Tag der Deutschen Einheit

Foto: IIP

Anlässlich des 28. Tags der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2018 lud die deutsche Botschafterin in Washington, Emily Haber, gemeinsam mit Außenminister Heiko Maas in ihre Residenz. In seiner Rede gratulierte der stellvertretende US-Außenminister John Sullivan zum Nationalfeiertag.

Außenminister Maas, Botschafterin Haber, sehr geehrte Gäste, meine Damen und Herren:

Im Namen der Vereinigten Staaten von Amerika gratuliere ich den Bürgerinnen und Bürgern Deutschlands und allen, die heute Abend hier zusammen feiern, zum heutigen Tag der Deutschen Einheit. Zunächst möchte ich dem Außenminister und der Botschafterin für die Einladung danken, heute Abend hier zu sein. Es ist mir eine Ehre, mit Ihnen die deutsche Einheit zu feiern und der Einigkeit und Stärke zu gedenken, die Deutschland vor 29 Jahren bewiesen hat, als die Mauer, auf die Außenminister Maas eben verwies, zu Fall gebracht wurde. Von Deutschen zu Fall gebracht wurde. Nicht durch Herrn Gorbatschow, wie Präsident Reagan gefordert hatte, aber gleichwohl wurde sie zu Fall gebracht. Deutschland ist einer unserer engsten Verbündeten und es gibt kein Hindernis, das wir nicht gemeinsam überwinden könnten. Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland bilden das Fundament der transatlantischen Beziehungen und des NATO-Bündnisses. Diese Beziehungen fußen auf gemeinsamen Werten wie Freiheit, Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit. Es existiert eine enge Freundschaft zwischen den Bürgerinnen und Bürgern Deutschlands und der Vereinigten Staaten, die weiter zurückreicht als die amerikanische Unabhängigkeit. Es gibt heute mehr als 45 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner deutscher Abstammung, wodurch die Nachfahren deutscher Einwanderer die zahlenmäßig größte Gruppe in den Vereinigten Staaten bilden.

Vielleicht erlauben Sie mir, dass ich von meiner vorbereiteten Rede abweiche. Ich interessiere mich nämlich sehr für die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs. Die Prozentzahl der Soldaten auf der Seite der Union, die in einem anderen Land geboren wurden, ist sehr hoch. Sie liegt weit über 30 Prozent, vielleicht sogar eher bei 40 Prozent. Und die bei Weitem größte Zahl im Ausland geborener Soldaten, die blau trugen, die für die Armee der Union kämpften, für das Überleben dieser Republik, stammte aus Deutschland. Es waren Abertausende in Deutschland geborene Amerikaner, die für das kämpften, was heute die Vereinigten Staaten sind. Vor dem Krieg sagten die Amerikaner „the United States are“, und nach dem Bürgerkrieg war die richtige Ausdrucksweise dann „the United States is“. Es war der entscheidende Moment, in dem wir zu einer Nation wurden. Und welche Gruppe im Ausland geborener Amerikaner trug hauptsächlich dazu bei? Die Amerikaner deutscher Abstammung, die in der blauen Uniform der Vereinigten Staaten von Amerika in diesem Krieg kämpften.

Die Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten und Deutschlands verbindet auch eine starke Freundschaft. Jedes Jahr studieren mehr als 10.000 deutsche Studierende in den Vereinigten Staaten und über 11.000 amerikanische Studierende kommen zum Studium nach Deutschland. Das Parlamentarische Patenschaftsprogramm (PPP) existiert seit 1983 und hat in den letzten 35 Jahren Stipendien an mehr als 26.000 deutsche und amerikanische Studierende und junge Berufstätige vergeben. Entsprechend ermöglicht das German-American Partnership Program jedes Jahr 9.000 deutschen und amerikanischen Oberschülerinnen und Oberschülern ein Austauschjahr. Es ist tatsächlich so, dass die Bildung in den Vereinigten Staaten – mit Kindergärten, Sport und Berufsausbildung – direkt auf den deutschen Einfluss zurückzuführen ist. Und vielleicht gestatten Sie mir eine weitere persönliche Anmerkung. Meine Großeltern wurden in Irland geboren und wanderten in die Vereinigten Staaten aus. Dort lebten sie in einer allgemein als irisch-amerikanischen Nachbarschaft bekannten Gegend im Süden von Boston in Massachusetts. Die irische Bevölkerung machte dort in der Tat fast die Mehrheit aus, und sie sind auch heute noch eine Mehrheit. Aber die Amerikanerinnen und Amerikaner deutscher Abstammung, die im südlichen Boston lebten und zu Wohlstand kamen, reichten zahlenmäßig fast an sie heran. Gegenüber von dem Haus, das meine Großeltern 1926 kauften, war eine von deutschen Nonnen geleitete Schule. Ich erinnere mich noch, dass wir als Kinder, die in den Sechzigerjahren dort spielten, wussten, dass es die German Sister School war. An der German Sister School im Süden Bostons wurden diese jungen Deutsch-Amerikaner unterrichtet, die später zu stolzen und produktiven Amerikanerinnen und Amerikanern wurden. Wenn ich meine historischen Bezüge und Anspielungen auf die Iren also weiterführe und auf den Bürgerkrieg zurückkomme: Diese Abertausenden Deutschen, die in der Armee der Union kämpften, zum Beispiel unter General Franz Sigel, der ein wichtiger Befehlshaber der Army of the Potomac war, wurden von Historikern nach dem Krieg als äußerst disziplinierte Soldaten beschrieben, die zur Armee der Union und dem Sieg im Bürgerkrieg einen wichtigen Beitrag leisteten. Die Irish Brigade hingegen war nicht ganz so diszipliniert wie die deutschen Soldaten. Das spiegelte sich zum Teil in den Kommentaren eines der Generäle der Irish Brigade wieder. General Meagher berichtete, wenn er die Irish Brigade motivieren wollte, noch zehn Meilen weiter zu marschieren als eigentlich für diesen Tag angesetzt war, so musste er sicherstellen, dass er genug Whiskey dabeihatte. Aber um das noch einmal hervorzuheben: Der Beitrag, den Amerikanerinnen und Amerikaner deutscher Abstammung zu unserem Land, wie es heute ist, geleistet haben, kann nicht genug betont werden.

Die Vereinigten Staaten und Deutschland verfügen auch über enge Handels- und Investitionsbeziehungen. Deutsche Unternehmen beschäftigen in den Vereinigten Staaten heute beinahe 700.000 Amerikanerinnen und Amerikaner. Deutschland tätigt außerdem Direktinvestitionen in Höhe von über 300 Milliarden US-Dollar in den Vereinigten Staaten. Aber der vielleicht wichtigste Gesichtspunkt unserer bilateralen Verbundenheit ist unsere unschätzbare Partnerschaft und Stärke bei der Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen für unser Bündnis. Seit 2014 hat Deutschland mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar für humanitäre Hilfe, Stabilisierungsmaßnahmen und Entwicklungszusammenarbeit im Irak zugesagt. Die deutschen Streitkräfte gehören zu den aktivsten Mitgliedern der Allianz zur Bekämpfung der IS-Terrormiliz. Sie stellen Unterstützungstruppen, bemannte Aufklärung sowie Flugzeuge zur Luftbetankung. Seit 2012 hat Deutschland Hilfe für Syrien in Höhe von mehr als sechs Milliarden US-Dollar zugesagt, darunter auch Gelder für das Räumen von Minen, und sich zudem maßgeblich für europäische Sanktionen gegen das Assad-Regime eingesetzt.

Unsere Freundschaft, die auf gemeinsamen Werten, einer gemeinsamen Geschichte und engen zwischenmenschlichen Beziehungen beruht, ist unerschütterlich. Auch, wenn wir in politischen Fragen oder in unserer Herangehensweise an globale Probleme unterschiedlicher Auffassung sind, sind unsere Beziehungen stark und stabil genug, um Differenzen in dem Wissen offen und ehrlich anzusprechen, dass unsere Zukunft eng mit Ihrer verbunden ist. Und obwohl die deutsch-amerikanischen Beziehungen stark sind, können wir noch mehr erreichen. Wir müssen uns vor Augen führen, dass die dringendsten Herausforderungen gemeinsam bewältigt werden müssen.

Meine deutschen Freunde, ich freue mich sehr, dass der Start Ihres Public-Diplomacy-Programms „Wunderbar Together“ uns noch enger zusammenführen und das Verständnis und die Wertschätzung für Ihr wunderbares Land in den Vereinigten Staaten noch vertiefen wird. Präsident Trump, Außenminister Pompeo und ich freuen uns schon auf die Erfolge Ihrer Anstrengungen im Jahr 2019.

Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch.

Originaltext: The Deputy Secretary’s Remarks at the Day of German Unity