Public Diplomacy in einer postfaktischen Gesellschaft

Foto: US-Außenministerium
Foto: US-Außenministerium

STANFORD – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der amtierende Staatssekretär für Public Diplomacy und öffentliche Angelegenheiten, Bruce Wharton, am 20. März 2017 an der Hoover Institution der Stanford University in Kalifornien gehalten hat.

Es gilt das gesprochene Wort!

Vielen Dank für diese netten einführenden Worte. Vor fast sechzig Jahren sagte Herbert Hoover, er wünsche sich, dass die Hoover Institution „für die Vereinigten Staaten die Schutzmaßnahmen aufrechterhält, die den American way of life erhalten“. Es ist daher passend, dass wir uns heute hier versammeln, um eine dringende Herausforderung zu erörtern, mit der sich sowohl unser Land als auch die internationale Gemeinschaft konfrontiert sieht: die das Konzept der postfaktischen Gesellschaft. Ich danke der Hoover Institution und dem US-Beratungsausschuss für Public Diplomacy, dass sie uns alle zu dieser wichtigen Debatte eingeladen haben.

Postfaktische Gesellschaft

In den Medien, in akademischen Kreisen und innerhalb der US-Regierung wird viel über das Leben in einer post-truth oder postfaktischen Gesellschaft und den Umgang damit diskutiert. Es wurde viel Aufhebens um die Entscheidung des Oxford Dictionary gemacht, die Wendung post-truth zum Wort des Jahres 2016 zu wählen. In der Begründung hieß es, das Adjektiv „bezeichnet oder bezieht sich auf Umstände, unter denen objektive Fakten weniger Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung haben als Appelle an Gefühle und persönliche Überzeugungen“.

In einer solchen Welt wird die öffentliche politische Debatte häufig davon bestimmt, was sich wahr „anfühlt“ und was den eigenen, bereits existierenden Überzeugungen und Vorurteilen entspricht, und das kann durchaus von den tatsächlichen Fakten und der konkreten Politik losgelöst sein. Es ist nicht unbedingt so, dass Fakten gänzlich abgelehnt werden, sie sind vielmehr zweitrangig oder einfach nicht so überzeugend, ganz besonders, wenn sie im Widerspruch zu dem stehen, was sich intuitiv wahr anfühlt. In diesem Kontext haben alle Meinungen den gleichen Stellenwert, unabhängig davon, wie extrem sie sein mögen.

Das ist zwar kein neuer Gedanke – er spielte schon in der Antike eine Rolle in der Politik –, aber in unserer Zeit verschärfen die sozialen Medien das Problem, indem sie die Verbreitung falscher Schilderungen beschleunigen und so „digitale Flächenbrände“ der Fehlinformation verursachen. Wenn eine unwahre Geschichte einmal lanciert ist, ist es oft schon zu spät, um sie mit einer effektiven, auf Fakten basierenden Gegendarstellung zu entkräften.

Das Problem wird durch die Aktivitäten staatlicher und nichtstaatlicher Akteure noch verschärft, deren Ziel nicht nur in der Verbreitung falscher Informationen liegt, sondern auch darin, das Vertrauen in traditionelle Informationsquellen zu untergraben – und das richtet den größten Schaden an. Diese Akteure – Fans der Fernsehserie Mini-Max würden sie wahrscheinlich kollektiv als „KAOS“ bezeichnen – wollen uns nicht unbedingt davon überzeugen, dass sie die Wahrheit sagen, sondern vielmehr davon, dass niemand die Wahrheit sagt. Ihr Ziel ist es, das Vertrauen der Öffentlichkeit in Regierungsinstitutionen, etablierte Medien und Experten zu untergraben und die Bürger dem Einfluss einer Flut fragwürdiger Informationen auszusetzen, die durch ständige Wiederholung in den sozialen Medien generiert und erhärtet werden.

Es ist zwar viel Zutreffendes an dieser Beschreibung, dennoch möchte ich der Behauptung widersprechen, dass wir in einer postfaktischen Gesellschaft leben – wenn damit gemeint ist, dass Wahrheit und Fakten nicht mehr wichtig sind. Fakten existieren durchaus. Es gibt sie, wir können ohne sie nicht arbeiten. Und ihre Überzeugungskraft behalten sie dann, wenn sie Teil eines umfassenderen, auf der Wahrheit basierenden Narratives sind, das von den entsprechenden Maßnahmen begleitet wird. Dieses Narrativ zu entwickeln und einem Publikum im Ausland gegenüber effektiv darzulegen ist die eigentliche Herausforderung für Public Diplomacy in der heutigen Zeit. Zu gewährleisten, dass das, was wir sagen, mit dem übereinstimmt, was wir tun, ist für uns alle eine Herausforderung.

Konkurrenz durch Pseudofakten

Wie bereits gesagt, bin ich nicht der Meinung, dass wir in einer Welt jenseits von Fakten leben. Wir befinden uns heute auf allen Ebenen in einer intensiven Wettbewerbssituation. Fakten konkurrieren in Bezug auf Inhalte, Geschwindigkeit und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit mit Pseudofakten. Und ja, Geschichten, die sich wahr „anfühlen“, glaubt man leichter als Geschichten, die im Widerspruch zu den eigenen Überzeugungen stehen. Aber diese Geschichten werden geglaubt, weil sie für wahr gehalten werden.

Der Brexit wird oft als Beispiel für ein postfaktisches Phänomen angeführt, da ein führender Brexit-Befürworter aus dem Parlament in diesem Zusammenhang gesagt hatte, die „Menschen in diesem Land haben die Nase voll von Experten“. Ungefähr zur gleichen Zeit veröffentlichte jedoch die britische Regierungsorganisation Institute for Government eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Populus, in der sich 85 Prozent der Befragten dafür aussprachen, dass Politiker bei schwierigen Entscheidungen Fachleute und Experten zu Rate ziehen, und 83 Prozent sagten, die Regierung sollte ihre Entscheidungen auf der Grundlage objektiver Erkenntnisse treffen. In Großbritannien hat das Vertrauen sowohl in Experten als auch in die Regierung seit einer ähnlichen Umfrage im Jahr 2014 zugenommen, und Brexit-Befürworter und -Gegner sind darüber im Großen und Ganzen gleicher Ansicht.

Auch diesseits des Atlantiks zeigen Umfragen, dass die Amerikanerinnen und Amerikaner inständig nach Wahrheit und Fakten verlangen. Das Media Insight Project, eine Partnerschaft zwischen dem American Press Institute und dem AP-NORC Center for Public Affairs Research, kam in einer Studie zu dem Schluss, dass 90 Prozent aller Amerikanerinnen und Amerikaner es für „extrem“ oder „sehr wichtig“ halten, dass Medien Fakten korrekt darstellen. Etwa 40 Prozent gaben zudem an, sich an einen bestimmten Vorfall zu erinnern, der ihr Vertrauen in die Medien erschüttert hat. Meistens ging es dabei um Ungenauigkeiten oder ein Gefühl von Einseitigkeit, was zeigt, dass sachliche Richtigkeit die wichtigste Voraussetzung für das Vertrauen der Öffentlichkeit in die journalistische Berichterstattung ist.

Eine postfaktische Weltanschauung zu akzeptieren birgt auch Gefahren. Wer kommuniziert, als Experte oder Regierungsvertreter auftritt, kann sich überfordert fühlen und dadurch in Untätigkeit verfallen oder, schlimmer noch, sich dazu hinreißen lassen, „postfaktische Techniken“ anzuwenden, die nur an die Gefühle appellieren und Fakten in den Hintergrund treten lassen und vernachlässigt es, die Überzeugungen des Publikums infrage zu stellen.

Oder man kommt in Versuchung, den Massen an Fehlinformationen entgegenzuwirken, indem man versucht, jede unwahre Geschichte zu widerlegen, aber damit befindet man sich von vornherein auf verlorenem Posten. Es gibt einfach zu viele davon, sie verbreiten sich zu schnell, und wir sind nicht zahlreich genug, um ihnen nachzujagen.

RAND veröffentlichte 2016 einen Aufsatz mit dem Titel The Russian „Firehose of Falsehood“ Propaganda Model, in dem drei wichtige Beobachtungen gemacht wurden: 1. tendiert der Mensch dazu, etwas zu glauben, wenn es wiederholt wird, 2. sind Propagandisten im Vorteil, wenn sie mit ihrer Darstellung zuerst zum Zuge kommen und 3. können anschließende Gegendarstellungen sogar die ursprüngliche Fehlinformation verstärken, anstatt sie aufzuklären. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass man nicht am besten auf Fehlinformationen reagiert, indem man jede einzelne unwahre Geschichte widerlegt, die kursiert, sondern, indem man einen „Strahl“ zutreffender Botschaften auf den jeweiligen Schwall an Unwahrheiten richtet und damit das Zielpublikum in eine produktivere Richtung lenkt.

Diese Herangehensweise befürworte ich bereits seit Jahren. Pseudofakten und Fehlinformationen entkräftet man, indem man ein eigenes, überzeugendes Narrativ präsentiert, das wahr und belastbar ist und auf den beständigen gemeinsamen Werten und Zielen der Menschen beruht, zu denen nicht zuletzt die Stärkung unserer kollektiven Sicherheit und unseres gemeinsamen Wohlstandes gehören. Um Glaubwürdigkeit zu gewinnen und unserem Narrativ Relevanz zu verleihen, müssen wir auch zuhören und die Ängste, Beschwerden und die Wertüberzeugungen unseres Publikums zur Kenntnis nehmen.

Aber es geht nicht nur darum, eine gute Geschichte zu erzählen, sie muss auch mit den entsprechenden Maßnahmen einhergehen.

Ein Paradebeispiel hierfür ist die Geschichte der Raumfahrt in diesem Land, insbesondere das Ziel, auf dem Mond zu landen. Im Kontext des Kalten Krieges war dieses Bestreben als sicherheitspolitisches Ziel von großer Bedeutung, es erforderte öffentliche Unterstützung, Ressourcen und langjährige politische Zusagen. Mit seiner historischen Rede 1961 vor einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses gab Präsident Kennedy für die Vereinigten Staaten den Kurs zum Mond vor; es folgten weitere Reden und öffentliche Veranstaltungen, die nicht nur die Amerikanerinnen und Amerikaner inspirierten, sondern Zuschauer aus aller Welt einluden, an diesem großen Unterfangen teilzuhaben. Zuschauer im Ausland machten sich daraufhin die Sehnsüchte der Amerikanerinnen und Amerikaner im Namen der gesamten Menschheit zu eigen. Als Neil Armstrong, dem die ganze Welt beim Ausstieg aus der Mondfähre Eagle zusah, sagte: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit“, fasste er mit diesen wenigen Worten eine jahrzehntelange Geschichte zusammen, die die Vorstellungskraft und die Hoffnung von Milliarden Menschen auf der Welt beflügelt hatte.

Ein weiteres Beispiel ist die Voice of America. Ich freue mich, dass Amanda Bennet hier ist und später noch ausführlicher auf das Thema eingehen wird. Vergangene Woche hat sie bei einer öffentlichen Sitzung im Kongress etwas gesagt, das mir im Gedächtnis geblieben ist. Sie sagte, die VOA „exportiert den 1. Verfassungszusatz“– also den Wert und die Bedeutung, die die Amerikanerinnen und Amerikaner einer freien und unabhängigen Presse beimessen –, indem sie jeden Tag für Millionen Menschen in geschlossenen Gesellschaften sachlich und ausgewogen berichtet. Wir sprechen darüber, und wir handeln danach. Nichts ist mächtiger als ein lebendiges Beispiel, und als jemand, der beruflich im Bereich Public Diplomacy tätig ist, könnte ich nicht stolzer auf die Botschaft sein, die die VOA sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne vermittelt.

Kurz gesagt, wir müssen auf Worte Taten folgen lassen, sonst verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit. Das soll nicht heißen, dass es einfach wäre, Desinformation entgegenzuwirken. Es erfordert strategisches Denken, kreatives Strategien und nachhaltige Investitionen. Das US-Außenministerium und andere Bundesbehörden widmen sich diesem Problem seit einigen Jahren, und zu analysieren, ob diese Anstrengungen funktionieren, hilft uns dabei, unser zukünftiges Vorgehen zu planen.

Fallstudie: Wie das US-Außenministerium extremistische Ideologie bekämpft

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 waren wir als Regierung – ebenso wie diejenigen unter Ihnen in der akademischen Welt und den Denkfabriken – verzweifelt darum bemüht, Erklärungen für das zu finden, was geschehen war, und, wichtiger noch, zu verhindern, dass sich etwas Ähnliches wiederholt. Einen besonderen Schwerpunkt legten wir dabei darauf, der Anziehungskraft einer gewalttätigen extremistischen Ideologie etwas entgegenzusetzen und sie zu mäßigen.

Wir ermutigten unsere Leute, alle Ideen vorzubringen, und forderten sie auf, kreativ zu denken und neue Herangehensweisen auszuprobieren. Ein als Massenappell gedachter Vorschlag führte zu der mit 15 Millionen US-Dollar dotierten Kampagne Shared Values, im Rahmen derer Muslime porträtiert wurden, die glücklich in den Vereinigten Staaten leben. Das war zwar gut gemeint, aber die Kampagne ging nicht auf die tiefer liegenden Missstände ein und konnte daher das junge muslimische Publikum im Ausland nicht wirklich erreichen.

Vielleicht erinnern Sie sich an eine weitere Idee von vor einigen Jahren, das Video Welcome to ISIS Land, das sich leider aus den völlig falschen Gründen viral verbreitete. Es wurde heftig dafür kritisiert, die Taktik des Feindes zu übernehmen und einschüchternd zu wirken. Das Entscheidende war jedoch, dass es sich als ineffektiv erwies, weil die US-Regierung für dieses Publikum keine glaubwürdige Informationsquelle ist und es sich aufgrund dieser Botschaft nur noch weiter abwendete.

Dass wir die Wirkung unserer Maßnahmen nicht verlässlich messen konnten, behinderte unsere Arbeit. Das ehemalige Center for Strategic Counterterrorism Communications (CSCC) beispielsweise, das 2010 zur Bekämpfung von extremistischer Ideologie gegründet worden war, konnte zwar auf die Zahl seiner Facebook- und Twitter-Follower verweisen, und die Zahl der Todesdrohungen und Versuche, seine Seiten zum Absturz zu bringen, waren Beweise dafür, dass es bei der IS-Terrormiliz einen Nerv getroffen hatte, aber seine Effektivität war nicht messbar. Folglich war nie klar, ob die Maßnahmen des CSCC diejenigen, die sich von der IS-Terrormiliz angezogen fühlten, überhaupt erreichten, ganz zu schweigen davon, ob sie dadurch davon abgehalten werden konnten, sich dem IS anzuschließen.

Zudem war das CSCC unterfinanziert. Sein Haushalt betrug zwischen fünf und sechs Millionen US-Dollar im Jahr, während das Pentagon etwa 150 Millionen US-Dollar für ähnliche Projekte aufwendete und die CIA sogar eine noch größere Summe. Diese Situation wurde sogar von den Medien aufgegriffen. ABC News beschrieb die Strategie der US-Regierung zur Bekämpfung extremistischer Ideologie als unterfinanziert und ineffektiv.

Aus dieser Erfahrung haben wir viel gelernt, und das hilft uns, zur Entkräftung falscher Narrative neue Wege einzuschlagen. Dazu gehört auch,

  • den Feind nicht zu imitieren,
  • eine glaubwürdige, auf Tatsachen und Beweisen beruhende Botschaft zu vermitteln, die auf tiefer liegende Missstände eingeht,
  • Partnerschaften mit glaubwürdigen, unabhängigen und verlässlichen Überbringern unserer Botschaft einzugehen,
  • Technologie einzusetzen, um das richtige Publikum zu bestimmen und die beste Methode zu finden, um es zu erreichen,
  • Analysetools zu nutzen, um die Effektivität zu messen und diese Informationen in das weitere Verfahren einfließen zu lassen und
  • für politische und verwaltungstechnische Unterstützung zu sorgen, einschließlich hinreichender Finanzierung und ausreichendem Personal.

Im Hinblick auf die Technologie bin ich besonders begeistert, was die potenzielle Nutzung von Werkzeugen wie der sozialen Netzwerkanalyse zur Erfassung glaubwürdiger Personen angeht, die in ihrem Land maßgeblich zur öffentlichen Meinungsbildung im Internet beitragen. Die Netzwerkanalyse kann Informationen zu zwei entscheidenden Fragen liefern: 1. zu den Themen, die den Menschen im Zielpublikum wichtig sind und 2. zu den einflussreichsten Menschen in diesen Themengruppen. Diese Informationen, die Unternehmen täglich nutzen, um den Geschmack ihrer Kunden zu analysieren und sie zu überzeugen, mehr zu kaufen, kann den Blick dafür schärfen, wie das gewünschte Publikum gemeinsam mit den Einflussgrößen, denen es vertraut, zielgerichtet anzusprechen ist. Wir in der US-Regierung dürfen solche Instrumente nicht einsetzen, wenn es um Informationen über US-Bürgerinnen und Bürger geht.

Eine neue Herangehensweise

Nutznießer dieser Erfahrungen ist das neu geschaffene Global Engagement Center (GEC) des US-Außenministeriums, das vom Gesetzgeber mit der Aufgabe betraut wurde, „die Federführung, Abstimmung und Koordinierung der Bestrebungen der US-Regierung dabei zu übernehmen, Propaganda- und Desinformationsversuche staatlicher und nichtstaatlicher Akteure, die sich gegen die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten richten, zu erkennen, zu durchschauen, aufzudecken und zu entkräften.“ In dieser Funktion leitet das GEC die interministerielle Entwicklung eines behördenübergreifenden Ansatzes zur Bekämpfung übel gesinnter Akteure im Informationsraum mit dem Ziel, die Stärken und Fähigkeiten aller in diese Bestrebungen involvierten Behörden voll auszuschöpfen. Ein entscheidendes Element, um für Koordinierung und größtmögliche Effizienz zu sorgen, sind die wöchentlichen behördenübergreifenden Abstimmungstreffen des GEC.

Das GEC genießt in Washington die nachdrückliche Unterstützung beider Parteien. Es war sogar der Kongress, der das Mandat des GEC, das ursprünglich auf nichtstaatliche Akteure beschränkt war, um die Erkennung, Analyse und Aufdeckung staatlich finanzierter Propaganda und Desinformation sowie die Bekämpfung ihrer Auswirkungen erweitert hat.

Das GEC wird im Haushaltsjahr 2017 mit rund 16 Millionen US-Dollar finanziert, für das Haushaltsjahr 2018 sind weitere 19,8 Millionen US-Dollar angesetzt. Darüber hinaus hat der Kongress für die Haushaltsjahre 2017 und 2018 Zahlungen des US-Verteidigungsministeriums von jeweils bis zu 60 Millionen US-Dollar zur Unterstützung der Aktivitäten des GEC veranlasst, allerdings noch nicht offiziell bewilligt.

Heute geht es um den Stellenwert von Fakten, und für die Arbeit des GEC ist es von zentraler Bedeutung, sachlich richtige Inhalte in den Informationsraum einzuspeisen, um der Radikalisierung und Anwerbung von Menschen durch gewalttätige Extremisten entgegenzuwirken. Die Inhalte werden durch gemeinschaftlich erarbeitete, thematisch gegliederte Kampagnen in Abstimmung mit den Ministerien, den Mitgliedern der Allianz gegen die IS-Terrormiliz und anderen globalen Partnern entwickelt. Die Unterstützung durch das GEC umfasst finanzielle und technische Hilfe, den Aufbau von Kapazitäten und die Konzeptionierung und Umsetzung gemeinsamer Projekte.

Im Rahmen dieses Ansatzes setzen wir weniger auf die unmittelbare Entkräftung des gewalttätigen Extremismus und verstärkt auf die Informationsverbreitung durch Partner vor Ort. Bei diesen Partnern, die glaubwürdig und in der Lage sind, gefährdete Bevölkerungsgruppen anzusprechen, handelt es sich beispielsweise um NGOs, Schulen, junge Menschen, führende Repräsentanten aus dem sozialen Bereich und der Zivilgesellschaft, Vertreter von Religionen und Regierungen.

Darüber hinaus nutzt das GEC die Datenforschung des öffentlichen und privaten Sektors wie Umfragen, Zielgruppenforschung und wissenschaftliche Forschungen, um Zielgruppen zu ermitteln und zu verstehen, Botschaften und Inhalte zu entwickeln und darüber zu informieren und um die Effektivität von Maßnahmen zu messen.

So hat die Defectors-Kampagne des GEC Inhalte aus 14 zur Allianz gehörenden Ländern verwendet, um die gelebten Erfahrungen von IS-Abtrünnigen und die Auswirkungen ihrer Anwerbung auf ihre Familien darzustellen. Diese Kampagne erreichte in nur einer Woche 2,4 Millionen Menschen, die sich Videos einer Länge von insgesamt mehr als einer Million Minuten ansahen. Letztendlich wurden mit der Defectors-Kampagne sieben Millionen Menschen erreicht und 780.000 Klicks von Personen gezählt, die als gefährdet für die Anwerbung durch gewalttätige Extremisten gelten. Trotz der beeindruckenden Zahlen beliefen sich die Kosten für diese datengesteuerte Kampagne auf lediglich 15.000 US-Dollar.

Allerdings ist das GEC noch recht neu, ich freue mich daher darauf, Sie bei zukünftigen Treffen darüber zu informieren, wie es sich macht. Aber ich glaube, wenn wir diese Ideologie, die Unwahrheiten verbreitet, durch die Arbeit mit glaubwürdigen Partnern bekämpfen und Fakten und echte Alternativen aufzeigen, sind wir auf dem richtigen Weg.

Schlussbemerkung

Um noch einmal auf meine Ausgangsbemerkung zurückzukommen: Ich bin nicht der Ansicht, dass wir in einer „postfaktischen Gesellschaft“ leben. Vielmehr haben wir es mit zunehmender Konkurrenz durch Pseudofakten zu tun, aber die Wahrheit wird noch immer geschätzt, ist erwünscht und überzeugt letztendlich. Wir müssen nur die richtigen Methoden finden, sie zu vermitteln.

In meiner Rede habe ich mich unter anderem auf die Aufgabe konzentriert, die der Public Diplomacy dabei zukommt, Botschaften zu vermitteln, aber wir dürfen nicht vergessen, dass viele andere Instrumente der Public Diplomacy eine entscheidende Rolle spielen, wenn es um die Vermittlung von Tatsachen geht, beispielsweise Bildungs- und Kulturaustauschprogramme, Jugendinitiativen und Programme zum Erlernen der englischen Sprache. Diese Formen der zwischenmenschlichen Interaktion helfen, Gesprächen über strittige Themen einen neuen Rahmen zu geben, die Bedeutung von Transparenz aufzuzeigen und das Vertrauen wichtiger Zielgruppen zu gewinnen.

Letztlich gibt es ein Element, das in dieser Debatte entscheidend ist. Zusätzlich zu überzeugenden, wahren Berichten müssen wir Zielgruppen im Ausland, die konzertierten Desinformationskampagnen ausgesetzt sind, ein besseres Verständnis für die Gefahren vermitteln, die es mit sich bringt, wenn man alles glaubt, ohne es zu hinterfragen, und sie darin bestärken, eine „gesunde Skepsis“ zu entwickeln. Damit will ich keine Paranoia schüren, sondern zu Wachsamkeit aufrufen. Aber wie tun wir das auf effektive Weise, wenn insbesondere junge Menschen so viele unseriöse Informationen erhalten? Wie helfen wir ihnen dabei, eine gesunde Skepsis zu entwickeln?

Ausbildungs- und Bildungsprogramme, die eine kritische Haltung fördern und Konsumenten von Informationen in die Lage versetzen, die Spreu vom Weizen zu trennen, sind dafür unerlässlich. Zu diesem Zweck führen wir unter anderem TechCamps zum Thema Desinformation durch. Diese interaktiven Workshops, die von Experten geleitet werden, vermitteln wichtigen zivilgesellschaftlichen Meinungsmachern aus dem Ausland die notwendigen Fähigkeiten, um Fake News zu entkräften. Ein spezieller Fonds zur Förderung gemeinschaftlicher Anschlussprojekte erhöht die Wirksamkeit der einzelnen Workshops und hat beispielsweise zu Innovationen wie der Entwicklung eines umfassenden Instruments zur Überprüfung der Inhalte von Online-Medien für ukrainische Journalisten geführt.

Um jedoch wirklich effektiv zu sein, müssen wir schon in einem früheren Alter anfangen. Eine neue Studie aus Stanford hat gezeigt, dass Schülerinnen und Schüler der meisten Klassenstufen nicht zwischen Fake News und echten Nachrichten unterscheiden können, da sie häufig noch nicht zu dem kritischem Denken fähig sind, das erforderlich ist, um Wahrheit und Fehlinformationen voneinander abzugrenzen. Die Spieltheorie kann uns helfen, bessere Methoden zu entwickeln, um Schüler zur Überprüfung von Fakten zu befähigen, und Elemente in Videospielen könnten Spielern aller Altersstufen helfen, ihr Bewusstsein für „falsche Fakten“ zu schärfen. Diese Erkenntnis hat einige Lehrer im Land dazu veranlasst, Schülerinnen und Schülern diese Fähigkeiten mithilfe von Spielen wie Simon says zu vermitteln.

Darüber hinaus sollten wir uns meiner Meinung nach fragen, mit welchen wirtschaftlichen Mechanismen Skepsis und objektive Wahrheiten gefördert werden können. Gibt es bekannte Geschäftsmodelle, die Ehrlichkeit belohnen und Unehrlichkeit bestrafen? Vielleicht interessiert sich unter den hier Anwesenden jemand dafür, das zu recherchieren.

Ich freue mich darauf, weiter mit Ihnen über diese Themen zu diskutieren, aber bevor wir zu Ihren Fragen und Anmerkungen kommen, möchte ich Ihnen allen für Ihr Interesse an Public Diplomacy und Ihre Unterstützung dieser Arbeit danken. Als Regierung sind wir auf Ihre Anregungen, Ihre Ideen und Ihre Fähigkeiten angewiesen. Die Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, sind zu groß und unsere Ressourcen zu begrenzt, um das alleine zu schaffen. Gemeinsam können wir uns erfolgreich einen Weg durch das Meer an Desinformation und Propaganda bahnen und einen produktiven Weg in die Zukunft finden, das weiß ich. Denn die Wahrheit ist auf unserer Seite.

Vielen Dank.

Originaltext: Remarks at Workshop on „Public Diplomacy in a Post-Truth Society“