Städte der Zukunft: smart und barrierefrei

Hightechlösungen für alltägliche Probleme erleichtern das Leben in der Stadt (Foto: US-Außenministerium/Doug Thompson)

Digitalisierung hilft Menschen mit Behinderungen – in der Smart City können dank Hightech-Lösungen Barrieren abgebaut werden und (nicht nur) Menschen mit Behinderungen das Leben erleichtern. Emily Louise Bowman beschrieb barrierefreie Projekte in einem Artikel, der am 3. August 2017 auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums, erschienen ist.

Eine Smart City zeichnet sich durch Technik und Gestaltung aus, die das Leben für Bewohnerinnen und Bewohner einfacher und smarter machen. Eine Smart City erhält in den Vereinigten Staaten viel Aufmerksamkeit – und finanzielle Unterstützung von Seiten des Staates.

Manche Elemente einer Smart City erkennt man auf den ersten Blick: Stationen für Mietfahrräder oder Countdown-Ampeln, die Fußgängern zeigen, wieviel Zeit ihnen zum Überqueren der Straße bleibt. Andere sind weniger offensichtlich, aber sichern ein effizientes Stadtmanagement, wie Verkehrsleitsysteme, die sich an das Verkehrsmuster anpassen. Crowdsourcing, oder genauer gesagt, die Daten, die dabei generiert werden, helfen der Stadtverwaltung, die Gewohnheiten und Bedürfnisse ihrer Bürgerinnen und Bürger besser zu verstehen.

Die Illustration zeigt einen Mann im Rollstuhl beim Einsteigen in den Bus. (State Dept./Doug Thompson)
(State Dept./Doug Thompson)

Das Konzept der Smart City gibt es theoretisch bereits seit den 1980-er Jahren, richtige Verbreitung fand es allerdings erst in den letzten zehn Jahren, als technologische Innovationen rasant zu Bestandteilen des täglichen Lebens wurden. Schätzungen zufolge soll bis 2025 der Bedarf für die Dienstleistungen der Smart City in Europa, Afrika und Lateinamerika um mehr als 30 Prozent ansteigen.

Unterstützung für Menschen mit Behinderungen

James Thurston von G3ict und Victor Piñeda von World Enabled erzählen die Geschichte eines Mannes in Südafrika. Der Rollstuhlfahrer nutzte eine von der Stadtverwaltung bereitgestellte App, die die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel vereinfachen sollte. Er konnte einen Bus mit barrierefreiem Zugang orten und rollte an die Haltestelle, die der Bus gerade anfuhr. Doch leider musste er den Bus ziehen lassen. Die App hatte nicht berücksichtigt, dass die Haltestelle nur über Stufen erreichbar war.

Geschichten wie diese bewegen Thurston und Piñeda. Sie haben Smart Cities for All ins Leben gerufen, eine Initiative, die Inklusion in der Stadtplanung zu einem Anliegen für Verwaltung und Privatwirtschaft machen möchte.

Städte auf der ganzen Welt investieren in Technologie und könnten Menschen mit Behinderungen dadurch mehr Teilhabe am urbanen Leben bieten.

Barrierefrei ist smart

Das Smart Cities for All Toolkit zielt darauf ab, Missverhältnisse in der Stadt durch smarte Technologien zu überwinden, Städte gleichermaßen smart und für möglichst viele Menschen zugänglich zu gestalten, ungeachtet ihrer Fähigkeiten oder besonderer Bedürfnisse.

Die Illustration zeigt einen blinden Mann beim Überqueren einer Kreuzung. (State Dept./Doug Thompson)
(State Dept./Doug Thompson)

Barrierefreie Städte nutzen Unterstützungstechnologien und berücksichtigen Barrierefreiheit in Stadtplanung, Infrastruktur und Dienstleistungen. Dabei wird Barrierefreiheit von einem Zeichen der Innovationsfreude vielmehr zu einem Qualitätssiegel für die durchdachte Planung einer Smart City.

Für die Smart City Challenge 2016 des US-Verkehrsministeriums war eine der Teilnahmevoraussetzungen Teilhabe zu verbessern, auch für Menschen mit Behinderungen.

Kansas City (Missouri) gehörte zu den Finalisten. Die Stadt stellt neue, barrierefreie Smart Services zur Verfügung.

„Ich bin einfach sehr stolz auf unsere Kiosks“, sagt Meg Conger, die Beamtin der Stadt, zu deren Aufgaben als Stadtbeamtin gehört, dass die Stadt die Bestimmungen des US-Gleichstellungsgesetzes (Americans with Disabilities Act – ADA) erfüllt. Im Laufe der vergangenen sechs Monate hat Kansas City eine Reihe interaktiver, digitaler Kioske aufgestellt, über die Informationen gesammelt und geteilt werden können. „Sie sind barrierefrei und stellen für alle die gleichen Informationen zur Verfügung, egal, welche besonderen Bedürfnisse jemand haben mag.“

Zunächst war der Kiosk mit Touchscreens und Sprachausgabefunktion ausgestattet, womit sich Meg Conger aber nicht zufrieden gab. Ihr waren die Schwierigkeiten und Barrieren für Menschen im Rollstuhl und Menschen mit eingeschränkter Mobilität bewusst. Deshalb kümmerte sie sich darum, dass die Kioske abgesenkt wurden und mit besser sichtbaren, hintergrundbeleuchteten Touchscreens ausgestattet wurden. Die Informationen auf dem Bildschirm können gescrollt werden und laufen von oben nach unten. Damit haben alle die Möglichkeit, sie auf der jeweils idealen Höhe zu nutzen.

„Ich weiß nicht, ob jede Stadt das berücksichtigen würde – nur weil man auf einen Bildschirm tippen kann, wird man nicht mobiler“, sagt Conger. Die Kioske sind mit einem Audioanschluss ausgestattet, damit Menschen mit Sehbehinderung sich nicht bloßgestellt fühlen, wenn sie die Inhalte über die Sprachausgabe nutzen. Sie können ganz einfach ihren eigenen Kopfhörer anstecken und ungestört zuhören.

Kansas City ist damit Teil eines globalen Trends: Das PICASSO Project, eine transatlantische Organisation, veranstaltet eine jährliche Konferenz zu Themen der internationalen Zusammenarbeit in Technologien und Strategien für Smart Cities. Durch diese Art von Smart-City-Partnerschaften können sich technische Lösungen weltweit besser verbreiten und urbane Zentren für alle besser zugänglich machen.

Originaltext: Smart cities work for people with disabilities