1. Spatenstich für die neue Amerikanische Botschaft

BERLIN – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Daniel R. Coats, anlässlich der offiziellen Zeremonie zum 1. Spatenstich für die neue Amerikanische Botschaft am 6. Oktober 2004. 

Guten Morgen und herzlich willkommen. Wir sind heute hier an diesem historischen Ort, am Pariser Platz, um offiziell mit dem Bau der neuen Amerikanischen Botschaft zu beginnen.

Am 6. Oktober 1987 rief Präsident Ronald Reagan das amerikanische Volk in einer offiziellen Proklamation auf, den 6. Oktober jedes Jahres mit angemessenen Feierlichkeiten und Aktivitäten zu begehen. Der Deutsch-Amerikanische Tag würdigt die einzigartigen Beziehungen, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten entstanden sind. Diese Partnerschaft war die Grundlage für das großartige transatlantische Bündnis der Demokratien, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschaffen wurde – das erfolgreichste Bündnis der Geschichte. Ich kann mir keine bedeutendere Feier des Deutsch-Amerikanischen Tags vorstellen als diese Zeremonie zum 1. Spatenstich – hier am Brandenburger Tor, nur einige Meter von dem Ort entfernt, an dem Präsident Reagan die Sowjetunion aufrief, die Mauer niederzureißen, die eine Stadt, ein Land und einen Kontinent teilte.
Mit dieser Feier würdigen wir seine Vision, seine Führungsstärke und seinen Mut.

Während der langen Jahre des Kalten Kriegs war das Brandenburger Tor ein Symbol der Teilung. Heute ist das Brandenburger Tor ein Symbol der Einheit und Stärke für Deutschland, Europa und die Welt. Die Entscheidung der Vereinigten Staaten, an diesen historischen Standort zurückzukehren, ist ein Symbol für die Unterstützung der Vereinigten Staaten für ein wiedervereinigtes Deutschland.

Wir kehren zurück an den Pariser Platz 2, den ehemaligen Standort der Amerikanischen Botschaft im Palais Blücher. Das Palais Blücher wurde nach Feldmarschall Blücher benannt, der den Palast als Geschenk von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen für seine Rolle in der Schlacht von Waterloo 1815 erhielt. Bevor die Schlacht begann, gelang es Marschall Blücher, dem Befehlshaber der preußischen Truppen, eine Botschaft an den Herzog von Wellington zu überbringen. Napoleon dachte, die Preußen wären am Tag zuvor geschlagen worden und er müsste nur gegen Wellington kämpfen. Wellington hielt durch. Blücher traf ein, und Napoleon wurde besiegt.

Die Vereinigten Staaten von Amerika waren damals ein junge Nation. Nur wenige Jahre vor der Schlacht von Waterloo, 1797, wurde John Quincy Adams (der Sohn von Präsident Adams und spätere 6. Präsident der Vereinigten Staaten) zum bevollmächtigten Gesandten in Preußen als erster diplomatischer Vertreter der Vereinigten Staaten in einem deutschsprachigen Land ernannt. In seinen Memoiren erinnerte Adams sich, dass er an den Stadttoren Berlins von einem adretten Leutnant befragt wurde, der nicht wusste, was die Vereinigten Staaten von Amerika sind.

John Quincy Adams mietete eine Wohnung und Büroräume an der Ecke Friedrichstraße und Behrenstraße. In den folgenden Jahren ließen sich die amerikanischen Repräsentanten und Botschafter an nicht weniger als 15 unterschiedlichen Orten nieder. Die außenpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten wurden in diesen Jahren vielschichtiger und die Zahl der Mitarbeiter der Botschaft wuchs. Dann, am 11. Dezember 1930, wachten die Amerikaner auf und lasen folgenden Artikel in der New York Times:

VEREINIGTE STAATEN ERWERBEN BERLINER PALAST FÜR 1.800.000 DOLLAR ZUR UNTERBRINGUNG VON BOTSCHAFT UND OFFIZIELLER VERTRETUNG

Und nur 10 Tage später ein weiterer Artikel mit dem Titel:

UNSERE NEUE BOTSCHAFT SOLL DIE BESTE IN BERLIN WERDEN

Die Times fügte hinzu, „das Palais Blücher wird nach Abschluss des Innenumbaus in ungefähr eineinhalb Jahren die neue Heimat der Amerikanischen Botschaft in Berlin und Gegenstand des Neides des gesamten diplomatischen Corps und zweifelsohne das eindrucksvollste und schönste Quartier eines Botschafters in der deutschen Hauptstadt sein. Das Palais steht an einem der begehrtesten Orte der Stadt mit Blick auf den Pariser Platz am Ende von Unter den Linden im Norden, dem Tiergarten im Westen und dem an die Nordwestecke des Gebäudes angrenzenden Brandenburger Tor.“

Tragischerweise erschien nur vier Monate später eine neue Geschichte folgendes Inhalts in der Times:

FEUER ZERSTÖRT DAS PALAIS BLÜCHER IN BERLIN; GERADE FÜR 1.800.000 DOLLAR FÜR UNSERE BOTSCHAFT GEKAUFT

„Das berühmte Palais Blücher Unter den Linden, das vor kurzem von den Vereinigten Staaten für ihre Botschaft gekauft worden war, wurde über Nacht fast völlig zerstört… Das Palais war ein historisches Wahrzeichen der deutschen Hauptstadt. Das Palais nahm im gesellschaftlichen Leben der deutschen Hauptstadt unter den Hohenzollern einen prominenten Platz ein.“

Erst 1939, nach umfangreichen Renovierungsarbeiten, konnten die Mitarbeiter der Botschaft einziehen, aber der Aufenthalt war von kurzer Dauer. Unser Botschafter war nach Washington zurückberufen worden, als sich die Wolken des Krieges über Europa zusammenzogen. Das Palais Blücher wurde im Krieg stark beschädigt und im April 1957 von der ostdeutschen Regierung abgerissen. Bis die Berliner Mauer im November 1989 fiel, gehörte das Grundstück, auf dem wir heute stehen, zur Sperrzone an der Grenze zwischen Ost- und Westberlin. Als die Mauer endlich fiel und die Entscheidung zur Rückkehr an den Pariser Platz getroffen wurde, sahen wir uns mit neuen Problemen konfrontiert.

In den nächsten Jahren erlebten wir eine Reihe von Verzögerungen aufgrund von Ereignissen und Problemen in Zusammenhang mit dem Bau auf diesem Grundstück. 1993 ließ Botschafter Kimmitt eine Tafel auf dem Grundstück anbringen, mit der es zum neuen Standort für die Amerikanische Botschaft bestimmt wurde. Ich bin sicher, er ahnte nicht, dass es 11 Jahre und vier weitere Botschafter erfordern würde, nur um dieses Stadium des 1. Spatenstichs zu erreichen.

Die Geschichte des einstigen und zukünftigen Sitzes der Amerikanischen Botschaft in Berlin ist jedoch – und das ist viel wichtiger – eine Geschichte der Menschen. Der Zeitraum zwischen 1930, als die Regierung der Vereinigten Staaten das Grundstück kaufte, und heute, dem 6. Oktober 2004, spiegelt eine ganzes Leben wider – ein Leben mit 12 Jahren diktatorischer Herrschaft in Deutschland, 4 Jahrzehnten bedrohlicher und bitterer Trennung zwischen Ost und West und 15 Jahren Herausforderungen der Nachkriegszeit.

Ich möchte Außenminister Colin Powell, der dieses Grundstück persönlich besichtigt und endgültig genehmigt hat, und General Charles Williams, dem Leiter des Referats für Gebäudeplanung im Ausland des US-Außenministeriums und seinen Mitarbeitern, die unermüdlich gearbeitet haben, um dieses Projekt Wirklichkeit werden zu lassen, persönlich danken. Mein Dank gilt auch den vorherigen Botschaftern, ihren Gesandten, den Mitarbeitern der Botschaft, die tausende Stunden Arbeit geleistet haben; dem Auswärtigen Amt für die Beschaffung der Baugenehmigung für unsere Botschaft auf diesem Grundstück; Ihnen, Herr Bürgermeister Wowereit und ihrem Team im Berliner Senat, das so engagiert mit uns zusammengearbeitet hat, um die erforderlichen Arbeiten für diesen bedeutenden Augenblick erfolgreich abzuschließen; den Architekten und Planern von Moore Ruble Yudell für ihren Einfallsreichtum und ihre Geduld, und natürlich meinen ehemaligen Kollegen im Kongress der Vereinigten Staaten, die dem Bau zustimmten und die Mittel bewilligten. Ich möchte auch Michael Cullen für seine persönliche Initiative bei der Dokumentation der Geschichte der Amerikanischen Botschaft in Berlin danken.

In Geiste des Opfers und der Standhaftigkeit der Nachkriegsgenerationen von Deutschen und Amerikanern und ihrer kühnen Vision eines vereinten Deutschlands feiern wir den Deutsch-Amerikanischen Tag 2004. Die Proklamation des Präsidenten lautet in diesem Jahr: „Die Geschichte und – noch wichtiger – die Zukunft unserer beiden Völker sind untrennbar miteinander verbunden. Zusammen, durch ihre gemeinsamen Werte und Bestrebungen, können Deutschland und die Vereinigten Staaten eine bessere Zukunft zum Vorteil aller Nationen aufbauen.“