Reaktion auf gefährliche Wirbelstürme: USA und EU tauschen Satellitendaten aus

Wassermassen, die nach Hurrikan Harvey aus dem Addicks Reservoir in der Nähe von Houston (Texas) abgelassen wurden.

Am 25. August, als sich Hurrikan Harvey Texas näherte, rief die US-Katastrophenschutzbehörde (Federal Emergency Management Agency – FEMA) ihre europäischen Partner mit einer dringenden Bitte an. Die FEMA wollte das Copernicus-Katastrophenmanagement Copernicus Emergency Management Service (EMS) aktivieren, ein Datenaustauschprogramm, das den US-Behörden eine genauere Überwachung der Auswirkungen des Sturms ermöglichen würde. Nachdem das US-Außenministerium sich mit der Europäischen Kommission abgestimmt hatte, konnte das Copernicus-System für die Küsten von Texas und Louisiana umgehend aktiviert werden, als sich abzeichnete, dass Harvey sich zum heftigsten Unwetter mit den stärksten Regenfällen entwickeln würde, die es auf dem Festland der Vereinigten Staaten je gab.

Tropensturm Harvey
Dieses Foto von Tropensturm Harvey nahm Astronaut Randy Bresnik am 28. August um 20.27 Uhr von der Internationalen Raumstation aus auf.(Foto: NASA/Randy Bresnik)

Nur 12 Tage später, am 6. September 2017, wurde im Vorfeld von Hurrikan Irma, der als Sturm der Kategorie 5 eingestuft war, erneut ein Anruf mit der Bitte um Aktivierung des EMS getätigt. Zusammen mit den Daten der US-Wettersatellitensysteme haben sich die einzigartigen EMS-Daten des Copernicus-Programms für den Versuch, vor Ort Leben und Eigentum zu schützen, als unverzichtbar erwiesen.

NASA GPM Irma
Der GPM-Erdbeobachtungssatellit hatte eine außergewöhnliche Sicht auf das Auge von Hurrikan Irma und registrierte im sogenannten Augenwall des Sturms der Kategorie 5 extreme Niederschläge. (Foto: (NASA/JAXA, Hal Pierce)

Das Copernicus-Katastrophenmanagement liefert in Echtzeit kostenlose Allwetter-Radarsatellitenbilder der betroffenen Gebiete für den Katastropheneinsatz der Behörden des Bundes, der Bundesstaaten und der Kommunen. Weil die Radarsensoren der Satelliten auch nachts „sehen“ können und von Wolken nicht beeinträchtigt werden, können sie überschwemmte Gebiete von trockenem Boden unterscheiden. Als Hurrikan Harvey Texas traf, konnten die Behörden laufend aktuelle satellitengestützte Karten vom Ausmaß der Überschwemmungen erstellen. In Kombination mit den US-Satellitendaten sind diese Karten entscheidende Werkzeuge für die Hilfsmaßnahmen der Rettungskräfte des Bundes, der Bundesstaaten und der Kommunen.

Dieser Austausch wichtiger Satellitendaten, der für die Vereinigten Staaten kostenlos ist, wird durch die Kooperationsvereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Kommission über Erdbeobachtungsdaten im Zusammenhang mit dem Copernicus-Programm (Cooperation Arrangement on Earth Observation Data Related to the Copernicus Program) ermöglicht. Diese Vereinbarung, die von der Abteilung für Meere und internationale Umwelt- und Wissenschaftsangelegenheiten des US-Außenministeriums ausgehandelt wurde, trat im Oktober 2015 in Kraft. Sie ist ein Beispiel für die transatlantische Zusammenarbeit, die unserer gemeinsamen Vorstellung von einer Politik des vollständigen, kostenlosen und offenen Austausches der Daten staatlicher Erdbeobachtungssatelliten entspricht, mit der wissenschaftliche Entdeckungen und Innovationen in der Anwendung zum Wohle der gesamten Gesellschaft gefördert werden sollen.

Originaltext: Eyes in the Sky and Diplomacy on the Ground: U.S.-EU Share Satellite Data in Response to Dangerous Hurricanes