Selbstbestimmtes Lernen: Keine Noten, keine Hausaufgaben

Foto: Khan Academy

WASHINGTON – (AD) – Individuelles Lernen und Teamwork, aber keine Noten und keine Hausaufgaben. Der Gründer der Internetplattform Khan Academy entwickelt ein neues Schulkonzept. Dieser Text von Christopher Connell erschien am 10. März auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums.

Kinder im Schneidersitz mit Ukulele. (Foto: Khan Academy)
Schüler spielen bei einer Elternveranstaltung Over the Rainbow in der Version von Israel „Iz“ Kamakawiwoʻole auf der Ukulele. (Foto: Khan Academy)

Vor etwa 12 Jahren gab Sal Khan, Ingenieur und Absolvent des Massachusetts Institute of Technology, mit einem Talent dafür, Mathematik und Naturwissenschaften zu erklären, seiner damals 12-jährigen Kusine, die einen halben Kontinent entfernt wohnte, über das Internet Nachhilfe in Algebra.

Seine freundliche Stimme und die bunten, bewegten Zeichnungen haben ihr geholfen. Später zogen seine Videos auf YouTube die Aufmerksamkeit vieler Millionen Zuschauer weltweit auf sich.

Lehrer beaufsichtigt Schüler, die um einen Tisch sitzen (Foto: Khan Academy)
Unter Aufsicht ihres Lehrers erörtern Schüler, was für oder gegen die Länder spricht, die sich um die Austragung der Olympischen Spiele beworben haben. (Foto: Khan Academy)

Jetzt hat sich Khan etwas wahrscheinlich noch viel Schwierigeres vorgenommen: er will sich neue Wege überlegen, Kinder in echten Backstein-Schulen zu unterrichten.

Die private Khan Lab School in Mountain View (Kalifornien) ist das Experimentierfeld für den ungewöhnlichen Ansatz der Khan Academy. 95 Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren verbringen neuneinhalb Stunden täglich und ein längeres Schuljahr damit, sich selbst Ziele zu stecken und individuell nach eigenem Tempo zu lernen. Es gibt weder Hausaufgaben noch Noten, sondern viele Gruppenprojekte, Zeit am Laptop, Kleingruppenarbeit und Einzelunterricht mit den Lehrern.

Zwei Schüler drehen eine Kurbel auf einem Glas (Foto: Khan Academy)
Zwei der jüngsten Schüler stellen Butter her, die sie mit ihrem selbst gebackenen Brot essen wollen. (Foto: Khan Academy)

Es ist nicht ganz das Schulhaus mit nur einem Klassenraum, wie einige es nennen. Jüngere und ältere Schüler werden in zwei große Räume aufgeteilt und haben außerdem noch Platz, wo sie an Projekten arbeiten und sich von ihren Lehrern individuelle Unterstützung holen können.

„Bei uns hat kein Kind Schwierigkeiten. Sie sind alle erfolgreich“ und eignen sich im eigenen Tempo den Unterrichtsstoff und Soft Skills wie Teamwork, Widerstandsfähigkeit und Durchhaltevermögen an, sagt Schulleiter Dominic Liechti.

Junaid Qurashi erzählt, dass seine beiden Töchter „unglaublich gern zur Schule gehen … Wir haben uns sogar schon Sorgen gemacht, weil sie so zufrieden nach Hause kommen: Lernen sie denn wirklich etwas?“, sagte er dem Sender Voice of America.

„Man darf sich aussuchen, was man lernen möchte“, sagte die 9-jährige Holly Thompson. „Man bekommt nicht einfach ein Arbeitsblatt und der Lehrer sagt, was man tun soll. Man darf sich seine Ziele selbst setzen.“

Die Schule gebe „verbales Feedback“ über die Leistungen der Schüler anstelle einer Beurteilung nach Noten, erklärt Liechti. „Wenn sie den Stoff verinnerlicht haben, gehen sie zum nächsten Lernziel über.“

Es gibt Vergleichswerte. Die Schüler legen regelmäßig eine standardisierte, landesweite Prüfung ab.

In diesem Herbst wird eine neunte Klasse aufgemacht. Laut Liechti gibt es Pläne, die Prüfung für das Internationale Baccalaureat anzubieten.

Der Schweizer Liechti erklärt, die Schule hoffe, auch andere Lehrerinnen und Lehrer fortzubilden, sodass sie das personalisierte Lernen mit in den Unterricht an ihren Schulen in ihren Bezirken nehmen.

Die Schule bleibt ihren Anfängen treu und plant zu ihrem Konzept auch Videos.

Originaltext: Selbstbestimmtes Lernen: Keine Noten, keine Hausaufgaben