Die Montford Pointers: die ersten afroamerikanischen Marineinfanteristen

Joseph Carpenter, Oberstleutnant der US-Marineinfanteristen a. D. (Foto: US-Außenministerium/D.A. Peterson)

Anlässlich des Black History Month erschien am 7. Februar 2018 auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums, ein Artikel der freien Autorin Lenore T. Adkins über die erste afroamerikanische Einheit der US-Marines.

Im Jahr 1943 erreichte Joseph Carpenter zu Hause in Washington der Befehl, sich im Lager Montford Point in Jacksonville (North Carolina) zu melden.

„Ich war stolz, den Marines anzugehören, weil sie auf eine so reiche Geschichte zurückblicken“, erzählte Carpenter, der heute 93 Jahre alt ist.

Ein afroamerikanischer Marineinfanterist blickt in die Kamera (Foto: Joseph Carpenter/privat)
Joseph Carpenter 1944 in Montford Point. (Foto aus dem privaten Bestand von Joseph Carpenter)

1943 schrieb Carpenter dann selbst Geschichte, als er einer der ersten schwarzen Rekruten der US-Marineinfanteristen wurde.

In Montford Point wurden mehr als 20.000 Afroamerikaner ausgebildet – daher auch die Bezeichnung Montford Pointers. Im Militär herrschte damals, ebenso wie in vielen anderen Bereichen in den Vereinigten Staaten, noch die Rassentrennung.

Für das Militär änderte sich dies 1948, als Präsident Harry S. Truman einen Präsidialerlass zur Aufhebung der Rassentrennung unterzeichnete. Aber während des Zweiten Weltkriegs wurde Carpenter noch in einer ausschließlich afroamerikanischen Einheit ausgebildet.

Ob in rein afroamerikanischen oder gemischten Einheiten: Schwarze Soldaten kämpften in allen größeren amerikanischen Kriegen, auch schon vor Gründung der Vereinigten Staaten (siehe Abbildungen unten).

Die Montford Pointers sind nicht so bekannt wie die Tuskegee Airmen, das afroamerikanische Geschwader der US-Luftwaffe, das in Alabama Kampfflugzeuge flog und wartete, bevor es im Zweiten Weltkrieg zu einer geachteten Kampfeinheit wurde.

Aber auch die Montford Pointers dienten mit Auszeichnung. Etwa 13.000 Montford Pointers wurden zum Kampf im Zweiten Weltkrieg entsandt. Fast 2.000 von ihnen unterstützten die alliierten Streitkräfte, als sie beim Kampf im Pazifik im Rahmen der größten amphibischen Landung die Insel Okinawa einnahmen.

Grenzen überwinden

Sobald die Montford Pointers ihren Stützpunkt in Jacksonville verließen, wurden sie mit der Rassentrennung konfrontiert. In den Südstaaten schrieben die sogenannten Jim-Crow-Gesetze Schulen und Unternehmen vor, Weiße und Schwarze zu trennen.

Der 92-jährige Feldwebel a. D. Edwin Fizer, der 1942 zu den Marineinfanteristen ging, erinnert sich, dass einige der weißen Offiziere und Ausbilder die Fähigkeiten der schwarzen Rekruten anzweifelten, was ihn in seiner Entschlossenheit, sich zu bewähren, nur noch bestärkte.

In einem telefonisch mit Fizer in Illinois geführten Interview erklärte er: „Wir mussten das durchstehen, damit wir im Korps bleiben und gute Arbeit leisten konnten.“

Während Fizer in der Schlacht zur Rückeroberung Guams von den Japanern zum Einsatz kam, blieb Carpenter als Stabsdienstfeldwebel in Montford Point und half dabei, europäische Kriegsgefangene von den Schiffen zu bringen. In den Achtzigerjahren ging er als Oberstleutnant in Rente. Viele Montford Pointers dienten noch im Koreakrieg und im Vietnamkrieg.

Die Legende lebt weiter

Mann hält goldene Medaille in den Händen (Foto: US-Außenministerium/D.A. Peterson)
Oberstleutnant a. D. Joseph Carpenter (93) hält die Goldene Ehrenmedaille des Kongresses in den Händen, die ihm 2012 für seinen Dienst als Montford-Marineinfanterist verliehen wurde. (Foto: US-Außenministerium)

In Anerkennung ihres Dienstes und der Opfer, die sie im Zweiten Weltkrieg brachten, wurde den Montford Marines 2012 die Goldene Ehrenmedaille des Kongresses verliehen, die höchste zivile Auszeichnung, die der US-Kongress vergibt.

1974 wurde Camp Montford Point zu Ehren des afroamerikanischen Oberstabsfeldwebels, der dort als Ausbilder arbeitete, in Camp Gilbert H. Johnson umbenannt. Es ist die einzige Einrichtung der Marineinfanteristen, die nach einem Afroamerikaner benannt ist, erklärte John Lyles, der als Archivar in der Bibliothek des Marinekorps arbeitet. (Ein Schiff der US-Marine trägt den Namen des Camps.)

Von den ersten afroamerikanischen Marineinfanteristen leben noch fast 440, erzählte Forest Spencer, Präsident der National Montford Point Marine Association.

Für die nächste Generation

Fizer möchte bei der nächsten Generation ein Bewusstsein für die Schwierigkeiten schaffen, mit denen die Montford Pointers zu kämpfen hatten, und dafür, dass sich die Zeiten zum Besseren gewandelt haben. „Ich möchte, dass sie wissen, wie wir Schwierigkeiten überwunden haben“, erläuterte Fizer. „Wir haben eine Grundlage geschaffen, und sie stehen auf unseren Schultern. Auf dieser Grundlage können sie aufbauen.“

 

Ein Blick zurück

Zeichnung von Crispus Attucks (© Science History Images/Alamy)
Zeichnung von Crispus Attucks (© Science History Images/Alamy)

Unabhängigkeitskrieg: Crispus Attucks, dessen Mutter Sklavin war, gehörte zu den amerikanischen Helden, die 1770 während des Massakers von Boston getötet wurden, das dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg vorausging. Etwa 5.000 afroamerikanische Soldaten kämpften während des Krieges auf Seiten der Patrioten.

–––––––––––––––––––––––––––––––

Oberst Robert Gould Shaw und sein afroamerikanisches Regiment, im Denkmal festgehalten von Augustus St. Gaudens. (© AP Images)
Oberst Robert Gould Shaw und sein afroamerikanisches Regiment, im Denkmal festgehalten von Augustus St. Gaudens. (© AP Images)

Bürgerkrieg: Das 54. Regiment von Massachusetts bestand aus 1.007 afroamerikanischen Männern und 37 weißen Offizieren. Es begann 1863 gegen die Konföderierten zu kämpfen, um die Sklaverei zu beenden.

–––––––––––––––––––––––––––––––

Das hochdekorierte, ausschließlich afroamerikanische 369. Infanterieregiment, bekannt als Harlem Hellfighters, kehrt aus Frankreich zurück. (National Archives)
Das hochdekorierte, ausschließlich afroamerikanische 369. Infanterieregiment, bekannt als Harlem Hellfighters, kehrt aus Frankreich zurück. (National Archives)

Erster Weltkrieg: An der Westfront in Europa dienten über 350.000 schwarze Amerikaner.

–––––––––––––––––––––––––––––––

Mitglieder der Tuskegee Airmen posieren 1944 für ein Foto. (Foto: Afro American Newspapers/Gado/Getty Images)
Mitglieder der Tuskegee Airmen posieren 1944 für ein Foto. (Foto: Afro American Newspapers/Gado/Getty Images)

Zweiter Weltkrieg: Die Heeresfliegertruppe der U.S. Army bildete eine rein afroamerikanische Einheit, um die Afroamerikaner im Tuskegee Institute in Alabama zu Piloten und als Bodencrew auszubilden. Den Tuskegee Airmen werden 15.500 Kampfeinsätze zugeschrieben.

–––––––––––––––––––––––––––––––

Harry S. Truman 1948 an seinem Schreibtisch im Weißen Haus. (Foto: AP Images)
Harry S. Truman 1948 an seinem Schreibtisch im Weißen Haus. (Foto: AP Images)

1948: Präsident Harry S. Truman unterzeichnete einen Präsidialerlass, mit dem die Rassentrennung im US-Militär aufgehoben wurde.

Originaltext: America’s first black Marines: The Montford Pointers