein, um „sicherzustellen, dass die Mädchen sich ebenso viel [mit MINT] beschäftigen wie mit Ballett oder Cheerleading“, so die akademische Leiterin Valerie Vogt.

Avery Lopez ist ein Genie, wenn es darum geht, 3D-Drucker zu programmieren. Ihre Zukunft sieht sie im Bereich Computerdesign. Ihr Rat an diejenigen, die vor Mathe und Naturwissenschaften zurückschrecken: „Unbedingt reinschnuppern, denn das ist ein wirklich riesiger Bereich, in dem nur wenige Frauen arbeiten.“

Originaltext: Math and science have no gender