Neujahrsansprache von Botschafter Emerson

Übersetzung der Videobotschaft von Botschafter Emerson zum neuen Jahr

Hallo allerseits! Mein Name ist John Emerson und ich bin US-Botschafter in Deutschland.

Das Jahr 2015, in dem wir den 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung gefeiert haben, war ein ereignisreiches Jahr. Es war aber auch ein sehr schwieriges Jahr, das uns so manches Mal vor große Herausforderungen stellte. Wir werden die Terroranschläge im Januar und dann erneut im November in Paris und die Attentate in Beirut, Mali, Tunesien, Kenia, meinem Heimatstaat Kalifornien oder an anderen Orten niemals vergessen. Der Krieg in Syrien und andere Krisen auf der ganzen Welt haben dazu geführt, dass so viele Flüchtlinge nach Deutschland geströmt sind wie nie zuvor. Sowohl in der realen Welt wie auch im virtuellen Raum waren wir mit vielfältigen Bedrohungen konfrontiert.

Dennoch hat die Welt 2015 in einigen Bereichen auch wichtige Fortschritte gemacht. Wir haben das Referendum in Irland sowie die Entscheidung des Supreme Court in den Vereinigten Staaten begrüßt, die Eheschließung zwischen LGBT-Paaren in diesen Ländern zu legalisieren. Die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba hat den Kalten Krieg in Lateinamerika endgültig beendet. Dank Bundeskanzlerin Merkel gibt es durch den Prozess von Minsk einen Weg für Frieden und Stabilität in der Ukraine. Die Bundeskanzlerin war darüber hinaus auf Schloss Elmau in Bayern Gastgeberin eines erfolgreichen G7-Gipfels, mit dem die Grundlage für die Zusammenarbeit und Abstimmung in zahlreichen wichtigen Bereichen gelegt wurde, darunter nicht zuletzt auch für den Umgang mit der globalen Erwärmung. Im Juli haben Deutschland, die Vereinigten Staaten und die anderen Mitglieder der E3+3-Gruppe ein historisches Abkommen mit Iran über das Atomprogramm des Landes unterzeichnet. Die internationale Gemeinschaft hat die Ebola-Epidemie in Westafrika erfolgreich bekämpft. Deutschland hat durch seinen humanen und bedachten Umgang mit der Flüchtlingskrise beispielhafte Führungsstärke gezeigt. Nur wenige Wochen nach den Anschlägen von Paris ist die Welt erneut in Frankreich zusammengekommen, um sich auf einen globalen Plan im Kampf gegen die durch das sich verändernde Klima entstehenden Gefahren zu verständigen.

Natürlich wissen wir trotz all dieser Fortschritte, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. In keinem dieser Fälle können wir uns auf die Schulter klopfen und feststellen, dass wir unser Ziel erreicht haben. Abkommen, die unterzeichnet wurden, müssen umgesetzt werden. Wir müssen weiterhin Flüchtlingen helfen und sie in unsere Gesellschaften integrieren, während wir an einer diplomatischen Lösung der Konflikte in Syrien und andernorts arbeiten. Wir müssen in unserem Kampf gegen die IS-Terrormiliz und andere Terrororganisationen unnachgiebig bleiben. Wir müssen gegen den Mangel an wirtschaftlichen Chancen vorgehen, der insbesondere bei jungen Menschen in vielen Teilen der Welt zu Hoffnungslosigkeit und Radikalisierung führen kann.

2016 werden wir intensiv daran arbeiten und kreative Wege finden müssen, um eine Welt zu schaffen, die allen Menschen Frieden und Wohlstand, Gesundheit und Glück, Hoffnung und Würde bietet, unabhängig von ihrer Religion, ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihrem Herkunftsland, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung oder ihren politischen Überzeugungen.

Ehrlich gesagt, meine Familie und ich können kaum glauben, dass 2016 unser letztes ganzes Jahr hier in Deutschland sein wird. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unseren Freunden und Kollegen überall in Deutschland, um die Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, anzugehen und die großen Chancen, die sich uns bieten, zu nutzen.

In diesem Sinne ein glückliches neues Jahr Ihnen allen. Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch!

Vielen Dank.

  • Video (in englischer Sprache)