Unsere Aufgabe ist klar – machen wir uns an die Arbeit

 

PARIS – (AD) – Außenminister Kerry hat am 9. Dezember in Le Bourget bei Paris in seiner Rede bei der Weltklimakonferenz COP21 dazu aufgerufen, die sich bietende Chance zu ergreifen und jetzt zu handeln. Die unwesentlich gekürzte Rede veröffentlichen wir im Wortlaut.

Wie Todd [Stern] bereits sagte, ist dies nicht meine erste Konferenz der Vertragsparteien.

Aber ich kann Ihnen sagen, bei dieser Konferenz ist einiges anders.

Allein die Vorbereitungsarbeit, die geleistet wurde, ist außergewöhnlich. Ich weiß, dass wir unseren Gastgebern, den Französinnen und Franzosen und insbesondere meinem Freund, Laurent Fabius, vieles zu verdanken haben. Ich danke den Französinnen und Franzosen für Ihren Vorsitz und Ihre Führung.

Diese Klimakonferenz ist auch deshalb anders, weil schon vor Beginn der Gespräche maßgebliche Fortschritte erzielt wurden.

Voriges Jahr haben die Vereinigten Staaten und China, die größten Volkswirtschaften und Schadstoffemittenten der Welt, die für rund 40 Prozent der weltweiten Schadstoffemissionen verantwortlich sind, gemeinsam ihre jeweiligen sehr ehrgeizigen Minderungsmaßnahmen für die Zeit nach 2020 angekündigt. Das war der Beweis dafür, dass wir Hindernisse, die uns seit Jahrzehnten im Weg stehen, aus dem Weg räumen können.

Seitdem sind mehr als 180 Länder, die 95 Prozent der weltweiten Emissionen verursachen, eigene Verpflichtungen eingegangen. Das ist ein Signal. Diese Zusagen haben die 180, inzwischen 186 Länder, vor der Konferenz gemacht. Damit haben sie Stellung bezogen. Durch diese Vorankündigungen haben sie gezeigt, dass sie, dass wir entschlossen sind, die Konferenz hier in Paris zum Erfolg zu führen. Außergewöhnlich ist auch – und das habe ich während meiner gesamten Laufbahn im öffentlichen Dienst noch nicht erlebt –, dass 140 Staats- und Regierungschefs am selben Tag nach Paris gekommen sind, um ihr persönliches Engagement für ein globales Abkommen ganz klar zum Ausdruck zu bringen.

Ebenso wie wir wissen sie alle und haben das auch in ihren Erklärungen deutlich gemacht, dass wir einen entscheidenden Zeitpunkt erreicht haben. Jetzt gibt es Impulse für ein Abkommen, das es so noch nicht gegeben hat. Gleichzeitig erleben wir ganz unmittelbar die direkten Folgen des Klimawandels. Was viele Wissenschaftler seit Jahrzehnten vorhergesagt haben, spielt sich nun vor unseren Augen ab und in einigen Fällen sogar schneller und mit größerer Intensität als ursprünglich angenommen.

Wir versammeln uns also diese Woche in Paris in dem Wissen, dass die Konferenz der Vertragsparteien, diese Konferenz der Vertragsparteien, womöglich unsere beste Chance ist, den Kurs zu korrigieren, auf dem sich unser Planet befindet. Wir versammeln uns, um einen neuen Weg zu finden, einen nachhaltigen Weg, um das Schlimmste, um die verheerendsten Folgen des Klimawandels zu verhindern.

Alle, die hier sitzen, wissen, was auf dem Spiel steht, denn aus diesem Grund sind Sie gekommen. Tatsache ist, dass der Klimawandel jeden Menschen in jedem Land der Erde betrifft. Wenn eine Herausforderung weltweite Zusammenarbeit und effektive Diplomatie erfordert, dann diese. Niemand weiß das besser als die Vertragsparteien dieser Konferenz, Sie, die Männer und Frauen, die seit Jahren an den Verhandlungstischen sitzen, Nebenveranstaltungen und Demonstrationen organisieren, für effektive Maßnahmen kämpfen, über die Verhandlungen berichten und dazu beitragen, dass die ganze Welt weiß, was geschieht und was nicht geschieht.

Mir ist durchaus bewusst, dass es immer noch einige gibt, die den Klimawandel für einen großen Schwindel oder sogar eine politische Verschwörung halten. Meine lieben Freunde, diese Menschen haben so wenig Ahnung von Naturwissenschaften, dass steigende Meeresspiegel ihrer Ansicht nach kein Problem sind, weil das überschüssige Wasser einfach über die Seiten der Erdscheibe abläuft. Natürlich stimmt das nicht.

Für diejenigen, die immer noch die 97 Prozent der unabhängigen Expertengutachten zum Klimawandel infrage stellen, möchte ich betonen: Man muss kein Wissenschaftler sein um zu wissen, dass die Erde rund ist, dass die Sonne im Osten auf- und im Westen untergeht, dass die Schwerkraft dafür verantwortlich ist, dass Gegenstände auf den Boden fallen. Man kann Hunderte Beispiele für alltägliche Dinge nennen, in denen sich Erkenntnisse der Wissenschaft widerspiegeln. Man muss auch kein Wissenschaftler sein, um zu bemerken, dass sich unsere Erde bereits auf sehr reale, messbare und besorgniserregende Weise verändert.

Hier einige Beispiele dafür: Das letzte Jahrzehnt war das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, das vorletzte das zweitwärmste, das davor das drittwärmste.

19 der 20 wärmsten Jahre liegen in den letzten 20 Jahren. Und dieses Jahr ist auf dem bestem Weg, das wärmste von allen zu werden, einschließlich des Monats Juli, dem wärmsten je verzeichneten Monat.

Und ich kann Ihnen sagen, auf meinen Reisen als Außenminister habe ich persönlich gesehen, was das bedeutet. Ich habe das Mekongdelta in Vietnam besucht, wo Überschwemmungen die Reisfelder gefährden, die seit Jahrhunderten die wirtschaftliche und physische Lebensgrundlage der Region bilden. Als junger Mann erlebte ich dort einem Kampf zwischen zwei Lebensweisen, und heute liefert sich dort ironischerweise das Leben selbst einen Kampf mit der vollen Macht der Natur.

Präsident Obama und ich haben dieses Jahr gemeinsam Alaska besucht, das in diesem Kampf ebenfalls an vorderster Front steht. Ich habe mich mit den Ureinwohnern Alaskas getroffen, die auf der Suche nach sichererem Untergrund gezwungen sind, ihre Gemeinden zu verlegen. Präsident Obama stand am Fuße eines Gletschers, der sich seit 1815 um zwei Kilometer, aber allein in diesem Jahr um 57 Meter zurückgezogen hat

In den vergangenen Jahren ist das, was wir einst als extremes Wetter betrachteten, normal geworden. Es ist kaum möglich, Nachrichten zu schauen, ohne von einem besonders verheerenden Sturm, einer Dürre oder einem Waldbrand zu hören. Einige dieser Stürme haben wir sonst vielleicht einmal in 500 Jahren erlebt. Jetzt kommen sie alle 25 Jahre oder sogar noch häufiger vor. Im November erlebte die Stadt Chennai in Indien den regenreichsten Monat ihrer Geschichte. Fast 300 Menschen starben infolge der Überschwemmungen. 18 starben, nachdem ein Generator in einem Krankenhaus durch das Wasser beschädigt und so die Sauerstoffversorgung des Krankenhauses beeinträchtigt wurde. Deshalb möchte ich ganz deutlich sagen, dass die Vereinigten Staaten an der Seite ihrer indischen Freunde stehen und Unterstützung bei der Bewältigung der verheerenden Folgen der Flut angeboten haben.

Leider beschränken sich rekordbrechende Ereignisse wie diese nicht auf ein Land oder eine Region. Sie finden überall statt. Zusammengenommen sind sie Warnungen, die kein vernünftiger Mensch ignorieren sollte. Wirklich verstörend ist jedoch, dass genau das eingetreten ist, was die Wissenschaftler uns prophezeit haben. Die Wissenschaft warnt uns seit Jahrzehnten, sie schreit es uns praktisch ins Gesicht. Wir wissen auch, wenn wir diesen Weg einfach weitergehen, wenn zu viele Menschen weiter untätig herumsitzen und darauf warten, dass jemand anderes die Verantwortung übernimmt, dann – na, raten Sie mal. Die Schäden werden exponentiell zunehmen.

Um auf den Punkt zu kommen: Wenn die Weltgemeinschaft jetzt keine mutigen Schritte unternimmt, um von einer kohlenstoffintensiven Wirtschaft wegzukommen, dann werden wir uns mit unvorstellbarem Schaden für unseren Lebensraum, unsere Infrastruktur und unsere Lebensmittelerzeugung, unsere Wasserversorgung und möglicherweise sogar für das Leben selbst konfrontiert sehen. Täuschen Sie sich nicht. Wenn die Weltgemeinschaft sich nicht zusammenrauft und sich weigert, diese Herausforderung anzunehmen, wenn wir trotz der Dringlichkeit dieses Anliegens weiter zulassen, dass unsere Maßnahmen aus Berechnung verzögert werden, dann sind wir alle für ein kollektives moralisches Versagen mit historischen Konsequenzen verantwortlich. Wir sind nicht nur für uns selbst verantwortlich, sondern auch für die Zukunft. Unsere Kinder und Enkelkinder werden uns sicher fragen, wie wir nur so blind sein konnten, so ideologisch und so zerrüttet, dass wir angesichts der Fakten nicht gehandelt haben, obwohl sie von so vielen Wissenschaftlern in so vielen Studien über lange Zeiträume und durch so viele Indizien bestätigt wurden.

Meine Freunde, dafür gäbe es keine Entschuldigung, gar keine. Deshalb müssen wir in den nächsten 36 bis 48 Stunden handeln. Wir müssen unsere Arbeit erledigen. Vor Kurzem habe ich einen Artikel gelesen, in dem diese Verhandlungen mit einer Dauerserie im Fernsehen verglichen wurden. Jede einzelne Folge ist dramatisch und aufregend, aber wenn man die Serie einige Jahre nicht schaut und dann wieder einschaltet – raten Sie mal. Sie werden sehen, dass sich nichts verändert hat, dass die gleichen Charaktere in der gleichen Konstellation die gleichen Streitigkeiten austragen. Jedes Mal, wenn wir zusammengekommen sind, schrillten die Alarmglocken von Mutter Natur lauter, und warnten uns, dass die Zeit abläuft

Glücklicherweise ist die Zeit noch nicht abgelaufen. Deshalb sind so viele von uns auch so überzeugt von dem, was wir hier tun. Es gibt eine Welle der Unterstützung von Basisbewegungen auf der ganzen Welt. Bürgermeister, Einzelpersonen und Nichtregierungsorganisationen sind mit ihren Maßnahmen den Regierungen weit voraus. Man muss sich nicht weit von den Verhandlungsräumen entfernen, um eine Welt zu sehen, die bereit ist, die Maßnahmen gegen den Klimawandel fordert. Gehen Sie durch die Konferenzsäle, dann werden Sie Nichtregierungsorganisationen, Unternehmer, Wissenschaftler, Studierende, Religionsführer, Gesetzgeber, Bürgermeister, Männer, Frauen und Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten sehen, die hier hergekommen sind, weil sie sich diesem Kampf verschrieben haben. Besuchen Sie irgendeinen Stand in der grünen oder blauen Zone, dann sehen Sie einige der erstaunlichen Dinge, die Menschen mit Erfindergeist auf der ganzen Welt seit Jahren entwickeln.

Menschen aus aller Welt ergreifen die Initiative und ziehen ihre Gemeinden mit. Aber diese Menschen warten auf ein klares Signal aus Paris. Sie wollen sehen, dass auch die politische Führung es endlich kapiert hat. Sie erwarten von uns, dass wir den Rahmen schaffen, der es ihnen ermöglicht, noch mehr zu tun. Sie erwarten von uns den Beweis dafür, dass die Staats- und Regierungschefs, die letzte Woche auf dieser Konferenz so leidenschaftliche Reden gehalten und sich die Zeit genommen haben, nach Paris zu reisen, auch meinten, was sie sagten, als sie ein globales Abkommen forderten. Diese Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass sich ihre Regierungen endlich für eine saubere Energiewirtschaft einsetzen, von der wir alle wissen, dass sie für eine sichere Zukunft erforderlich ist.

Deshalb möchte ich heute hier in diesem Saal wiederholen, was Präsident Obama letzte Woche gesagt hat, dass die Vereinigten Staaten nicht nur ihre Rolle bei der Entstehung dieses Problems anerkennen, sondern auch ihren Teil der Verantwortung dabei übernehmen, es zu lösen. Wenn Sie die Pavillons der Länder hier in Le Bourget besuchen, werden sie bemerken, dass wichtige Dinge geschehen, die das Ausmaß des Engagements widerspiegeln. Länder mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen ergreifen ernsthafte, ehrgeizige und wegweisende Maßnahmen vor Ort, um Emissionen zu senken, sich an eine wärmere Welt anzupassen und mit der Privatwirtschaft bei der Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle zusammenzuarbeiten, die mit unseren gemeinsamen Klimazielen im Einklang stehen.

Aber wir können hier bei dieser Konferenz in den nächsten Stunden und Tagen noch sehr viel mehr erreichen. Ich weiß, dass wir in den Sitzungen hier schwierige Entscheidungen diskutieren und manchmal sehr komplexe Debatten führen. Wenn das nicht so wäre, wäre dieses Problem schon lange gelöst. Aber, meine Damen und Herren, die aktuelle Situation, dieser Moment gebietet es, dass wir Paris nicht wieder verlassen, ohne ein ehrgeiziges, integratives und dauerhaftes, globales Klimaabkommen erreicht zu haben. Nach Jahrzehnten der Arbeit, der Versäumnisse und der gescheiterten Versuche, die Welt zum Handeln zu bewegen, wissen wir alle ganz genau, was ein wirksames Abkommen beinhalten muss.

Zuallererst brauchen wir ein Abkommen, das so ehrgeizig ist wie möglich. Wir verlieren nichts, wenn wir ehrgeizig sind. Heute kündigen die Vereinigten Staaten offiziell an, dass wir uns der High Ambition Coalition anschließen. Das ist eine Gruppe von Ländern, die sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass das Abkommen wirklich ein ehrgeiziges sein wird. Um dem Klimawandel entgegenzutreten, müssen wir uns für eine grundlegend andere Energieversorgung für unseren Planeten entscheiden. Unser Ziel sollte kein geringeres sein als eine schrittweise Umgestaltung der Weltwirtschaft.

Und das ist kein Wunschtraum. Das sind keine Luftschlösser, und wir warten hier nicht auf Godot und darauf, dass er uns die Antwort präsentiert. Das geht nicht. Wir sind nicht in einer Situation, in der wir hoffen und beten müssen, dass ein kluger Mensch die Lösung findet. Nein – wir haben die Lösung schon. Das ist auch ein Grund, warum das so frustrierend ist. Die Antwort auf den Klimawandel heißt Energiepolitik. Natürlich werden wir noch lange Erdöl und Erdgas fördern. Das wissen wir. Aber selbst Länder, deren Wirtschaft zum großen Teil von der Erdölförderung abhängt, diversifizieren sich und stellen auf erneuerbaren Energien um. Die Vereinigten Staaten, die sich dafür einsetzen, sind heute übrigens der größte Erdgas- und Erdölproduzent der Welt.

Ein Beispiel für diese Umgestaltung ist Dubai, das sich kürzlich zur Gründung eines Fonds in Höhe von 27 Milliarden US-Dollar verpflichtet hat, um das Ziel der Emirate zu erreichen, bis 2030 auf allen Dächern Solarkollektoren anzubringen und ältere Gebäude zu sanieren, um sie energieeffizienter zu machen. Wir müssen sicherstellen, dass dieses Abkommen die energiepolitischen Entscheidungen fördert, die die Umgestaltungen ermöglichen, die wir brauchen, aber gleichzeitig auch die Fähigkeiten, Möglichkeiten und Bedürfnisse der verschiedenen Länder berücksichtigt.

Auch muss dieses Abkommen flexibel sein. Jedes Land der Welt hat seine eigenen Umstände, eine eigene Politik, eine eigene Wirtschaft und ihm eigene Fähigkeiten, die es zu berücksichtigen gilt. Das respektieren wir. Und diese Faktoren können sich natürlich von Jahr zu Jahr ändern. Deshalb ist Flexibilität für dieses Abkommen so wichtig, deshalb muss sie darin fest verankert sein.

Es wurde gelegentlich das Konzept der national festgelegten Ziele kritisiert. Aber ich möchte Ihnen eines sagen: An der Konferenz in Kyoto teilzunehmen, zu versuchen, das Kyoto-Protokoll durch den Senat der Vereinigten Staaten genehmigen zu lassen und damit zu scheitern, hat uns einiges gelehrt. Heute nehmen gerade deshalb so viele Länder an den Verhandlungen teil, weil ein Universalziel eben nicht funktioniert. Aus dem gleichen Grund haben fast alle Länder – bis auf zehn – eigene Ziele bekannt gegeben. Denn wir haben mit den Jahren gelernt, dass jedes Land auf Grundlage seiner eigenen Einschätzung und seiner eigenen Fähigkeiten aktiv werden muss, und dass diese sich mit der Zeit verändern.

Also werden nach dieser Konferenz in Paris alle tun, was sie können. Aber niemand wird gezwungen, mehr zu tun als möglich ist. Niemand sollte sich davon eingeschüchtert fühlen. Es gibt keine Strafe. Aber es muss eine gewisse Aufsicht geben.

Wir sitzen alle in einem Boot, als Partner. Und dank dieses grundlegenden Konzepts kann und wird dieses Abkommen funktionieren. Aber ich möchte betonen, dass das Recht auf national festgelegte Reduktionsziele nicht bedeutet, dass Länder, die dieses Abkommen unterzeichnen, mit geringen oder fast gar keinen Maßnahmen davonkommen können. Die Vereinigten Staaten unterstützen das Prinzip der gemeinsamen und dennoch verschiedenen Verantwortungen und Fähigkeiten, bei dem wir alle tun, was wir können, schon seit langer Zeit. Es ist nur gerecht, höhere Erwartungen an Industrieländer zu stellen und von allen anderen weniger Ehrgeiz und einfachere Maßnahmen zu erwarten. Das ist uns bewusst.

Aber um allen Bürgern der Welt gegenüber gerecht zu sein, muss das Abkommen sicherstellen, dass alle Länder eines gemeinsam haben: gemeinsame, aber differenzierte Verantwortungen. Wenn wir das Abkommen erreichen, das wir anstreben, wird dieses Abkommen voller Differenzierungen sein, weil jedes Land seinen eigenen Plan mitbringt. Das bedeutet Differenzierung. Aber wir müssen sicherstellen, dass der Fortschritt eines jeden Landes in dem gleichen transparenten System gemessen wird. Warum? Damit alle an den Erfahrungen der anderen teilhaben können. Damit die entwickelten, produzierten und eingesetzten Technologien und die erreichten Reduzierungen reproduziert werden können. Damit die Menschen auf diesen Erfahrungen aufbauen können. Das hilft uns, den besten und effektivsten Weg einzuschlagen.

Für die unterschiedlichen Ziele, die jeder von uns erreichen kann, können wir ebenfalls unterschiedliche Strategien anwenden. Das ist in Ordnung. Aber letztlich müssen wir uns gegenseitig rechenschaftspflichtig sein, ebenso wie auch gegenüber der nächsten und der darauf folgenden Generation. Das bedeutet, dass wir von jedem Land eine regelmäßige Berichterstattung darüber einfordern müssen, was unternommen und wie viel Fortschritt erzielt wurde. Nur so können wir die aktuelle Situation der Weltgemeinschaft ermessen und dem privaten und öffentlichen Sektor das Vertrauen geben, dass die von uns gemachten Versprechen auch umgesetzt werden und dass wir alle unser Wort halten. Was wir wirklich erwarten und was den Gipfel hier in Paris so bedeutend macht, ist nicht, dass wir mit dem Wissen abreisen werden, dass alles, was wir tun werden, das Zwei-Grad-Ziel erfüllt, sondern, dass wir ein außergewöhnliches Signal an die Wirtschaft senden: dass diese 186 Staaten wirklich entschlossen sind. Das wiederum hilft dem der Privatwirtschaft, Kapital dorthin zu bewegen, wo die Zukunft liegt, in Richtung Nachhaltigkeit. Deshalb brauchen wir ein starkes, rechtsverbindliches Transparenzsystem. Das ist unerlässlich.

Wir brauchen auch ein Abkommen, das Anpassung und Widerstandsfähigkeit fördert.

Wir wissen, dass es Länder gibt, für die der Klimawandel schon heute eine existenzielle Bedrohung darstellt. Für sie geht es nicht um Anhänge oder Spitzenjahre, sondern um Leben und Tod. Gestern habe ich mit führenden Politikern der kleinen Inselstaaten gesprochen, die sich zu Recht Sorgen machen, dass ihre Länder im Meer versinken werden. Tatsache ist, dass die meisten dieser Länder keine oder fast keine Mitschuld an dem Problem haben.

Jetzt müssen wir der Tatsache ins Auge sehen, dass unser kollektives Zögern bedeutet, dass einige Auswirkungen des Klimawandels sich nicht mehr vermeiden lassen. Das ist nicht meine Meinung, sondern ebenfalls wissenschaftlich belegt. Daher haben wir die moralische Verantwortung, uns anzupassen, uns auf diese Auswirkungen vorzubereiten und den am stärksten Betroffenen unter uns zu helfen, dasselbe zu tun.

Das bedeutet, wir müssen unsere Anstrengungen zur Mobilisierung von Finanzmitteln für den Klimaschutz verstärken, sowohl im öffentlichen, als auch im privaten Sektor. Natürlich müssen die größten Volkswirtschaften – darunter die Vereinigten Staaten – in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle übernehmen. Das sagt einem der gesunde Menschenverstand. Deshalb haben die Vereinigten Staaten 3 Milliarden US-Dollar für den Green Climate Fund zugesagt. Deshalb tragen die Vereinigten Staaten bereits über 2,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr zur Klimaschutz-Finanzierung bei, darunter mehr als 400 Millionen Dollar pro Jahr als Fördergelder für weltweite Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.

Wir wissen aber, dass noch mehr getan werden muss. Daher freue ich mich, heute anzukündigen, dass die Vereinigten Staaten ihre staatlichen Fördergelder für Investitionen in Anpassungsmaßnahmen bis 2020 verdoppeln werden. Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten. Wir werden die am stärksten betroffenen Nationen nicht einfach sich selbst überlassen.

Wir müssen unsere Zukunft schützen, bevor es zu spät ist. Ob wir das schaffen, hängt davon ab, ob wir alle, jedes einzelne Land, dazu bereit sind.

Wie ich bereits sagte, können Präsident Obama und ich die Ansichten vieler Entwicklungsländer hinsichtlich des Kohlendioxidausstoßes absolut nachvollziehen. Wir verstehen das.

Und ich kann Ihnen versichern: Kein Präsident in der Geschichte hat die Verantwortung der Vereinigten Staaten mehr gewürdigt als Barack Obama. Es gibt einen Grund dafür, dass dieses Thema ganz oben auf seiner Tagesordnung steht, wenn er sich mit führenden Vertretern der Länder trifft, die heute auch hier vertretenen sind. Er räumt diesem Thema höchste Priorität ein, spricht es in jedem Forum an, mit allen ihm und seiner Regierung zur Verfügung stehenden Mitteln.

Dank der von Präsident Obama eingeführten Maßnahmen stoßen die Vereinigten Staaten heute weniger Schadstoffe aus als in den vergangenen zwanzig Jahren. Unsere Autos werden bis 2025 mit einer Tankfüllung doppelt so weit fahren wie früher, wir haben die Produktion von Windenergie verdreifacht und die Produktion von Solarenergie verdreißigfacht. Die Vereinigten Staaten haben die Umweltverschmutzung durch Kohlendioxid deutlicher reduziert als jedes andere Land der Welt. Niemand sollte an unserer Entschlossenheit oder unserer Fähigkeit, unsere Ziele zu erreichen, zweifeln.

Aber wie ich schon so oft gesagt habe: Kein Land, nicht einmal die Vereinigten Staaten, die größte Volkswirtschaft der Welt kann dieses Problem allein lösen oder die Kosten allein schultern. Und das ist keine Floskel. Es ist einfach physisch unmöglich.

Es ist eine Tatsache, dass selbst, wenn jeder US-Bürger mit dem Rad zur Arbeit führe, Fahrgemeinschaften bildete, den gesamten Haushalt auf Solarenergie umstellte, selbst wenn jeder Einzelne ein Dutzend Bäume pflanzte und wir unsere Treibhausgasemissionen im Inland vollständig abschafften, das immer noch nicht reichen würde, um den Kohlendioxidausstoß der anderen Länder auszugleichen. Auch wenn alle Industrienationen ihre Emissionen auf null senkten, würde das nicht reichen, solange mehr als 65 Prozent der Kohlendioxidemissionen von Entwicklungsländern verursacht werden. Wir zeigen nicht mit dem Finger auf andere. Es geht hier nicht um Schuld. Das sind Verfahren, die mit der industriellen Revolution begonnen haben und die alle Länder übernommen haben, aber wir sind hier, um das zu ändern. Egal wie sehr sich die eine Hälfte der Welt um weniger Emissionen bemüht, solange die andere Hälfte es ihr nicht gleichtut, ist das für die Erde ein Problem.

Die Atmosphärenphysik ist eindeutig: Kohlendioxidemissionen sind Kohlendioxidemissionen und überall gleichermaßen schädlich: ob in Baltimore oder Peking, in Kalkutta oder Kapstadt.

Wir alle müssen künftig klüger handeln, und genau aus diesem Grund sind wir diese Woche nach Paris gekommen.

Das vergangene Jahr war außergewöhnlich. Es war spannend, weltweit das starke Engagement gegen den Klimawandel zu beobachten. 186 Länder, die mehr als 95 Prozent der weltweiten Emissionen ausmachen, haben eigene Reduktionsziele bekanntgegeben. Nur Länder wie Syrien, die von Krisen heimgesucht sind, Libyen, das keine Regierung hat, und Nordkorea fehlen. Auch die große Mehrheit der Entwicklungsländer hat sich diesen Bestrebungen angeschlossen. Dafür verdienen sie enorme Anerkennung. Aber jetzt müssen wir diese Ziele auch erfüllen.

Ich weiß, dass es zunächst schwierig erscheint, zu begründen, warum in saubere Energiequellen investiert werden soll, wenn das Wirtschaftswachstum ohnehin schon stagniert, Millionen, sogar Hunderte Millionen Menschen unter Armut leiden und Energiequellen wie Öl und Kohle günstiger und zumindest kurzfristig leichter verfügbar erscheinen.

Tatsache ist: Langfristig ist eine kohlenstoffintensive Energiewirtschaft eine der teuersten Investitionen, die eine Regierung tätigen kann.

Deshalb haben die Vereinigten Staaten jedwede staatliche Finanzierung bestimmter Kraftwerke mit hohem Kohlendioxidausstoß gestoppt, denn die Kosten für die Erzeugung von Energie auf Kohlenstoffbasis beinhalten weit mehr als nur die Kosten für den Bau und den Betrieb eines Kraftwerks. Und diese Kosten werden in keiner Bilanz aufgeführt. Genaue Kostenschätzungen müssten auch externe Effekte einbeziehen, wobei der Klimawandel die tatsächlichen Kosten mindestens verdoppelt oder verdreifacht. Das sind also nicht sechs Cent, sondern zwei- bis dreimal so viel.

Sie müssen beispielsweise den unvorstellbar hohen Preis der negativen Auswirkungen auf Landwirtschaft und Umwelt einbeziehen, die Kosten für Asthma- und Lungenemphysempatienten sowie Millionen Todesfälle, die auf Luftverschmutzung durch die Verwendung fossiler Brennstoffe zurückgeführt werden können. Sie müssen auch die Kosten des Wiederaufbaus infolge schwerer Stürme und Überschwemmungen berücksichtigen. Seit ich 2013 Außenminister wurde, mussten die Vereinigten Staaten infolge extremer Wetterereignisse 160 Milliarden US-Dollar ausgeben – 160 Milliarden in weniger als drei Jahren.

Das ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns alle erwartet: Instandhaltung der Infrastruktur angesichts steigender Meeresspiegel und stärkerer Stürme, Stromausfälle, geringere Produktivität wegen extremer Hitze – und die Liste ließe sich fortsetzen. All das und noch mehr muss zu den Kosten der langfristigen Abhängigkeit von kohlenstoffintensiven Energiequellen hinzugerechnet werden.

Kein Zweifel: Die Kosten für saubere Energiequellen sind heute wesentlich geringer und sinken weiter, sowohl verglichen mit den heutigen Alternativen, als auch in Anbetracht der späteren Folgen des Klimawandels

Aber ich verstehe, dass aus Sicht der Entwicklungsländer die Kosten nur ein Teil des Problems sind. Entwicklungsländer haben weder die Mittel und Fähigkeiten noch Zugang zu den gleichen Technologien wie andere Länder. Deshalb müssen die Wohlhabenderen unter uns dazu beitragen, Gelder zu mobilisieren, Fähigkeiten aufzubauen und kostengünstige Technologien verfügbar zu machen. Die Vereinigten Staaten werden das auch weiterhin verstärkt tun.

Als sich in Kopenhagen zahlreiche Länder verpflichteten, bis 2020 jährlich100 Milliarden US-Dollar bereitzustellen, war das ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Daran halten wir weiterhin entschlossen fest und machen auch gute Fortschritte.

Fakt ist allerdings, dass das nur ein Teil der Arbeit ist.

Was in der Privatwirtschaft passiert ist absolut außergewöhnlich. Es ist beeindruckend und von entscheidender Bedeutung. Weltweiten belaufen sich die von der Privatwirtschaft bereitgestellten Gelder für Klimaprojekte bereits jetzt – noch vor dem Abschluss eines Abkommens – auf rund 650 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Mehrere Banken haben weitere Milliarden zugesagt, die bei der passenden Gelegenheit fließen sollen. Die Citigroup sagte vor Kurzem mehr als 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für die nächsten zehn Jahre zu und verdoppelte damit ihr ursprünglich im Jahr 2007 gesetztes Versprechen. Die Bank of America sagte kürzlich zu, in den kommenden zehn Jahren 125 Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen, und verdreifachte damit die Summe, die sie erst vor wenigen Jahren zugesagt hatte. Goldman Sachs verpflichtete sich ebenfalls, in den kommenden zehn Jahren 100 Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen.

Um weitere Investitionen freizusetzen, arbeiten die Vereinigten Staaten mit der Weltbank und anderen multilateralen Institutionen zusammen, nutzen ihre gemeinsamen Kompetenzen und versuchen so, den Privatsektor dazu zu bewegen, den Markt für erneuerbare Energien von heute und morgen aufzubauen.

Wenn wir die richtigen Zeichen setzen, wenn wir die richtigen Entscheidungen treffen, wird der Privatsektor das auch tun. Warum? Weil saubere Energie nicht nur die Lösung für den Klimawandel ist. Sie bietet auch eine der größten wirtschaftlichen Chancen, die die Welt je gesehen hat: Bis 2035 wird der Bedarf an Investitionen in die Energiewirtschaft auf fast 50 Billionen US-Dollar steigen und ein Großteil davon wird in saubere Energie fließen. Denken Sie nur an die wirtschaftlichen Chancen, die dieser Wandel in allen Winkeln dieser Erde schaffen wird: Arbeitsplätze entstehen, Millionen Menschen werden aus der Armut befreit. Ein Markt, der heute vier oder fünf Milliarden Menschen umfasst, wird im Lauf der kommenden 30, 40 oder 50 Jahre auf neun Milliarden Menschen anwachsen.

Wirtschaftlich gesehen muss sich kein Land zwischen „schlecht“ und „noch schlechter“ entscheiden. Keineswegs.

Wenn wir hier in den Verhandlungen stecken, fühlt es sich vielleicht gelegentlich so an, als hätten sich die Dinge in den vergangenen 20 Jahren überhaupt nicht geändert, so wie in den Seifenopern, die ich vorhin erwähnte. Tatsächlich ist die saubere Energiewirtschaft von ganz allein mit atemberaubender Geschwindigkeit gewachsen, während wir darüber diskutiert haben, wie wir die Welt im Kampf gegen den Klimawandel vereinen können.

Denken Sie nur daran, dass Solarenergie heute 80 Prozent billiger ist als zur Zeit unserer Zusammenkunft in Kopenhagen zur COP15. Die installierte Leistung ist um mehr als 500 Prozent gestiegen.

Damals wurde noch infrage gestellt, ob erneuerbare Energiequellen angesichts der gegebenen Kapazitäts- und Übertragungsengpässe in Schwellenländern überhaupt genutzt werden könnten.

Aber auf den heutigen aufstrebenden Märkten ist umweltfreundliche Energie nicht nur möglich – sie ist die sicherste und sogar die günstigste Art und Weise, Gemeinden mit Strom zu versorgen.

Es gibt ja eine Reihe von Entwicklungsländern, die außergewöhnliche Rohstoffquellen besitzen. Das ist bekannt. Einige Länder liegen in der Nähe des Äquators und verfügen im Übermaß über einen Rohstoff, nach dem wir nicht erst graben müssen und der die Luft nicht verschmutzt: Sonnenlicht. In anderen Ländern treten insbesondere in den Küstenregionen regelmäßig starke Winde auf. Oder wieder andere, wie Kenia und Chile, befinden sich am Rand tektonischer Platten, sodass dort die Weiterentwicklung von Geothermie vielversprechend ist.

Einer neueren Studie zufolge wächst die saubere Energiewirtschaft in vielen Entwicklungsländern doppelt so schnell wie in wohlhabenderen Ländern, und das kann nur einen Grund haben: Erneuerbare Energien sind sinnvoll für Wirtschaft, Umwelt und Gesundheit.

Der Energiebereich verändert sich also bereits drastisch. Letztes Jahr im September rief Premierminister Modi die führenden Politiker weltweit zu einer Revolution im Bereich der umweltfreundlichen Energietechnologien auf. Wir haben seinen Aufruf erhört. Am ersten Tag unserer Zusammenkunft hier haben die Vereinigten Staaten, Frankreich, Indien und 17 weitere Länder Mission Innovation gestartet, das ehrgeizigste öffentlich-private Forschungs- und Entwicklungsprojekt aller Zeiten im Bereich sauberer Energiequellen. Unsere 20 Länder, die gemeinsam mehr als 80 Prozent der Forschung und Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien betreiben, haben sich verpflichtet, unsere Budgets für diesen Bereich in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln. Für die Vereinigten Staaten bedeutet das eine Erhöhung der Investitionen in Forschung und Entwicklung um über 5 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Unter der Führung von Bill Gates hat sich uns dabei eine Gruppe von 28 Investoren, allesamt Milliardäre, angeschlossen, die eine öffentlich-private Investitionsinitiative für gemeinsame Forschung und Entwicklung im Bereich sauberer Energiequellen schaffen wollen. Zusammen mit der zukunftsorientierten International Solar Alliance aus Indien, die am gleichen Tag angekündigt wurde, hat diese Initiative das Potenzial, technologische Durchbrüche zu schaffen, die den Fortschritt weiter antreiben werden.

Es ist wichtig, zu betonen, dass diese Initiativen nicht Teil des Abkommens sind. Sie wurden entwickelt, um unser hier erreichtes Abkommen zu ergänzen, wie auch immer dieses aussehen möge. Sie wurden entwickelt, um uns dazu zu motivieren, unsere Arbeit hier am Verhandlungstisch zum Abschluss zu bringen und so auch für die Märkte ein Zeichen zu setzen. Während wir das tun, müssen wir jede Gelegenheit nutzen, um weltweit Partnerschaften zur Verringerung von Emissionen und Erhöhung der Widerstandskraft zu schaffen. Stellen Sie sich nur vor, wie weit sich die saubere Energiewirtschaft im Verlauf der nächsten fünf, zehn oder zwanzig Jahre entwickeln kann. Um das zu begreifen, muss man sich nur anschauen, welchen Weg wir bereits zurückgelegt haben.

Lassen Sie mich Ihnen eine kurze Anekdote erzählen. Ich war eine Zeit lang Mitglied im Kommunikationsausschuss des Handelskomitees des Senats. 1996 haben wir das Telekommunikationsgesetz unseres Landes überarbeitet. Das war vor 20 Jahren. Das Internet war damals noch jung, aber niemand verschwendete auch nur einen Gedanken an das Thema Datenübertragung. Es ging immer nur um Telefonie. Und innerhalb von einem oder zwei Jahren war das ganze Gesetz hinfällig, veraltet. Die Dinge entwickeln sich so schnell weiter. Und mit wachsendem Fortschritt werden die Ziele der einzelnen Länder immer höher gesteckt werden.

Damit komme ich zum letzten Punkt, den ich im Hinblick auf unser globales Abkommen ansprechen möchte: Es muss ein dauerhaftes Abkommen sein. Das bedeutet, dass es mit der Zeit stärker werden muss. Wir sind nicht nach Paris gekommen, um eine Obergrenze zu definieren, die alles umfasst, was wir in der Zukunft zu tun hoffen; wir sind hierher gekommen, um ein Fundament zu schaffen, auf dem wir – alle gemeinsam – künftig aufbauen können und müssen.

Die Fortschritte, die wir bereits gemacht haben, sind einzigartig und ermutigend – insbesondere im Hinblick auf unsere angekündigten gemeinsamen Reduktionsziele oder INDC, wie die Abkürzung lautet. Aber sie allein werden nicht ausreichen. Zusammengenommen werden die von uns bekanntgegebenen Ziele einen deutlichen Knick in der Kurve der weltweiten Emissionen hervorrufen. Aber sie werden die Erwärmung nicht auf 2 Grad Celsius begrenzen können, die Wissenschaftlern zufolge nicht überschritten werden dürfen, wenn wir die schlimmsten Auswirkungen verhindern wollen. Wir müssen die Erwärmung so stark mindern wie nur möglich, sie wenn möglich sogar auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, und das fordern auch viele der Anwesenden hier.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass wir unsere Ziele im Auge behalten und dafür sorgen, dass diese so ehrgeizig sind wie nur möglich, dass wir erkennen, ob wir Fortschritte machen oder nicht, dass wir ein System zur Überprüfung unserer Ziele einrichten und sie nach und nach steigern, wenn das notwendig ist.

Angesichts der eben erwähnten rapiden technologischen Fortschritte können einzelne Länder ihre individuellen Kapazitäten innerhalb der nächsten fünf Jahre drastisch steigern. Und wir alle haben eine Verantwortung gegenüber unseren Familien, Freunden und den Bürgerinnen und Bürgern in allen Ländern als Weltbürger in jedem Winkel dieser Erde. Wir sind den nachfolgenden Generationen gegenüber dafür verantwortlich, nicht nur alles in unserer Macht stehende zu tun, sondern auch alle Möglichkeiten, die wir haben, zu kennen. Das bedeutet, dass wir regelmäßig überprüfen müssen, welche Fortschritte wir machen und welche Möglichkeiten wir ungenutzt lassen. Das bedeutet, unsere Ziele zu prüfen und in einigen Fällen zu stärken, um sicherzustellen, dass sie die technologischen Entwicklungen einkalkulieren, die es mit Sicherheit geben wird. Es bedeutet, noch lange nach dem Ende dieser Konferenz konzentriert weiterzumachen, und das gilt für uns alle. Alle, die zu der unvorstellbaren Dynamik beigetragen haben, die wir heute hier erleben, müssen diesen Prozess fortsetzen. Zu diesem Zweck werde ich weiterhin am Rande der UN-Vollversammlung die Außenminister einladen, wie ich das in den vergangenen zwei Jahren getan habe, um mit ihnen über die Fortschritte in unseren Ländern zu sprechen und zu überlegen, wo wir unsere Arbeit noch verbessern können.

Was hier in Paris geschieht, ist wichtig, daran besteht kein Zweifel, aber es ist nur ein erster Schritt. Das dürfen wir nie vergessen.

Wir können einen Weg finden, die Entschlossenheit aufzubringen, die nötig ist, um diese gemeinsame Bedrohung abzuwehren. Da bin ich zuversichtlich. Ich bin zuversichtlich, dass wir über die Diskussionen hinauswachsen können, die uns gebremst haben. Gemeinsam sind wir in der Lage, das ehrgeizige Abkommen zu erreichen, das wir so dringend brauchen.

Es gibt absolut keinen Grund, einen anderen Weg einzuschlagen.

Nehmen wir nur für einen kurzen Augenblick an – nur für einen kurzen Augenblick –, die Leugner des Klimawandels hätten recht. Nehmen wir einmal an, dass 97 Prozent der Studien fehlerhaft sind. Nehmen wir einmal an, dass Tausende Wissenschaftler, die unabhängige Gutachten herausgegeben haben, die Gefahren des Klimawandels falsch eingeschätzt haben. Nun stellen Sie sich die folgende Frage: Wenn wir uns entschließen, all die Dinge zu tun, von denen ich gerade gesprochen habe, was wäre das Schlimmste, das passieren könnte?

Wir würden Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen. Wir würden unsere Wirtschaft fördern, was in einigen Ländern, wo sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt hat, sowieso erforderlich wäre. Die Wirtschaft braucht das Kapital, das in Energieinvestitionen fließen würde. Unsere Bevölkerung, unsere Kinder wären gesünder. In den Vereinigten Staaten ist die Hauptursache für Krankenhausaufenthalte von Kindern im Sommer umweltbedingtes Asthma. Das kostet Milliarden von Dollar. Wir würden Milliarden Dollar an Kosten für die Gesundheitsfürsorge sparen, unsere gesellschaftliche, unsere globale Sicherheit wäre infolge dieser Maßnahmen besser und nachhaltiger. Sie wären ein riesiger Beitrag zur globalen Sicherheit. Das, meine Freunde, ist das Schlimmste, was uns passieren könnte, wenn wir diese Entscheidungen treffen.

Auf der anderen Seite – falls die Wissenschaftler recht haben und die Klimaskeptiker unrecht – stünden wir vor einer Katastrophe. So einfach ist das. Das sind die Wahlmöglichkeiten. Meine Freunde, hier in Paris haben wir eine sehr seltene Gelegenheit, die Welt tatsächlich zu verändern, das Leben von Millionen Menschen zu verbessern. In den nächsten Stunden müssen wir zusammenarbeiten wie nie zuvor, damit wir diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen. Wir müssen alles tun, was erforderlich ist, die schwierigen Gespräche führen, die geführt werden müssen, die Kompromisse eingehen, die eingegangen werden müssen, und der Welt das Abkommen geben, das sie verdient und fordert. Zwar muss jedes Land seine eigene Entscheidung treffen, aber bei der Entscheidung geht es nicht allein um das jeweilige Land. Es geht um uns alle und um die Zukunft unserer gemeinsamen Heimat.

Unsere Aufgabe ist klar. Unsere Zeit ist gekommen. Machen wir uns an die Arbeit. Vielen Dank.

Originaltext: Remarks on COP21 and Action Beyond Paris