Sie bringt Frauen bei, sich zu wehren

Simulierte Schläge: Megha Vora während des Unterrichts im Rahmen des Global Sports Mentorship Program des US-Außenministeriums (Foto: US-Außenministerium/Jaron Johns)

Megha Vora, Leiterin des Women’s Self Defense Center in Mumbai, erteilt Frauen Unterricht in Selbstverteidigung. Der Artikel von Emily Louise Bowman erschien am 6. November 2017 auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums.

Frau lehnt an Tisch (Foto: US-Außenministerium/Jaron Johns)
Megha Vora aus Mumbai stärkt Frauen mit Kampfsport. (Foto: US-Außenministerium/Jaron Johns)

In ihrem Kampfsportstudio in Mumbai zeigt Megha Vora den Frauen zu Beginn jedes Selbstverteidigungskurses wie man schreit.

„Sie können einfach nicht schreien“, erklärt sie. „Ihr ganzes Leben wurde ihnen eingetrichtert, dass sie nicht laut sprechen, dass sie höflich sein und nicht widersprechen sollen. Und dann, wenn sie eines Tages plötzlich in Gefahr sind, verlangt man von ihnen, dass sie schreien. Das ist nicht fair.“

„Wir müssen ihnen eine eigene Stimme geben“, so Megha Vora.

Vora ist die Sensei oder Meisterin im Vorzeigestudio Women’s Self Defense Center in Mumbai. Gegründet wurde das Studio von Vora und ihrem Ehemann. Es ist das erste private Sportstudio für Selbstverteidigung in Indien, das kostenlos Unterricht für Mädchen und Frauen anbietet. An den neun Standorten im ganzen Land bildet das Center mehr als 20.000 Frauen in grundlegenden Selbstverteidigungstechniken aus.

Vora ist Trägerin des schwarzen Gürtels in Jiu-Jitsu. Sie setzt die Technik – bei der die Kraft des Gegners genutzt und gegen ihn selbst eingesetzt wird – ein, um Frauen etwas über ihre eigene – innere und physische – Stärke beizubringen.

Der Kampfsport bietet ihr die Möglichkeit, sich gegen den Sexismus zu wehren, der ihr in Indien begegnet.

Vora war Studentin und lernte seit einigen Monaten Karate, als sie auf dem Heimweg vom Unterricht von einem jungen Mann aus der Nachbarschaft bedroht wurde und sie sich erfolgreich gegen ihn zur Wehr setzte. „Zum ersten Mal spürte ich meine Kraft“, sagt Vora.

Zwei Frauen umarmen sich (Foto: US-Außenministerium/Jaron Johns)
Mentorin Julie Eddleman und ihr Schützling, Megha Vora (Foto: US-Außenministerium/Jaron Johns)

Vora kam im Rahmen des Global Sports Mentorship Program des US-Außenministeriums, einem Austauschprogramm, das erfolgreiche weibliche Sportler aus aller Welt mit führenden Geschäftsfrauen aus den Vereinigten Staaten zusammenbringt, in die Vereinigten Staaten. Julie Eddleman, Global Client Partner bei Google, war Voras Mentorin.

„Ich denke, unsere Schützlinge lernen das Wichtigste über Markenaufbau, Marketing und digitale Medien. Das wird ihnen helfen, wenn sie in ihre Länder zurückkehren und ihre Pläne umsetzen“, um ihre Geschäftsideen weiter auszubauen, so Eddleman.

Vora hat mit Eddleman eine Strategie erarbeitet, um Firmen als Sponsoren zu gewinnen, die ihr helfen, das Modell ihres Centers auf bis zu 1.000 Studios auszuweiten.

Zuvor hatten mögliche Geldgeber Voras Vorhaben mit der Begründung abgelehnt, die Selbstverteidigung von Frauen sei nicht ihr Anliegen. Dank der beruflichen Kontakte, die sie während ihres Aufenthalts in den Vereinigten Staaten über Eddleman knüpfen konnte, gelangte Vora zu der Entscheidung, dass sie den Kern ihres Geschäftes breiter fassen müsse.

„Ich arbeitete bereits auf dem Gebiet der Stärkung der Rechte und des Selbstvertrauens von Frauen und begleite sie auf dem Weg zu rechtlichen Schritten, die sie unternehmen können“, sagt sie. „Es wurde mir sofort klar, dass es nicht funktionieren kann, wenn nur Selbstverteidigung auf dem Plan steht. Es muss all diese Dinge zusammen beinhalten, und all das werde ich über Selbstverteidigung anbieten.“

Originaltext: She’s in the business of teaching women to fight back