Wie man zum „außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika“ wird

Benjamin Franklin - erster Diplomat der Vereinigten Staaten. Abbildung: White House Historical Association

Als Vertreter der Vereinigten Staaten stehen sie an der Spitze der US-Botschaften und Konsulate weltweit – die Botschafter. Im folgenden ShareAmerica-Beitrag von Christopher Connell vom 20. Juli wird erklärt, wie diese würdevollen Ämter besetzt werden.

An der Spitze der US-Botschaften weltweit stehen Diplomaten, die den noblen Titel „außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika“ tragen.

Egal, ob jemand eine Laufbahn im auswärtigen Dienst, in Wirtschaft, Wissenschaft oder anderswo eingeschlagen hat, wer vom Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika vorgeschlagen wird, sein Land als Botschafter zu vertreten, wird mit einer einmaligen Aufgabe und Ehre ausgezeichnet.

Es ist keine Stellung, die der Präsident alleine vergeben darf.

Die US-Verfassung verleiht dem Senat das Recht, bei Nominierungen zu den höchsten Ämtern im Staat mitzuwirken und seine Zustimmung zu erteilen. Das bedeutet, dass eine Mehrheit im Senat die Auswahl des Präsidenten bestätigen muss.

Strenge Prüfung

Bevor ein Kandidat oder eine Kandidatin nominiert werden kann, prüft das Weiße Haus sorgfältig seine oder ihre Qualifikationen, Finanzen, Laufbahn und Privatleben.

Und das ist erst der Anfang.

Der Auswärtige Ausschuss des Senats unterzieht Kandidaten zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit und dann in einer öffentlichen Anhörung einer strengen Prüfung. Bei einem positiven Verlauf stimmt der Ausschuss der Nominierung zu und übergibt sie dem gesamten Senat zur Abstimmung.

Jeder Senator kann aber die Nominierung einer Einzelperson aufhalten. Das kann aus unterschiedlichen diplomatischen oder politischen Gründen auch ohne Bezug auf persönliche Qualifikationen erfolgen.  Das unterstreicht die Sorgfalt, mit der künftige Botschafter geprüft werden. Verzögerungen können frustrierend sein, sind aber ein Teil der gegenseitigen Kontrolle und gemeinsamen Verantwortung von Kongress und Regierung, die durch die verfassungsgemäße Gewaltenteilung festgelegt sind und verhindern sollen, dass entweder der Präsident oder die Regierung zu viel Macht ausüben können.

Sobald die Überprüfung durch den Senat abgeschlossen ist, erfolgt in der Regel eine zügige Bestätigung. Häufig erteilt der Senat die Genehmigung mehrerer Nominierungen vor Ende jeder Amtsperiode gleichzeitig.

Die meisten Botschafter steigen im Auswärtigen Dienst auf und waren im Zuge ihrer langen Laufbahn in den Vertretungen in unterschiedlichen Ländern tätig. Selbst wenn sie bereits in einem Land als Botschafter tätig waren, erfordert jede Nominierung eine erneute Bestätigung durch den Senat. US-Präsidenten nominieren auch Botschafter aus anderen Bereichen, darunter auch Kandidaten, die persönliche Kontakte zum Staatsoberhaupt haben.

In der Regel werden 70 Prozent der Botschafterposten von Berufsdiplomaten besetzt und 30 Prozent von Kandidaten, die aus politischen Gründen benannt wurden.

Viele angesehene Amerikaner hatten einen Botschafterposten inne. Kein Präsident der Vereinigten Staaten hat unter dem Titel „Botschafter“ gedient, ein Begriff, der erst seit 1893 verwendet wird. Vor 1893 waren aber sechs spätere US-Präsidenten als „Minister“ tätig, wie die Position des höchsten Vertreter der Vereinigten Staaten in einem anderen Land davor genannt wurde. Shirley Temple, einst Kinderstar in Hollywood, verfolgte eine lange Laufbahn im Auswärtigen Dienst. Die Höhepunkte ihrer diplomatischen Karriere waren die Botschafterposten in Ghana und der Tschechoslowakei. Der Ökonom John Kenneth Galbraith war unter Präsident John F. Kennedy Botschafter in Indien.

Jeder Botschafter hofft, in die Fußstapfen Benjamin Franklins zu treten, der als Minister in Frankreich oft auch als erster Diplomat des Landes bezeichnet wird. Als Thomas Jefferson, führender Verfasser der Unabhängigkeitserklärung und späterer Präsident der Vereinigten Staaten, im Jahr 1785 nach Frankreich kam, um Franklins Platz einzunehmen, fragte ihn der französische Außenminister: „Sie wollen also Dr. [Benjamin] Franklin ersetzen?“ Jefferson antwortete: „Ihn kann niemand ersetzen – ich bin nur sein Nachfolger.“

Originaltext: On becoming an ‘ambassador extraordinary and plenipotentiary’