Reform für vernünftige Waffengesetze

 Rede von US-Präsident Barack Obama über Maßnahmen zur Reduzierung der Waffengewalt in den USA am 5. Januar 2016

Vielen Dank. Bitte nehmen Sie Platz. Vielen herzlichen Dank.

Mark, vielen Dank für Ihre Einführung. Ich erinnere mich noch gut an unser erstes Treffen, die Zeit, die wir miteinander verbracht haben und unser Gespräch über Daniel. Dieser Tag hat mich verändert. Und ich hatte ernsthaft gehofft, dass er auch das ganze Land verändern würde.

Diese Woche ist es fünf Jahre her, dass vor einem Supermarkt in Tucson (Arizona) auf eine Kongressabgeordnete und 18 weitere Personen geschossen wurde. Es war nicht das erste Mal, dass ich mich nach einem Amoklauf an die Nation wenden musste, und es sollte auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Fort Hood. Binghamton. Aurora. Oak Creek. Newtown. Der Marinestützpunkt. Santa Barbara. Charleston. San Bernardino. Zu viele.

Es ist einem großartigen Ärzteteam und der Liebe ihres Ehemannes Mark zu verdanken, dass meine liebe Freundin und Kollegin Gabby Giffords überlebt hat. Sie ist heute mit ihrer wunderbaren Mutter hier. Ja, dank des großartigen Ärzteteams und ihres wunderbaren Ehemannes Mark, dessen Zwillingsbruder am Rande bemerkt, wie Sie vielleicht wissen, im Weltall ist. Als er bei mir im Büro war, fragte ich ihn „Wie oft sprechen Sie eigentlich mit ihm?“ Und er meinte: „Normalerweise jeden Tag, aber jetzt rief er gerade vor unserem Treffen hier an, deswegen bin ich nicht rangegangen.“ Ich habe mich ein bisschen schlecht gefühlt deswegen. Das war ein Ferngespräch. Ich habe ihm also gesagt, wenn sein Bruder Scott heute wieder anruft, solle er rangehen. Stellen Sie das Telefon auf laut.

Ich war bei Gabby, als sie noch im Krankenhaus lag und wir nicht sicher waren, ob sie überleben würde. Dieser Besuch fand kurz vor der Gedenkfeier statt, und etwa eine Stunde später öffnete Gabby die Augen. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit ihrer Mutter. Ich kann mir vorstellen, wie sie und ihre Familie in den letzten fünf Jahren gelitten haben, die Reha erlebt haben, und wie schwer es sein muss, sich von solchen schwerwiegenden Verletzungen zu erholen.

Und dann denke ich an all die Amerikanerinnen und Amerikaner, die weniger Glück hatten. In jedem einzelnen Jahr wird das Leben von mehr als 30.000 Amerikanern von Waffen frühzeitig beendet. 30.000. Selbstmorde. Häusliche Gewalt. Bandenkriege. Unfälle. Hunderttausende Amerikaner haben Brüder und Schwestern verloren oder ihre eigenen Kinder zu Grabe getragen. Viele mussten lernen, mit einer Behinderung oder ohne die Liebe ihres Lebens zu leben.

Einige von ihnen sind heute hier. Sie können Ihnen einige Geschichten erzählen. In diesem Raum gibt es sehr viel zu erzählen. Hier gibt es großes Leid. Hier gibt es Durchhaltevermögen und Stärke, aber auch viel Schmerz. Und das hier ist nur ein kleiner Ausschnitt.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind nicht das einzige Land der Welt, in dem es gewalttätige oder gefährliche Menschen gibt. Wir sind nicht von Natur aus gewalttätiger als andere. Aber wir sind das einzige fortschrittliche Land der Welt, in dem es so häufig zu dieser Art von Massengewalt kommt. In anderen fortschrittlichen Ländern geschieht das nicht annähernd so häufig. Und wie ich bereits gesagt habe, sind wir irgendwie abgestumpft und halten das inzwischen für normal.

Und anstatt darüber nachzudenken, wie wir dieses Problem lösen können, hat sich daraus eine unserer am stärksten polarisierenden und parteipolitisch instrumentalisierten Debatten entwickelt – obwohl es in den Vereinigten Staaten eigentlich einen allgemeinen Konsens darüber gibt, was zu tun ist. Auch aus diesem Grund werde ich am Donnerstag in Virginia über Waffengewalt sprechen. Mein Ziel dabei ist es, vernünftige Menschen aus beiden politischen Lagern zu einer offenen Diskussion über das Thema zusammenzubringen.

Ich kann nicht noch einmal gewählt werden. Ich versuche nicht zu punkten. Meines Erachtens können wir unterschiedlicher Meinung sein, ohne die Beweggründe des jeweils anderen in Zweifel zu ziehen oder unfreundlich zueinander zu sein. Wir müssen nicht aneinander vorbei reden. Aber wir müssen uns der Dringlichkeit des Themas bewusst sein. Wir müssen, um mit Martin Luther King zu sprechen, die „unerbittliche Dringlichkeit des Moments“ spüren. Denn es sterben Menschen. Und die ständigen Ausreden für unsere Untätigkeit sind nicht mehr ausreichend.

Deshalb sind wir heute hier. Nicht, um über die letzte Massenschießerei zu diskutieren, sondern, um die nächste möglichst zu verhindern. Um zu beweisen dass der große Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner, auch wenn unsere Stimmen nicht immer die lautesten und extremsten sind, ein kleiner Junge wie Daniel doch genug am Herzen liegt, um uns zusammenzusetzen und vernünftige Maßnahmen zu ergreifen, um Leben zu retten und unsere Kinder besser zu schützen.

Ich möchte gleich zu Anfang unmissverständlich sagen – und ich habe das bereits wiederholt zum Ausdruck gebracht, auch das ist inzwischen Routine geworden, was ich tun muss, hat schon fast etwas Rituelles: Ich glaube an den zweiten Verfassungszusatz. Er ist schriftlich auf Papier festgehalten. Er gewährleistet das Recht, Waffen zu tragen. Und egal, wie oft man versucht, mir das Wort im Mund umzudrehen – ich habe Verfassungsrecht unterrichtet, ich verstehe ein bisschen was davon –, ich kapiere es. Aber ich glaube auch, dass wir Möglichkeiten zur Eindämmung von Waffengewalt finden können, die mit dem zweiten Verfassungszusatz im Einklang stehen.

Denken Sie doch nur einmal darüber nach. Wir glauben alle an den ersten Verfassungszusatz, die Meinungsfreiheit, aber uns ist auch klar, dass man in einem Theater nicht einfach „Feuer“ ruft. Wir verstehen, dass unsere Freiheiten teilweise eingeschränkt werden, um Unschuldige zu schützen. Wir schätzen unser Recht auf Privatsphäre, aber wir akzeptieren, dass wir durch Metalldetektoren gehen müssen, bevor wir in ein Flugzeug steigen. Das tun wir nicht, weil wir es so toll finden, sondern weil uns klar ist, dass es der Preis ist, den wir zahlen müssen, wenn wir in einer zivilisierten Gesellschaft leben wollen.

In dieser Debatte wird oft übersehen, dass die Mehrheit der Waffenbesitzer dem zustimmt. Die Mehrheit der Waffenbesitzer ist der Meinung, dass wir den zweiten Verfassungszusatz einhalten und gleichzeitig die wenigen verantwortungslosen Menschen, die sich nicht an die Gesetze halten, davon abhalten können, großen Schaden anzurichten.

Heute müssen Waffenläden die Käufer überprüfen. Wenn ein Vater seiner Tochter das Jagen beibringen möchte, kann er in ein Waffengeschäft gehen, sich überprüfen lassen, und auf sichere und verantwortungsvolle Weise eine Waffe erwerben. Das ist kein Verstoß gegen den zweiten Verfassungszusatz. Im Gegensatz zu den Behauptungen einiger Befürworter von Waffenrechten ist dies nicht der erste Schritt, der unweigerlich zur massenhaften Einziehung von Waffen führen wird. Im Gegensatz zu dem, was einige Präsidentschaftskandidaten offenbar vor diesem Treffen behauptet haben, handelt es sich nicht um eine Verschwörung mit dem Ziel, allen die Waffen abzunehmen. Wenn Ihre Überprüfung positiv ausfällt, können Sie eine Schusswaffe kaufen.

Das Problem besteht darin, dass einige Waffenhändler nach anderen Regeln spielen. Ein Gewaltverbrecher kann Waffen im Internet kaufen, ohne, dass er überprüft wird oder ihm Fragen gestellt werden. Eine neuere Studie hat ergeben, dass etwa jeder 30., der sich auf einer bestimmten Website über Waffenkäufe informiert hat, vorbestraft war. Jeder 30. hatte eine Vorstrafe. Wir sprechen hier von Personen, die wegen schwerer Straftaten verurteilt wurden – schwere Körperverletzung, häusliche Gewalt, Raubüberfall und illegaler Waffenbesitz. Personen mit langem Strafregister gelangen viel zu leicht an tödliche Waffen. Und hier ist nur die Rede von einer Website im Zeitraum von ein paar Monaten.

Wir haben also ein System geschaffen, in dem gefährliche Menschen nach anderen Regeln spielen dürfen als verantwortungsbewusste Waffenbesitzer, die ihre Waffe ordnungsgemäß erwerben und sich einer Überprüfung unterziehen. Das ergibt keinen Sinn. Es sollten für alle die gleichen Regeln gelten. Die meisten Amerikaner und Waffenbesitzer stimmen dem zu. Vor drei Jahren, nachdem 26 Amerikanerinnen und Amerikaner, darunter 20 Kinder, in der Sandy-Hook-Grundschule getötet wurden, haben wir versucht, das zu ändern.

Zwei US-Senatoren, Joe Manchin, Demokrat aus West Virginia, und Pat Toomey, Republikaner aus Pennsylvania, beide Waffenbesitzer, beide starke Verfechter der Rechte aus dem zweiten Verfassungszusatz, beide von der NRA in Bezug auf ihr Abstimmungsverhalten bei Waffengesetzen mit Note 1 bewertet – was gar nicht so einfach ist – haben nach Treu und Glauben zusammengearbeitet und sich unter anderem von unserem Vizepräsidenten beraten lassen, der sich schon lange für diese Sache einsetzt, um einen vernünftigen Kompromiss für einen Gesetzesentwurf zu erarbeiten, der vorsieht, dass praktisch jeder, der eine Waffe kauft, vorher überprüft werden muss. Nichts weiter. Eigentlich eine Sache des gesunden Menschenverstands. 90 Prozent der Amerikaner befürworten dieser Idee. 90 Prozent der Demokraten im Senat stimmten dafür. Aber sie scheiterte, weil 90 Prozent der Republikaner im Senat dagegen stimmten.

Wie kommt es, dass dieses Thema parteipolitisch derart instrumentalisiert wird? Der republikanische Präsident George W. Bush sagte einmal: „Ich bin für Überprüfungen bei Waffenmessen oder auch andernorts, damit gewährleistet ist, dass Waffen nicht in die Hände von Menschen gelangen, die keine Waffen haben sollten.“ Senator John McCain hat eine überparteiliche Maßnahme vorgeschlagen, um die Gesetzeslücke bei Waffenmessen zu schließen. Er sagte: „Wir brauchen diese Gesetzesänderung, weil Straftäter und Terroristen diese sehr offensichtliche Lücke in unseren Waffensicherheitsgesetzen ausnutzen.“ Sogar die NRA hat die erweiterten Überprüfungen unterstützt. Ein Großteil ihrer Mitglieder tut das im Übrigen immer noch. Die meisten Wähler der Republikaner auch.

Was ist passiert? Wie konnte es dazu kommen, dass die Menschen jetzt meinen, eine erweiterte Überprüfung bedeute, dass man ihnen die Waffen wegnehmen wird?

Jedes Mal, wenn wir darüber sprechen, werden wir mit der Ausrede abgespeist, dass auf vernünftige Reformen wie Käuferüberprüfungen das jüngste Massaker womöglich nicht verhindert hätten, und das vorherige oder das davor auch nicht, warum sollten wir es also überhaupt versuchen? Ich wehre mich gegen diese Denkweise. Wir wissen, dass wir nicht jede Gewalttat, jede niederträchtige Tat verhindern können. Aber vielleicht könnten wir versuchen, eine Gewalttat, eine niederträchtige Tat zu verhindern.

Vielleicht erinnern sich einige von Ihnen, dass zur Zeit des Sandy-Hook-Amoklaufs eine verwirrte Person in China versuchte, eine Gruppe Kinder mit einem Messer zu ermorden. Die meisten überlebten allerdings, weil dieser Mann keinen Zugang zu einer gefährlicheren Waffe hatte. Wir können vielleicht nicht jeden retten, aber einige könnten wir retten. Wir können auch nicht alle Verkehrsunfälle verhindern, unternehmen aber trotzdem etwas, um die Anzahl der Unfälle zu verringern.

Ronald Reagan sagte einmal, wenn man durch obligatorische Überprüfungen mehr Leben retten könnte, „würde es sich lohnen, sie gesetzlich zu verankern“. Mit dem Gesetzesentwurf, der dem Kongress vor drei Jahren vorlag, wäre dies möglich gewesen. Leider kamen zu viele Senatoren ihrer Verantwortung nicht nach.

Wir wissen, dass Überprüfungen etwas bewirken. Nachdem Connecticut per Gesetz Überprüfungen und Waffensicherheitskurse einführte, gingen die Todesfälle durch Schusswaffen um 40 Prozent zurück. 40 Prozent. Indessen liegt die Zahl der Todesfälle durch Schusswaffen in Missouri fast 50 Prozent über dem landesweiten Durchschnitt, seit der Bundesstaat ein Gesetz aufgehoben hat, das umfassende Überprüfungen und Kaufgenehmigungen verlangte. Einer Studie zufolge kommen Straftäter in Missouri nun leichter an Waffen.

Die Ergebnisse zeigen, dass gesetzestreue Amerikaner es in Staaten mit obligatorischen Überprüfungen keinesfalls schwerer haben, Waffen zu kaufen. Ihre Waffen wurden nicht konfisziert. Ihre Rechte wurden nicht verletzt.

Und das sind lediglich die Informationen, zu denen wir Zugang haben. Mit mehr Forschung könnten wir die Waffensicherheit noch weiter verbessern, ebenso wie wir in den letzten 30 Jahren die Anzahl der Verkehrsopfer durch mehr Forschung enorm senken konnten. Wir betreiben Forschung, wenn Fahrzeuge, Lebensmittel, Medikamente und sogar Spielsachen Menschen schaden, damit wir sie sicherer machen können. Und wissen Sie was? Forschung, Wissenschaft, das sind gute Dinge. Sie funktionieren. Wirklich.

Und dann denken Sie einmal über Folgendes nach. Bei einer tödlichen Waffe – niemand behauptet, Schusswaffen seien nur potenziell tödlich –, bei Waffen, die jedes Jahr Zehntausende Amerikanerinnen und Amerikaner töten, hat es der Kongress staatlichen Gesundheitsexperten tatsächlich schwerer gemacht, Untersuchungen über Schusswaffengewalt anzustellen, Daten und Fakten zu sammeln und Strategien zur Reduzierung von Waffengewalt zu entwickeln. Auch nach San Bernardino haben hat der Kongress sich geweigert, den Erwerb halbautomatischer Waffen durch Terrorismusverdächtige, die nicht einmal in ein Flugzeug steigen dürfen, zu erschweren. Das ist nicht richtig. Das kann nicht richtig sein.

Die Waffenlobby mag momentan zwar den Kongress als Geisel halten, aber sie kann nicht ganz Amerika in Geiselhaft nehmen. Wir müssen dieses Gemetzel nicht als Preis für die Freiheit hinnehmen.

Ich möchte es ganz deutlich sagen: Der Kongress muss handeln. Die Menschen in diesem Raum werden nicht ruhen, bis er es tut. Wenn sich der Kongress hinter vernünftige Waffensicherheitsmaßnahmen stellt, können wir die Gewalt maßgeblich reduzieren. Aber wir können damit nicht warten. Bis wir einen Kongress haben, der sich der Meinung der Mehrheit der Amerikaner anschließt, können wir im Rahmen meiner rechtlichen Befugnisse Maßnahmen ergreifen, um die Waffengewalt zu reduzieren und mehr Leben zu retten – Maßnahmen zum Schutz unserer Rechte und unserer Kinder.

Nach Sandy Hook haben Joe und ich mit unseren Teams zusammengearbeitet und eine ganze Reihe von Exekutivmaßnahmen vorgestellt, mit denen wir versuchen wollen, die bereits bestehenden Regeln und Systeme zu verschärfen. Heute wollen wir aber einen Schritt weiter gehen. Ich werde also kurz skizzieren, was wir vorhaben.

Zuerst einmal muss jeder, der Schusswaffen verkauft, eine Lizenz erwerben und Überprüfungen durchführen, anderenfalls wird das strafrechtlich geahndet. Dabei tut es nichts zur Sache, ob der Handel über das Internet oder bei einer Waffenmesse abgewickelt wird. Es geht nicht um den Ort, sondern um die Sache.

Darüber hinaus werden wir die Sicherheitsüberprüfungen erweitern, um gewalttätige Straftäter zu erfassen, die versuchen, gefährliche Schusswaffen zu erwerben, indem sie sich hinter großen Konzernen, Organisationen oder Mittelsmännern verstecken.

Wir leiten auch Schritte ein, um das Überprüfungssystem effizienter zu machen. Unter der Federführung von Jim Comey und dem FBI sowie von Tom Brandon, dem stellvertretenden Leiter der Behörde für Alkohol, Tabak und Schusswaffen (Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives – ATF), werden wir mehr Personal einstellen, um Anträge schneller zu bearbeiten, und das veraltete Überprüfungssystem an die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts anpassen.

Diese Schritte werden zu einem reibungsloseren Ablauf für gesetzestreue Waffenbesitzer und verantwortungsvolle Waffenhändler führen und das Verfahren insofern stärken, dass die Menschen, die Öffentlichkeit, vor gefährlichen Individuen geschützt werden. Das ist Punkt eins.

Zweitens werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um eine kluge und effektive Durchsetzung der existierenden Waffengesetze zu gewährleisten, was bedeutet, dass die ATF 200 weitere Beamte und Ermittler einstellen wird. Schusswaffenhändler werden künftig verpflichtet, verloren gegangene oder gestohlene Waffen innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu melden. Wir arbeiten mit Aktivisten zusammen, die sich für den Schutz von Opfern häuslichen Missbrauchs vor Waffengewalt engagieren, denn viel zu oft erhalten diese Menschen keinen angemessenen Schutz.

Drittens werden wir mehr tun, um Menschen mit psychischen Leiden die Behandlung zu bieten, die sie brauchen. Amokläufe, die viel Öffentlichkeit bekommen, lenken oftmals die Aufmerksamkeit auf die wenigen psychisch labilen Menschen, die anderen etwas zuleide tun. Tatsache ist aber, dass knapp zwei Drittel aller Todesfälle durch Schusswaffen Selbstmorde sind. Ein Großteil unserer Arbeit besteht also darin, Menschen davor zu bewahren, sich selbst zu verletzen.

Darum haben wir dafür gesorgt, dass die Behandlung von psychischen Krankheiten im Rahmen des Gesetzes über eine bezahlbare Gesundheitsfürsorge, auch bekannt als Obamacare, ebenso abgedeckt ist wie die Behandlung jeder anderen Krankheit. Wir werden daher 500 Millionen US-Dollar investieren, um den Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten im ganzen Land zu erweitern.

Deshalb werden wir auch die Einbeziehung der Gesundheitsakten des Bundes über psychische Krankheiten in das Überprüfungssystem sicherstellen und Hindernisse für die Meldung relevanter Informationen durch die Bundesstaaten beseitigen. Wenn wir psychische Krankheiten nicht mehr als Stigma betrachtet werden, kranke Menschen die richtige Behandlung erhalten und wir Lücken bei der Überprüfung schließen können, können wir mehr Familien den Schmerz ersparen, ein geliebtes Familienmitglied durch Selbstmord verloren zu haben.

Denjenigen im Kongress, die immer so schnell psychische Krankheiten als Erklärung für Amokläufe heranziehen, um strengere Waffengesetze zu verhindern, sage ich: Jetzt haben Sie die Gelegenheit, diese Bestrebungen zu unterstützen. Lassen Sie auf Worte Taten folgen.

Viertens werden wir Technologien zur Verbesserung der Sicherheit von Waffen fördern. Heute werden viele Schussverletzungen und Todesfälle durch Waffen verursacht, die legal erworben, dann aber gestohlen, missbraucht oder verloren wurden. Allein im Jahr 2013 haben über 500 Menschen ihr Leben durch Waffenunfälle verloren – und darunter waren auch 30 Kinder unter fünf Jahren. Im größten, technologisch am weitesten entwickelten Land der Welt gibt es dafür keine Rechtfertigung. Wir müssen neue Technologien entwickeln, die Waffen sicherer machen. Wenn man verhindern kann, dass ein Telefon entsperrt wird, solange man nicht den richtigen Fingerabdruck hat – warum können wir das dann nicht auch für Waffen entwickeln? Wenn es eine App gibt, die uns hilft, unser verlegtes Tablet wiederzufinden – was mir immer öfter passiert, je älter ich werde –, wenn man das also fürs iPad machen kann, warum sollte das nicht auch bei gestohlenen Waffen funktionieren? Wenn es eine Kindersicherung für Aspirin gibt, dann sollten wir dafür sorgen, dass Kinder auch keine Waffen auslösen können. Richtig?

Wir werden daher die Forschung voranbringen. Wir werden mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, um die Schusswaffentechnologie auf den neuesten Stand zu bringen.

Einige Waffenhändler reagieren schon jetzt, indem sie sich weigern, Käufe abzuschließen, solange die Überprüfung nicht vollständig abgeschlossen ist oder indem sie darauf verzichten, halbautomatische Waffen oder Magazine mit großer Kapazität zu verkaufen. Und ich hoffe, dass sich ihnen noch mehr Einzelhändler und Hersteller anschließen werden – denn sie sollten sich ebenso wie alle anderen Gedanken über ein Produkt machen, durch das heute fast so viele Amerikaner sterben wie durch Autounfälle.

Ich sage das, weil niemand von uns dies alleine schaffen kann. Ich glaube, Mark hat das vorhin auch schon angesprochen. Wir sollten in der Lage sein, zusammenzuarbeiten, um ein Gleichgewicht zwischen unseren Rechten herzustellen, das besagt, die Rechte des zweiten Verfassungszusatzes sind wichtig, aber es gibt noch andere Rechte, die uns ebenfalls etwas bedeuten. Wir müssen es schaffen, dieses Gleichgewicht zu finden. Denn unser Recht, unseren Glauben frei und in Sicherheit auszuüben, wurde Christen in Charleston verwehrt. Es wurde Juden in Kansas City verwehrt. Es wurde Muslimen in Chapel Hill und Sikhs in Oak Creek verwehrt. Auch sie hatten Rechte.

Unser Recht auf friedliche Versammlung – dieses Rechts wurden Kinobesucher in Aurora und Lafayette beraubt. Unser unveräußerliches Recht auf Leben, Freiheit und Glück wurde Collegestudenten in Blacksburg und Santa Barbara genommen, genauso wie Schülern einer Highschool in Columbine und Erstklässlern in Newtown. Erstklässlern. Und darüber hinaus jeder Familie, die niemals geglaubt hätte, dass ein geliebtes Familienmitglied durch eine Kugel aus einer Waffe aus dem Leben gerissen werden würde.

Jedes Mal, wenn ich an diese Kinder denke, werde ich wütend. Nebenbei bemerkt, spielt sich das auf den Straßen von Chicago täglich ab.

Wir alle müssen also vom Kongress den Mut verlangen, sich den Lügen der Waffenlobby entgegenzustellen. Wir alle müssen uns erheben und unsere Bürger schützen. Wir alle müssen Gouverneure, Gesetzgeber und Unternehmen auffordern, ihren Teil dazu beizutragen, unsere Gemeinschaften sicherer zu machen. Wir brauchen die große Mehrheit der verantwortungsbewussten Waffenbesitzer, die mit uns trauern, wann immer so etwas passiert, und sich nicht ausreichend vertreten fühlen, auf unserer Seite, wenn wir Verbesserungen fordern.

Und die Wähler, die sicherere Waffengesetze wollen und enttäuscht sind von den Politikern, die diese blockieren, müssen sich bei den nächsten Wahlen daran erinnern.

Im Grunde ist das eine ganz einfache Rechnung. Ja, die Waffenlobby kämpft laut und organisiert dafür, Waffen jederzeit und für jedermann verfügbar zu machen. Und ich sage Ihnen, wir müssen einfach nur genauso leidenschaftlich kämpfen wie sie. Wir müssen unsere Kinder genauso organisiert verteidigen. Es ist nicht so kompliziert. Die Kongressabgeordneten blockieren Gesetze, weil sie Wahlen gewinnen wollen. Wenn man es ihnen schwer macht, eine Wahl zu gewinnen, solange sie diese Gesetze blockieren, dann werden sie ihren Kurs ändern, das verspreche ich Ihnen.

Ja, das wird schwierig, und es wird nicht von heute auf morgen passieren. Es wird nicht mit diesem Kongress passieren. Es wird nicht während meiner Präsidentschaft passieren. Aber viele Dinge passieren nicht von heute auf morgen. Das Frauenwahlrecht wurde nicht von heute auf morgen eingeführt. Die Befreiung der Afroamerikaner begab sich nicht von heute auf morgen. Die Rechte von LGBT-Personen wurden über Jahrzehnte hart erarbeitet. Aber dass es schwierig war ist keine Rechtfertigung dafür, es nicht zu versuchen.

Und wenn Sie irgendeinen Zweifel daran haben, warum Sie die „unerbittliche Dringlichkeit des Moments“ spüren sollten, dann denken Sie daran, was vor drei Wochen geschah. Zaevion Dobson war Zehntklässler an der Fulton Highschool in Knoxville (Tennessee). Er spielte Football, war bei seinen Mitschülern und Lehrern beliebt. Die Bürgermeisterin bezeichnete ihn als eine der Erfolgsgeschichten seiner Stadt. In der Woche vor Weihnachten ging er zu einem Freund, um Videospiele zu spielen. Er war nicht zur falschen Zeit am falschen Ort. Er hatte keine falsche Entscheidung getroffen. Er war einfach dort, wo auch jeder andere Jugendliche hätte sein können. Ihr Kind. Meine Kinder. Und dann eröffneten bewaffnete Männer das Feuer. Und Zaevion – der noch zur Highschool ging, dessen Leben noch nicht einmal richtig angefangen hatte – warf sich auf drei Mädchen, um sie vor den Kugeln zu schützen. Er wurde in den Kopf getroffen. Und die Mädchen wurden verschont. Er opferte sein Leben, um ihr Leben zu retten. Eine heldenhafte Tat, die sehr viel mehr ist, als man jemals von einem 15-jährigen erwarten sollte. „Niemand hat größere Liebe als die, dass einer seine Seele zugunsten seiner Freunde hingebe.“

Niemand verlangt von uns zu tun, was Zaevion Dobson getan hat. Niemand verlangt von uns, so breite Schultern, ein so großes Herz, eine so gute Reaktionsfähigkeit zu haben. Ich bitte niemanden, denselben Mut zu haben, dasselbe Opfer zu bringen oder ebensoviel Liebe in sich zu tragen. Aber wenn wir unsere Kinder lieben und uns Gedanken um ihre Zukunft machen, wenn wir dieses Land lieben und uns um seine Zukunft sorgen, dann können wir den Mut aufbringen, zu wählen. Wir können den Mut aufbringen, uns zu mobilisieren und zu organisieren. Wir können den Mut aufbringen, die Nebenschauplätze zu ignorieren und tun, was jedes vernünftige Land tun würde.

Das tun wir heute. Morgen sollten wir noch mehr tun. Und noch mehr am Tag danach. Wenn wir das tun, werden wir ein Land hinterlassen, das stärker ist, als das Land, das man uns hinterlassen hat, und das des Opfers eines jungen Mannes wie Zaevion würdig ist.

Ich danke Ihnen allen. Möge Gott Sie segnen. Vielen Dank. Möge Gott Amerika segnen.

Originaltext: Remarks by the President on Common-Sense Gun Safety Reform