Neuer Energierealismus

US-Energieminister Rick Perry Foto: US-Energieministerium

Bei der jährlichen Energiekonferenz CERAWeek in Houston sprach US-Energieminister Rick Perry am 7. März 2018 über Energiesicherheit als Garant von Wohlstand und über einen neuen Realismus bei der Energiegewinnung und -versorgung, der durch technologische Fortschritte ermöglicht wird.

Es gilt das gesprochene Wort

Vielen Dank für die nette Einführung und willkommen in der Energiehauptstadt der Vereinigten Staaten.

Ich bin jetzt seit einem Jahr Energieminister der Vereinigten Staaten.

In diesem Jahr bin ich viel gereist und habe viele meiner Kollegen und wichtige Akteure kennengelernt, die heute auch zur CERAWeek 2018 gekommen sind.

Denjenigen unter Ihnen, die auch letztes Jahr zur CERAWeek hier waren, kann ich sagen, dass sich die Stadt nicht wesentlich verändert hat.

Und das spricht Bände über die erstaunliche Widerstandsfähigkeit der Stadt, denn Hurrikan Harvey hat einige Menschenleben gefordert, Wohnungen, Häuser und anderes Eigentum zerstört oder beschädigt, und viele Menschen und Familien waren gezwungen, die Region zu verlassen.

Die enormen Kraftanstrengungen der Stadt Houston und ihrer Bewohner als Reaktion auf diese riesige Herausforderung erfüllt mich mit großem Stolz.

Dieses jährliche Treffen war schon oft Anlass für wichtige Ankündigungen, und das ist auch in diesem Jahr nicht anders.

Erst vor zwei Tagen lief die Meridian Spirit vom Sabine-Pass-Terminal mit einer Flüssiggaslieferung nach Indien aus.

Und erst vorige Woche verließ ein Tankschiff mit seiner ersten Ladung den Terminal Cove Point in Maryland.

Diese Schiffsladungen unterstreichen den Wunsch der Regierung Trump, weltweit mehr Rohstoffe und innovative Technologien zu exportieren.

Erst vor wenigen Wochen trafen sich hier in Houston Mitarbeiter des US-Energieministeriums mit LNG-Herstellern und Midstream-Entwicklern, um die nächste Generation der Technologien zu bestimmen, mit denen wir noch mehr Ressourcen unseres Landes erschließen können. Ob es um Kohlenstoffabscheidung, die Entwicklung neuer Solartechnologie oder verbesserte Speichermöglichkeiten geht, es herrscht enormer Optimismus im Energiesektor, und das aus gutem Grund.

Ich habe bereits mit einigen von Ihnen – mit Energieministern und Vordenkern – gesprochen, und ich meine, wir sind uns in einem entscheidenden Punkt einig:

Energiesicherheit ist der Weg zu wirtschaftlichem Wohlstand.

Unser Land hat versucht, diesem Weg zu folgen, obwohl wir dabei einige Umwege gemacht haben. Heute haben wir allerdings die Gelegenheit, die neue Richtung zu bestätigen, die wir eingeschlagen haben und die ich den neuen Energierealismus nenne.

Dieser neue Energierealismus beruht auf der Tatsache, dass die Vereinigten Staaten in Sachen Energie gerade unglaublichen Fortschritte machen.

Da Innovationen einen technologischen Durchbruch nach dem anderen hervorbringen, erzeugen die Vereinigten Staaten reichlich erschwingliche Energie aus einer größeren Quellenvielfalt als wir uns je hätten vorstellen können.

Und wir nutzen diese Energie sauberer und effizienter als zuvor.

Diese Fortschritte haben sowohl im In- als auch im Ausland starke Auswirkungen.

Zusammengenommen tragen unsere Erfolge dazu bei, Mythen zu widerlegen, Fehlentscheidungen aufzudecken, Hindernisse zu überwinden und den Weg zu globaler Energiesicherheit und gemeinsamem Wohlstand zu bereiten.

Diese dramatischen Fortschritte sind ein entscheidender Bruch mit den Siebzigerjahren, als die Vereinigten Staaten eine grundlegend falsche Energiepolitik zu verfolgen begannen, für die wir einen hohen Preis bezahlt haben.

Diejenigen, die diese Politik unterstützten, nannten sie übrigens Realismus.

Diejenigen, die daran glaubten, behaupteten, die Tage des Energiereichtums seien vorbei.

Man sagte, es herrsche dauerhaft Energieknappheit.

Man sagte, auch wenn wir neue Reserven entdeckten, wäre deren Förderung zu kostspielig oder ihre Nutzung sei nicht möglich, ohne der Umwelt zu schaden.

Die Lösung, die man vorschlug, war düster: eine drakonische Regulierung des Energiesektors.

Diese so genannten Realisten hätten sich nicht deutlicher irren können.

In Wahrheit gab es keinen Mangel an Energie.

Aber es mangelte an Vorstellungskraft und an Vertrauen in unsere Fähigkeit zur Innovation.

Ganz eindeutig waren die Neinsager keine Realisten, sie waren Pessimisten, die für die Realität der amerikanischen Innovationsfähigkeit blind waren.

Unglücklicherweise gab es besonders viele dieser blinden Pessimisten an einem der am wenigsten innovativen Orte der Welt: Washington.

Da Regulierung dort so offensichtlich gegenüber Innovation bevorzugt wurde, war es nicht überraschend, dass die Regierung mit der einen Hand eine Lieblingstechnologie förderte, während sie mit der anderen die Technologien regulierte, die sie nicht mochte.

Wie kam es in den Vereinigten Staaten also nach angeblicher Energieknappheit zu beispiellosem Energiereichtum?

Die Antwort darauf ist eindeutig:

Außerhalb Washingtons nahm die Innovation wieder Fahrt auf.

Viel Innovation fand in den Nationalen Laboren des US-Energieministeriums statt, aber sie war nicht darauf beschränkt.

In Staaten wie Texas wurden die Steuern gesenkt und die Vorschriften einfach und transparent gehalten, sodass sowohl die Freiheit als auch der Anreiz für Innovation geschaffen wurde.

Und mit der Innovation ging eine Revolution der Energietechnologie einher.

Als ehemaliger Gouverneur von Texas bin ich stolz, dass die großen Fortschritte beim Hydraulic Fracturing und bei Horizontalbohrungen – die zu unserem historischen Erdgas-Boom führten – hier in diesem Bundesstaat ihren Anfang nahmen.

Und als US-Energieminister bin ich auch stolz darauf, dass die Nationalen Labore des Ministeriums nicht nur zu dieser Technologie sondern auch zu anderen beigetragen haben und dass sie Fortschritte erreicht haben, die jede der Energiequellen, die wir nutzen, ein Stück weiter erschlossen haben.

Bei dieser Herangehensweise geben Wissenschaft und Innovation den Ton an. Die Ergebnisse sind spektakulär.

Von fossilen Brennstoffen bis hin zu den erneuerbaren Energien äußerte sich das in einem größeren Angebot, geringeren Kosten, gesteigerter Effizienz und einer größeren Diversität.

Und noch etwas ist geschehen.

Unsere Umwelt hat nicht darunter gelitten.

In fast jeder Hinsicht geht es ihr besser, und das obwohl unsere Wirtschaft wuchs und die Entwicklung des Energiesektors neue Höhen erreichte.

Mit der Reduzierung unserer Kohlendioxidemissionen um 14 Prozent zwischen 2005 und 2017 waren wir auch hier weltweit führend – und das obwohl die US-Wirtschaft wuchs.

Die Lehre daraus ist eindeutig:

Wir müssen uns nicht zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschutz entscheiden.

Indem wir Innovation der Regulierung vorziehen, können beide profitieren.

Und DAS ist das Herz unseres neuen Energierealismus.

Im vergangenen Jahr haben Präsident Trump und seine Regierung diese realistische Sichtweise nach Washington gebracht, und wir sehen bereits erste positive Auswirkungen.

Er hat die Steuern gesenkt und Regulierung in historischem Ausmaß abgebaut, womit er Washington klar auf die Seite der Innovatoren und Investoren stellte.

Das kann dem Plan des Präsidenten, den Bau von Infrastruktur voranzutreiben, nur zugutekommen.

Durch Steuersenkungen wird ein bedeutender Kostenfaktor für Unternehmen verringert, während der Vorschlag des Präsidenten, das Genehmigungsverfahren auf zwei Jahre zu verkürzen, Investoren das Vertrauen geben wird, das notwendige Kapital aufzubringen und ihnen nach Fertigstellung der Projekte Sichtbarkeit in den Gemeinden verschafft.

Der Präsident hat auch wichtige neue Öl- und Gasleitungen genehmigt.

Er hat drakonische Beschränkungen für die verantwortungsvolle Förderung von Öl und Gas aufgehoben, saubere Kohletechnologien unterstützt, und er will die zivile Nutzung der Atomenergie wiederbeleben.

Dank der Bestrebungen dieser Regierung im Bereich Forschung und Entwicklung bleiben erneuerbare Energien, Energiespeicherung und -effizienz entscheidende Bestandteile unserer Energie- und Wirtschaftsstrategie insgesamt.

Die Vereinigten Staaten stehen jetzt an der Schwelle zur Energieunabhängigkeit, der Präsident möchte allerdings noch weiter gehen.

Er möchte unseren Energiereichtum mit der Welt teilen und Verbraucher vom Wettbewerb profitieren lassen, der mehr Wahlmöglichkeiten auf dem Markt hervorbringt.

Wir teilen unser Erdgas bereits mit anderen.

Im vergangenen Jahr haben wir zum ersten Mal mehr Erdgas exportiert als importiert.

Heute exportieren wir Flüssigerdgas in 27 Länder auf fünf Kontinenten.

Wir erhöhen unsere Kohleausfuhren maßgeblich.  Sie stiegen letztes Jahr laut Energy Information Administration (EIA) um schätzungsweise 61 Prozent im Vergleich zu 2016.

Im August 2017 brach das erste Schiff mit Kraftwerkskohle aus Pennsylvania vom Hafen in Baltimore in die Ukraine auf.

In den kommenden Jahren werden wir die unterschiedlichsten Kraftstoffe exportieren.

Und nicht nur das.

Wir werden genau die Technologien exportieren, die uns überhaupt erst zu einem Erzeuger sauberer, reichhaltiger und vielfältiger Energie gemacht haben.

Indem wir unsere Energie exportieren, können wir unsere Freunde und Bündnispartner von ihrer Abhängigkeit von der Energie ihnen nicht wohlgesonnener Länder befreien.

Und indem wir unsere Energietechnologie und unser Fachwissen exportieren, können wir Entwicklungsländern in Lateinamerika, Afrika und Asien helfen, ihre eigenen energiewirtschaftliche Renaissance zu erleben und mehr Energie zu fördern, um das Leben ihrer Bürgerinnen und Bürger zu verbessern.

Das heißt auch Zugang zu Strom.

Mehr als eine Milliarde Menschen leben ohne Strom.

In den kommenden Jahren wollen wir diese Zahl drastisch senken.

Einige sind nicht glücklich, dass wir diese Technologie exportieren, weil sie gegen die Förderung der meisten Energiequellen sind, insbesondere gegen fossile Brennstoffe, die 80 Prozent der weltweit genutzten Energie ausmachen und weiter Kohlendioxidemissionen verursachen.

Ich befürchte, das ist der Geist des Klimaabkommens von Paris.

Die Anhänger des Abkommens unterstützen die Nutzung erneuerbarer Energien, das sie keine Kohlendioxidemissionen verursachen.

Auch wir unterstützen erneuerbare Energien.  Erneuerbare Energien sind nicht nur die ultimativen sauberen Brennstoffe, sie sind auch per definitionem unerschöpflich.

Und auch wenn Studien zeigen, dass fossile Brennstoffe im Jahr 2040 noch 77 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs ausmachen werden, so denke ich doch, dass weitere technologische Fortschritte helfen werden, diese Vorhersage zu widerlegen.

Aber meine Frage dazu lautet:

Was sollen wir bis dahin tun?

Was sollen die Menschen tun, die keinen Strom haben?

Führen Sie sich vor Augen, was wir durch Technologie erreicht haben: Wir haben nicht nur mehr fossile Energie produziert, wir haben diese Energie auch sauberer gemacht.

Da wir Kohle sauberer verbrennen und unsere Technologie zu erschwinglichen Kosten die Förderung riesiger Mengen an schadstoffärmerem Erdgas zulässt, ist davon auszugehen, dass wir weiterhin die Emissionen unserer fossilen Brennstoffe insgesamt reduzieren werden.

Auch das ist neuer Energierealismus.

Dank der erstaunlichen menschlichen Erfindungs- und Innovationsgabe müssen wir das Unerträgliche nicht ertragen – wir müssen keine schrecklichen Opfer hinnehmen, die den Ärmsten unter uns schaden.

Während wir auf unser Ziel hinarbeiten,  Emissionen auf null zu reduzieren, können wir sie weiter senken, ohne den entwickelten Ländern ihr Wachstum zu nehmen oder Entwicklungsländer zu einer Zukunft in Armut und Not zu verdammen.

Legen wir also den alten Energiepessimismus ab und den neuen Energierealismus an.

Setzen wir die Innovationen frei, die verbessern, was wir bereits haben, und die Zukunft sichern, die wir uns wünschen.

Investieren wir in emissionsfreie Ressourcen wie Atomkraft, Wasserkraft und andere erneuerbare Energien und machen gleichzeitig die fossilen Brennstoffe sauberer.

Wir würden ein weltweites Bündnis der Länder begrüßen, die bereit sind uns zu helfen, fossile Brennstoffe sauberer zu machen, anstatt sie aufzugeben, und helfen, dieses Bündnis anzuführen.

So können Länder ihre Energieversorgung diversifizieren und damit einen wichtigen Schritt zur Gewährleistung von Energiesicherheit tun.

Aus dieser Energiesicherheit heraus entsteht Wohlstand: niedrigere Kosten, Wirtschaftswachstum, mehr Chancen, Optimismus

– und vor allem die Freiheit jedes Einzelnen, seine Träume zu verfolgen und zu verwirklichen.

Chancen mit der Freiheit zu verknüpfen, selbst über die Energiezukunft zu bestimmen, wird die Erzeugung von mehr Energie aus unterschiedlicheren Quellen, zu niedrigeren Kosten und auf sauberere Art und Weise ermöglichen, als ohne diese Freiheit je möglich gewesen wäre.

Wenn wir uns diesen neuen Energierealismus aneignen, werden wir uns alle auf mehr Energiesicherheit und eine bessere Zukunft zubewegen.

Mögen sich alle Nationen diesen Realismus und die Vorstellungs- und Innovationskraft zu eigen zu machen, die ihn antreibt – um ihrer selbst willen, und um der ganzen Welt willen.

Danke.

Originaltext: New Energy Realism