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Nachfahren von Holocaust-Überlebenden und ihre Arbeit im US-Außenministerium 
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Januar 26, 2022

Nachfahren von Holocaust-Überlebenden und ihre Arbeit im US-Außenministerium 

Woman sitting on front stoop holding a framed picture (State Dept./D.A. Peterson)
Susan Benda mit einem Foto ihrer Eltern, Harry und Eva Benda, 1952 vor dem Weißen Haus. (Foto: US-Außenministerium / D.A. Peterson)

Nachfahren von Holocaust-Überlebenden und ihre Arbeit im US-Außenministerium 

Am 27. Januar ist Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Michael Laff lässt aus diesem Anlass in seinem Text Nachkommen von Holocaust-Überlebenden zu Wort kommen, die im US-Außenministerium arbeiten. Der Artikel erschien am 25. Januar 2022 auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums. 

 

Am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust hält die Welt inne und gedenkt der sechs Millionen Jüdinnen und Juden, die während des Holocaust ermordet wurden sowie der Millionen von Menschen, die von den Nationalsozialisten und ihren Kollaborateuren verfolgt und getötet wurden. Am wichtigsten ist jedoch, dass wir die Überlebenden würdigen, deren persönliche Erfahrungen uns weiterhin bewegen. 

 

Ellen Germain, Sonderbeauftragte für Holocaust-Fragen im US-Außenministerium: „Der Internationale Holocaust-Gedenktag zwingt uns, über das Ausmaß des Holocausts und die Lehren daraus nachzudenken, was mit einer Gesellschaft geschieht, in der Hass ungehindert um sich greifen kann“. 

 

Nachfahren von Holocaust-Überlebenden, die für das US-Außenministerium arbeiten, erzählen, dass die Geschichten über Familienmitglieder, die dem Tod entronnen sind, ihr Leben und ihre Berufswahl geprägt haben. 

 

US-Außenminister Antony Blinken, der Stiefsohn eines Holocaust-Überlebenden, sagte, die Geschichte seines Stiefvaters habe bei ihm „einen tiefen Eindruck hinterlassen. Sie hat mich gelehrt, dass auf unserer Welt im großen Maßstab Böses geschehen kann und auch geschieht – und dass wir dafür verantwortlich sind, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um es aufzuhalten.“ 

 

Am Internationalen Holocaust-Gedenktag wird an den Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau in Polen im Jahr 1945 erinnert. Drei Nachfahren von Holocaust-Überlebenden erzählen, wie ihre Familiengeschichte ihre Entscheidung beeinflusst hat, eine Laufbahn in internationalen Angelegenheiten und Diplomatie anzustreben. 

 

Mark Mishkin, US-Botschaft Panama 

Der Großvater von Mark Mishkin, Samuel Goldberg, überlebte Auschwitz-Birkenau. „Alles, was mit dem Holocaust zu tun hat, ist für mich mehr als nur ein vages Menschenrechtsanliegen; es ist zutiefst persönlich“, erklärt Mishkin, der im US-Außenministerium tätig ist. 

 

Er erzählt, sein Großvater erinnerte sich daran, dass die Schornsteine in Auschwitz einmal die ganze Nacht hindurch in Betrieb waren. Später erfuhr er, dass in dieser Nacht alle Roma im Lager getötet und verbrannt worden waren. 

 

„Mishkin fährt fort: „Er blickte zu Gott auf und fragte: ‚Haben alle diese Menschen das gleiche ‚Verbrechen‘ begangen, dass sie verbrannt werden mussten?‘“ Das „Verbrechen“ bestand nach Ansicht der Nationalsozialisten darin, Roma zu sein. 

 

Mark Mishkin standing next to series of linked plaques and holding photo of older man (Courtesy Mark Mishkin)

Mark Mishkin hält ein Foto seines Großvaters in den Händen (Mit freundlicher Genehmigung von Mark Mishkin) 

 

Mishkin sagte, die Erfahrungen seiner Großeltern und ihre Liebe zu den Vereinigten Staaten hätten ihn motiviert, für das US-Außenministerium zu arbeiten. „Meine tiefe Wertschätzung für alles, was die Vereinigten Staaten für meine Familie getan haben, treibt mich jeden Tag an, mein Bestes zu geben.“ 

 

Jonathan Shrier, US-Botschaft Israel 

Jonathan Shrier stammt aus einer Familie, die während des Holocaust von Diplomaten gerettet wurde. Sein Vater, seine Großmutter und seine Urgroßmutter konnten mithilfe von Beschäftigten der auswärtigen Dienste unterschiedlicher Länder aus Polen in die Vereinigten Staaten fliehen. Shriers Großvater hatte einen Freund an der schwedischen Botschaft in Vilnius in Litauen, der sie an den japanischen Konsul Chiune Sugihara und den niederländischen Honorarkonsul Jan Zwartendijk in Kaunas (Litauen) verwies. 

 

Jonathan Shrier lighting small candle, with more candles on table in front of him (U.S. Embassy Jerusalem/David Azagury)

Jonathan Shrier zündet am Internationalen Holocaust-Gedenktag 2021 Kerzen an. (Foto: US-Botschaft Jerusalem/David Azagury/) 

 

Sugihara und Zwartendijk stellten die „Visa auf Lebenszeit“ aus, die es der Familie ermöglichten, mit der transsibirischen Eisenbahn unter dem Schutz eines schwedischen Passierscheins nach Yokahama in Japan zu reisen. Shriers Familie ging in Japan an Bord eines der letzten Schiffe mit Holocaust-Flüchtlingen auf dem Weg in die Vereinigten Staaten. 

 

Als die Vereinigten Staaten den Shriers die Einreise verweigerten, weil die Flüchtlingsquoten überschritten waren, ging die Familie nach Mexiko-Stadt. Shriers Familie konnte dort nur bleiben, weil sein Großvater als Handelsattaché bei der Botschaft der polnischen Exilregierung tätig war. Jahre später erhielt die Familie die Erlaubnis, in die Vereinigten Staaten einzureisen. 

 

„Ihr Mut und ihr Einfallsreichtum als Holocaust-Überlebende haben mich zutiefst geprägt und zu meiner Entscheidung beigetragen, amerikanischer Diplomat zu werden“, sagt Shrier, stellvertretender Leiter der US-Botschaft in Jerusalem. 

 

Susan R. Benda, Washington 

Beide Elternteile von Susan R. Benda waren Holocaust-Überlebende aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Bendas Mutter überlebte Theresienstadt und Auschwitz. Ihr Vater floh nach Asien, wo er von den Japanern inhaftiert wurde, bevor er schließlich in die Vereinigten Staaten gelangte. Seine Eltern wurden im Vernichtungslager Chelmno in Polen ermordet. 

 

„Als ich klein war, haben meine Eltern nie über ihre Vergangenheit gesprochen“, sagt Benda, die als Anwältin im US-Außenministerium arbeitet. „Ich wusste, dass wir Juden waren, dass sie mit Akzent sprachen und wir keine Verwandten hatten.“ 

 

Zum ersten Mal sprach Bendas Mutter öffentlich über ihre Erfahrungen als Holocaust-Überlebende, als sie 1979 für ein Oral-History-Projekt der Yale University interviewt wurde. Ihr Vater war Geschichtsprofessor in Yale; er starb 1971. 

 

Cover of 'And Life is Changed Forever,' showing young girl in hat and coat (State Dept./D.A. Peterson)

Ein Foto von Susan Bendas Mutter Eva auf dem Titelbild eines Buches, in dem es um die Erfahrungen von Kindern während des Holocaust geht. Bendas Kapitel trägt den Titel „Von Prag nach Theresienstadt und zurück“. (Foto: US-Außenministerium/D.A. Peterson) 

  

Benda ist seit über als 20 Jahren Mitarbeiterin des US-Außenministeriums und hat ihr Ziel erreicht, eine Anwältin für Gerechtigkeit zu sein. Ihr Bruder arbeitete ebenfalls im Ministerium. Benda zufolge tragen sie in ihrer Funktion dazu bei, dass sich das neue Land, das ihre Eltern liebten, „den Stimmen des Hasses, der Spaltung und der Unterdrückung widersetzt und sein Versprechen als Leuchtturm der Demokratie und Gerechtigkeit in der Welt hält“. 

 

Originaltext: Holocaust survivors’ descendants at the State Department | ShareAmerica