Trauergottesdienst für Präsident Reagan

WASHINGTON – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Präsident George W. Bush beim nationalen Trauergottesdienst für den verstorbenen Präsidenten Ronald W. Reagan in Washington vom 11. Juni 2004. 

Wir haben Ronald Reagan erst vor wenigen Tagen verloren, aber wir vermissen ihn schon lange. Wir vermissen seine freundliche Gegenwart, diese beruhigende Stimme und den glücklichen Lebensabend, den wir ihm gewünscht hätten. Seit dem Tag, an dem er sich selbst verabschiedet hat, sind zehn Jahre vergangen – aber es ist immer noch sehr traurig und schwer, ihn gehen zu lassen. Ronald Reagan ist jetzt in die Ewigkeit eingegangen, aber es gefiel uns besser, als er zu uns gehörte. 

In einem Leben voller Glück schätzte er vor allem ein gütiges Geschenk – seine Frau Nancy. Im Verlauf seiner Karriere durchschritt Ronald Reagan tausende belebte Orte; aber es gab nur eine Person, so sagte er, die es vermochte, dass er sich einsam fühlte, nur weil sie den Raum verließ. 

Amerika ehrt Sie, Nancy, für die Treue und Liebe, die Sie diesem Mann auf einer wunderbaren Reise und bis zum Ende dieser Reise entgegenbrachten. Heute trauert unsere ganze Nation mit Ihnen und Ihrer Familie. 

Wenn die Sonne heute Abend vor der Küste Kaliforniens untergeht und wir unseren 40. Präsidenten zur letzten Ruhe betten, schließt sich ein großartiges Kapitel amerikanischer Geschichte. Der zweite Sohn von Nell und Jack Reagan lernte die Welt zunächst als einen Ort mit weiten Ebenen, ruhigen Straßen, von Gaslaternen beleuchteten Räumen und von Pferden gezogenen Wagen kennen. Wenn Sie in das Dixon in Illinois von 1922 zurückkehren könnten, fänden Sie einen Jungen von 11 Jahren vor, der in der öffentlichen Bibliothek Abenteuergeschichten liest oder mit seinem Bruder Neil den Rock River entlang rennt und in einem kleinen Haus in der Hennepin Avenue wohnt. Diese Stadt war die Art von Ort, in dem man Seite an Seite mit den Nachbarn betete, und wenn es ihnen nicht gut ging, betete man für sie und wusste, sie würden für einen beten, wenn es einem selbst nicht gut ging. 

Auch der Familie Reagan stand ihr Teil an Not, Leid und Unsicherheit bevor. Und aus diesem Umfeld kam ein junger Mann mit Beständigkeit, Ruhe und fröhlicher Zuversicht, dass das Leben Gutes bereithalten würde. Die Qualitäten, die wir alle in Ronald Reagan gesehen haben, wurden zuerst vor 70 oder 80 Jahren ausgemacht. Als Lebensretter in Lowell Park bewahrte er andere vor dem Tod. Als Sportmoderator im Radio war er die freundliche Stimme, durch die man das Spiel so sehen konnte wie er. Als Schauspieler war er der gut aussehende uramerikanische gute Junge, der – in seinem Fall – seinen Text kennen und er selbst sein musste. 

Im Verlauf der Zeit bildeten sich bestimmte Überzeugungen in ihm heraus. Ronald Reagan glaubte, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht und wir den Willen Gottes erkunden und nach ihm leben sollen. Er glaubte, dass ein Gentleman immer das Freundlichste tut. Er glaubte, dass der Mensch von Grund aus gut sei und das Recht habe, frei zu sein. Er glaubte, dass Bigotterie und Vorurteile das Schlimmste seien, dessen man einen Menschen beschuldigen kann. Er glaubte an die Goldene Regel und an die Macht des Gebets. Er glaubte, dass Amerika nicht nur ein Ort auf der Welt, sondern die Hoffnung der Welt sei. 

Und er glaubte daran, ab und zu einmal eine Pause zu machen, denn – so sagte er – für die Seele eines Menschen gibt es nichts besseres als einen Ausritt. 

Ronald Reagan verbrachte Jahrzehnte in der Filmindustrie und in der Politik – Gebiete, von denen man weiß, dass sie einen Menschen verändern können. Aber nicht diesen Mann. Von Dixon bis nach Des Moines, von Hollywood über Sacramento bis nach Washington erinnern sich alle, die ihn trafen, an denselben offenen, ehrlichen und aufrechten Mann. Ronald Reagans tiefste Überzeugungen hatte nie viel mit Mode oder Bequemlichkeit zu tun. Seine Überzeugungen wurden stets höflich zum Ausdruck gebracht, freundlich erläutert und waren so fest und geradlinig wie die Säulen dieser Kathedrale. 

Es kam ein Punkt in Ronald Reagans Filmkarriere, an dem die Menschen eine Zukunft nach seinen Filmen zu sehen begannen. Der Schauspieler Robert Cummings erinnerte sich an eine Begebenheit. „Ich saß in der Kulisse mit all diesen Menschen, und wir hörten ziemlich gefesselt Ronnie zu. Ich sagte, ‚Ron, hast du je daran gedacht, eines Tages Präsident zu werden?‘ Er sagte, ‚Präsident von was?‘ ‚Präsident der Vereinigten Staaten‘, sagte ich. Und er entgegnete: ‚Was ist los, gefällt dir meine Schauspielerei auch nicht?'“ 

Die Klarheit und Intensität von Ronald Reagans Überzeugungen führten zu Engagements als Redner im ganzen Land und zu einem neuen Amt, das er nicht angestrebt oder erwartet hatte. Häufig begann er seine Reden mit dem Satz: „Ich werde über kontroverse Themen reden.“ Und dann sprach er über kommunistische Herrscher als Sklaventreiber, über eine Regierung in Washington, die ihre Grenzen weit überschritten hatte, über eine Zeit der Entscheidung für das, was näher rückte. Im Verlauf von wenigen Jahren übernahm er Ideen und Prinzipien, die vor allem in Fachzeitschriften und Büchern zu finden waren und setzte sie in umfassende, hoffnungsvolle regierungsfähige Bestrebungen um. 

Sobald Ronald Reagan Gouverneur von Kaliforniern wurde, sahen die Beobachter einen Star im Westen – gebräunt, maßgeschneidert, das Kommando führend und auf seinem Weg. In den sechziger Jahren schrieb sein Freund Bill Buckley: „Reagan ist unzweifelhaft ein Teil Amerikas, und er könnte ein Teil der amerikanischen Geschichte werden.“ 

Ronald Reagans Zeit kam 1980. Er errang den Sieg über einige sehr gute Männer, darunter einen aus Plains uns einen aus Houston. Darauf folgte eines der entscheidenden Jahrzehnte des Jahrhunderts, als die Überzeugungen des Präsidenten zu Überzeugungen der Zeit wurden. 

Er trat sein Amt mit großen Hoffnungen für Amerika an, und mehr als Hoffnungen – wie der Präsident, den er verehrte und den er einmal persönlich gesehen hatte, Franklin Roosevelt, vereinigte Ronald Reagan optimistisches Temperament mit kühnen, nachhaltigen Taten. Präsident Reagan war zuversichtlich bezüglich der großen Versprechungen von Wirtschaftsreformen, und er handelte, damit sich Unternehmertum wieder lohnt und der Unternehmergeist wiederbelebt wird. Er war optimistisch, dass ein starkes Amerika Frieden fördern könnte, und er handelte, um die für diese Aufgabe erforderliche Stärke aufzubauen. Er war optimistisch, dass die Freiheit gedeihen würde, wo immer sie gesät würde, und er handelte, um die Freiheit zu verteidigen, wo immer sie bedroht wurde. 

Ronald Reagan glaubte an die Macht der Wahrheit bei der Ausübung der Weltgeschäfte. Wenn er das Böse am Horizont ausmachte, nannte er das Böse beim Namen. Es gab keine Zweifler in den Gefängnissen und Gulags, wo die Dissidenten verschlüsselt die Nachricht darüber verbreiteten, was der amerikanische Präsident zu sagen gewagt hatte. Es gab keine Zweifler in den Schiffswerften, Kirchen und bei den geheimen Arbeitertreffen, bei denen tapfere Männer und Frauen das Knirschen und Poltern eines zerfallenden Regimes zu hören begannen. Und es gab keine Zweifler unter denjenigen, die Hämmer gegen die verhasste Mauer schwangen, da der erste und schwerste Schlag von Präsident Ronald Reagan ausgeführt worden war. 

Die Ideologie, der er sich im gesamten Verlauf seines politischen Lebens widersetzte, betonte, dass Geschichte durch unpersönliche Bindungen und unabwendbare Schicksale bestimmt werde. Ronald Reagan glaubte dagegen an den Mut und den Sieg freier Menschen. Und wir glauben umso mehr daran, da wir diesen Mut ihn ihm gesehen haben. 

Indem er uns zeigte, wie ein Präsident zu sein habe, zeigte er uns auch, wie ein Mann zu sein habe. Ronald Reagan verhielt sich sogar im mächtigsten Amt mit einer Anständigkeit und Aufmerksamkeit für kleine Gefälligkeiten, die auch ein gutes Leben auszeichnen. Er war ein höflicher, sanfter und rücksichtsvoller Mann, der andere nie kränkte oder in Verlegenheit brachte. Viele Menschen im ganzen Land bewahren von ihm selbst geschriebene Briefe – an Familienmitglieder zu wichtigen Ereignissen; an alte Freunde, die krank waren oder trauerten; an Fremde mit Fragen über seine Zeit in Hollywood. Ein Junge schrieb ihm einmal mit der Bitte um Bundesunterstützung beim Aufräumen seines Zimmers. 

Der Präsident antwortete, dass „die Mittel leider gefährlich erschöpft sind“. Er fuhr fort: „Ich bin sicher, deine Mutter hatte vollkommen Recht, als sie dein Zimmer zu einer Katastrophenzone erklärte. Deshalb bist du hervorragend dafür geeignet, ein weiteres Freiwilligenprogramm für unser Land ins Leben zu rufen. Herzlichen Glückwunsch.“ 

Sicher, unser 40. Präsident trug seinen Titel mit Gelassenheit, und er passte wie ein weißer Stetson. Letztendlich wurde er durch seinen Glauben an unser Land und seine Liebe zu unserem Land ein dauerhaftes Symbol für unser Land. Wir erinnern uns seines festen Ganges, einer Neigung seines Kopfes, eines zackigen Grußes, des Filmlächelns und des Glitzerns seiner irischen Augen, wenn ihm eine Geschichte einfiel. 

Wir denken an einen Mann, der mit der Süße und der Ehrlichkeit eines seinen Schwur aufsagenden Pfadfinders in den Jahren fortschreitet. Wir erinnern uns des ernsten Ausdrucks, der manchmal sein Gesicht verdüsterte, der Ernsthaftigkeit eines Mannes, den Ungerechtigkeit wütend macht und den nichts ängstigt. Wir wissen, dass – wie er immer sagte – die besten Tage Amerikas vor uns liegen, aber mit dem Ableben Ronald Reagans liegen nun auch einige sehr schöne Tage hinter uns, und das verdient unsere Tränen. 

Die Amerikaner sahen zwei Mal, wie sich der Tod Ronald Reagan näherte, ein Mal in einem Moment der Gewalt und dann in den Jahren des schwindenden Lichts. Er begegnete beiden mit Mut und Würde. In diesen Prüfungen zeigte er, wie ein Mann, den das Leben so bezauberte, seinen Frieden mit dem Ende des Lebens machen kann. 

Und woher kommt diese Stärke? Wo lernt man diesen Mut? Es ist der Glaube eines Jungen, der mit seiner Mutter die Bibel las. Es ist der Glaube eines Mannes, der in einem Operationssaal liegt und für denjenigen betet, der auf ihn schoss, bevor er für sich selbst betet. Es ist der Glaube eines Mannes mit einer furchtbaren Krankheit, der wartet, bis der Herr ihn zu Sich ruft. 

Jetzt hat der Tod alles getan, was er tun kann. Und während Ronald Wilson Reagan seinen Weg geht, hinterlässt er uns seine freudige Hoffnung. In seinen letzten Jahren sah er wie durch ein dunkles Glas. Jetzt steht er seinem Retter Angesicht in Angesicht gegenüber. 

Wir freuen uns auf den schönen Tag, an dem wir ihn wiedersehen werden, alle Müdigkeit verschwunden, mit klarem Intellekt, stark und sicher, wieder lächelnd und das Leid seines Scheidens für immer vorbei. 

Möge Gott Ronald Reagan und das Land, das er liebte, segnen. 

Originaltext: Bush Eulogizes Reagan in Service at Washington National Cathedral