Sport spielt an amerikanischen Schulen eine wesentliche Rolle

 

Devonta High und Rebecca Yohannes wärmen sich auf dem Footballfeld auf.
Devonta High und Rebecca Yohannes wärmen sich auf dem Footballfeld auf.

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Text zum Stellenwert des Sports an amerikanischen Schulen aus dem EJ|USA: Earth Day 2014 — Paint the Town Green. Das elektronische Journal wurde am 31. Januar 2014 zum Tag der Erde am 22. April 2014 vom Büro für internationale Informationsprogramme im US-Außenministerium herausgegeben.

Wenn Schüler aus dem Ausland in die Vereinigten Staaten kommen, stellen sie oft fest, dass Sport an weiterführenden Schulen dort sehr viel Raum einnimmt. Mehr als die Hälfte der Schüler an den Sekundarschulen üben eine Sportart aus – und diese Zahl ist in den letzten 24 Jahren stetig gestiegen.

Anders als in vielen anderen Ländern, wo Teenager oft informelle Spiele austragen oder für die Mannschaften ihrer Gemeinde oder ihres Bezirks spielen, treiben amerikanische Teenager Sport in Mannschaften, die von ihren Schulen aufgestellt oder finanziert werden. „Die McLean bei einem Leichtathletikwettkampf zu vertreten, gehört zu den angenehmeren Seiten der Schule“, sagt Kathryn Howley, die an dieser staatlichen Highschool in Virginia an Lang- und Kurzstreckenläufen teilnimmt. Sie habe dabei gute Freunde gefunden, die sie auch im Unterricht wiedertrifft.

Dem Nationalen Verband staatlicher Highschools zufolge nahmen im letzten Schuljahr mehr als 7,7 Millionen Schüler – fast die Hälfte davon Mädchen – an Sekundarschulen in den Vereinigten Staaten das Sportangebot der Schule wahr.

Vielleicht erklärten auch deshalb 90 Prozent der Austauschschüler in einer aktuellen Umfrage, dass Sport bei amerikanischen Jugendlichen beliebter sei als bei ihren Altersgenossen in anderen Ländern.

Das von ethnischer Vielfalt geprägte Land bietet ein breites Spektrum an schulsportlichen Aktivitäten. Amerikanische Schüler betreiben nicht nur beliebte Sportarten wie American Football, Leichtathletik und Basketball, sie können sich auch für Lacrosse, Rudern, Cheerleading als Wettkampfdisziplin und Bowling entscheiden.

In den Vereinigten Staaten kann man die Spiele der Schulbasketballmannschaft im Übrigen nicht nur mit Freunden in einer überfüllten Turnhalle verfolgen. In der vergangenen Saison hat der große Kabelfernsehsender ESPN 26 Footballspiele von Sekundarschulen landesweit übertragen. Ein anderer Sender, Fox Sports 1, übertrug sieben dieser Footballspiele zwischen Schulen.

Jahrelang hat USA Today, eine überregionale Zeitung, die Platzierungen der Footballspiele und Basketballspiele von Mädchen und Jungen an Sekundarschulen veröffentlicht

Prioritäten setzen

Einige fragen sich jedoch inzwischen, ob diese ständige Beschäftigung mit Sport für amerikanische Schüler gut ist.

In einem vor Kurzem veröffentlichten Artikel in dem Magazin The Atlantic schlägt Amanda Ripley, Verfasserin von „Die klügsten Kinder der Welt – und wie sie dazu wurden“ einen anderen Schwerpunkt vor: „Stellen Sie sich nur einen Augenblick lang vor, wir Amerikaner würden unsere Besessenheit vom Highschool-Sport – von den Platzierungen, den Pokalen und den Zeremonien – auf den Unterricht verlagern.“

Ripley berichtet, dass einige Sekundarschulen in den Vereinigten Staaten im Durchschnitt doppelt so viel Geld pro Footballspieler und viermal so viel für jeden Cheerleader ausgeben wie für einen Matheschüler.

Ruderin Rebecca Yohannes erweitert die sportlichen Fähigkeiten des Footballspielers Devonta High, indem sie ihm zeigt, wie man die Rudermaschine benutzt.
Ruderin Rebecca Yohannes erweitert die sportlichen Fähigkeiten des Footballspielers Devonta High, indem sie ihm zeigt, wie man die Rudermaschine benutzt.

Der Schulsport hat allerdings viele Verteidiger. Eine Studie der Minnesota State High School League aus dem Jahr 2007kam zu dem Schluss, dass Sportler geringfügig bessere Noten hatten und weniger oft in der Schule fehlten als Nichtsportler. Laut Howley machen Mannschaftskameraden, die sich gegenseitig unterstützen, das Leben an der Schule angenehmer. Sie erzählt von einem Wettkampf, bei dem ein Mädchen aus ihrer Mannschaft Schwierigkeiten hatte. „Sie wollte nicht weiterlaufen, aber der Rest der Mannschaft hat sie ermutigt und ist bis zum Ende mit ihr gelaufen. Sie hatte einen glücklichen und sogar stolzen Gesichtsausdruck, als sie über die Ziellinie lief. Sie war zwar nicht die Beste in der Mannschaft, aber dieses Mädchen kam in der nächsten Saison trotzdem wieder.“

Mädchen scheinen besonders vom Sport zu profitieren. Die Frauensportstiftung verweist auf Studien, die darauf hinweisen, dass Mädchen an Sekundarschulen, die Sport treiben, mit größerer Wahrscheinlichkeit gute Noten und einen Abschluss erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Mädchen in ihrer Schulzeit schwanger werden, ist hingegen geringer als bei Mädchen, die keinen Sport treiben. Junge Sportlerinnen haben außerdem mehr Selbstvertrauen und ein besseres Selbstbild. „Laufen hat mich gezwungen, unabhängiger zu werden“, sagt Howley. „Mein Trainer kann nicht rund um die Uhr für mich da sein, also kümmere ich mich um mich selbst und bin rechtzeitig und bereits aufgewärmt am Start.“

Die Debatte darüber, ob die Schulen eine zu große Betonung auf Sport legen, geht zwar weiter, aber es sieht so aus, als würde er das bleiben, was er in den Vereinigten Staaten heute ist: ein wichtiges Ereignis.

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Guter Sport

Zwei Sportler erzählen von ihrer Sportart.

Rebecca Yohannes, Washington-Lee High School, Arlington (Virginia).

Bootsführerin (steuert das Boot und erteilt den Ruderern Anweisungen) im Ruderteam

Rudern gibt mir eine Gefühl von Sinnhaftigkeit, das ich nur als Schülerin nicht hätte. Es bietet mir eine Gemeinschaft. Ich bin immer mit meinen Mannschaftskameraden zusammen, bei den Rennen oder wenn wir Geld sammeln. Von Montag bis Samstag, von November bis Mai. Einige nennen Rudern einen Kult, und ich finde das in Ordnung.

Als Bootsführerin ist es meine Aufgabe, die Anweisungen des Trainers an die Ruderer weiterzugeben. Einmal, als wir eine Übung nicht korrekt ausgeführt haben, hielten wir frustriert an. Ich habe den Ruderern gesagt, sie sollten sich konzentrieren, wütend werden und die Ruder so stark wie möglich durchziehen. Beim nächsten Versuch sind sie schneller gerudert als in der gesamten bisherigen Saison. Das war ein geniales Gefühl! Wenn das Team sich jetzt mal schwer tut, dann sage ich: „Denkt an die Übung damals und daran, wie ihr es da gemacht habt, um es richtig hinzukriegen.“ Darauf sprechen sie an.

Devonta High, Frederick Douglass High School, Upper Marlboro (Maryland)

Defensivspieler und Passempfänger in der Footballmannschaft

Ich liebe Wettkämpfe und das Training. In der Saison gibt es auch mal Zeiten, da will man einfach nicht zum Training. Wenn es dann vorbei ist … peng! Man hat Erinnerungen. Man lacht über das, was der Trainer gesagt hat. Man vermisst es. Ich mache bald meinen Abschluss und vermisse es jetzt schon.

Ich hatte hervorragende Trainer, und wenn ich auf dem Footballfeld bin, dann habe ich Spaß. Ich gehe bald ans College und werde Wirtschaft oder Religion als Hauptfach belegen, …. und ich werde Football spielen.

Originaltext: Sports Lead in U.S. Schools