Wie eine MTV-Serie erfolgreich über AIDS aufklärt

MTV begeistert Jugendliche und junge Erwachsene weltweit und beeinflusst nicht nur ihren Musikgeschmack. Dieser Artikel von Emily Louise Bowman über die positive Wirkung der MTV-Serie Shuga erschien am 25. Oktober 2017 auf ShareAmerica, einer Website des US-Außenministeriums.

Eine MTV-Dramaserie, die in Afrika läuft, greift das Thema HIV/AIDS so ansprechend auf, dass sie bei vielen Zuschauern eine Änderung riskanter Verhaltensmuster bewirkt hat. Mittlerweile werden sogar Spin-offs in anderen Regionen produziert, in denen es um für die jungen Menschen dort schwierige Themen geht.

MTV Shuga gleicht in mancherlei Hinsicht anderen Teenieserien, in denen es um die Höhen und Tiefen in den Beziehungen der jungen Darsteller geht. Aber in ihren leidenschaftlichen Auseinandersetzungen diskutieren die Protagonisten auch offenherzig über Themen wie HIV-Infektionen und AIDS-Tests.

Die Serie MTV Shuga, die von der MTV-eigenen Stiftung Staying Alive produziert wird, läuft seit 2009 und begleitet immer wieder andere junge Darsteller im Umgang mit alltäglichen Herausforderungen, zu denen auch die Gefahr der Ansteckung mit dem HI-Virus gehört. Die Serie hat schon in Johannesburg, Lagos (Nigeria) und Nairobi (Kenia) gespielt.

Die Serie hat eine ähnlich positive Wirkung wie eine gut gemachte Aufklärungskampagne, die Teenager dazu bewegt, ein verantwortungsvolleres Sexualverhalten an den Tag zu legen, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen.

Im Rahmen einer Studie der Weltbank wurde erforscht, welche Wirkung die Serie auf das Sexualverhalten der Zuschauer und ihre Bereitschaft hat, sich HIV-Tests zu unterziehen. Die Studie, an der 7.000 junge Erwachsene aus Nigeria teilnahmen, hat ergeben, dass sich Zuschauer der Serie nach sechs bis acht Monaten gesundheitsbewusster verhielten. Wenige Monate, nachdem sie Informationen über die nächstgelegenen Beratungsstellen erhalten hatten, ließen sich Forschern zufolge Studienteilnehmer, die die Serie gesehen hatten, doppelt so häufig auf HIV testen wie die Teilnehmer, die die Serie nicht gesehen hatten.

Laut Victor Orozco von der Weltbank, einem der Studienleiter, können die wenigsten Aufklärungskampagnen, die in Entwicklungsländern eine Verhaltensänderung in Bezug auf HIV-Infektionen bewirken sollen, solche Ergebnisse vorweisen. „Bei MTV weiß man, wie man sein Zielpublikum erreicht“, erklärt Orozco.

Staatliche Gesundheitsmaßnahmen konzentrieren sich meist auf Aufklärung und Therapie. Aber es kommt durchaus vor, dass Gefährdete das Gesundheitsrisiko kennen und sich trotzdem nicht schützen. Kampagnen wie MTV Shuga versuchen, eine Veränderung dieses Verhaltens zu bewirken.

Die Serie MTV Shuga nutzt sekundäre Komponenten, um das Publikum zu erreichen und ihre Botschaft zu vermitteln. Die Zuschauer können über Textnachrichten persönlich Kontakt aufnehmen, indem sie an Umfragen zu Entscheidungen der Darsteller teilnehmen. Über das Radio erreicht die Geschichte auch Regionen, in denen nur wenige Zugang zu Fernsehen haben. Darüber hinaus zeigt Staying Alive Partnern vor Ort, wie sie MTV Shuga für die Aufklärung der Zielgruppe nutzen können – Partner PEPFAR zufolge ist diese Komponente die erfolgreichste.

„Weil unsere Zuschauer MTV als ebenbürtig ansehen, können wir auf Augenhöhe über Themen sprechen, die normalerweise tabu wären“, sagt Georgia Arnold, Geschäftsführerin und Gründerin von Staying Alive. „Wir behandeln diese jungen Menschen wie wichtige Partner.“

MTV hofft, das Modell auf Ägypten und Indien ausweiten zu können. In den Spin-offs soll es um Tabuthemen gehen, die für die jeweiligen Länder relevant sind, wie beispielsweise weibliche Genitalverstümmelung und geschlechtsspezifische Gewalt. Geplanter Sendetermin für beide Länder ist 2020. In der Zwischenzeit, so Arnold, arbeitet ihr Team in Ägypten und Indien mit Jugendlichen zusammen, um mehr über die Themen zu erfahren, die im Handlungsverlauf der ersten Staffel eine Rolle spielen.

Originaltext: The positive power of an MTV teen drama